Erläuterungen zum Artikel von Franz Hiltscher „Tanzbären“ der HUK-Versicherer

Zum Artikel "Tanzbären" der HUK-Versicherer 

  1. Im Haftpflichtschadensfall ist der Geschädigte Auftraggeber des SV. Der Geschädigte alleine entscheidet, ob und an wen das Schadensgutachten hinausgegeben wird. Gibt der SV das Schadensgutachten auftragslos an die regulierungspflichtige Versicherung heraus, so kann er sich gegenüber dem Geschädigten schadensersatzpflichtig machen.
  2. Stundensätze:
    Der BGH hat im Porsche-Urteil entschieden, dass es nicht auf die ortsüblichen Stundenverrechnungssätze, schon gar nicht auf die irgendeiner Dekra-Tabelle ankommt. Der Geschädigte hat Anspruch auf Erstattung derjenigen Stundensätze, die die örtliche Vertragswerkstatt seiner PKW-Marke verrechnet. Ausdrücklich eine Absage hat der BGH in dieser Entscheidung der Anwendung von mittleren Stundenverrechnungssätzen erteilt, wie sie beispielsweise der benannten Dekra-Tabelle entnommen werden können.

  3. Ersatzteilpreise:
    "UPE" bedeutet unverbindliche Preisempfehlung; "UPE-Aufschläge" bedeutet die Ansetzung eines Zuschlages zu den unverbindlichen Preisempfehlungen. Es geht um Ersatzteilpreise, die Vertragswerkstätten für Originalersatzteile ihren Kunden berechnen. Wie das Wort "unverbindlich" zeigt sind die markengebundenen Vertragswerkstätten nicht verpflichtet, die ihnen von den Herstellern vorgeschlagenen Preise 1:1 an ihre Kunden weiterzugeben. Nahezu jede markengebundene Vertragswerkstatt im gesamten Bundesgebiet verrechnet Ersatzteilpreisaufschläge im Mittel durch einen Aufschlag von 10 – 15% auf den vom Hersteller empfohlenen, unverbindlichen Ersatzteilpreis. Geschädigte sind deshalb so gut wie überhaupt nicht in der Lage, Ersatzteile zu den unverbindlichen Preisvorschlägen der Hersteller ohne Aufschlag zu beziehen. Wenn die Anweisung lautet: "grundsätzlich ohne UPE-Aufschläge, egal wie die Werkstatt weiter berechnet", so handelt es sich um eine Anweisung an den Gutachter, zu Lasten des Geschädigten zu rechnen, also diesen um seinen berechtigten Schadensersatz zu bringen.
  4. Ist schon die unter dem vorbeschriebenen Punkt erteilte Anweisung strafrechtlich relevant, so birgt erst recht äußerste strafrechtliche Brisanz die Anweisung, in Grenzfällen alle denkbaren Nebenkosten wie UPE-Aufschläge, Stundensätze, Verbringungskosten, Entsorgungskosten usw. auf Werkstattniveau zu unterstellen.
    Diese Anweisung bedeutet im Klartext:
    Unfallschäden an der Grenze zum Totalschaden sollen zum Totalschaden hinaufgerechnet werden durch den Ansatz aller denkbarer Nebenkosten, damit der Versicherer den Restwert in die Restwertbörse stellen kann, für den Restwert möglichst viel geboten wird und sich so dem Geschädigten gegenüber ein möglichst niedriger Wiederbeschaffungsaufwand abrechnen lässt.
    Es gibt aber auch zivilrechtliche Konsequenzen:
    Der SV, der sich von solch sachfremden Anweisungen leiten lässt und ein Gutachten für den Geschädigten erstellt, welches Nebenkosten streicht obwohl sie dem Geschädigten nach höchstrichterlicher Rechtsprechung zustehen, macht sich gegenüber dem Geschädigten schadensersatzpflichtig. Selbst dann, wenn der SV nicht im Auftrag des Geschädigten handelt sondern auftrags der Versicherung tätig wird hat nach höchstrichterlicher Rechtsprechung sein Gutachten drittschützende Wirkung, insbesondere für den Geschädigten. Der Geschädigte kann dann selbst in einem Fall, in dem überhaupt keine vertraglichen Beziehungen zu dem SV bestehen, etwa weil dieser von der eintrittspflichtigen Versicherung beauftragt worden ist, gegen den SV Schadensersatzansprüche geltend machen und auch mit Erfolg durchsetzen.

Fazit:
Das von Herrn Franz Hiltscher schonungslos offengelegte System von Anweisungen, wie ein Schaden zu Lasten des Geschädigten und zu Gunsten des Versicherers erstellt werden soll, funktioniert bis heute nur aus einem einzigen Grund, nämlich wegen der Unkenntnis der Verbraucher von solchen Machenschaften.
Es ist ein Anliegen dieses Blogs, solche Praktiken schonungslos offen zu legen, damit sich Geschädigte bezüglich der auf diese Art und Weise falsch abgerechneten Schadensfälle nachträglich anwaltlicher Hilfe bedienen (Ansprüche verjähren frühestens nach Ablauf von 3 Jahren ab dem Schluss des Kalenderjahres, in dem der Unfall entstanden ist).
Sowohl die Aufarbeitung der schon erfolgten Falschabrechnungen als auch die nun hoffentlich eingetretene Sensibilisierung der Verbraucher wird solchen Systemen hoffentlich bald ein Ende bereiten.
Die anwaltliche Erstberatung und die Korrektheit einer bereits vorgenommenen Schadensabrechnung ist häufig schon für ein Salere von 20 – 30 € zu haben. Alle Leser sind aufgerufen, hier nicht untätig zu bleiben.

Mitgeteilt von Peter Pan im Mai 2006

Urteilsliste "Fiktive-Abrechnung" zum Download >>>>>

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