Ist die Wettbewerbszentrale auf einem Auge blind? Und wenn ja, wie lange noch?

…zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man auf der Webseite der Wettbewerbszentrale den Beitrag vom 21.07.2009 betrachtet. 

„Provisionszahlungen und andere Anreize wettbewerbsrechtlich gefährlich“

Zitat:

…Bei der Wettbewerbszentrale gehen trotz eindeutiger Rechtslage nach wie vor Beschwerden gegen Kfz-Sachverständige und Werkstätten wegen unlauterer Akquisemethoden ein.

Besonderes häufig ist dies im Bereich der Abwicklung von Kraftfahrzeugschäden. Hier versucht die Versicherungswirtschaft den ersten Zugriff auf den Geschädigten, um mit eigenen Sachverständigen und Partnerwerkstätten zum Zuge zu kommen. Gepaart mit dem Angebot, einen Mietwagen zur Verfügung zu stellen, Hol- und Bringdienste zu leisten und anderen Annehmlichkeiten, verliert der versicherungsunabhängige Sachverständige und die „nicht partnergebundene Werkstatt“ so manchen Auftrag.

Diesem Wettbewerb widersetzen sich einige Marktteilnehmer mit unlauteren Methoden derart, dass sie „Provisionen“ unterschiedlichster Art für die Vermittlung von Gutachtenaufträgen anbieten. Sei es, dass Zahlungen oder Rückvergütungen angeboten werden, oder die Teilnahme an einem Gewinnspiel in Aussicht gestellt wird. Eine solche „Provision“ wird für den Fall versprochen, dass der Meister oder Inhaber des Autohauses Kunden dazu bewegt, für die Erstellung eines Gutachtens den betreffenden Sachverständigen zu beauftragen….

Fazit:

Zum einen werden also einige wenige unprofessionelle und „provisionsfreudige“ Sachverständige  – in der Sache natürlich völlig korrekt – im Sinne des UWG mit der gebotenen Härte verfolgt und zum anderen der Ursprung allen Übels mit sämtlichen rechtswidrigen Facetten – trotz eindeutiger Rechtslage – nicht bekämpft. Verstöße einer Handvoll „schwarzer Schafe“, die aufgrund des rechtswidrigen Schadenmanagements offensichtlich wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand stehen, werden unerbittlich verfolgt und die täglich tausendfach praktizierten Urheberrechts- sowie Wettbewerbsverstöße seitens der Konzerne werden ebenso wenig geahndet wie die ständige Missachtung des Rechtsdienstleistungsgesetzes.

Denn Zitat:

Hier versucht die Versicherungswirtschaft den ersten Zugriff auf den Geschädigten, um mit eigenen Sachverständigen und Partnerwerkstätten zum Zuge zu kommen. Gepaart mit dem Angebot, einen Mietwagen zur Verfügung zu stellen, Hol- und Bringdienste zu leisten und anderen Annehmlichkeiten

Schnellstmöglicher, ungewollter! (telefonischer) Erstzugrif auf die Geschädigten mit dem Ziel, die Rechte der Betroffenen im Sinne der Versicherung zu beschneiden sowie das Angebot zur Bereitstellung/Vermittlung eigener Dienstleistungsangebote bzw. „andere Annehmlichkeiten“ ??

Liebe Wettbewerbszentrale:

Nach unserer bescheidenen Rechtsauffassung handelt es sich hierbei nicht nur um simple „Angebote“ und noch weniger um einen  „Wettbewerb“ im Rahmen des rechtlichen Spielraumes, sondern um Verstöße gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) und gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)  (siehe auch den Beitrag von Boris Schlüszler vom 17.10.2009).

Die Wettbewerbszentrale bestätigt hiermit hinreichend vorliegende Tatbestände  und kennt die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung offensichtlich sehr genau?

Wo bleibt dann die Abmahnwelle gegen rechtswidrig praktizierende Versicherer ? Ist das möglicherweise ein zu großer „Brocken“ für die Wettbewerbszentrale, oder haben wir den Tsunami vielleicht verpasst ?

