Reisen mit MeinFernbus.de – ein „Schnäppchen“ oder doch nur eine „Mogelpackung“?

Passend zur Ferienreisezeit ein kleine Episode „außer der Reihe“ zum Thema Busreisen zum Spartarif bei der Firma MFB MeinFernbus GmbH.
Was hat Captain HUK mit Busreisen zu tun, wird sich der eine oder andere fragen? Eigentlich nicht viel – aber dennoch eine ganze Menge. Wohin die Billigprämien der Versicherer geführt haben, kann man täglich bei Captain HUK nachlesen. Schlechte Leistungen, Leistungsverweigerungen, Schadensmanagement, gerichtliche Auseinandersetzungen usw. sind alles Folgen der Schnäppchenjägermentalität, die sich in den letzten Jahren in das Gehirn der Deutschen „gefressen“ hat.

Genau auf dieser Basis funktioniert zur Zeit auch das Reiseverhalten vieler Deutscher Bürger. Wo gibt es die billigste Beförderung von A nach B? Dies gilt für Flugreisen genauso wie für Bahn-/Busreisen. Der eine oder andere wird sich sicher schon gefragt haben, wie es sein kann, dass man Busreisen für einen Bruchteil der Bahnbeförderungskosten bekommen kann?
Hier haben wir nun einen beispielhaften Fall, der etwas Licht ins Dunkel bringt und zeigt, wohin die Sparpolitik führt und der „Sparer“ am Ende oft draufzahlt – genau wie bei den Versicherungsleistungen:

Frau K., wohnhaft in Karlsruhe, hatte sich in einer Essener Spezialklinik an den Nebennieren und der Schilddrüse operieren lassen. Bereits 3 Tage nach der Operation konnte Sie das Krankenhaus verlassen (Respekt!) und hat sich – aus Kostengründen – für die (6-stündige) Heimreise mit dem grünen Bus von MeinFernbus entschieden.

Die Heimreise begann am Samstag, den 09.08.2014 um 16:00 am Hauptbahnhof in Essen. Das Reisegepäck (2 Gepäckstücke) wurde im Gepäckraum (Außenstauraum) des Reisebusses untergebracht.
Gegen 18:00 Uhr erhielt die Tochter von Frau K. in Karlsruhe einen Anruf von einer Frau S. . Diese teilte mit, dass sie in Köln eine Tasche gefunden habe, die offensichtlich Frau K. gehöre. In der Tasche befand sich der Diabetikerausweis von Frau K. sowie die Diabetiker-Ausrüstung einschl. diverser Medikamente usw.. Frau S. (wohnhaft in Kierspe – Tagesgast in Köln) teilte mit, dass sie die Tasche auf einem Abfalleimer am Rheinufer gegenüber der Oper in Köln gefunden habe. Sämtliche Reisverschlüsse seien geöffnet gewesen. Sie würde die Tasche (freundlicherweise) per Post zusenden.

Nachdem Frau K. den Bus zu keiner Zeit verlassen hatte, wurde die Tasche offensichtlich bei der Haltestelle am Hauptbahnhof Köln aus dem Gepäckraum des Busses gestohlen und nach Durchsuchung auf dem Abfalleimer gegenüber der Kölner Oper „entsorgt“.

Dazu muss man wissen (was Frau K. bisher nicht wusste), dass sich bei MeinFernbus der Busfahrer nicht um die Reisegepäckstücke kümmert! Jeder Fahrgast kann beim Aussteigen irgendwelche Koffer oder Taschen aus dem außenliegenden Gepäckfach entnehmen und sich den jeweiligen Inhalt (nach Lust und Laune) aneignen.

Die überforderte Tochter von Frau K. informierte daraufhin die Schwester von Frau K., die das Weitere dann übernahm. Frau F. nahm telefonischen Kontakt auf mit MeinFernbus (14 ct. / Minute!) und schilderte den Vorfall nebst Dringlichkeit der Taschenbeschaffung (Diabetikerproblematik + Medikamentierung). Bei postalischer Beschaffung würde die Tasche frühestens am 12.08.2014 in Karlsruhe eintreffen. Frau F. schlug vor, die Tasche mit dem nächstmöglichen Fernbus von Köln nach Karlsruhe zu befördern. Mit dem Bus um 00:10 wäre die Tasche dann am 10.08.2014 um 04:35 in Karlsruhe eingetroffen. Der Transport der Tasche von Frau S. nach Köln sollte per Taxi erfolgen. Ebenso die Anlieferung der Tasche zu Frau K. in Karlsruhe.

