Versicherungstechnische Verluste

Ein Gespräch mit unserem Versicherungsagenten zum Jahreswechsel bezüglich der Versicherungsprämien ergab zu einem Verkehrsunfall aus dem Jahre 2004, dass hier noch eine Regulierung an den Unfallgegner bis zu 47.000 Euro anstehen würde und dieser Betrag unseren Vertrag nach wie vor belaste. Dies nicht nachvollziehen zu können, fragte ich nach.

Der Versicherer rechne nach wie vor damit, dass aus den Verletzungen, ein Schleudertrauma des Unfallgegners, noch Folgekosten in oben genannter Höhe erwartet werden, so die Antwort.  Nichts ahnend über diesen Sachverhalt, da darüber nie informiert, war meine Antwort, wie das denn noch sein könne. Der Unfallgegner, der zum Unfallzeitpunkt schon sehr betagten Alters war, sei doch seit über einem Jahr verstorben.

Hier nun die Bestätigung meiner Vermutungen:

Versicherer verdienen an Schadenrückstellung Milliarden Quelle: http://www.all4finance.de/

Nur zehn der im neuen map-report analysierten 73 Auto-Haftpflichtversicherer haben in den letzten zehn Jahren Geld verdient. Die Schadenversicherer hierzulande haben demnach seit 1996 sogar einen versicherungstechnischen Verlust von fünf Milliarden Euro hinnehmen müssen.

Das Team des Brancheninformationsdienstes map-report hat die Daten in der neuen Bilanzanalyse der Schadenversicherer (map-report Nr. 655-656) erfasst und gegengerechnet. Unterm Strich ergab das Quoten der Marktanteilsveränderungen, die Hitparaden der Größten, Details zu den Sparten Auto, Haftpflicht, Unfall, Hausrat, Gebäude und Feuer sowie das versicherungstechnische Ergebnisse für das Gesamtgeschäft.

Insgesamt haben die Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren 417 Milliarden Euro an Beitragseinnahmen verbucht. Demgegenüber stehen fünf Milliarden Euro versicherungstechnischer Verlust. "Verdient haben die Versicherer … auf den ersten Blick nichts", sagt map-report-Chef Manfred Poweleit. Die Beitragseinnahmen an sich sind offensichtlich jedoch nicht die alleinigen Ertragsquellen der Versicherer. Laut map-report erwirtschafteten sie aus den Schaden-Rückstellungen 57,2 Milliarden Euro Profit.

Nach fünf Jahren hat das map-report-Team erstmals wieder eine ausführliche Bilanzanalyse der Schadenversicherer erarbeitet. Die Ergebnisse sind im Detail für die Branche verblüffend. Die Großen – wie Allianz oder Axa – bilden in Sachen Gewinner und Verlierer bei den Marktanteilen das absolute Schlusslicht. Seit 1996 haben die Schaden- und Unfallversicherer der Allianz zwar bei den Bruttobeitragseinnahmen allein im Jahr 2005 um 16,10 Prozent zugelegt, doch dabei im Laufe der Jahre 1,866 Prozent an Marktanteilen verloren. Die map-report-Anlayse zeigt, dass der Marktführer vieler Sparten in Deutschland auch Marktführer der Verluste ist und somit auf Platz 103 der "Flop-Liste made by map-report" rangiert. Auch die Axa, die mit ihren Schaden- und Unfallversicherern hierzulande bei den Beitragseinnahmen im Jahr 2005 mit einem Plus von 4,23 Prozent punktete, hat sich beim Marktanteil innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 1,749 Prozent verschlechtert.

Dagegen hat es die HDI Gruppe laut map-report mit knappen 0,664 Prozent Marktanteilsverbesserung auf Platz 1 unter den Gewinnern der 103 Schaden- und Unfallversicherern in Deutschland geschafft. Und das mit "nur" 3,51 Prozent Plus bei den verdienten Bruttobeiträgen im Jahr 2005. In der Hitliste folgen die Kravag-Gruppe mit einer Verbesserung ihres Marktanteils um 0,596 Prozent und die Debeka Allgemeine mit 0,406 Prozent.

Bei der Elvia Reiseversicherung – auf Platz 63 des Rankings – hat sich bei dem Marktanteil mit 0,17 Prozent, genau wie vor zehn Jahren, kaum etwas verändert. Sie verzeichnet ein kaum merkliches Plus von 0,001 Prozent, ebenso wie die Fahrlehrerversicherung auf Platz 64, die immer noch einen Marktanteil von 0,10 Prozent (plus 0,001 Prozent) hat. Bei der Universa Allgemeine auf Platz 65 mit nach wie vor 0,07 Prozent (gleichgeblieben 0,000 Prozent) ist der Scheidepunkt zwischen Gewinn und Verlust der Schadenversicherer erreicht. Die HUK-Coburg-Gruppe auf Platz 66 hat zwar auch ihren Marktanteil von 4,78 Prozent seit zehn Jahren behauptet, musste aber unterm Strich ein minimales Minus von 0,001 Prozent hinnehmen.

