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Versicherungsvertreter berät die eigenen Kunden falsch

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Versicherungsvertreter berät die eigenen Kunden falsch 
BeitragVerfasst am: 17. Mai 2007 17:15
Andreas
Neptun
Anmeldedatum: 24.02.2007
Beiträge: 1268
Wohnort: Haus mit Garten
Ich habe mir diese Woche mal wieder ernsthaft darüber Gedanken gemacht, ob man eigentlich noch Versicherungsvertreter braucht.



Ich persönlich bin kein Freund der Direktversicherer, sondern lasse mich lieber umfassend beraten und zahle dann auch gerne ein paar Euro mehr, wenn man bei einer Direktversicherung überhaupt ein Einsparpotential hat. Das ist nicht nur bei Versicherungen so, sondern auch im normalen Geschäftsverkehr.



Diese Woche, die bisher erst drei offizielle Arbeitstage hatte (weil ja Vatertag ist Very Happy ), habe ich



a) einen Auftrag für ein Schadengutachten nicht erhalten,

b) einen Auftrag stornieren müssen und

c) einen Auftrag nur durch "Kampf und Einsatz" des Abschleppers (der nicht mal was davon hat, weil die Kiste gar keinen Restwert mehr hat [Corsa A, mehrfacher Überschlag, 200.000 km]) erhalten.



In allen drei Fällen haben Versicherungsvertreter dafür gesorgt, dass sich die Geschädigten gegen den freien SV entschieden haben bzw. entscheiden wollten.



Aussage in allen drei Fällen: "Da rufen wir jetzt erstmal bei der Versicherung vom Schädiger an und sagen, dass die einen Sachverständigen durchschicken sollen."



Im Fall (a) habe ich kein Mitleid, da handelt es sich um einen "Oberschlauen" mit seinem Polo 86C, der noch in der 130%-Grenze wäre, aber nun mit Sicherheit Totalschaden ist, der ist bei seinem Allianz-Vertreter gewesen.



Dieser Allianz-Vertreter erhält in den nächsten Tagen eine Abmahnung, wenn mir der Geschädigte die versprochene schriftliche Zusammenfassung des Gespräches zuschickt. Wenn sie denn kommt...





Im Fall (b) handelt es sich um einen 73-jährigen Mann, der ebenfalls bei der Allianz versichert ist und der nun seinen Peugeot 205 wegwerfen darf. Der Mann tut mir eigentlich Leid, weil der nun statt 850,- noch 250,- erhält, aber einen Rechtstreit nicht führen möchte, wegen seiner Herzerkrankung.



Diesem Mann habe ich gestern Abend noch ein Schreiben an seinen Vertreter aufgesetzt, in dem er ihn auffordert den entstandenen Schaden auszugleichen. Der Vertreter erhält in jedem Fall eine Abmahnung.





Im Fall (c) geht es um nicht einmal so wild ums Auto, sondern um das Schmerzensgeld des Fahrers. Ich war bei dem Abschlepper für ein anderes Gutachten gestern Abend und da war die Frau des Verunglückten, der mit mehreren Brüchen im Krankenhaus liegt. Spätfolgen nicht ausschließbar. Der AXA-Vertreter der Frau hielt es nicht einmal für nötig auf eine anwaltliche Vertretung auf Grund des Schmerzensgeldes hinzuweisen. Die Frau geht jetzt durch ein halbstündiges Gespräch mit mir (und freundlicher Unterstützung des Abschleppers) zum Anwalt und ich durfte das Schadengutachten machen.



Der Versicherungsvertreter bekommt von mir jetzt eine Rechnung, die aber nichts mit diesem Fall zu tun hat. Er war noch vor zwei Wochen wegen eines technischen Rates bei mir. Ich habe ihm doch tatsächlich eine Stunde lang sein Fahrzeug untersucht, festgestellt woher das Geräusch kommt und für ihn beim Händler angerufen, von dem er das Auto hat, sodass er jetz auf Gewährleistung seine Karre repariert bekommen hat. Davon abgesehen, dass da nicht einmal die Frage kam, wieviel er denn schuldig sei, sagte er mir, er würde sich revanchieren, wenn mal einer seiner Kunden einen Fahrzeugschaden hätten... Aha, wenn so das sich revanchieren aussieht, dann bekommt er eine Rechnung, oder habe ich etwa gesagt, dass ich umsonst arbeite?





Fazit nach drei Arbeitstagen:



Eklatante Fehl- und Falschberatung durch den Versicherungsvertreter des Vertrauens. Falschberatung, die viel Geld gekostet hat oder hätte und zumindest zwei verärgerte Kunden. Wieso brauche ich denn dann noch einen Versicherungsvertreter, wenn der mich bzw. seine Kunden sowieso hinters Licht führt (verarschen will ich nicht sagen)?



Besonders die Ahnungslosigkeit des 73-jährigen auszunutzen und diesen zu bequatschen, halte ich für ein starkes Stück.



Vielleicht sollten die Herren Versicherungsvertreter mal überlegen, durch wen sie tatsächlich Geld verdienen. Nur wenn die Kunden ihre Verträge behalten bzw. neu abschließen, wird Geld verdient...

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Grüße

Andreas
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BeitragVerfasst am: 17. Mai 2007 17:40
Slightly
Piratenkapitän
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Beiträge: 559
Wohnort: gerädertem Schiff
Hallo Andreas,



das ist mittlerweile Tagesgeschäft. Hier bei mir kann ich das im Schnitt 2 Mal die Woche feststellen. Ich habe es mir abgewöhnt mich aufzuregen, schadet nur meinem Herz und meiner eigentlich guten Laune.