Bei MeinFernbus fühlte man sich jedoch in keiner Weise zuständig und verwies auf die AGB, nach denen jeder Fahrgast selbst für sein Gepäck verantwortlich sei. Nach Ansicht von Mein Fernbus also auch für das Reisegepäck, das im Außenstaufach des Busses in die Obhut von MeinFernbus übergegangen sei. Man sei allenfalls bereit, das gegenständliche Gepäckstück vom Hbf in Köln zum Hbf in Karlsruhe zu befördern (was ja MeinFernbus keinen Cent kostet). Der Rest sei Sache des Fahrgastes. Nach Auffassung von MeinFernbus solle die Finderin, Frau S., in der Nacht von Kierspe nach Köln fahren (einfach ca. 65 Kilometer) und das Gepäckstück um 00:10 am Hauptbahnhof in Köln anliefern. Frau K. wiederum solle um 04:35 am Hauptbahnhof Karlsruhe  das Gepäckstück entgegen nehmen. Mehrmalige Telefonate bis 20:00 führten zu keinem Ergebnis. Schließlich beendete MeinFernbus den Dialog durch Auflegen des Telefonhörers.

Um 22:00 wurde der Vorfall nebst Dringlichkeit noch einmal per E-Mail und Telefax an die Fa. MeinFernbus übermittelt. Seitens der Fa. MFB MeinFernbus GmbH erfolgte bis heute (12.08.2014) jedoch keinerlei Reaktion.

Der Busfahrer wurde übrigens auch über den Diebstahl in Köln informiert. Dieser bestätigte, dass es schon des öfteren zum Diebstahl von Reisegepäckstücken gekommen sei. Im Raum Düsseldorf würde eine gewisse Häufung vorliegen. Auch in Karlsruhe musste Frau K. beim Entladen des zweiten Gepäckstückes feststellen, dass der Busfahrer beim Entladen nicht zugegen war bzw. seinen Fahrersitz während der Gepäckentnahme nicht einmal verlassen hatte.

Was lernen wir daraus? Wer billig kauft (egal was), kauft zweimal. Das trifft in allen Lebenslagen zu. Wer meint, mit einer Fernbusreise von 20, 25 oder 30 Euro sei man gut aufgehoben, der irrt wohl? Neu ist diese Erkenntnis jedoch nicht. Der eine oder andere erinnert sich sicher an die „Caffeefahrten“ diverser Unternehmen, die man für kleines Geld bekommt und dann oftmals mit einer teuren Rheumadecke für Omma und Oppa geendet haben. Überall wo der Stempel „Billig“ draufsteht ist stets Vorsicht geboten. Also auch bei einer „Billig-Beförderung“, wie sie von MeinFernbus angeboten wird.
Nachdem schon beim Abwicklungsprozedere von Gepäckstücken „gespart“ wird, und keinerlei Bereitschaft besteht, für die Folgen des Fehlverhaltens aufzukommen, stellt sich doch unweigerlich die Frage; wo wird noch überall gespart? Bei der Wartung, bei den Reparaturen, beim (Fahr)Personal, bei der Sicherheit insgesamt?

In der Sache selbst sind Frau K. und Frau F. übrigens anderer Meinung als die „Billigheimer“. Rechtlich gesehen dürfte ein Obhutsschaden vorliegen durch Obliegensheitsverletzung der Fa. MFB MeinFernbus GmbH mit den entsprechenden Rechtsfolgen (Schadensersatz). Insbesondere wenn Sorgfaltspflichten des Unternehmens grob fahrlässig verletzt wurden – wie hier. Das Problem ist bei MeinFernbus übrigens schon seit längerem bekannt und wird dort seit 09/2013 „diskutiert“. Die „diskutieren“ wahrscheinlich noch weitere 10 Jahre, wie man das Problem Kofferdiebstahl in den Griff bekommen könnte? Wie bezeichnet man das Verhalten, wenn man Probleme kennt und diese nicht beseitigt? Vorsätzlich? In Kenntnis dieser Problematik würde ich als Versicherer (mit Recht) jegliche Ansprüche des Busunternehmens ablehnen. Sofern der Busfahrer die Empfangsberechtigung von Gepäckstücken nicht zu prüfen hätte – was im rechtlichen Sinne völlig absurd ist – müssten logischerweise bei jeder Haltestelle sämtliche Fahrgäste aussteigen und überprüfen, ob irgend jemand versucht, deren Gepäckstücke zu entnehmen. Das ist zum Einen völlig weltfremd und zum Anderen in den AGB so auch nicht vorgesehen. Außerdem könnte man dabei den strammen Fahrplan von MFB „vergessen“.