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9 Antworten zu Ist die Wettbewerbszentrale auf einem Auge blind? Und wenn ja, wie lange noch?

  1. Frank sagt:

    …..das geht ja sogar soweit, dass sogenannte „ausbildungsstätten“ (navi) mit provionsgeschenken hausieren gehen um an das geld blauäugiger sachverständigenanwärter zu gelangen. siehe internet

  2. borsti sagt:

    Als Seminarteilnehmer bei Herrn Referent Dr.A. Ottofülling, seines Zeichens nach Leiter der Münchener Wettbewerbszentrale, wurde ich den klammheimlichen Verdacht nicht los, eigentlich nur noch veralbert zu werden.

    Da referierte er von Wettbewerbsverstössen und Schmiergeldzahlungen durch böse SV, sprach von Moral und Sitte und dem hohen Gut dass er verteidige.

    Direkt auf das Thema Schadenmanagement angesprochen, druckste der Herr Referent, zuckte mit den Schultern und offenbarte sein ganze Hilflosigkeit. Fast hätte er mir leid getan.

    Dann wurde es vollends lächerlich. Er kündigte eine „Initiative“ dagegen an, und dies auch noch in Verbindung mit dem BVSK!

    Hat je einer irgendwo noch mal was davon gehört?

  3. exiltrojaner sagt:

    ich teile ihre ansicht;es ist vielleicht eine erklärung,dass die huk selbst mitglied bei der wettbewerbszentrale ist.
    ich versuche gerade die wz zu veranlassen,die huk wegen boykotts abzumahnen.dr.“o“ scheint zumindest sehr interessiert zu sein

  4. Susi sagt:

    Bereits 2007 hatte sich die HUK-COBURG an den Kosten von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der Werkstattmitarbeiter sowie von Beratungen zur Prozessoptimierung beteiligt.

    Quelle: http://www.presseportal.de/pm/7239/1117855/huk_coburg

    15.01.2008 | 14:00 Uhr
    HUK-COBURG und VHV Versicherungen kooperieren beim Schadenmanagement
    Gemeinsame Nutzung eines Werkstattnetzes – HUK-COBURG: Unterstützung für Werkstätten beim Ersatzteil-Einkauf

    Beschaffung von Original-Ersatzteilen optimieren

    Die Werkstätten, so Heitmann weiter, müssten angesichts des heftigen Wettbewerbs verstärkt darauf achten, ihre Kostenstrukturen zu verbessern. „Auch dabei wollen wir sie noch intensiver als bisher unterstützen.“ Bereits 2007 hatte sich die HUK-COBURG an den Kosten von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der Werkstattmitarbeiter sowie von Beratungen zur Prozessoptimierung beteiligt. Jetzt wird die HUK-COBURG ihren Partnerwerkstätten darüber hinaus dabei helfen, ihren größten Kostenfaktor – den Einkauf von Ersatzteilen – zu optimieren. Sie unterstützt daher die Betriebe bei der Beschaffung von Original-Ersatzteilen. Heitmann: „Die Zukunftsfähigkeit jeder Partnerwerkstatt soll damit auf ein stabiles Fundament gestellt werden.“

    Wie prädestiniert muss eine Pressemitteilung eigentlich sein, um NICHT sofortiges fusseliges Treiben in der Wettbewerbszentrale auszulösen?

  5. Werkstatt-Freund sagt:

    Hallo borsti,
    das, was Du da schreibst, ist ja eigentlich unmöglich und gehört in das Gruselkabinett. Der Herr Referent hat sich doch selbst lächerlich gemacht? Zeigt ein derartiges Verhalten doch, in wie weit bereits das Schadensmanagement auch die Wettbewerbszentrale durchwirkt hat? Auch auf dem Bonner Schadensforum – ich hatte darüber berichtet – wurde bereits durch Herrn Heitmann unumwunden darauf hingewiesen, dass die HUK-Coburg noch enger mit den Werkstätten zusammen arbeiten wolle, damit die Teileeinkäufe verbilligt werden können.
    Schwarze Schafe bei den SV wird es bestimmt auch geben, die bei Werkstätten durch lautere oder unlautere Mittel für sich und gegen den Mitkonkurrenten zu gewinnen. Aber gegenüber dem unlauteren Verhalten der Versicherer dürfte dies ein „Fliegenschiß“ sein.

