Die Schadensregulierung und kein Ende

A

GEBÜHRENMAXIMIERUNG

1. Wenn im KH-Schadensfall zunächst der Versicherer außergerichtlich in Anspruch genommen wird, dann der Schädiger alleine verklagt wird, liegen zwei getrennte Angelegenheiten vor, mit der Folge, dass eine Anrechnung nicht erfolgt. (OLG Frankfurt, OLG Bamberg, usw.)

2. Entsteht Streit über die Schadenshöhe oder über Vorschäden, ist das selbständige Beweisverfahren ein ebenso probates wie gebührenträchtiges Mittel zur Streitklärung.

    a. Der Rechtsschutz übernimmt regelmäßig die Kosten.

    b. Der Streitwert liegt in Höhe des Schadens.

    c. Der Anwalt kann Verfahrens- und Terminsgebühr verdienen.

    d. Der bestreitende Versicherer wird mit hohen Gerichtsgutachterkosten

        belastet.

B

ENTWERTETER DIREKTANSPRUCH

1. Versicherer, direkt in Anspruch genommen( § 3 PflVersG), machen häufig, mitunter aus Verärgerung über die Beauftragung eines qualifizierten Regulierungshelfers (Anwalt) unberechtigte Abzüge bei

    a. Verbringungskosten

    b. Ersatzteilaufschlägen

    c. Standkosten

    d. Stundenverrechnungssätzen

    e. Sachverständigenkosten

    f. Rechtsanwaltskosten

    g. Mietwagenkosten

    h. Nutzungsausfall

Wer kennt das nicht?        Was ist zu tun, wie ist gegenzuhalten?

Die meisten Schädiger wollen sicher, dass ihre Versicherung den von ihnen angerichteten Schaden ordentlich und zügig reguliert. Schließlich hat man ja teure Prämien jahrelang gezahlt und fühlt sich moralisch verantwortlich.

Der werbewirksam erzeugte Glaube, dass die eigene Versicherung wie versprochen auch im Schadensfall handelt, dass sie sich um alles kümmert und dem VN alles abnimmt, führt dazu ‚dass die Schädiger häufig eine bestehende Notwendigkeit zum Handeln nicht erkennen. Das erleichtert es, das Klageverfahren gegen den Schädiger mit einem Versäumnisurteil abzuschließen, weil die Verteidigungsanzeige nicht oder zu spät erfolgt. Schädiger wissen als Laien häufig nichts vom Anerkenntnisverbot(§ 7II AKB). Es lassen sich daher nicht selten Anerkenntnisse erzielen. Mit Titeln gegen die VN lassen sich deren Freistellungsansprüche gegen ihre Versicherer pfänden und zur Einziehung überweisen.

Genauso wie der Versicherer im Schadensmanagement die Unkenntnis und Verunsicherung des Geschädigten zu seinem Vorteil nutzt, sollte zur Forcierung ordentlicher und korrekter Schadensregulierung die Haltung der Schädiger, selbst nichts veranlassen zu müssen oder die Neigung anzuerkennen, genutzt werden.

Die Vorteile einer direkten Inanspruchnahme des Unfallgegners gegenüber einer ermüdenden und nicht Erfolg versprechenden Regulierung mit der Versicherung sind gerade bei Versicherern, die die Schadenssteuerung exzessiv betreiben, so immens, dass sie keinesfalls unberücksichtigt bleiben dürfen.

Es war schon zu hören, dass dem Unfallopfer am Telefon gesagt wurde, es ginge ohne Sachverständigen und Anwalt schneller mit der Regulierung.

Anwälte‚ die gleichwohl versuchen gegen die ihnen geschickten Textbausteine zu argumentieren, vergeuden nur Papier und die Zeit ihrer Mandanten; wie es läuft, haben sie nicht verstanden!

ALSO: Den Schädiger anrufen und ihm mitteilen, dass zunächst seine Versicherung in Anspruch genommen wird.

1. Mandatsanzeige (mit Inkassovollmacht) an Versicherer.

2. Die Versicherung nur EINMAL zur Zahlung auffordern!

3. Nach Fristablauf den Schädiger direkt anschreiben, mitteilen, dass seine Versicherung trotz Aufforderung und völlig klarer Rechtslage wieder einmal nicht  gezahlt hat, man sich deshalb jetzt an Ihn wenden müsse und vor Klageerhebung  großzügig nochmals 2 Wochen Zeit zur Regulierung gebe!

