Die HUK zu dem Vorhaben eines eigenen Werkstattservicenetzes : „Wir planen kein A.T.U.-System, wo nachher HUK-COBURG drüber steht“

Quelle: Autohaus Online vom 11.03.2013

Der Aufruhr in Bonn beim ZDK und auch in den Aftersales-Abteilungen der Automobilindustrie und im Handel kann derzeit kaum größer sein. Und selten zuvor hat eine Nachricht auch derart viel Wirbel und Verunsicherung ausgelöst, als dies durch einen Beitrag der Süddeutschen Zeitung in der Vorwoche der Fall war.

Im Kern ging es dabei um ein „erweitertes Werkstattkonzept“, bestehend aus HUK-COBURG-Vertragswerkstätten, die künftig auch Inspektionen und Serviceleistungen anbieten sollen – mit 20 bis 30 Prozent günstigeren Konditionen als die autorisierten Autohäuser der jeweiligen Marken.

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Natürlich plant die HUK kein EIGENES WERKSTATTNETZ auf dem HUK COBURG draufsteht. Denn dann würde auch den angelernten Reinigungskräften bei der BaFin auffallen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, dem Treiben ein sofortiges Ende zu setzen?
Man kann gespannt sein, wie die Autohersteller und Kraftfahrzeugverbände nun reagieren? „Verunsicherung“ riecht jedenfalls nach Schwäche und dürfte auf alle Fälle nicht der richtige Weg sein? Walter hatte in seinem Kommentar vom 12.03.2014 bereits einen ersten Lösungsansatz aufgezeigt:

Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG):

§ 7 Zulässige Rechtsformen; versicherungsfremde Geschäfte

(1) Die Erlaubnis darf nur Aktiengesellschaften einschließlich der Europäischen Gesellschaft (SE), Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit sowie Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts erteilt werden.

(1a) Der Ort der Hauptverwaltung muß im Inland gelegen sein.

(2) Versicherungsunternehmen dürfen neben Versicherungsgeschäften nur solche Geschäfte betreiben, die hiermit in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Bei Termingeschäften und Geschäften mit Optionen und ähnlichen Finanzinstrumenten ist ein solcher Zusammenhang anzunehmen, wenn sie der Absicherung gegen Kurs- oder Zinsänderungsrisiken bei vorhandenen Vermögenswerten oder dem späteren Erwerb von Wertpapieren dienen sollen oder wenn aus vorhandenen Wertpapieren ein zusätzlicher Ertrag erzielt werden soll, ohne daß bei Erfüllung von Lieferverpflichtungen eine Unterdeckung des gebundenen Vermögens eintreten kann. Bei einer Aufnahme von Fremdmitteln besteht regelmäßig kein unmittelbarer Zusammenhang im Sinne des Satzes 1; § 53c Abs. 3c bleibt unberührt. Bei einem anderen Geschäft ist ein solcher Zusammenhang nur anzunehmen, wenn es nicht mit einem zusätzlichen finanziellen Risiko verbunden ist.

(3) Die Vermittlungstätigkeiten, die nach Artikel 2 Nr. 3 und 4 der Richtlinie 2002/92/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. Dezember 2002 über Versicherungsvermittlung nicht als Versicherungs- und Rückversicherungsvermittlung gelten, gehören zum Geschäftsbetrieb eines Erst- oder Rückversicherungsunternehmens.

Wo genau liegt nun das Problem, wenn man diese Aktivitäten stoppen will? Bei 30.000 angeschriebenen Kasko-Select-Kunden der HUK dürfte es doch nicht schwer fallen, eine systematische „Fremdtätigkeit“ gemäß § 7 VAG nachzuweisen? Insbesondere wenn der HUK-Sprecher diese (Test)Aktivitäten bei Autohaus Online schon bereitwillig eingeräumt hat. Supergau für die HUK als Nachweis für die branchenfremde Tätigkeit dürfte die Erklärung von deren Sprecher sein, man wolle seitens der HUK aktiv in die Kfz-Betriebe investieren („Investment in Hebebühnen oder andere erforderliche Gerätschaften“). Mehr Steilvorlage geht fast nicht mehr.

Liebe Automobilbranche und Mitbewerber der HUK :

Was muss denn noch alles passieren, bis endlich einer den Hintern hebt ??

