Seltsames Rechtsverständnis der HUK

Bei der Regulierung eines Verkehrsunfalles für einen Mandanten mit der HUK ist mir folgendes passiert: Gutachten eines VKS-Sachverständigen (hier auch Autor), das Reparaturkosten von 4039,36 EUR ausweist. Wiederbeschaffungswert netto 6174,00 EUR, Restwert: 1614,34 EUR. Anschreiben an die HUK unter Beigabe des Gutachtens und Verweis darauf, dass der Schaden in Eigenregie vollständig repariert wird.

Wenige Tage später Eingang eines Restwertangebotes der HUK einer Nürnberger KFZ-Firma über 4370,00 und freundliche Empfehlung, das Fahrzeug dorthin zu verkaufen (Restwertangebot aus Internet-Restwertbörse!), da ansonsten ein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht in Betracht kommt und der erhöhte Restwert bei der Abrechnung berücksichtigt wird. Unter Übersendung eines selbstgefertigten Fotos habe ich dann die Reparatur am Fahrzeug meines Mandanten nachgewiesen und Abrechnung auf Basis der fiktiven Reparaturkosten gefordert. Die HUK leistet dieser Aufforderung tatsächlich Folge, zieht aber von den ermittelten Kosten die Verbringungskosten und die UPE-Aufschläge ( insgesamt ca. 300,00 EUR) ab mit der Begründung, dass diese nur zu erstatten sei, wenn sie tatsächlich angefallen seien. Ich verweise im nächsten Schreiben auf das insoweit einschlägige Urteil des OLG Nürnberg vom 19.06.02, Az. 4 U 1001/02, das klipp und klar zu diesem Problempunkt im Sinne des Geschädigten Stellung nimmt und die Abzüge für unrechtmäßig erklärt. Ich fordere zu einer Nachzahlung der UPE-Aufschläge und der Verbringungskosten auf und drohe diesbezüglich mit einer Klage. Reaktion der HUK wörtlich:

Bezüglich der Abzüge bei der fiktiven Abrechnung (..) halten wir fest. Sollten die in Abzug gebrachten Kosten tatsächlich angefallen sein, werden wir diese auch bei entsprechendem Nachweis erstatten. Damit haben wir den diesbezüglichen Abzug dem Grunde nach anerkannt, mit der Folge, dass Ihrer Mandantschaft für eine evtl. beabsichtigte Klage das Rechtschutzbedürfnis genommen wurde.

Kapiert die HUK überhaupt, worum es hier geht ?? Es geht um die Frage, ob bei einer fiktiven Abrechnung UPE-Aufschläge und Verbringungskosten mit zu ersetzen sind oder nicht. Das Statement der HUK ist an Dreistigkeit meines Erachtens nicht mehr zu überbieten. Die HUK meint wohl, ganz schlau zu sein, indem Sie einen Anspruch dem Grunde nach anerkennt, dann aber nicht bezahlt und somit Ihrer Meinung nach dem Geschädigten den Klageweg versperrt. Dazu fällt mir nur eines ein: BLANKER UNSINN! Kommentare von Mitlesern oder Mitautoren ausdrücklich erwünscht.

Urteilsliste "Fiktive-Abrechnung" zum Download >>>>>

Über RA Bernhard Trögl

Geb. 10.12.1969 in Weissenburg 1991- 1995 Studium an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen 1995 – 1997 Referendariat, unter anderem bei der Audi AG in Ingolstadt 01.09.1998 Eröffnung einer eigenen Anwaltskanzlei Seit Beginn der anwaltlichen Tätigkeit schwerpunktmäßig mit der Abwicklung von Verkehrsunfällen befasst (sowohl Klein- als auch Großschäden) RA Trögl engagiert sich neben seiner Kanzleitätigkeit noch als Referent bei Schulungen sowie auf der Internet-Plattform www.frag-einen.anwalt.de. Zudem ist er Fördermitglied im Verband der unabhängigen Kraftfahrzeug-Sachverständigen e.V seit dem Jahr 2001. Bernhard Trögl Marktplatz 5 91785 Pleinfeld ratroegl@t-online.de www.ra-troegl.de
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15 Kommentare zu Seltsames Rechtsverständnis der HUK

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