Das Verkehrsunfallopfer zwischen Haftpflichtversicherung und Reparaturbetrieb

Wie definiert sich ein Kraftfahrzeug-Haftpflichtschaden?

Im Haftpflichtschadensfall ist der Unfallverursacher verpflichtet, dem Unfallopfer gemäß § 249 BGB den Schaden zu ersetzen, den er Unfallbedingt erlitten hat. Der Unfallgeschädigte ist so zu stellen, als wäre der Schaden nicht eingetreten.  (§ 3 Pflichtversicherungsgesetz).  

Im Straßenverkehrsrecht kommen gleich drei Personen in Betracht, gegen die der Geschädigte seine Ansprüche einzeln aber auch gleichzeitig richten kann:

– der Halter des Fahrzeugs         

– der Fahrer des Fahrzeugs

– der Haftpflichtversicherer des Fahrzeugs

Der geschädigte Autofahrer, somit das Unfallopfer, macht in der Regel gegenüber dem Schädiger folgende Positionen geltend:

– den Sachschaden

– den Personenschaden

– den Vermögensschaden

Zum Jahresende übertrafen sich die Kfz-Versicherer in ihren geschalteten Werbeauftritten in Funk und Fernsehen, mit Billig – billiger – am Billigsten. Die Folge daraus, die Kfz-Versicherer müssen eine Möglichkeit finden, die zu niedrigen und damit nicht die Kosten deckenden Prämieneinnahmen zu kompensieren bzw. dennoch aus dem Kraftfahrzeuggeschäft einen Gewinn zu realisieren. Der Zauberspruch hierzu lautet „Schadensmanagement der Versicherer“, welches sich wie folgt definiert:

„Die kontrollierte Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette im Unfallmanagement – vom Abschleppen des beschädigten Fahrzeugs, über die Bereitstellung eines Leihwagens, bis hin zur Aufsicht und Lenkung des gesamten Reparaturprozess“.  

Somit die Schadenregulierung seitens des Versicherers zu Lasten der Geschädigten – unter Missachtung jeglicher Gesetzgebung und Rechtsprechung – vorzunehmen. Hierzu wird sich  so genannter Partner, z. B der Sachverständigen-Organisationen DEKRA, Car-Expert oder der SSH, aber auch vertraglich gebundener Sachverständiger bedient. Dem Geschädigten wird eine schnelle Schadenregulierung in Aussicht gestellt, damit er sich auf die Wünsche des Versicherers einlässt. Auch wenn wie z. B. die DEVK damit werben: „Wir wollen noch am Tag des Unfallgeschehens ihren Schaden regulieren“ dauert es schon mal mehrere Wochen bis zur endgültigen Schadenregulierung. 
Die gegnerischen Versicherungen versuchen zudem, die Fahrzeugreparatur in so genannten „Vertrauenswerkstätten der Versicherer“ durchführen zu lassen bzw. bei der Notwendigkeit einer Leihwagenanmietung, ebenfalls einen Vertragspartner zu benennen. All diese Unternehmen handeln dann nach Vorgaben der Versicherer, mit der Folge, dass Schadenschätzungen zu niedrig ausfallen oder unechte Totalschäden durch die unrechtmäßige Einschaltung von Restwertbörsen herbei gerechnet werden. Möglicherweise kommt es auch zu mangelhaften Reparaturen durch die in den Kosten erheblich gedrückten „Vertrauens-Reparaturwerkstätten“.
Fatal, die fehlende Einschaltung einer rechtlichen Vertretung durch das Unfallopfer lässt diesen die Minderung seiner Schadensersatzansprüche, welche auch schon mal mehrere tausende Euro betragen können, nicht erkennen.
Daher, das Unfallopfer muss seine durch den Gesetzgeber zugebilligten bzw. durch die gefestigte Rechtsprechung bestehenden Rechte nicht nur kennen, es muss diese auch einfordern.
Das Unfallopfer hat das Recht:

– der freien Wahl des Kfz-Gutachters

– der freien Wahl eines Rechtsanwaltes 

– der freien Wahl der Reparaturwerkstatt

Weiterhin hat der Geschädigte die Möglichkeit, seinen Kfz-Schaden fiktiv bei der gegnerischen Versicherung abzurechnen. Auch die Wahl der Mietwagenfirma obliegt dem Geschädigten.

