Sachverständigenhonorar

Wieder einmal hat die HUK-Coburg an ihrem Hausgericht, dem AG Coburg, verloren. Das Aktenzeichen lautet 14 C 939/08.

In der Sache ging es darum, dass die HUK-Coburg den Anspruch eines unfallgeschädigten Klägers auf Erstattung des Gutachterhonorars um 130,74 € rechtswidrig herunter gekürzt und damit erneut den untauglichen Versuch unternommen hatte, das Honorar des freien SV des Klägesr auf BVSK-Niveau herunter zu streichen.

Das AG Coburg hat diesen rechtswidrigen Umtrieben erneut eine klare Absage erteilt.

Im zu enscheidenden  Fall hatte der gutachterlich ermittelte Schaden einschließlich Wertminderung bei 1.849,89 € gelegen. Die HUK-Coburg hat sich als Beklagte hier sogar dazu herabgelassen, dem Kläger einen Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht vorzuwerfen, weil es sich um einen Schaden im Rahmen der Bagtellgrenze gehandelt hätte und er deshalb überhaupt kein Gutachten in Auftrag hätte geben dürfen.

Derart abwegige Argumentiererei ist häufig in Schriftsätzen der HUK-Coburg zu lesen.

Die HUK-Coburg will einfach nicht wahrhaben, dass es die Entscheidung des BGH vom 30.11.04, Aktenzeichen VI ZR 365/03 gibt, die ich  hier im Blog bereits unter dem Sitchwort „Bagatellschadensgrenze – eine nicht existente Luftnummer“ besprochen hatte.

In dieser Entscheidung hatte der BGH einen Bagatellschaden bei einer Reparaturkostenhöhe von 727,37 € brutto verneint und selbstverständlich dem Geschädigten Gutachterkosten zugesprochen.

In den Urteilsgründen weist das AG Coburg auf die bekannten, von der HUK-Coburg verlorenen BGH-Urteile und darauf hin, das der geschädigte Kläger selbst dann Anspruch auf Erstattung der Gutachterkosten hat, wenn das Sachverständigenhonorar etwa übersetzt wäre, weil der Schädiger auch überteuerte Gutachterkosten – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die hier offensichtlich nicht vorlagen – ersetzen muss.

Das AG Coburg weist zutreffend auf die 67. Auflage von Palandt 2008, § 249 BGB, Randziffer 40 m. w. N., auf die obergerichtliche Rechtsprechung hin, insbesondere die Urteile der OLG Köln, Nürnberg und Naumburg. Auf Basis dieser klaren und eindeutigen Rechtslage wird das AG Coburg erfreulich konkret, wenn es ausführt:

„Erst dann, wenn der Geschädigte Kosten produziert, die ein vernünftig Handelnder in seiner Situation nicht verursachen würde, geht dies nicht zu Lasten des Schädigers.“

Diese klare und eindeutige Aussage sollte sich die HUK-Coburg endlich ins Stammbuch schreiben und damit anfangen, Urteilsgründe zu verstehen, zu akzeptieren und das Regulierungsverhalten danach auszurichten, anstatt sich wie bisher – nachgewiesen in Hunderten von Gerichtsurteilen – zielgerichtet und wissentlich gegen das Recht zu stellen, denn Leidtragender dieses rechtswidrigen Gebahrens ist immer das Unfallopfer.

Nicht genug, das die Unfallopfer selbst bei unverschuldeten Verkehrsunfällen zur Bewältigung des Schadens erhebliche Zeit aufwenden müssen, die ihnen durch niemanden entschädigt wird, haben sie, wenn sich die HUK-Coburg als eintrittspflichtige Schädigerversicherung herausstellt, auch noch den Nachteil, sich mit einem rechtsprechungsresistenten und gegen Hunderte von Urteilen agierenden Versicherer auseinandersetzen zu müssen.

Es wird Zeit, dass die Politik und die Versicherungsaufsicht endlich einschreiten und diesem Treiben Einhalt gebieten.

Darüber hinaus ist meiner Meinung nach mittlerweile offensichtlich, dass die HUK-Coburg mit ihren rechtswidrigen Regulierungsverkürzungen den Versuch unternimmt, sich vor ihrer Konkurrenz am Markt, also vor allen anderen, redlich agierenden Haftpflichtversicherern, Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

 

Mitgeteilt von Peter Pan im Dezember 2008

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

Dieser Beitrag wurde unter Haftpflichtschaden, HUK-Coburg Versicherung, Sachverständigenhonorar, Urteile abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Kommentare zu Sachverständigenhonorar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.