Fiktive Abrechnung endlich hoffähig! – schöne Aussichten, oder?

Dem ehemaligen bayerischen Landesvater, Edmund Stoiber, sei Dank! Seine Hartnäckigkeit, sein Einsatz und sein unablässiges Streben nach Konsolidierung der deutschen Altersversorgung durch Lukrativizierung der Beitragszahlererzeugung hat endlich Früchte getragen!

Ja, man höre und staune, sogar die Ursula, ja die von der Leyen, genau die, soll jetzt einen Gesetzesentwurf vorbereitet haben, in dem das Betreuungsgeld verankert ist.

Endlich ist auch in Berlin angekommen, was in der deutschen Unfallschadensabwicklung bereits jahrzehntelang Gesetz ist, nämlich die fiktiv mögliche Schadensabwicklung. Es war aber bisher auch gemein und ungerecht, dass alleine die kleine Elite der Kfz­Unfallgeschädigten ihren Schaden fiktiv abrechnen und mit dem erhaltenen Geld machen durften, was sie wollten, und die armen Eltern kriegen nichts, gar nichts, nur weil ihr Kind nicht in die Krippe soll !?!

Jetzt wird der Traum vom Edmund endlich wahr, dass auch die Eltern, die für ihren Schadensfall…. äh, Kind keinen Platz in der Partnerwerkstatt… äh, Krippenplatz bekommen, anstatt der Reparatur… äh, der Betreuung in der Kinderkrippe…. äh, Partnerwerkstatt, nun endlich für die Betreuung ihres Kindes…. äh, Schadensfalles zu Hause (Eigenreparatur !?) fiktiven Schadensersatz in Form des Betreuungsgeldes erhalten. LOL!-oder so ähnlich- !?!

Welch eine tolle Errungenschaft!

Und das Betreuungsgeld / fiktiver Schadensersatz soll sogar dann fließen, wenn die Schwiegermama / der Spezi vom Fach und nicht die Eltern / die Geschädigten die Betreuung / die Reparatur durchführen — einfach super, diese Idee, oder?

Denn nach althergebrachter Tradition im Schadensersatzrecht ist der Geschädigte / der Erziehungsberechtigte doch

„Herr des Restitutionsgeschehens“.

Er ist in der Verwendung des „erforderlichen Geldbetrages / Betreuungsgeldes“ völlig frei.

Ist es deshalb selbstverständlich gestattet, den fiktiven Ersatzbetrag frei zu verwenden, so darf nunmehr die Schwiegermana betreuen und die Mama das Betreuungsgeld, beispielsweise gemeinsam mit befreundeten Leidensgenossinnen, in der Frühstückskneipe um die Ecke genüsslich beim Brunch verprassen, halt genauso wie bei der fiktiven Schadensabrechnung!

ABER HALT!

Wenn das Betreuungsgeld so einschlägt wie seinerzeit die fiktive Abrechnung, dann wird es wohl ziemlich leer werden in den vielen Kinderkrippen, die jetzt aus dem Boden gestampft werden, oder etwa nicht?

Den Gönnern und Förderern der Brunchkultur sei auf ewig gedankt, werden sich die Gastwirte denken, und man wird vielleicht bald wieder darüber nachdenken müssen, wie man das fiktive Betreuungsgeld ähnlich der fiktiven Schadensabrechnung wieder einschränken kann, bevor die Krippe noch ganz verwaist, und die Schwiegermamas landauf, landab ob der Betreuungslast kollabieren. Wie diese Eindämmung dann vonstatten gehen kann, das hat die deutsche Unfallschadensabwicklung ebenfalls längst vorgezeichnet: der Service muss ausgebaut werden!

-Der Hol- und Bringservice der Partnerwerkstatt lässt sich doch wunderbar auf die Kinderkrippe übertragen.

-In der Kinderkrippe gibt‘s dann halt – wie den kostenlosen Ölwechsel – als Draufgabe noch denWindelwechsel.

-Die Reparaturwerkstatt bringt Fahrzeuge nach Durchführung der Reparatur gereinigt wieder zum Kunden zurück; das   sollte doch den Kinderkrippen auch möglich sein, oder? Also: schön baden, die Kleinen! gell?

-Umgekehrte Nachahmung ist auch nicht so fern liegend, wie viele meinen: wenn schon die Kinderkrippe das Kind nicht nur frisch gewickelt und gebadet sondern auch frisch durchgefüttert bei der nach der Brunchorgie satten Mama wieder abliefert, dann sollte sich die Partnerwerkstatt daran ein Beispiel nehmen und das reparierte, ölgewechselte und gewienerte Auto auch voll getankt wieder beim Geschädigten abliefern, oder?

So viele Parallelen werden letztlich wohl zu einer Maximierung der Synergieeffekte führen:

Partnerbetrieb und Kinderkrippe fusionieren!

Nicht auszudenken, was sich durch die Bündelung der Dienstleistungen an Personal und Geld einsparen ließe.

Ergebnis wäre eine schöne neue Welt:

Mit dem Erwerb des neuen Familienfahrzeuges schließen die Eltern – noch weit in der pränatalen Phase – mit ihrer Partnerwerkstatt einen Rahmenvertrag, in dem alle Leistungen gebündelt und aus einer kompetenten Hand, nämlich der

„Partnerkrippe“

erbracht werden.

Dort wird alles erledigt, von der Fahrzeugübergabe / geburtshilflichem Kreißsaalmanagement über die 1.000 km-Inspektion / U 1 und die weiteren TÜV-Intervalle / U 2 — U 8. Darüber hinaus findet selbstverständlich ein täglicher Hol- und Bringservice statt. Garantiert wird nicht nur die fachlich einwandfreie Serviceleistung am Fahrzeug, sondern selbstverständlich auch die pädagogisch professionelle Kinderbetreuung inklusive Windelung, Fütterung und Badung.

All das bekommt man natürlich völlig umsonst,

wenn das Ultra-Plus-Komfort-Paket bei der Partnerversicherung abgeschlossen wird, inklusive Rabatt-, Diebstahl-, Vandalismus- und Glasbruchschutz, in dem selbstverständlich auch die Nuckelflasche gegen Entwendung und das Bobbycar gegen die Kollision mit Haarwild abgesichert ist.

Dann haben wir es endlich geschafft: wir rechnen fiktiv ab,
verprassen das Betreuungsgeld gemeinsam mit der Schwiegermama, lassen uns vom Hol- und Bringservice und in der Brunchkneipe um die Ecke verwöhnen, die Kinder sind untergebracht, werden professionell rundumerneuert, und nebenbei kriegt die Familienkutsche auch noch eine kostenlose Fullservicebetreuung.

Das sind doch mal nun wirklich schöne positive Aussichten, oder?

Kann mir einer jetzt noch sagen, wieso wir Kinderkrippen brauchen? Wir haben doch die Partnerkippe, das fiktive Betreuungsgeld und die Bobbycar-Plus-Versicherung. Einziger, nicht unbegrenzt verfügbarer Baustein in diesem System dürften letztlich nur die Schwiegermütter sein.

Denkt also lieber über die Gründung einer Schwiegermuttervermietung zum gewichteten Pauschalpreismittel nach, damit die Mama nicht so alleine zum brunchen gehen muss.

Eine schöne Adventszeit wünscht Euch

Euer Willi – L. 0. L. –

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Lustiges veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Kommentare zu Fiktive Abrechnung endlich hoffähig! – schöne Aussichten, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.