Autohändler und Autoreparaturwerkstätten können Versicherungsverträge völlig stressfrei vermitteln. Dagegen gibt es (bisher) keine gesetzliche Grundlage.
Branchenfremde Geschäfte sind für Versicherer jedoch gesetzlich untersagt (s.o.). Der Umkehrschluss der HUK, „wenn die Werkstätten Versicherungen verkaufen, dann verkaufen wir Werkstattleistungen“, ist zum einen völlig einfältig bzw. triviale Logik und darüber hinaus – im Hinblick auf § 7 VAG – wohl schlichtweg rechtswidrig?

Nach meiner Rechtsauffassung betrifft dies übrigens auch die bisherigen Aktivitäten mit den „Partnerwerkstätten“ zur Unfallinstandsetzung von Kasko- und Haftpflichschäden, da die HUK zumindest in den Ablauf dieser Reparaturgeschäfte umfangreich logistisch  eingebunden war bzw. ist und entsprechendes eigenes Personal für diese „Fremdtätigkeit“ vorhält. Einige gehen hier noch weiter und sprechen von einer „globalen Prozesssteuerung“ durch die HUK. Das dürfte auch gar nicht so abwegig sein, wenn man mehrere hunderttausend  Werkstattaufträge in 1.300 Partnerwerkstätten steuern will und die Veröffentlichungen der HUK zum Partnerwerkstattkonzept verfolgt?
Von den „Knebelverträgen“ mit den „Partnerwerkstätten“ erst gar nicht zu reden. Je nach Menge des „zugeteilten“ Auftragsvolumen im Verhältnis zum Gesamtumsatz steht dann irgendwann noch die „Scheinselbstständigkeit“ der „Subunternehmer“ im Raum? Diese Thematik sollte man ggf. auch einmal etwas näher beleuchten. Das wär`s doch – die HUK muss (nachträglich) Sozialabgaben abführen für die Mitarbeiter der Partnerwerkstätten?
Vergessen sollte man hierbei auch nicht die Aktivitäten bei der Ersatzteilbeschaffung durch die HUK. Zitat bei Autohaus Online:

Zudem verfüge der Versicherer bereits seit einigen Jahren über eine eigene Teile-Einkaufsplattform, über die man künftig beispielsweise selbst Schmierstoffe, Stoßdämpfer, Abgasanlagen und andere Verschleißteile beziehen, also im gesamten Teilegeschäft einen günstigeren Einkauf ermöglichen könne.“

Eine EIGENE TEILE-EINKAUFSPLATTFORM eines Versicherers? Aber Hallo!

Dann gibt es noch die steuerliche Problematik (Gewerbesteuerpflicht?) sowie möglicherweise handwerksrechtliche Kollisionen, Wettbewerbsverstöße, Verdacht auf kartellrechtswidrige Absprachen, Verstoß gegen die Preisauszeichnungspflicht (der Partnerwerkstätten)  usw.?

Alles in allem also ein durchaus reichlich gedeckter Tisch für engagierte Fachanwälte mit Streitwerten, die das Anwaltsherz höher schlagen lassen? Guten Appetit und Wohl bekomms!

Als Autohersteller oder betroffener Autohändler bzw. Mitbewerber hätte ich dem „Marktführer“ schon lange mal gezeigt, wo der „Partnerwerkstatt-Hammer“ hängt. Dass sich Weltkonzerne wie Audi, BMW, Mercedes, VW … sowie die Mitbewerberkonzerne schon seit 2002 von denen auf der Nase herumtanzen lassen, ist einfach unbegreiflich.

Siehe auch:

Captain-HUK-Beiträge „Partnerwerkstatt“

ACE-Online vom 01.09.2010

Ansahl vom 23.01.2008

Autohaus Online vom 18.01.2008

Auto Seeger

Autoservicepraxis vom 19.11.2012

BVSK-1 vom 07.03.2014

BVSK-2 vom 07.03.2014

Focus vom 03.11.2008

HUK Coburg Partnerwerkstätten

HUK Coburg Schadenservice

HUK Coburg AKB

Presseportal vom 23.09.2008

Versicherungsbote vom 06.03.2014

Versicherungsmagazin vom 17.01.2008

Wikipedia

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