LG Coburg: Unfallgeschädigter darf nach den Verrechnungssätzen einer Markenwerkstatt abrechnen – HUK nimmt Berufung zurück

Lange haben wir Anwälte nach einem Urteil oder einer Entscheidung gesucht, in der das LG Coburg als „Stammsitz-Gericht“ der HUK zu der leidigen Frage der Stundenverrechnungssätze Stellung nimmt. Wie der juristischen Datenbank „Juris“ am Freitag, dem 18.01.08 zu entnehmen war, liegt nunmehr eine Entscheidung des LG Coburg vor. 

Das Landgericht hatte sich mit einem Fall zu befassen, in dem ein Geschädigter den Schaden an seinem Mercedes Sprinter hatte begutachten lassen. Der Gutachter kam auf Reparaturkosten in Höhe von fast 4000,00 EUR und legte dabei die Stundenverrechnungssätze einer Mercedes-Fachwerkstatt zugrunde. Die Versicherung war aber der Ansicht, der Geschädigte müsse sich auf eine günstigere, von der Versicherung empfohlene freie Werkstatt verweisen lassen, nachdem sein Fahrzeug schon fünf Jahre alt war und über 250.000 km auf dem Tacho hatte. Als der Geschädigte dieser Aufforderung nicht nachkam, kürzte sie die Schadensersatzleistung um 580,00 EUR.

Der Geschädigte nahm das nicht hin und klagte zunächst vor dem AG Kronach (Az. leider nicht bekannt).Dort bekam er Recht. Die Versicherung ging in die Berufung vor dem LG Coburg. Dort erhielt sie allerdings eine Abfuhr in Form eines Hinweisbeschlusses. Das LG Coburg wies darauf hin, dass nach seiner Ansicht ein Unfallgeschädigter grundsätzlich Anspruch auf Ersatz der in einer markengebundenen Werkstatt anfallenden Reparaturkosten habe. Er müsse nicht erst mit seinem Fahrzeug und dem Gutachten mehrere Werkstätten „abklappern“, um herauszufinden, welche Werkstatt seinen Sprinter günstiger reparieren könne. Der Geschädigte, so das LG im Hinweisbeschluss, müsse sich zur Reparatur seines KFZ von der gegnerischen Versicherung nicht auf irgendeine Fachwerkstatt verweisen lassen. Vielmehr könne er die Reparaturkosten nach den Sätzen berechnen, die in einem markengebundenen Betrieb anfallen. Die Reparatur in einer nicht markengebundenen Werkstatt könne auch den Wiederverkaufswert des Fahrzeuges beeinflussen, worauf sich der Geschädigte nicht einlassen müsse.

Die Versicherung hat nach dieser recht eindeutigen Hinweisverfügung die Berufung zurückgenommen. Ich vermute, dass dahinter aber nicht die Erkenntnis steht, im Unrecht zu sein, sondern die Versicherung lediglich verhindern wollte, dass es an ihrem Stammsitz ein schriftliches Urteil gibt, in dem klar und deutlich steht, dass die bislang vorgenommenen Kürzungen der Stundenverrechnungssätze rechtswidrig sind.

Trotzdem sollte die Gelegenheit genutzt werden. Es kann jedem Geschädigten nur empfohlen werden, künftig seine Rechtsstreitigkeiten mit der HUK bezüglich dieser Problematik am Sitz der Versicherung in Coburg auszutragen, insbesondere dann, wenn die Rechtsprechung bei dem Gericht des Unfallortes nicht bekannt oder unsicher ist.

Urteilsliste „Fiktive Abrechnung“ zum Download >>>>>

Über RA Bernhard Trögl

Geb. 10.12.1969 in Weissenburg 1991- 1995 Studium an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen 1995 – 1997 Referendariat, unter anderem bei der Audi AG in Ingolstadt 01.09.1998 Eröffnung einer eigenen Anwaltskanzlei Seit Beginn der anwaltlichen Tätigkeit schwerpunktmäßig mit der Abwicklung von Verkehrsunfällen befasst (sowohl Klein- als auch Großschäden) RA Trögl engagiert sich neben seiner Kanzleitätigkeit noch als Referent bei Schulungen sowie auf der Internet-Plattform www.frag-einen.anwalt.de. Zudem ist er Fördermitglied im Verband der unabhängigen Kraftfahrzeug-Sachverständigen e.V seit dem Jahr 2001. Bernhard Trögl Marktplatz 5 91785 Pleinfeld ratroegl@t-online.de www.ra-troegl.de
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