Fraunhofer nun mit Dauerauftrag aus der Versicherungswirtschaft?

Über die Mietwagen-Erhebung des Fraunhofer Instituts wird hier im Blog nunmehr seit einigen Monaten trefflich diskutiert. Auch die Gerichtsentscheidungen, die es bisher gegen die Anwendung der Frauenhofer-Liste gibt, sind auf ein erhebliches Maß angewachsen (siehe Urteilsliste). Der Name Fraunhofer hat durch diese Erhebung für viele ein neues „Gschmäckle“ erhalten.

Jeder, der sich einmal mit dieser Liste auseinander gesetzt hat weiß, was davon zu halten ist. Nicht nur die offensichtlichen Schwächen der Erhebungspraxis dieser Liste, sondern auch der Umstand, dass die Fraunhofer-Liste im Auftrag der Versicherungswirtschaft erstellt wurde, hat viele Gerichte dazu bewogen, diese abzulehnen.

Fraunhofer ist in Sachen Mietwagen eigentlich OUT, auch wenn es einige – wenige – Gerichtsentscheidungen gibt, die der Fraunhofer-Liste den Vorzug geben. Man könnte meinen, dass man bei Fraunhofer durch das Mietwagen-Fiasko etwas dazu gelernt hat. Der Name ist in der Tat etwas „angezählt“. Möglicherweise zählt im Zeitalter der Kapitalmacht aber wohl mehr das Geld, als der gute Ruf ?

Der Redaktion liegt ein aktuelles Schreiben vor, das zur Zeit nebst umfangreichem Fragebogen an Reparaturwerkstätten versandt wird, mit folgendem Inhalt:

Werden Sie Referenzwerkstatt

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation erstellt eine neutrale Marktübersicht mit Werkstätten, die für die Reparatur von Unfallschäden besonders gut qualifiziert sind.

Wir sind der Meinung, dass ihre Werkstatt die entsprechende Qualifikation besitzt, und möchten dies mit beiliegendem Fragebogen sicherstellen. Die von uns erhobenen Informationen sollen auch dazu genutzt werden, um Versicherungskunden über geeignete Reparaturwerkstätten zu informieren. Im Rahmen unserer Studie werden ausschließlich reale Marktdaten und Preise für private Endkunden erfasst – nicht reduzierte Preise oder Sonderkonditionen,

Wir bitten Sie herzlich, an unserer Studie mitzuwirken, den bereits vorausgefüllten Fragebogen auf der Rückseite zu ergänzen und bis zum 30.  März 2009 an uns zurückzusenden. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse erhalten Sie ab April über www.e-business.iao.fhg.de/projekte.

Wir bedanken uns für ihre Mitwirkung und stehen Ihnen für Fragen und Anregungen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Benutzt die Versicherungswirtschaft also wieder gezielt den (noch) guten Namen des Fraunhofer-Instituts, um im großen Stil Werkstattdaten zu ermitteln?

„Werden Sie Referenzwerkstatt“

Na das ist doch was – endlich Referenzwerkstatt !
Oder am besten gleich „Fraunhofer zertifizierte Referenzwerkstatt“?

„Wir sind der Meinung, dass ihre Werkstatt die entsprechende Qualifikation besitzt“

Wird hier möglicherweise etwas Honig geschmiert, um an die internen Daten der Werkstätten zu kommen ?

„Die von uns erhobenen Informationen sollen auch dazu genutzt werden, um Versicherungskunden über geeignete Reparaturwerkstätten zu informieren.“

Mit der Formulierung „geeignete Reparaturwerkstätten“ meint man bestimmt das, was die Versicherer am meisten interessiert. Nämlich besonders billige Werkstätten ausfindig zu machen bzw. um irgendwelche Dumpinglöhne ( Versicherungsdeutsch = „marktübliche Stundenverrechnungssätze“) für künftige gerichtliche sowie außergerichtliche Auseinandersetzungen präsentieren zu können?

Des weiteren hilft das ausgewertete Datenmaterial solcher Erhebungen, entsprechende Werkstätten als Partnerbetriebe zu rekrutieren. Es lässt sich natürlich wesentlich besser (im Sinne des Versicherers) verhandeln, wenn die Karten des potentiellen „Vertragspartners“ bereits auf dem Tisch liegen. Vom Datenschutz der „freiwillig“ übermittelten Daten einmal ganz zu schweigen.

Abgefragt werden in dem beiliegenden Fragebogen  u.a. sämtliche Daten der Werkstatt, wie Name, Adresse, Tel.-Nr., Fax-Nr., Mobil-Nr., E-Mail., Internetseite, Ansprechpartner für Versicherungen…..
Des weiteren wird gefragt, welche Fahrzeuge in dem entsprechenden Betrieb repariert werden, ob es sich um eine markengebundene Fachwerkstatt handelt oder um einen freien Kfz-Betrieb. Auch ob man sich bereits als Partnerwerkstatt der Versicherung(en) betätigt, ist von Interesse. 

Weiter interessiert, ob man ZKF-Mitglied, Eurogarant-Betrieb ist, zur lnnovationGroup oder  Nobilas gehört und wo man ggf. zertifiziert ist. Neben den aktuellen Stundenverrechnungssätzen sowie möglichen Ersatzteilaufschlägen sind Hol- und Bringservice bzw. die Höhe der Verbringungskosten ebenso von Interesse, wie das mögliche stellen von Ersatzfahrzeugen oder die hauseigenen Garantiebedingungen des Kfz-Betriebes. Auch die Beschaffungsart der Ersatzteile (Original / Fremdteile) sowie die Lackberechnungsmethode sollte man doch bitte mitteilen.

Die gesamte Aktion könnte man auf folgenden Nenner bringen:

Liebe Werkstätten; Hosen runter  –  im Interesse der Versichertengemeinschaft.

Den Werkstätten kann man im ureigensten Interesse nur dringend anraten, an solchen privatwirtschaftlichen Erhebungen  nicht teilzunehmen bzw. keine Firmeninternas preiszugeben. Insbesondere wenn die jeweilige Abfrage in Verdacht steht, dass diese im Auftrag der Versicherungswirtschaft erfolgt.

Auf alle Fälle sollte man diese Aktion nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Das beste mahnende Beispiel, wohin solche „Erhebungen“ führen,  ist die Fraunhofer-Liste für Mietwagen !

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