Bei eindeutiger Rechtslage sind sämtliche Kosten für die oben genannten Leistungen Teil des Gesamtschadens und müssen daher von der gegnerischen Versicherung in vollem Umfang beglichen werden. Eine Rechtschutzversicherung wäre somit nicht erforderlich.
Der Geschädigte ist gut beraten, um weiterem Schaden nach einen Verkehrsunfall an seinem Vermögen abzuwenden, die gesamte Schadenabwicklung selbst zu veranlassen. Er ist in keinster Weise verpflichtet, selbst Kontakt zur Versicherung des Unfallgegners aufzunehmen. Ganz im Gegenteil, der Laie – der nun mal der Geschädigte in der Regel ist – sollte es tunlichst vermeiden, sich mit den geschulten Sachbearbeitern der Versicherung einzulassen. Dies sollte einzig und allein dem Rechtsanwalt seines Vertrauens vorbehalten bleiben.

In folgender zeitlicher Reifenfolge sollte das Opfer seine Ansprüche geltend machen.

1. Niemals telefonischen Kontakt vom Unfallort zur Versicherung des Unfallgegners aufnehmen. Am besten, keine Telefonnummern dem Unfallgegner mitteilen, da man sonst davon ausgehen muss, das sich die Versicherung ungefragt mit dem Geschädigten in Verbindung setzt. Dies wäre dann der Einstieg des Versicherers mit seinem „Schadenmanagement“,  so dass das finanzielle Unheil für das Unfallopfer seinen Lauf nehmen kann.

2. Den Kfz.-Sachverständigen seiner Wahl und somit seines Vertrauens mit der Begutachtung seines Schadens beauftragen.
Hier gilt unbedingt, Hände weg vom Kostenvoranschlag – dieser kostet oftmals Geld, welches die Versicherung dann nicht erstatten will. Außerdem hat ein Kostenvoranschlag keinerlei Beweiskraft. Zudem kürzen viele Versicherer bei einer fiktiven Abrechnung diese Kostenvoranschläge unberechtigter Weise.

3. Umgehend einen Termin mit dem selbst gewählten und auf Verkehrsrecht spezialisierten Anwalt vereinbaren.

4. In Absprache mit dem Sachverständigen, denn dieser kann in der Regel umgehend erkennen, ob hier ein Reparaturschaden oder wohl möglich ein Totalschaden vorliegt, die Werkstatt seines Vertrauens mit der Reparatur beauftragen.

5. Falls erforderlich, einen Leihwagen, ebenfalls bei der Firma der eigenen Wahl, anmieten.

zu 1.) Freie Wahl eines Kfz-Sachverständigen

Nur durch die freie Auswahl eines Kfz-Gutachters seines Vertrauens wird gewährleistet, dass sämtliche Ansprüche des Geschädigten im Rahmen des Fahrzeugschadens ermittelt werden.
Da die gegnerische Versicherung, auch wenn diese dem Unfallopfer gegenteiliges vorspiegelt, kein generelles Besichtigungs- bzw. Nachbesichtigungsrecht hat, sollten dergleichen Ansinnen generell nicht zugestimmt werden. Hier sollte umgehend der eigene Kfz-Gutachter und der Rechtsanwalt informiert werden.
Der Aufgabenbereich des freien Sachverständigen umfasst: die Beweissicherung, die korrekte Ermittlung des Fahrzeugschadens, die Festlegung des Reparaturweges, die Festlegung der Reparaturdauer, die Ermittlung der Wertminderung, die Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes, die Ermittlung des Restwertes, wenn ein Totalschaden vorliegen sollte, die Reparaturbegleitung bei einer Ausweitung des Reparaturumfanges, eine eventuelle Reparaturbestätigung nach erfolgter Reparatur, die Nachbesichtigung bei Reparaturmängeln bzw. Mängelrügen. Gleichzeitig tritt der Sachverständige als sachverständiger Zeuge bei gerichtlichen Auseinandersetzungen auf.
Somit hält das Unfallopfer mit seinem Schadensgutachten ein Dokument in Händen, mit dem er seine Ansprüche gegenüber der Versicherung sowohl außergerichtlich als auch im Klageverfahren geltend machen kann.

Durch ein eigenes Gutachten verfügt der Geschädigte über ein Dokument, mit dem er auch eine Kontrollmöglichkeit gegenüber der Werkstatt hat.
Bei mangelhafter oder unzureichender Ausführung der Reparatur kann z.B. der Sachverständige zur Überprüfung der Reparaturqualität herangezogen werden.

