Seminare gibt´s …?

Rechtsanwälte unterliegen einer Fortbildungspflicht. Sie sollen sich deshalb über geänderte Rechtsvorschriften anhand geeigneter Materialien informieren, juristische Datenbanken nutzen und insbesondere auch Fortbildungsseminare besuchen. Ein besonderes Exemplar eines solchen Fortbildungsseminares ist dieser Tage angeboten worden, und zwar zum Thema Verkehrsrecht. Der Titel lautet: „Aktuelle Probleme beim Sachschaden.“ Der Untertitel lautet: „So wenden Sie Kürzungen der Versicherungen erfolgreich ab.“ 

Der Besuch des Seminars wird mit folgenden Worten empfohlen: „Die Haftpflichtversicherungen nehmen beim Sachschaden teilweise massive Kürzungen zu Lasten des Geschädigten vor. Sie verweisen auf Erforderlichkeitskriterien sowie die Schadensminderungspflicht des Geschädigten und berufen sich auf entsprechende Prüfberichte.

Das Seminar stellt Ihnen die Tricks der Versicherungen vor und gibt Ihnen konkrete Strategien und Argumente für die Mandatsbearbeitung an die Hand.“ Da frage ich mich doch allen Ernstes: ein solches Seminarangebot dürfte es doch eigentlich gar nicht geben, oder? Ist es nicht so, dass die Haftpflichtversicherer, die in Deutschland tätig sein dürfen, in der Führung ihrer Geschäfte eine besondere Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit besitzen müssen, ansonsten sie keine Zulassung erhalten dürften bzw. diese zu entziehen wäre? Ist es nicht so, dass das Gesetz die Haftpflichtversicherer verpflichtet, unberechtigte Ansprüche abzuwehren, aber ebenso verpflichtet ist, berechtigte Ansprüche von Unfallopfern zu regulieren? Ist es nicht so, dass eine – wahrscheinlich sehr teure – Aufsichtbehörde in Deutschland existiert, die darüber wachen soll, dass sich die Versicherungen dem Gesetz entsprechend und rechtmäßig verhalten? Es muss etwas schwer im Argen liegen, wenn derlei Seminare überhaupt angeboten werden.  Obwohl der Besuch dieses Seminars pro Person 199,00 € zzgl. Umsatzsteuer kosten soll bin ich davon überzeugt, dass es innerhalb weniger Tage überbucht sein wird. Der Titel des Seminars könnte deshalb ebenso lauten: „Wie bewahre ich meinen Mandanten vor dem Geschädigtenbetrug?“  Das Seminar sollte nicht nur Rechtsanwälten sondern auch Staatsanwälten angeboten werden.   Euer Willi Wacker

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