  6. Susi sagt:

    Wie lange will die Wettbewerbszentrale noch in Untätigkeit verharren?
    Kein Versicherer unterscheidet nachweislich mehr zwischen Kasko-Vertragspartner und dem Geschädigten des Haftpflicht-Versicherten.
    Der 1. Zugriff auf den Anspruchsteller ist doch nur der Anfang einer Kette von weiteren Gesetzesverstößen. Der Versicherer lenkt den Schadensersatz Begehrenden in seine unter Vertrag stehende Werkstatt. Die zur Schadenabwicklung gehörenden Daten kommen per Leitung, dank audatex, vom Versicherer.
    Natürlich kommt kein Versicherer auf die Idee, beim Anspruchsteller dazu um Erlaubnis zu bitten.

    Umgekehrt das Gleiche, das Fahrzeug wird in die Werkstatt verbracht, unter dem Deckmantel des Rundumservices gehen alle Daten an den Versicherer des Unfallgegners. Siehe hierzu:

    AudaNet
    Werkstatt-Kommunikation

    Bei der Werkstatt-Kommunikation können seitens der Versicherung – ähnlich wie bei der SV-Kommunikation – Aufträge an eine Werkstatt in strukturierter Form versendet werden. Diese Daten werden ins Managementsystem der Werkstatt eingelesen und können so direkt ohne weiteren manuellen Aufwand weiter bearbeitet werden.

    Der fertig erstellte Kostenvoranschlag inkl. Bilder und beliebiger Anlagen kann dann über AudaNet zurückgesendet werden. Auch die RKÜ/Reparaturfreigabe, die auf der Versicherungsseite entsprechend vorbelegt ist, geht über den gleichen elektronischen Weg an die Werkstatt.

    Natürlich kann der Prozess auch auf Werkstattseite mit der Schadenerfassung und der Erstellung eines Kostenvoranschlags beginnen. Eine Auftragserteilung durch den Versicherer erfolgt ebenfalls elektronisch.

    Sollten Sie weitere Fragen zu AudaNet haben, so wenden Sie sich bitte an Ihren Kundenberater oder den Audatex Direkt Vertrieb …

    Quelle: http://www.audanet.de/portal/page

    …… habe ich, allerdings an die Wettbewerbszentrale. Gleichzeitig richten sich diese Fragen auch an die Datenschutzbeauftragten der Versicherer bzw. des GDV und wann man gedenkt, einzuschreiten und Einhalt zu gebieten? Wobei es schon interessant wäre, ebenfalls eine Antwort im Bezug auf den Schutz der Daten des Kasko-Versicherungsnehmers zu erhalten.

  7. Hagen sagt:

    Guten Tag, obwohl der Artikel schon etwas älter ist habe ich eine sich aus der aktuellen Entwicklung der sozialen Netzwerken ergebende Frage.
    Ist es ihrer Meinung nach unlauter wenn ich einer Privatperson die meinen Gutachterservice bei z.B. Facebook empfiehlt einen 50,-€ Zalando Gutschein zukommen lasse, wenn aus der Empfehlung ein Gutachten wird?

    Hochachtungsvoll Hagen S.

  8. Boris sagt:

    Hi, Hagen,
    verkauf ihr ein paar Wintersocken, denn dann kann sie warm sich rocken und Du hast nicht die Last der Frage, alles andere wäre schade.
    Boris

  9. borsti sagt:

    Seit 2009 hat sich nichts geändert! Siehe oben. Die Wettbewerbszentrale – eine Versorgungseinrichtung mit bestbezahlten Pöstchen für ansonsten überflüssige Juristen, die sich damit beschäftigen „Kleintiere“ zu fangen und sorgsam darauf achten den Haifischen nicht zu nahe zu kommen. Wer da nichts wird, kann ja zur GDV gehen – da findet sich immer was.

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