Ein Schadensgutachten spielt auch eine erhebliche Rolle bei eventuellen gerichtlichen oder außergerichtlichen Auseinandersetzungen, z.B. wenn das gegenständliche Fahrzeug vor Regulierung bereits instandgesetzt oder zwischenzeitlich veräußert wurde.

Ein wesentlicher Punkt für die Beauftragung des Gutachters seines Vertrauens ist auch die Abrechnung des Schadens gemäß Gutachten. Hierbei handelt es sich um den Fall, dass der Geschädigte das Fahrzeug nicht, oder im Moment nicht instand setzen lassen möchte. Die übliche Bezeichnung hierfür ist  – die fiktive Abrechnung. Bei dieser Abrechnungsform hat der Geschädigte das Recht auf Erstattung der Reparaturkosten gemäß Gutachten, (seit 01.08.2002 – neues Schadensersatzrecht – nur noch der Nettofahrzeugschaden also ohne MwSt).
Aus den oben genannten Gründen kann nur dringend empfohlen werden, die Auswahl und Beauftragung des Gutachters grundsätzlich selbst zu veranlassen, auch und gerade dann, wenn Versicherer und Reparaturbetriebe dies nicht wünschen. Das clevere Unfallopfer sucht den Gutachter vor Ort, dies ermöglicht kurze Wege und den so wichtigen persönlichen Kontakt bei Problemen.
Das Recht zur Erteilung eines Gutachtenauftrages obliegt einzig und allein dem Geschädigten. Daraus ist zu schlussfolgern, der Versicherer hat keinerlei Rechte, auf einen Sachverständigen zu verzichten oder auf einen Kostenvoranschlag zu dringen bzw. den Sachverständigen zur Fahrzeugbesichtigung vorzuschreiben.

zu 2.) Freie Wahl eines Rechtsanwaltes

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit und Gegenwart zeigen, dass ein Großteil der abgewickelten Unfallschäden ohne Einschaltung eines Juristen für den Geschädigten ein unbefriedigendes Ergebnis erbracht haben und zunehmend bringen. Davon betroffen sind nicht nur komplizierte oder schwerwiegende Fälle mit Personenschaden. Auch bei der Regulierung so genannter „Kleinschäden“, welche auf Wunsch der Versicherer schon mal bis zu 2.500 Euro betragen sollen, verschärfen sich die Konflikte mit den Versicherern. Kommt der Versicherer aufgrund des eindeutigen Schadensherganges an einer Regulierung nicht vorbei, sollen so genannte „Kürzungsfirmen“ im Auftrag der Versicherer die Stundenverrechnungssätze freier Werkstätten die Stundenverrechnungssatz der Markenwerkstatt ersetzen. Ersatzteilaufschläge und Verbringungskosten werden zum Abzug gebracht und der Nutzungsausfall nicht gezahlt sowie eine Wertminderung nicht anerkannt. Das Schadensmanagement der Versicherer soll hier greifen. Dies zeigen überdeutlich, die in letzter Zeit gesprochenen höchstrichterlichen Urteile. In Kenntnis der aktuellen Rechtsprechung wird die anwaltliche Vertretung alle Ansprüche des Geschädigten geltend machen und notfalls gerichtlich durchzusetzen. Denn das Unfallopfer hat in der Regel Anspruch auf: – Abschleppkosten, Ersatzteilaufschläge, Fahrzeugschaden, Nutzungsausfall, Schmerzensgeld, Umbaukosten, Unkostenpauschale, Verbringungskosten, Verdienstausfall und Wertminderung.
Um “Waffengleichheit” herzustellen, ist es für den Geschädigten heute unerlässlich, einen Rechtsanwalt seines Vertrauens zu beauftragen.
Auch und gerade bei einer vermeintlichen klaren Haftungslage sollte keinesfalls auf einen Rechtsbeistand verzichtet werden. Idealer Weise richtet der Anwalt die Klage direkt gegen den Versicherungsnehmer. Nicht zuletzt um diesen aufzuzeigen, inwieweit dessen Versicherung ihm gegenüber beabsichtigt, für die Vertragserfüllung einzustehen.

zu 3.) Freie Wahl der Reparaturwerkstätte

Ein Geschädigter kann die Instandsetzung seines Fahrzeuges grundsätzlich in einer Werkstatt seiner Wahl durchführen lassen. Die Versicherung ist nicht berechtigt, auf die Auswahl des Reparaturbetriebes Einfluss zu nehmen. Die Kosten für die Instandsetzung des Fahrzeuges müssen von der Versicherung übernommen werden, sofern sie sich im Rahmen eines seriösen Schadengutachtens bewegen.

