Live Expert – Nachtrag

Am 25.08.2011 hatten wir hier über das „zweifelhafte System“ der Firma Live Expert GmbH & Co. KG berichtet. Ein „Ferndiagnose-System“, mit dem Gutachten  – ohne körperliche Inaugenscheinnahme des Fahrzeugs durch den Sachverständigen – erstellt werden. Ein Mitarbeiter der  Werkstatt, in der das Fahrzeug repariert werden soll, fungiert als sog. „Assistent“ des Sachverständigen, indem er die beschädigten Zonen des Fahrzeuges mit einer Videokamera für den Sachverständigen im Irgendwo „dokumentiert“, der derweil Online mit dem „Assistenten“ verbunden ist.

Zu diesem Thema gab es auch eine „BVSK-Information für Kfz-Reparaturbetriebe“ vom Juli 2011, herausgegeben durch den Geschäftsführer des BVSK, mit der Überschrift

Vorsicht bei der Unfallschadenaufnahme durch Kfz-Reparaturbetriebe in Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern

In diesem Informationsschreiben werden „Systeme“, wie z.B. Live Expert, ablehnend beschrieben. Im wesentlichen besteht der Inhalt  dieses Schreibens aus den gleichen Argumenten und rechtlichen Bedenken, die auch hier bei der damaligen Diskussion vorgetragen wurden.

Hier auszugsweise einige Zitate:

„…Zentrale Aufgabe des Kfz-Sachverständigen ist die höchstpersönliche Inaugenscheinnahme des Fahrzeuges. Verschiedene Gerichte haben die höchstpersönliche Inaugenscheinnahme durch den Kfz-Sachverständigen als Voraussetzung für ein qualifiziertes Gutachten angesehen. Produkte (Gutachten), die diese Voraussetzung nicht erfüllen, sind in jedem Fall angreifbar….“

…Erhält der Reparaturbetrieb für seine Dienstleistung Geld, wird immer die Frage zu klären sein, inwieweit die Zahlung eines Betrages als strafrechtlich relevante Zahlung anzusehen ist….

…Hier liegen eindeutige Verdachtsmomente dafür vor, dass es sich um unzulässige Schmiergeldzahlungen handelt.

Darüber hinaus besteht bei regulierungspflichtigen Versicherern, aber auch den großen Sachverständigenorganisationen DEKRA, TÜV und BVSK Übereinstimmung dahingehend, das beschriebene Modell der Schadenfeststellung äußerst kritisch zu sehen…“

Am Schluss erfolgt dann noch ein Hinweis für die angeschlossenen BVSK-Sachverständigen, dass der BVSK gegen Mitglieder „mit aller Schärfe“ vorgehen werde, die derartige Systeme anbieten.

Zitat:

Abschließend weist der BVSK darauf hin, dass er gegen Kfz-Sachverständige, die Mitglied im BVSK sind, mit aller Schärfe vorgehen wird, falls aus dem Kreis der Mitglieder entsprechende Dienstleistungen angeboten werden sollten.

Bei Live Expert dürfte es sich demnach um einen“ sattes  Eigentor“ beim „BVSK-Heimspiel“ handeln, wenn man berücksichtigt, dass der Geschäftsführer der Fa. Live Expert GmbH & Co. KG mit seinem SV-Büro gleichzeitig BVSK-Mitglied ist? Ganz so „scharf“ scheint die Reaktion des BVSK bisher wohl nicht ausfgefallen zu sein, da „Live Expert“ nach wie vor (auch im Internet) angeboten wird und das hinter Live Expert stehende SV-Büro beim BVSK auch weiterhin (mehrfach) gelistet ist? Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass der BVSK-Geschäftsführer schon explizit auf den Mißstand hingewiesen wurde.

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3 Antworten zu Live Expert – Nachtrag

  1. Andreas sagt:

    Es ist ja nicht das erste Mal, dass der GV des BVSK auf Missstände hingewiesen wird und untätig bleibt…

    Grüße

    Andreas

  2. HD-30 sagt:

    Zitat:
    „Abschließend weist der BVSK darauf hin, dass er gegen Kfz-Sachverständige, die Mitglied im BVSK sind, mit aller Schärfe vorgehen wird, falls aus dem Kreis der Mitglieder entsprechende Dienstleistungen angeboten werden sollten.“
    ——————
    Na dann bin ich aber gespannt wenn die ersten SSH-Kameraden mit solcherlei Technik aufwarten? Dann gelten solch vollmundige Ankündigungen natürlich nichts mehr. Dann ist das innovativer Wandel, dem sich ein moderner Berufsverband nicht verschließen darf. Sowas kennt man schon vom Herrn GV.

  3. SV_W sagt:

    Gestern durfte ich noch einen Stoßfänger zum Erneuern geben da nur durch abtasten der Abschlusskante zu erkennen war dass dieser gestaucht wurde. Weder auf dem Bild noch mit Reflektor war etwas zu erkennen.

    Sollte ich nun ein Startup gründen das Haptik live zum Schadensmanager übermittelt.

    Sehr gern, die Ohrfeigenfunktion wird sicherlich nicht fehlen!

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