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Biker 1x1 "Über den Nachwuchs"

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Biker 1x1 "Über den Nachwuchs" 
BeitragVerfasst am: 19. März 2007 15:59
Comet
Piratenkapitän
Anmeldedatum: 26.02.2007
Beiträge: 481
Über den Nachwuchs





Wer ist der größte Feind des Motorradfahrers? Die Ölspur? Der Sheriff

mit dem Lärmmeßgerät? Nein: der Nachwuchs. Und was verbirgt sich hinter

Kleinanzeigen wie dieser, die man regelmäßig in Motorradmagazinen

findet: Aufgabe wg. Nachwuchs. Verkaufe bildschöne, sauschnelle Yamaha

und so weiter . . .? Schicksale verbergen sich dahinter!



Klaus-Dieter war zeitlebens Motorradfahrer, immer im Leder, immer Öl

unter den Nägeln, Ducati, was sonst. Und nun ist er plötzlich Vater.

Vater sein aber heißt: Dose fahren. "Dosen" sind Autos, die von

Motorradfahrern gehaßt werden, also alle Autos. Gestern noch mit der

Ducati in den Dolomiten, heute mit dem Kleinwagen beim Kinderarzt. Mit

Mutti und Baby zu Oma und Opa oder Ikea. Im Stau stehen wie jeder

Spießer. Keine Luft kriegen in der Dose.



Klaus-Dieter wird immer trauriger. Welkt dahin. Meldet das Motorrad ab.

Gibt die Anzeige auf. Kinder und Motorrad - das geht eben nicht, schon

wegen der Nachbarn. "Rabenvater!" zetern sie, "Barbar!" Steht doch der

Motorradfahrer ohnehin latent im Verdacht, nicht besonders an seinem

Leben zu hängen. Und dann noch Kinder mitnehmen - undenkbar! Nicht

einmal das umfangreiche Regelwerk der Straßenverkehrsordnung erfaßt

diesen Fall. Wer es schafft, einem Säugling einen Helm aufzusetzen, darf

ihn als Sozius mitnehmen; man muß nur auf die Pampers verzichten, damit

der Kleine an die Fußrasten reicht.



Ernie ist einer der letzten wirklich Geächteten in unserer Gesellschaft.

Ernie ist Vater geworden und Motorradfahrer geblieben. Das Baby war noch

nicht standesamtlich erfaßt, da gab es schon die ersten Photos: Papa mit

Sascha auf Suzuki. Das Kind war noch nicht abgestillt, da ging es, auf

dem Tank, zwischen Papas Beine geklemmt, in die Feldmark. Als Sascha

zwei war, hatte Ernie die Erstausstattung zusammen: Lederkombi XXS,

speziell aufgepolsterter Helm für Zwerge, Motorrad-Kindersitz mit

Fußschlaufen. Mit drei war Sascha zum ersten Mal auf dem Biker &

Kids-Treffen bei Diepholz.



Als dann Susi kam, kaufte Ernie sich ein Gespann. Ein Gespann ist ein

aus fahrphysikalischen Gründen kaum beherrschbarer

Nachkriegsanachronismus, kostet soviel wie eine gute Mittelklassedose

und ist die Antwort auf folgende Fragen: Was tun, wenn Mutti mitwill?

Oder der Säugling mitsoll? Wenn noch mehr Nachwuchs kommt? Ernie

installierte im Beiwagen Dosen-Kindersitze, eine Heizung und eine

Stereoanlage für die Pumuckl-Kassetten. Zum Zwecke der Unterhaltung

verband Ernie alle Helme mit einer Kommunikationsanlage. Leider verließ

Sabrina Ernie noch vor dem ersten Gespannausflug. Die Kinder nahm sie

mit.



Die Sonne scheint, die Luft ist lau. Mutti ist mit einer Freundin

einkaufen. Das sind ideale Voraussetzungen für einen kleinen

Selbstversuch. Söhnchen ist sechs - wagen wir einen ersten gemeinsamen

Ausritt in den Geltungsbereich der StVO! Der Kleine zwängt sich ins

Leihleder und verschwindet unterm Leihhelm (Größe Junior). Wir

vereinbaren ein Zeichen: Dreimal Papa hauen heißt anhalten. Und los

geht's. Söhnchen entdeckt Papas Gesicht im Rückspiegel und winkt

begeistert. Nach fünfzig Metern kriegt Papa drei Schläge in die Nieren.

Da vorn steht Nicki. "Huhu, Nicki!"



Mit Kindern Motorrad fahren heißt: anhalten können. Wegen Nicki, wegen

Rehen am Waldrand, wegen einer Übung der Freiwilligen Feuerwehr, wegen

Fanta. Das Kind sieht auf dem Motorrad viel mehr als in der Dose und

will seine Eindrücke sogleich mitteilen. Das geht aber nicht im

Fahrtwind. Außerdem will das Kind immerfort zappeln. Hampeln. Hoppeln.

Dabei soll es sich festhalten. Manche Motorradfahrer zurren ihr Kind mit

Spanngurten aus dem Landhandel an sich fest, was etwas unglücklich

wirkt.



Nach dreißig Kilometern ist die Premiere vorbei. Papa ist stolz. Mutti

grämt sich; sie hat schon mit den Nachbarn gesprochen. Söhnchen wirkt

erstaunlich indifferent und geht Fußball spielen. Den Wunsch, auf dem

Motorrad mitzufahren, hat es seitdem nicht mehr geäußert. Söhnchen

wünscht sich neuerdings zum Geburtstag eine Kinderdose mit Benzinmotor.









Mit freundlichen Grüßen





Comet
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