4. Maximal 6 Wochen nach Unfalldatum den Schädiger verklagen!

5. Genau darauf achten, dass zunächst nur das Mandat gegen die Versicherung, nach Ablauf der dem Versicherer gesetzten Frist, das Mandat gegen den Schädiger angenommen wird!

Variante 1. Der Versicherer zahlt nach Inanspruchnahme des VN:

Jetzt muss der Versicherer die Geschäftsgebühr zweimal zahlen. Einmal, weil er selbst zu Recht in Anspruch genommen wurde und weil er seinem VN Kostendeckung für dessen direkte Inanspruchnahme leisten muss!

Variante 2: Weder Versicherer noch Schädiger zahlen oder es werden unberechtigte Abzüge gemacht:

Sofortige Klage gegen VN – Kostenfolge bei Obsiegen: Außergerichtlich gegen den Versicherer entstandene Kosten bleiben anrechnungsfrei, nur die außergerichtlich gegen den VN entstandenenKosten müssen teilweise (max. 0,65) angerechnet werden!

Der so in die Pflicht genommene VN wendet sich in der Regel energisch an seinen Versicherungsvertreter. Beide sind in dieser Situation ihre besten Regulierungshelfer! Machen sie sich ihren Einfluss auf den Versicherer für die angestrebte zügige Regulierung zu Nutze!

Schon beobachtet: Nach Klagezustellung bestellt sich der eigene Anwalt des beklagten VN und verdient die Prozessgebühr durch die Abgabe der Verteidigungsanzeige.

Der Versicherer zahlt jetzt schon 2 Anwälte! Anderenfalls zahlt der VN seinen Anwalt selbst und kündigt danach alle    Versicherungsverträge!

Es ist völlig grundlos Übung, aus dem Direktanspruch zu klagen. Das stammt noch aus Zeiten, in denen Versicherer qualifiziert, korrekt und ordentlich mit den Unfallopfern umgegangen sind. In Zeiten der Gewinnmaximierung durch unberechtigte Regulierungskürzung und psychologisch durchdachter Schadenssteuerung ist die Außenvorlassung des Schädigers bei der Unfallschadensregulierung überholt und veraltet! 

Versicherer und sein VN sind KEINE notwendigen, sondern nur einfache Streitgenossen! §3 PflVersG regelt lediglich einen gesetzlichen Schuldbeitritt! Das Schlichtungserfordernis ist vielerorts zum 31.12.2005 entfallen!

Die Klage gegen den Unfallgegner alleine begegnet also keinen Bedenken. Sie führt zu erheblichem zusätzlichem Aufwand beim Versicherer und zu erheblichen Mehrkosten. Die Sparwut der Versicherung sollte der Anwalt als Einladung zum Geldverdienen verstehen.

Ebenso wenig wie ein rechtsfehlerhaftes Urteil Kritik verdient, sondern als Einladung zum Geldverdienen im Berufungsrechtszug begriffen werden sollte, muss auch die nicht fristgerechte oder nur teilweise erfolgte Regulierung als Einladung zum Auslösen von Gebührentatbeständen verstanden werden!

C

INTERESSENVERTRETUNG

Der Anwalt ist aus seinem Mandat verpflichtet für den Geschädigten den schnellsten und erfolgversprechendsten Weg der Regulierung zu wählen. Das erfordert von Fall zu Fall, den durch unberechtigte Kürzungen entwerteten Direktanspruch nur noch als das anzusehen, was er tatsächlich ist, nämlich eine nur noch zweitrangige Möglichkeit, dem Mandanten schnell und ordentlich zu seinem Recht zu verhelfen.

Oberstes Gebot einer modernen Regulierung ist es, sich und dem Mandanten Zeit zu nehmen, damit alle Regulierungsentscheidungen der Rechtslage entsprechend und nicht durch den gegnerischen Versicherer beeinflusst, getroffen werden können. Der Mandant sollte auf Anrufe der Versicherung bestenfalls überhaupt nicht reagieren. Anschreiben der gegnerischen Versicherung sollten auf keinen Fall beantwortet werden.

Nur ein Thor wird glauben, dass ein SCHULDNER tatsächlich ein Interesse haben könnte, seinem GLÄUBIGER bei der Durchsetzung der Ansprüche gegen sich selbst auch noch behilflich zu sein! Derlei Hilfsangebote in Anschreiben an Unfallopfer sind nur scheinheilig.