Die Abrechnung der Kosten für die Instandsetzung kann auf zwei Wegen erfolgen:

1.) Der Geschädigte begleicht die Rechnung selbst und fordert die entstandenen Kosten bei der eintrittspflichtigen Versicherung ein.
2.) Der Geschädigte tritt die Rechte aus Forderung für die Reparaturkosten an den Reparaturbetrieb ab. Die Werkstatt macht dann die entsprechenden Kosten direkt bei der Schädigerversicherung geltend.

zu 4.) Wahlweise Erstattung der Reparaturkosten – fiktive Abrechnung

Für den Geschädigten ergibt sich außer der Reparatur im Fachbetrieb auch die Möglichkeit, den Schaden, den der Kfz-Sachverständige in seinem Gutachten ermittelt hat, auszahlen zu lassen (Nettofahrzeugschaden ohne MwSt). Dies bezeichnet man als “fiktive Abrechnung” oder „Abrechnung gemäß Gutachten“. Abzüge von den ermittelten Kosten dürfen in der Regel nicht vorgenommen werden. Sollte die Versicherung Abzüge vornehmen, empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Sachverständigen. Dieser kann dann dem Anwalt technische Hilfeleistung zur Durchsetzung der Ansprüche des Opfers leisten.

zu 5.) Freie Wahl bei der Beschaffung eines Mietwagens

Der Geschädigte hat grundsätzlich das Recht auf Inanspruchnahme eines Mietwagens für den Zeitraum, in dem sein Fahrzeug instandgesetzt wird (Reparaturschaden), bzw. für den Zeitraum zur Beschaffung eines Ersatzfahrzeuges (Totalschaden). Ist ein Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher, besteht hier ein Anspruch vom Unfalltag bis zur durchgeführten Fahrzeugreparatur. Der jeweilig erforderliche Zeitraum wird durch den Sachverständigen im Gutachten festgelegt. Im Rahmen der Schadensminderungspflicht muss der Geschädigte nur darauf achten, dass die erforderlichen Kosten für den Mietwagen sich im “üblichen” Rahmen bewegen. Hierzu ist es ratsam den so genannten „Normaltarif“ bei der Anmietung zu verlangen, da der „Unfallersatztarif“ über dem Normaltarif liegt und die Rechtsprechung den Unfallersatztarif nur in Ausnahmefällen zulässt. Außerdem ist darauf zu achten, dass sich das Mietfahrzeug ggf. eine “Fahrzeugklasse” unter dem verunfallten Fahrzeug befindet. Bei Unklarheiten hinsichtlich der Fahrzeugkategorie empfiehlt sich wiederum die Rücksprache mit dem Sachverständigen bzw. dem beauftragten Rechtsanwalt.

Die Abrechnung der Kosten für die Inanspruchnahme des Mietwagens kann analog den Reparaturkosten auf zwei Wegen erfolgen:

1.) Der Geschädigte begleicht die Rechnung bei der Mietwagenfirma selbst und fordert die entstandenen Kosten bei der eintrittspflichtigen Versicherung ein.
2.) Der Geschädigte tritt die Rechte aus Forderung für Mietwagen an die Mietwagenfirma ab.
Die Mietwagenfirma macht dann die entsprechenden Kosten direkt bei der Verursacherversicherung geltend.

Kein Unfallopfer kann und braucht in heutiger Zeit auf einen umfassenden Schadensersatz zu verzichten. Jeder sollte also „Herr des Geschehens“ bleiben, denn „schnell reguliert“ ist allzuoft gleichzusetzen mit „unzureichend reguliert“.

Dieser Beitrag wurde unter Ersatzteilzuschläge, Fiktive Abrechnung, Haftpflichtschaden, Lohnkürzungen, Mietwagenkosten, Nachbesichtigung, Nutzungsausfall, Stundenverrechnungssätze, UPE-Zuschläge, Verbringungskosten, Wertminderung, Wichtige Verbraucherinfos abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Kommentare zu Das Verkehrsunfallopfer zwischen Haftpflichtversicherung und Reparaturbetrieb

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.