Nachdem es sich hier offensichtlich nicht um einen Einzelfall handelt, kann man davon ausgehen, dass es sich bei der Entwendung von Gepäckstücken aus MeinFernbus wohl schon um ein „Geschäftsmodell“ diverser Diebesbanden handelt? Falls (noch) nicht, ist es lediglich eine Frage des WANN und nicht eine Frage des OB. Ist doch eine prima und vor allem einfache Sache. Man steigt irgendwo (ohne Gepäck – oder mit geklautem Gepäck aus einem anderen Bus) zu und ist 2 oder 3 Stationen weiter Besitzer eines prall gefüllten Wohlstandskoffers oder sonstiger Wertgegenstände? Seitens MeinFernbus werden ja keinerlei Personalien überprüft oder die Gepäckstücke irgendwie den Fahrgästen zugeordnet? Zustände wie diese eröffnen einen Diebstahltourismus der Extraklasse, den möglicherweise schon die organisierte Kriminalität entdeckt hat?
Das nachlässige Prozedere bei der Gepäckabwicklung fand im Übrigen auch ein Busfahrer von MeinFernbus äußerst befremdlich.

Besondere Vorsicht ist insbesondere beim Handgepäck geboten. Da entzieht sich MeinFernbus.de sowieso jeglicher Verantwortung (AGB – 14.4). Nachdem dreiste Diebe sogar beim Reisegepäck am Gepäckfach zu Gange sind, muss man auch davon ausgehen, dass das (oft wertvollere) Handgepäck im Visier dieser „Mitfahrgäste“ steht. Unbeobachtetes Handgepäck oder gar ein kleines „Nickerchen“ zwischendurch könnte da recht schnell mit einem „bösen Erwachen“ enden?

Der Diebstahl von Gegenständen, ermöglicht durch grob fahrlässiges Handeln eines Busunternehmens, ist für sich genommen schon ein Skandal? Wie man sieht, kann man  aber auch das noch toppen, indem man einen frisch operierten Fahrgast (und Diabetiker) mit seinem Schicksal alleine lässt und sich einfach „vom Acker macht“.

Vielleicht hat MeinFernbus aber gar nicht so unrecht? Möglicherweise ist man wirklich selbst schuld, wenn man sich und sein Reisegepäck dieser Firma „anvertraut“?

Unternehmensführung dieser Art passt doch hervorragend zu den Erfahrungswerten mit der Versicherungswirtschaft? Knallhartes Business auf der letzten Rille – ohne Rücksicht auf Verluste. Stets zu Lasten der Bürger –  bei Bedarf auch zu Lasten von deren Gesundheit.

Nachtrag vom 12.08.2014 – 13:25:

Was für ein Zufall? MeinFernbus hat sich doch tatsächlich nach 3 Tagen aus dem „Untergrund“ zurückgemeldet. Genaue 3 Stunden nach Veröffentlichung des CH-Beitrags kam folgende E-Mail:

Sehr geehrte Frau … ,
sehr geehrter Herr … ,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wir können Ihnen versichern, dass wir den von Ihnen geschilderten Vorfall sehr bedauern. Nicht zuletzt auch aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es jedoch leider nicht möglich, uns mit Ihnen als nicht unmittelbar Beteiligte weitergehend über die Angelegenheit auszutauschen. Wir werden jedoch schnellstmöglich das Gespräch mit Frau K. suchen, um mit ihr in der Sache eine Einigung zu erzielen.

Wir danken für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Was dann auch tatsächlich gegen 16:00 geschah. Mit einem Angebot an Frau K. , das an Großzügigkeit kaum zu überbieten ist? MeinFernbus.de bietet zur Erledigung der Angelegenheit doch tatsächlich eine Freifahrt an. Und das in Kenntnis des o.a. (menschenverachtenden) Vorganges sowie der Tatsache, dass der wertvolle Teil der Reisetasche ausgeraubt wurde? Der „Gönner“ von MFB ist wohl ein ehemaliger Schadenssachbearbeiter der HUK? Man kann gespannt sein, was das Gericht von diesem „Service der Extraklasse“ hält? Vor allem kann man auf die öffentliche Meinung gespannt sein, was den aktuellen Sicherheitheitsstandard zu Lasten der Fahrgäste betrifft.

Siehe auch:

Fernbusforum vom 05.04.2014
Gutefrage vom 09.01.2014
Facebook vom 25.09.2013

Busnetz.de

Fernbusbewertung.de

OLG Saarbrücken 5 U 342/12
LG Duisburg 4 S 160/94

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13 Kommentare zu Reisen mit MeinFernbus.de – ein „Schnäppchen“ oder doch nur eine „Mogelpackung“?

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