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Biker 1x1 "Frauen in Angst"

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Biker 1x1 "Frauen in Angst" 
BeitragVerfasst am: 15. März 2007 16:23
Comet
Piratenkapitän
Anmeldedatum: 26.02.2007
Beiträge: 481
Frauen in Angst





Es gibt Männer, die stricken Mützen und wechseln ihren Kindern die

Windeln. Es gibt Frauen, die fahren Motorrad. Am 1. Juli 1995, so die

aktuellste Zahl des Kraftfahrt-Bundesamtes, gab es in Deutschland 303

835 Kraftradhalterinnen. Sie halten dreizehn Prozent des

Gesamtbestandes. Also müßte statistisch auf jedem achten Motorrad, das

an uns vorbeidonnert, eine Frau sitzen. Tatsächlich sitzt da eine Frau,

aber hinten. In Wahrheit sind Motorradfahrerinnen im Straßenbild eine

rare Ausnahme. Außer bei Frauen-Motorradtreffen und neulich im Odenwald.



Neulich im Odenwald, am Ende einer Schotterstraße mit sehr engen

Spitzkehren, in einem Heim der Naturfreunde, hatten sich elf

Motorradfahrerinnen um eine Fahrlehrerin und eine Psychologin geschart.

Hier ereignete sich das (wahrscheinlich weltweit) erste

Anti-Streß-Motorradtraining für Frauen. Um gleich die Dimension der Not,

die die Frauen in dieses Seminar trieb, zu verdeutlichen: Ein Mann hatte

seine Freundin mit dem Auto gebracht. Ihr Motorrad stand auf dem

Anhänger.



Elf Frauen zogen ihre Lederstiefel aus, legten sich auf den Boden,

hörten lateinamerikanische Musik und versuchten, sich fallenzulassen.

Als das geschafft war, durften sie über ihre Ängste reden. Die Ängste

der Frauen beim Motorradfahren! Was da zusammenkam, würde einem Mann den

Kommentar entlocken: Die haben Angst vor dem Motorradfahren selbst.

Warum nur tun sie sich das überhaupt an? Wohlan: Fragen wir Elke.



Die Anti-Streß-Motorradtrainerin Elke Radewald ist Speditionskauffrau,

Diplompsychologin und natürlich Motorradfahrerin. Natürlich? Natürlich

wurde sie von ihrem Freund überredet, den Führerschein zu machen. Am

ersten Tag hat sie ihr Motorrad dreimal umgeworfen. Statt an einer engen

Stelle das Motorrad zu wenden, fuhr sie lieber drei Kilometer Umweg. Als

sie mal über eine steile Rampe auf eine Fähre mußte, war die ganze

Überfahrt versaut, weil sie nicht wußte, wie sie da wieder runterkommen

würde. Da erinnerte sie sich an ihre Psychologie. "Ich habe mit mir

gearbeitet. Ich habe visualisiert, wie es klappen könnte, statt mir

vorzustellen, wie es schiefgeht. Ich habe schwer gearbeitet. Dann habe

ich es gemacht." Sie ist einfach runtergefahren. Die anderen

Motorradfahrerinnen an Bord ließen sich ihre Motorräder von Männern an

Land fahren. Da war die Idee geboren: Ein Anti-Streß-Motorradtraining

für Frauen muß her, jawoll!



Ach, der Odenwald. Seine Spitzkehren. Frauen und Spitzkehren. Die erste

Spitzkehre nach dem mentalen Training, und es machte rums. Eine Frau war

gestürzt. "Ich weiß gar nicht, wieso: Immer wenn ich anhalte, falle ich

um." Kurze Besinnung, Anhalten in Zeitlupe - aha! Sie bremst nur mit der

Vorderbremse, das Rad blockiert, die Maschine kippt um. Eine Kleinigkeit

eigentlich. Da macht es schon wieder rums. Die nächste liegt auf dem

Asphalt.



Was finden Frauen am Motorradfahren schön? "Ich gucke mich gern in der

schönen Gegend um", sagt Elke. Männer interessieren sich weniger für die

schöne Gegend, insbesondere, wenn sie aus Bäumen besteht, die den Blick

auf den Verlauf der Spitzkehren verstellen. Männer lieben Spitzkehren.

Wegen der Grenzerfahrung. Die Frauen fahren abends nicht mehr ins

Gasthaus zum Essen und schieben lieber Kohldampf. Wegen der Spitzkehren.



"Focusing" heißt Elkes Methode. Ihre Grundannahme ist optimistisch: Wir

wissen tief in uns drinnen schon, was richtig wäre und gut für uns ist.

Man muß nur tief genug nachschauen. Was befürchtest du? Hast du eine

Idee, wie es gehen könnte? Was brauchst du? Fleißiges Focusing findet

einen Weg, wie man ohne Blamage sein Motorrad vor den Augen anderer

Motorradfahrer abstellt oder gar aufbockt, für Frauen eine Streßlage

sondergleichen. Einmal ist Elke vor lauter interessierten Männern

("Jetzt müssen die Weiber auch noch Motorrad fahren") gestartet. Leider

steckte das Schloß noch in den Speichen. Elke hat es mental überlebt,

aber sie ist ja auch psychologisch geschult.



Die Psychologin hat jetzt eine Hotline eingerichtet. Motorradfahrerinnen

in Not dürfen 0621/85 88 27 anrufen. Im nächsten Jahr gibt es das

nächste Seminar. Es gibt kein Seminar für Männer, die ihre Frauen zu den

Seminaren karren.



Ach ja, Elke sagt von sich: "Ich bin ein ganz großer Pausenfan." Wenn

man die Pause als das Gegenteil von Motorradfahren definiert, verbirgt

sich hier womöglich die Antwort auf die Frage, warum man auf der Straße

so selten Motorradfahrerinnen sieht.











Nächster Artikel: Fahren + Stehen = Treffen







Mit freundlichen Grüßen





Comet
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