Haftpflichtfall á la carte

Ein Fall, der die Gemüter erregt:

Heckaufprall halb links versetzt auf Ford Escord Cabrio Bj.23.04.92, Laufleistung 99.490 km, Schaden 4.013,53, WBW 4.400,00

Als Firma Dekra das Fahrzeug im Auftrag der Versicherung am 15.07.02 nachbesichtigte, wurden seit meiner Besichtigung 6.329 km gefahren. Seither ist etwas mehr als ein Monat vergangen.
 
Der Zustand der Bereifung – von Dekra als unfahrbar beurteilt – lässt auf eine verstellte Fahrspur schließen. Das Fahrzeug wurde über die 6.329 km unrepariert weiter gefahren. WBW 2800,00

Zum Zeitpunkt meiner Besichtigung waren die Reifen noch in dem von mir beschriebenen Zustand 4,00 vorn und 3,00 hinten.

Dabei beachte ich, dass die Profiltiefe auf 70% der Reifenbreite gemessen wird. Die äußersten und innersten Bereiche sind nicht relevant.

Die beschriebenen Schäden an der Karosserie sind teilweise als normale Gebrauchsspuren einzustufen.

Wir unterscheiden als DAT – Sachverständige hinsichtlich leichten-, normalen- und überdurchschnittlichen Gebrauchtspuren.

Schäden durch ein vorangegangenes Unfallereignis waren nicht erkennbar.

Das Fahrzeug war zum Zeitpunkt des Unfalles 10 Jahre in Betrieb. Es dürfen durchaus Gebrauchsspuren vorhanden sein.

Spuren größerer Schäden, die der SV der Dekra dokumentiert, waren zum Zeitpunkt meiner Besichtigung nicht vorhanden.

Zu dem Wiederbeschaffungswert:

Der Dekra-SV bewertet das Fahrezug ohne den technischen Zustand angemessen einfließen zu lassen.

Je älter ein Fahrzeug wird, um so mehr fällt der technische Zustand ins Gewicht.

Als DAT-Partner fertige ich die Grunddaten wie folgt:

Der durchschnittliche Verkaufswert gemäß DAT – Marktspiegel lag am 12.06.02 bei 3.150,00

Dabei wird durchschnittlicher Verschleiß sowie 132.000 km Laufleistung zugrundegelegt.

Die km – Differenz von – 32.570 km ergibt eine Aufwertung von + 322,71

Die Wertbeeinflussung durch Fußnoten und Sonderausstattungen beträgt +250,00

Hier sind Sportfahrwerk, Sportlenkrad, Servolenkung, ABS,
Leichtmetallfelgen, 5-Gang – Getriebe enthalten.

Es wird eine Werterhöhung festgestellt wegen + 794,04
Begründung:

Vor ½ Jahr wurden nach Angaben des Besitzers Bremsen, Kupplung und Getriebe erneuert. Anteilig kommt es zu dieser Werterhöhung.

Die Reifen sind zu 50% in den Grunddaten enthalten. In diesem Fall liegen Reifen vor, die sich unter diesem Wert befinden. Der Wert liegt bei – 126,00

Der Grundwert ergibt sich somit mit einem Betrag von 4.391,04

Als Korrekturfaktor wurde  mit 100% angesetzt 0,00

Instandsetzungskosten von überdurchschnittlichen Gebrauchsspuren wurden berücksichtigt mit 0,00

Der gerundete Händlerverkaufwert ergibt sich mit  4.400,00

Die Richtigkeit dieser Ermittlung kann gerne von der DAT bestätigt werden.

Eine andere Beurteilung des Gebrauchtfahrzeugwertes benötigt unbedingt eine detaillierte Begründung, da sie die Bewertungsgrundlage der DAT in Frage stellen würde und entsprechend behandelt werden müsste.

Zum Unfallschaden:

Um von Seiten der Crashsicherheit wieder den Zustand vor dem Unfall herzustellen, sind die angegebenen Längsträger – Reparaturbleche einzusetzen.

Auch die Arbeitszeiten können nicht zusammengestrichen werden, wenn wir fachgerecht arbeiten wollen.

Vor dem Tausch ist das Fahrzeug eventuell sogar auf einer Richtbank rückzuverformen. Meine Berechnung berücksichtigte nur ein Richtgerät.

Schadensumme: 4.013,54, Dekra reduziert auf 2.964,08.

Mit der reduzierten Summe ist eine fachgerechte Reparatur unmöglich.

Ergebnis:

Um in diesem Fall eine neutrale Aussage hinsichtlich dem Reparaturweg zu erhalten, ist der Karosserie – Ingenieur des Herstellers zu befragen. Nur er kann neutral eine Aussage machen.

Grundsätzlich sind bei einer späteren Begutachtung der Versicherung, oder des beauftragten Sachverständigen die Veränderungen zu berücksichtigen, aufgetreten sind. Diese werden jedoch leider extra gesucht und aufgeblasen.

Eine Möglichkeit, Klarheit zu schaffen, wäre beispielsweise eine gemeinsame Besichtigung gewesen.

Aufgrund des versicherungsorientierten Rechtsanwaltes und der einwandfreien Zusammenarbeit des angestellten SV der Versicherung mit dem Dekra-SV wurde ich als der freie Sachverständige massiv gegen die Wand gespielt.

Die Basis nach unten zu verschieben und den freien Kollegen als Betrüger zu bezeichnen, ist fast lächerlich, wenn es nicht so traurig wäre.

Über Dietrich Petzold

Nach 10 Jahren Entwicklung im Hause Porsche Weissach war ich seit 1993 bis Ende 2001 selbstständig als freier Sachverständiger im gegründeten Einzelbüro. Seit 2002 leite ich das Ingenieurbüro Richter in Ludwigsburg. Dieses Büro existiert seit 1974 am selben Ort. Zur Zeit sind wir 6 Sachverständige. Alle sind als freie Mitarbeiter tätig. Ein Praktikant wird momentan geschult.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Haftpflichtschaden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu Haftpflichtfall á la carte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.