Die Schadenssteuerung in die Partnerwerkstatt verstößt nach fundierter Ansicht gegen das Rechtsberatungsgesetz und erfüllt den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit. Das künftige Rechtsdienstleistungsgesetz verbietet Rechtsdienstleistungen schon dann, wenn sie einen Einfluss auf eigene Leistungspflichten haben können (§ 4 RDG). Die Ziele des Gesetzes sind klar: Der Verbraucher soll vor eigennützigem Rat geschützt werden, weil er als rechtlicher Laie keine Chance hat, die häufig gut maskierte Eigennützigkeit des Schadenmanagements überhaupt zu erkennen.

Maskeraden dieser Art beherrschen die Schadenssteuerung allerdings geradezu:

            1 .Hol- und Bringservice in die Partnerwerkstatt

            2. Mietwagenvermittlung

            3. 2-Jahres-Garantie auf die Reparatur

Die Ansprüche auf

-Wertminderung

-Nutzungsausfallschaden

-Unkostenpauschale

-Ankaufsuntersuchungskosten

-Zinsen § 849 BGB

-Bezahlung von SV und RA-Kosten

-Reparaturkosten bis 130% des WB

-Berücksichtigung örtlicher Restwertgebote

-fiktive Abrechnung

werden dem Geschädigten natürlich verschwiegen, gilt es doch den eigenen Säckel zu schonen.

Offensichtliches Ziel der Schadenssteuerung (Schadensmanagement der Versicherer) ist es, die Rechte des Geschädigten aus § 249 BGB auf den reinen Reparaturkostenersatz zu reduzieren. Dabei muss dieses System zwingend zufriedene Kunden produzieren; ein schlechter Ruf würde die Funktionsfähigkeit der Schadenssteuerung beeinträchtigen.

Genau hier muss

ANGESETZT WERDEN!!!

Der informierte Geschädigte, der die Fülle seiner Ansprüche gegen den Unfallgegner und seinen Haftpflichtversicherer kennt, wird erkennen, dass er nicht der liebe Kunde ist, dem man in seiner Not gerne zur Seite steht. Er wird erkennen, dass ihn psychologisch geschulte Schadenssachbearbeiter zu möglichst billigen Regulierungsentscheidungen steuern wollen, damit die Kosten für die Versicherung so gering als nur irgend möglich bleiben. Das Unfallopfer muss über seine Ansprüche informiert werden! Uneigennützige Informationen kann nur der Anwalt und, soweit mit dem Gutachtensauftrag im Zusammenhang stehend, der Sachverständige erteilen. Der eintrittspflichtige Versicherer ist zur Rechtsberatung gar nicht berufen.

D

VERBRAUCHERSCHUTZ

In Deutschland gibt es eine Fülle von Gesetzen, die dem Schutz des Verbrauchers vor der Beeinträchtigung seiner Rechte dienen.

Die Schadenssteuerung des Geschädigten wird aber offenbar noch nicht als das verstanden, was sie in Wirklichkeit ist, nämlich ein Frontalangriff auf die Verbraucherrechte.

Jeder Verbraucher wird schon vor Entscheidungen geschützt, die er selbst unbeeinflusst durch fremde Empfehlung getroffen hat, z.B. bei Haustürgeschäften, Kreditverträgen, Internetbestellungen, etc.

Die Schadenssteuerung setzt bei einem Unfallopfer an, welches sich über seine Rechte regelmäßig im Unklaren ist. Diese Verunsicherung durch den Unfall macht den Geschädigten gewissermaßen aufnahmebereit für Rat und Empfehlung. Dadurch wird der Eifer, ja fast schon die Besessenheit mancher Versicherer motiviert, möglichst zeitnah nach dem Unfall mit dem Unfallopfer Kontakt aufzunehmen. Schadenssteuerung muss schnell sein, um Erfolg zu haben. Gelingt es dem Opfer erst einmal einen Anwalt zu befragen, hat der Schadenssachbearbeiter schon versagt. Diese Hektik – vor Jahren für Versicherer noch ein Fremdwort, wenn es um‘s bezahlen ging – hat zum Ziel, dem Unfallopfer die Reduzierung seiner Rechte auf den banalen Reparaturkostenersatz als freundliche Hilfeleistung des SELBSTVERSTÄNDLICH Zahlungswilligen gegnerischen Versicherers darzustellen.

