AG Neresheim verurteilt die HUK 24 AG mit hervorragendem Urteil vom 2.11.2016 – 1 C 110/16 – zur Zahlung weiterer Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leserinnen und -Leser,

zum Wochenbeginn stellen wir Euch hier ein – hervorragendes – Urteil aus Neresheim zu den restlichen Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht im Schadensersatzprozess gegen die HUK-COBURG vor. In diesem Fall war es die HUK 24 AG, die rechtswidrig die berechneten Sachverständigenkosten gekürzt hatte. Wieder einmal musste die HUK-COBURG durch ihre Tochter-Gesellschaft eine juristische Schlappe vor Gericht hinnehmen, weil sie unberechtigterweise den Schadensersatz verkürzt hatte. Das erkennenende Gericht hat mit dem nachfolgend dargestellten Urteil gezeigt, wie Schadensersatz in Form der berechneten Sachverständigenkosten korrekt abgeurteilt werden kann. Der Rechtsstreit wurde kurz und schmerzhaft für die HUK-COBURG bzw die HUK 24 AG abgehandelt. Dabei hat das erkennende Gericht zutreffend auf § 249 I BGB abgestellt. Das AG Idstein findet – zu Recht – damit immer mehr Nachmacher, obwohl auch hier schon in Kommentaren argumentiert wurde, dass die Entscheidung des AG Idstein ein Einzelfall bleiben würde, was sich jetzt schon bereits als Fehleinschätzung herausgestellt hat. Mehr, als in dem Urteil aufgeführt, braucht es wirklich nicht. Dieses Urteil könnten sich so manche Richter und Richterinnen kopiert hinter ihren Schreibtisch stellen. Wetten dass die HUK-COBURG mit diesem hervorragenden Urteil nicht hausieren gehen wird? Lest selbst das Urteil des AG Neresheim und gebt dann bitte Eure sachlichen Kommentare ab.

Viele Grüße
Willi Wacker

Aktenzeichen:
1 C 110/16

Amtsgericht Neresheim

Im Namen des Volkes

Urteil

In dem Rechtsstreit

Kfz-Sachverständigenbüro …

– Klägerin –

gegen

HUK24 AG, vertreten durch d. Vorstand, dieser vertreten d.d. Vorsitzenden Detlef Frank, Bahnhofsplatz 1, 96442 Coburg

– Beklagte –

wegen Schadensersatzes

hat das Amtsgericht Neresheim durch den Direktor des Amtsgerichts S. ohne mündliche Verhandlung gemäß § 128 Abs. 2 ZPO für Recht erkannt:

1.        Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 56.12 € nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit 02.12.2015 zu zahlen.

2.        Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.

3.        Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

4.        Streitwert; 56,12 €

Tatbestand

Von der Darstellung des Tatbestandes wird gem. § 313 a ZPO abgesehen.

Entscheidungsgründe

Die Klage ist zulässig und begründet.

Der Kläger hat gegen die Beklagte einen Anspruch aus abgetretenem Recht auf Zahlung von weiteren Sachverständigenkosten in Höhe von 56,12 €.

Die Kosten eines Sachverständigengutachtens gehören zu den mit dem Schaden unmittelbar verbundenen und gemäß § 249 Abs. 1 BGB (Hervorhebung durch den Autor!) auszugleichenden Vermögensnachteilen, wenn, wie im vorliegenden Fall, die Begutachtung zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruches Angesicht der Beschädigung des PKW des Geschädigten erforderlich und zweckmäßig ist. Der Geschädigte genügt seiner Darlegungslast zur Schadenshöhe regelmäßig durch Vorlage einer Rechnung des von ihm zur Schadensbeseitigung in Anspruch genommenen Sachverständigen. Nur wenn der Geschädigte erkennen kann, dass der von ihm ausgewählte Sachverständige Honorarsätze für seine Tätigkeit verlangt, die die in der Branche ähnlichen Preise deutlich übersteigen, gebietet das schadensrechtliche Wirtschaftlichkeitsgebot, einen zur Verfügung stehenden günstigeren Sachverständigen zu beauftragen. Dass der Geschädigte hier von vorne herein hätte erkennen können, dass der Sachverständige nach der Behauptung der Beklagten überhöhte Kosten ansetzen würde, kann nicht festgestellt werden. Zu einer Recherche nach einem Sachverständigen mit einem günstigeren Honorarangebot war der Geschädigte gegenüber der Beklagten nicht verpflichtet. Da des Weiteren das von der Klägerin zur Abrechnung gebrachte Gesamthonorar innerhalb der Rahmenwerte des Honorarkorridors V der BVSK-Befragung liegt, ist kein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht erkennbar.

Der Klage war daher stattzugeben.

Der Zinsanspruch folgt aus §§ 286 ff. BGB.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO, die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit auf §§ 708 Nr. 11, 713 ZPO.

Die Berufung wird mangels Vorliegens der gesetzlichen Voraussetzungen nicht zugelassen.

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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