Die Recherchen der map-reporter zeigen in der Zusammenfassung, dass die Beitragseinnahmen der Versicherer nicht das wichtigste sind und schon gar nicht den Erfolg anheizen. Vielmehr, so gibt Manfred Poweleit zu bedenken, dauere die Regulierung von Versicherungsschäden ihre Zeit. Deshalb "dürfen die Versicherer dafür Rückstellungen bilden – auch für Schwankungen im Geschäftsverlauf". Diese Rückstellungen betragen laut map-report 122 Prozent der Beitragseinnahmen. Diesen Rückstellungen auf der Passivseite der Bilanz stehen auf der Aktivseite entsprechende Kapitalanlagen gegenüber, die Zinsen, Dividenden und Kursgewinne bringen. Poweleit: "Die Erträge daraus sind so üppig, dass aus fünf Milliarden Euro versicherungstechnischem Verlust nach Kapitalanlagen ein Profit von 57,2 Milliarden Euro wird."

Autor(en): Ellen Bocquel

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8 Antworten zu Versicherungstechnische Verluste

  1. Andreas sagt:

    Tja, so kann man halt auch Gewinne machen. Das wäre aber durchaus mal ein Fall für die BaFin.

    Grüße

    Andreas

  2. Peacemaker sagt:

    Versicherungstechnischer Gewinn ist als das, was man nicht irgendwie anders verbuchen kann.

  3. downunder sagt:

    ob die rückstellungen im nächsten jahr auch schön brav wieder aufgelöst werden?–na ja,glauben wir`s mal.
    ich werde meinen anwalt jedenfalls anweisen,alle definitiv abgeschlossenen fälle am jahresende dem zuständigen finanzamt als abgeschlossen zu melden.
    mal sehen,ob die rückstellungen dann nicht weniger werden.
    sydney`s gemeinest

  4. virus sagt:

    @downunder
    „ob die rückstellungen im nächsten jahr auch schön brav wieder aufgelöst werden?–na ja,glauben wir`s mal.“

    Nach dem was hier des öfteren zu lesen war, können Schadenersatzansprüche drei Jahre lang geltend gemacht werden und dann all die Fälle, wo Ansprüche aus Verletzungen lebenslang bestehen. Mit den Auflösungen nach einem Jahr wird es wohl nichts werden.
    Schlimm nur, die Betroffenen kämpfen derweil mit und um jeden Cent. In dieser Zeit die Versicherer damit beschäftigt sind, neue Schippen (Schaufeln) zu kaufen, damit das Geld im Keller nicht schimmelig wird.

    Und die vielen Rechtsstreite um 50 Euro hier und 500 Euro da – vielleicht wäre es daher hilfreich, den oben abgedruckten Artikel den Gerichten mit zur Kenntnis zu geben. Dann haben die Richter ein sehr gutes Argument, hier „Schmerzensgeld“-Strafen in den entsprechenden Höhen gleich mit auszusprechen.
    Auch sollten wir unbedingt darüber nachdenken, unsere Zuarbeiten für die von den Versicherern angezettelten Rechtsstreite endlich in Rechnung zu stellen. Wobei ich den Aufwand nach Zeit berechnen würde, sodass 220 Euro pro Stunde in Ansatz zu bringen sind. Der Betrag ergibt sich aus dem Aufwand für die (unnötige) Sache und aus den Verlusten für die in dieser Zeit unproduktiven Tätigkeit.

    Neue Wege braucht das Land.

    virus

  5. Jurax sagt:

    Aus meiner Tätigkeit als WP kann ich sagen, dass die meisten Versicherer das Kraftfahrtgeschäft nicht wegen der Versicherungstechnik (also der Einnahmen und Ausgaben aus dem Versicherungsgeschäft) betreiben. Gerade die K-Versicherung mit ihrem cash flow und der Möglichkeit der Erzielung nichtversicherungstechnischer Gewinne aus Kapitalanlagen ist ein schönes Beispiel dafür, wie Versicherung heute funktioniert.

    Gäbe es eine gesetzliche Beschränkung auf die Versicherungstechnik, müssten Autoversicherungen im Schnitt 25 % teurer sein, um eine kapitalmarktgerechte Umsatzrendite zu erzielen. Oder um es deutlicher zu sagen: Ohne die Kapitalanlagemöglichkeit würde prompt eine ‚Heuschrecke‘ im Aufsichtsrat den Versicherer dazu zwingen, das K-Geschäft aufzugeben.

    Beschränkt auf die Versicherungstechnik gäbe es am deutschen Markt noch maximal fünf K-Versicherer, darunter die, die hier besonders oft zitiert werden.

    Und zum konkreten Schadenfall: HWS-Syndrom, betagter Geschädigter, überschlägiges Risiko von € 40.000 Pflegekosten pro Jahr (im wesentlichen Unfall abhängig). Könnte es sein, dass niemand dem Versicherer bescheidgesagt hat, dass der Geschädigte inzwischen verstorben ist?

  6. versicherungsanwalt sagt:

    @ jurax
    könnte es sein,dass der versicherer das garnicht wissen wollte?

  7. downunder sagt:

    @versicherungsanwalt
    warum?
    um die unterlassung der rückstellungsauflösung mit unwissenheit rechtfertigen zu können,falls erforderlich?

  8. borsti sagt:

    @ Jurax
    ….müssten Autoversicherungen im Schnitt 25 % teurer sein, um eine kapitalmarktgerechte…

    Daraus folgt, daß die armen K-Versicherer ihr Geschäft doch tatsächlich mit Erträgen aus Kapitalanlage erwirtschaften müssen !!

    Eine nette Vorstellung, — da kauft die HUK Allianz-Aktien damit sie über die Runden kommt. Oder wie ??
    Grüße aus dem Unterholz
    borsti

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