So heißt es beispielsweise: „Gehören auch sie zu den 100.000 zufriedenen Kunden unseres Schadensservice Plus“, in Schreiben an Unfallopfer mit der Empfehlung die Partnerwerkstatt der Versicherung mit der Reparatur des Unfallschadens zu beauftragen.

Es wird so getan, als sei der Anspruch auf Reparatur und Reparaturkostenersatz das Einzige, dem Unfallopfer zustehende Recht und der Reparaturkostenersatz der Partnerwerkstatt sei eine Schadensregulierung, die tausende zufriedener Kunden produziere. Dabei ist das deutsche Schadensersatzrecht gem. § 249 BGB kein Reparaturkostenersatzrecht, sondern ein echtes Recht auf Ersatz des erlittenen Schadens also Schadensersatzrecht!

Dass das Unfallopfer vielschichtige weitergehende Rechte hat, Wahlrechte ausüben kann und in der Verwendung des zur Schadenswiedergutmachung vom Versicherer zu leistenden Geldbetrages völlig frei ist, wird verheimlicht, um die gesamten Schadensersatzansprüche des Unfallopfers mit der Bezahlung einer Billigreparatur weg erledigen zu können. Das Unfallopfer ist damit schutzbedürftiger als jeder „Ottonormalverbraucher“. Die Schadenssteuerung wurde erklärtermaßen erfunden, um zu sparen. Die Freiheit der Geschädigten, den ihnen angerichteten Schaden nach ihren eigenen Vorstellungen abzuwickeln – Regulierungshoheit genannt – kostet in den Augen der Versicherer unnötiges Geld, das es mit allen Mitteln einzusparen gilt.

Aus der Pressemitteilung der HUK-Coburg vom 25.04.2002:

„Die Unerfahrenheit des Geschädigten hat in der Vergangenheit bei der Schadensregulierung den Absatz überteuerter Produkte und Dienstleistungen immer wieder begünstigt. Als Folge stiegen die Aufwendungen z.B. für Rechtsanwaltskosten, Sachverständige und Mietfahrzeuge sprunghaft an. Diesem Trend wirkt die HUK-COBURG mit dem System Schadensservice PLUS nun entgegen“.

Eingangs wird behauptet, die HUK-COBURG sei „Mit Schadensservice PLUS aktiv im Sinne des Geschädigten“.

Was für eine HEUCHELEI!!!

„im Sinne des Geschädigten“ würde doch Geld kosten, nicht Geld einsparen!

So sehen es auch die Aktionäre, denen die Schadenssteuerung mitunter fürstliche Dividenden bescheren dürfte.

Schadenssteuerung bedeutet demnach Einsparungen am Regulierungsaufwand durch:

-Abhaltung des Unfallopfers vom Anwalt

-Verhinderung der Sachverständigenbeauftragung

-Vermeidung von Mietwagenkosten

-Knebelung der Partnerwerkstätten

-Verpflichtung der Partnerwerkstatt zu kostenloser Mietwagenbereitstellung

-Reduzierung der Ansprüche auf Reparaturkostenersatz

Aktiv im ureigenen Interesse zur Beseitigung der Regulierungshoheit des Geschädigten, wäre folglich die Wahrheit!

Das System funktioniert, weil der einzelne Geschädigte seine Rechte regelmäßig nicht kennt, weil er keine Lobby hat und häufig ohne Rechtsschutz den Gang zum Anwalt scheut.

Lange schon ist bekannt‚ dass der Geschädigte selbst dann einen eigenen Sachverständigen beauftragen darf, wenn der Versicherer ein eigenes Gutachten eingeholt hat und zwar aus Gründen der Waffengleichheit! Umso mehr ist es aus dem gleichen Grund unerlässlich, dem Geschädigten einen Anwalt zur Seite zu stellen, damit eine Steuerung seiner Maßnahmen zur Schadensbehebung durch den Versicherer unterbunden wird.

Es muss aufhören, dass Versicherer mit der Rechtsunkenntnis der Unfallopfer ungerechtfertigte Einsparungen erzielen, soll der Verbraucherschutz nicht auf der Strecke bleiben.

Euer Willi Wacker

Urteilsliste „Fiktive-Abrechnung“ zum Download >>>>>

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32 Kommentare zu Die Schadensregulierung und kein Ende

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