Restwerthöchstgebote – die Abwegigkeiten nehmen zu

Jüngst ist mir im Rahmen einer Schadensregulierung für einen lieben Kunden fast Unglaubliches passiert.

Die Sache ist ein Beleg dafür, dass die Mitarbeiter bei den Haftpflichtversicherungen scheinbar nur noch wie ausgemergelte Galeerensklaven agieren.

Im Gutachten zum geschädigten Fahrzeug, einem Mitsubishi Colt, Baujahr 1997,  mit fast 200.000 km waren die durch den Unfall verursachten Reparaturkosten zu über 3.200,00 € ermittelt worden. Am Fahrzeug waren Altschäden vorhanden; die Türe rechts war eingebeult und die Stoßfänger wiesen Gebrauchsspuren auf. Laut Gutachten betrug der Wiederbeschaffungswert steuerneutral 1.425,00 €, der Restwert war am örtlichen, seriösen Gebrauchtwagenmarkt zu 100,00 € ermittelt worden.

In Anbetracht dieser Zahlen übertraf sich der Sachbearbeiter der Württembergischen schier selbst, in dem er folgendes zu Papier brachte: „Wir haben den Restwert überprüft und teilen Ihnen mit, dass uns ein verbessertes Angebot von € 122,00 brutto vorliegt. Der Restwert im Gutachten von € 100,00 ist nach der aktuellen Marktsituation zu gering. Deshalb werden wir den von uns ermittelten Restwert anrechnen. Über den genannten Restwert liegt ein verbindliches Angebot vor. Der Aufkäufer ist bis zum 16.12.08 an das Angebot gebunden. Wir nennen Ihnen seine Adresse: P. Automobile, ……….. , Telefon 089 / 630 20 924, Fax 089 / 630 20 954, CarTV-Auftragsnummer: 08I3A0eE8.“

An diesem Angebot fällt besonders auf, dass der Aufkäufer in Teltow ansässig ist (das ist ein kleiner Ort südwestlich von Berlin gelegen), dass er aber telefonisch unter einer Münchner Nummer zu erreichen ist.

Vom Standort des Fahrzeugs bis nach Teltow ist es nach dem Routenplaner eine Fahrtstrecke von hin und zurück 1.210 km. Laut dem Routenplaner liegen die Kosten für die Bewältigung dieser Strecke mit dem PKW bei 112,02 €.

Im Schreiben der Württembergischen heißt es weiter: „Die Abholung und der Transport des Unfallfahrzeuges durch den oben genannten Aufkäufer ist für Ihre Mandantschaft kostenlos.“

Vor dem Hintergrund dieser Fakten

– ein um nur 22,00 € höheres Internetrestwerthöchstgebot,

– alleine die Fahrtkosten übersteigen den Wiederbeschaffungswert des Unfallwagens,

drängt sich einem unweigerlich der Verdacht auf, dass man es hier mit einem Briefehändler zu tun hat, dessen kriminelle Dienste der eintrittspflichtige Haftpflichtversicherer dem Geschädigten ungeniert, um sage und schreibe 22,00 € am Regulierungsaufwand einzusparen, andient.

Was soll man hier seinem Kunden jetzt raten?

Sicher ist hier der Rechtsanwalt und wahrscheinlich auch der Staatsanwalt einzuschalten.

Möglichst viele Anregungen sind mir ganz herzlich willkommen.

Euer Glöckchen

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Haftpflichtschaden, Restwert - Restwertbörse, Unglaubliches, Württembergische Versicherung, Willkürliches abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

42 Kommentare zu Restwerthöchstgebote – die Abwegigkeiten nehmen zu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.