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Biker 1x1 "Fahren+Stehen=Treffen"

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Biker 1x1 "Fahren+Stehen=Treffen" 
BeitragVerfasst am: 16. März 2007 08:21
Comet
Piratenkapitän
Anmeldedatum: 26.02.2007
Beiträge: 481
Fahren + Stehen = Treffen





Eigentlich müssen Motorradfahrer immerfort fahren, fahren, fahren. Das

hat zwei Gründe. Der erste ist ein fahrphysikalischer: Einem Motorrad,

das steht, fehlen die stabilisierenden Kreiselkräfte. Es fällt um. Der

zweite Grund ist ein thermischer: Die Abkühlung des Körpers durch den

Fahrtwind ist enorm und steigt im Quadrat der Geschwindigkeit. Man muß

sich warm anziehen. Folgerichtig ist ein stehender Motorradfahrer stets

viel zu warm angezogen. Aus der Not haben die Motorradfahrer eine

Philosophie gemacht: Der Weg ist das Ziel. Das Verbrennen fossiler

Brennstoffe ist ein Wert an sich, gestoppt wird nur zum Tanken.



Nun hat der Motorradfahrer aber auch noch andere Interessen: Er will,

daß man um seine Maschine herumsteht, über spezielle Federbeine spricht

und fragt, welcher TÜV den mordsmäßig lauten Krawalltüten seinen Segen

gegeben hat. Zur Befriedigung solcher Bedürfnisse wurden die

Motorradtreffen beziehungsweise "Treffs" erfunden.



Ein Motorradtreffen entsteht so: Jemand hängt in der Stadt Plakate auf

und schaltet Anzeigen in Motorradillustrierten, die besagen, daß es

jetzt endlich den Bremer Motorradtreff. Gebrauchtbörse, Tatoos,

Ledermoden, Benzin reden, Burnout-Show, Motorradkorso durch die

Innenstadt gebe. Schon versammeln sich am Sonntag auf einer

Industriebrache hundert Motorradfahrer, sogar aus Osterholz-Scharmbeck

und Sulingen, treten von einem Bein aufs andere und sind zu warm

angezogen. Ihre hochentwickelte Kommunikationsform heißt "Benzin reden"

(A: "Masse Japsenhobel hier." - B: "Die Reisschüsseln gehen einem

tierisch auf den Senkel." - A: "Na ja, Hauptsache Wetter stimmt.")



Ein Mann namens Grobi läßt derweil sein Hinterrad so lange durchdrehen,

bis alles Gummi am Asphalt klebt und der Reifen platzt. Das heißt

"Burnout", ist laut und stinkt und gilt als unverzichtbares Opferritual

bei Treffen. An Tapetentischen demonstrieren die Motorradfahrer ihr

unverkrampftes Verhältnis zum Tod, indem sie Totenköpfe zum Umhängen

oder Aufbügeln erstehen oder sich auf den Oberarm tätowieren lassen.

Mittags bricht man auf zum Korso durch die Innenstadt, 5000 dröhnende PS

- eine machtvolle Demonstration für irgendwas.



Wem ein Treffen als solches nicht reicht, der stellt es unter ein Motto.

Man unterscheidet Oldtimertreffs, Markentreffs, Treffs aus Anlaß einer

Motorsportveranstaltung und Betroffenentreffs. Das sind

problemorientierte Begegnungen von Minderheiten Stammtische für

Gespannfahrer (Gespann: eine Kreuzung von Auto und Motorrad, die alle

Nachteile beider Fortbewegungsmittel miteinander verbindet); Stammtisch

für alle Women on Wheels (mit Pannenkurs); Vater-und-Kind-Gruppe ("Der

kleinste Helm wo erhältlich?"); Treffen christlicher

Motorradfahrer/innen Heavens-Rider (im evangelischen Gemeindehaus,

Thema: Vorbereitung des nächsten Motorradfahrer-Gottesdienstes). Der

Gottesdienst ist übrigens ein erstaunlich beliebtes Treffen. Das Motto

heißt in der Regel: "Fahr nicht schneller, als dein Schutzengel fliegt!"



Der unangefochtene Treff-Klassiker aber ist das Elefantentreffen. Mitten

im Winter versammeln sich in einem schneesicheren Gebiet - zum Beispiel

am Nürburgring in der Eifel oder am Salzburgring - beinharte

Motorradfahrer bei Glühwein und Pichelsteiner Eintopf. Sie wohnen in

Zelten, verachten Sommerfahrer und singen Lieder. Da die Motorradkultur

menschheitsgeschichtlich gesehen noch jung ist, hat sie bisher kein

eigenes Liedgut entwickeln können. Zum Winterhimmel steigen aus hundert

Männerkehlen Weisen wie "Wir lagen vor Madagaskar". 1953 trafen sich die

ersten vier "Elefanten" (Synonym für das "elefantenstarke" Motorrad

Zündapp KS 601) in einem Privatgarten. 24 Jahre später waren es allein

in der Eifel 30 000, die 26 Schwerverletzte zurückließen und einen toten

Polizisten.



Seitdem haben sich die Elefantentreffen deutlich zivilisiert. Bei jedem

Treffen, das auf sich hält, gibt es einen Moment schönster und tiefster

Gefühle - die Gedenkminute. Die Motorradfahrer gedenken ihrer Toten. Es

ist Nacht. Fackeln sind ausgegeben. Eine Liste wird verlesen: Harry in

der algerischen Wüste . . . Mike auf der B 75 . . . Betroffenheit, ja

Tränen findet man dann in harten Gesichtern.











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Mit freundlichen Grüßen





Comet
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