Letzte Woche habe ich auch erst einen Versicherungsfutzi zusammengefaltet, weil er einem seiner Kunden davon abgeraten hatte einen Anwalt und freien SV einzuschalten. Der Geschädigte kam nach der mangelhaften Instandsetzung zu mir und erklärte mir alles. Allerdings steht er nicht zu dem was er mir sagte, will keinen Stress mit seinem Falschberater haben: Evil or Very Mad . So sieht es in 99% der Fälle leider aus, erst wenn es richtig an den eigenen Geldbeutel der Geschädigten geht, schwenken sie um. Aber meist ist es dann so das es nur durch einen langwierigen Prozess entschieden werden kann und da kneifen wieder die Meisten.



Hier hilft eigentlich nur Aufklärung im Vorfeld. Örtliche Zeitung und ähnliches. Die Mundpropaganda ist eben nur ein zu geringer Anteil der Aufklärung. Infomaterial, dass ich mit der Kundenkopie des Gutachtens an diesen schicke, landet fast immer in der Rundablage und selbst wenn du es den Kunden bei der Besichtigung persönlich übergibst, bekommst du nur zur Antwort: „ich schaue später mal drauf!“

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Viele Versicherer wären bessere Schadenregulierer, wenn sie darauf verzichten würden, aus den Sachverständigen *bessere* machen zu wollen.
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BeitragVerfasst am: 17. Mai 2007 17:53
kama52
Piratenkapitän
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Wohnort: neben Sutra
Denke, hier wäre ein geeigneter "Werkstattflyer" mit eben diesen Info´s und Aufklärung angebracht. Die meisten Werkstätten beharren leider nicht auf genügend Aufklärung, da Ihnen meisst Klüngelei mit SV vorgeworfen wird (zum Teil auch vom Versicherungsvetreter, schon oft zu Ohren bekommen).



Ich kenne kaum eine Werkstatt, die dieses nicht befürworten würde. Liegt auch in Ihrem Interesse.

Die Schwierigkeit besteht darin, dieses Infoblatt so zu gestalten, dass es rechtlich legitim ist.



Für meine Begriffe eine Herausforderung für unfall.net Wink

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Anticheater und unabhängiger SV
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BeitragVerfasst am: 17. Mai 2007 17:58
Slightly
Piratenkapitän
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Beiträge: 559
Wohnort: gerädertem Schiff
Die Idee ist ganz gut, nur erreichst Du damit nicht die Leute, die zuvor auf diese Falschberater reingefallen sind.

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BeitragVerfasst am: 17. Mai 2007 18:20
kama52
Piratenkapitän
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Beiträge: 288
Wohnort: neben Sutra
Der nächste Schritt könnte sein, mit Werkstätten zusammen Info-Briefe zu versenden. Jedenfalls so, dass der Datenschutz gewahrt bleibt.



Je mehr Kunden erreicht werden und der persönliche Zusammenhang zur "Hauswerkstatt" als Grundlage gegeben ist, um so mehr Unterhalten sich die Leute viell. bei Essen darüber.



Solche Anzeigen in Tageszeitungen und "Wegwerfflyer" haben im Raum Berlin z.B. keinen guten Ansatz, da diese schon zugebombt werden.



"Der Kreis des Vetrauens" Wink sollte da der beste Hebel sein und damit wäre schon der erste Denkansatz gewegt. Bei den meisten jedenfalls ^^

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Anticheater und unabhängiger SV
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BeitragVerfasst am: 17. Mai 2007 18:45
Andreas
Neptun
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Beiträge: 1268
Wohnort: Haus mit Garten
Wir haben im wesentlichen zwei Ansätze:



Die Kunden, die zu uns zur HU, AU an die Prüfstelle kommen, bekommen ihre U-Berichte in einen Hefter geheftet, in dem auch ein Merkblatt "Was tun bei einem Unfall" drin ist. Dadurch haben wir tatsächlich schon den ein und anderen Kunden mit Schaden-GA bekommen.



Ein zweiter Punkt ist der, dass im Gespräch mit Kunden auf die Problematik der "befangenen" Versicherungsvertreter hingewiesen wird ("Testen Sie ihn doch mal selbst...") und durchaus aktiv die empfohlen werden, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie den Kunden richtig beraten. Das sind bei uns leider nur drei... Crying or Very sad



Wir haben auch mal Info-Schreiben an die Kunden rausgeschickt, die bei uns HU, AU haben machen lassen und schonmal Kunde im Bereich Schäden/Bewertung waren. Das waren so um die 3000 Briefe, weil wir nur die ausgewählt haben, die in einem bestimmten PLZ-Bereich waren und erst kürzlich bei uns waren. Resonanz leider Null, weil zu viel Werbung kommt.



Zur Zeit überlegen wir, ob wir nicht bei Vereinen mal Info-Veranstaltungen zusammen mit einem Anwalt machen, zu dem Thema "Schadenmanagement". Wenn man das den Vorsitzenden schmackhaft macht (Sie haben doch wohl kein Geld zu verschenken...), dann wäre das zumindest mal eine Insellösung.



Leider hält sowas aber immer nur ein paar Wochen vor, dann ist das meistens schon wieder in Vergessenheit geraten. Crying or Very sad

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Grüße

Andreas
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