Noch einmal LVM: Immer noch die gleichen „Empfindlichkeiten“, wenn man rechtswidrig gekürzten Schadensersatz beim Versicherungsnehmer der LVM geltend macht.

Am 08.06.2014 war es bereits Thema. Die Reaktion der LVM Versicherung auf die Strategie der Geschädigtenseite, nach rechtswidrigen Kürzungen durch die LVM deren Versicherungsnehmer (Schadenverursacher) auf Zahlung des Restbetrages in Anspruch zu nehmen. Hier nun ein weiteres aktuelles Schreiben der LVM, das wieder zeigt, dass der wunde Nerv der Kfz-Haftpflichtversicherer voll getroffen ist.

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Kraftfahrthaftpflichtversicherer bearbeiten wir diesen Schaden unter der oben angegebenen Schadennummer. Wir haben das an unseren Versicherungsnehmer gerichtete Schreiben erhalten. Sehen Sie bitte in Zukunft von Erinnerungsschreiben an unseren Versicherungsnehmer ab. Herr S. wird keine Zahlung leisten. Führen Sie die weitere Korrespondenz bitte ausschließlich mit dem LVM.
Danke

Mit freundlichen Grüßen

i.A. L.

Sehr geehrter Herr L.,

ich gehe davon aus, das der Sachverständige der Bitte wohl eher nicht entsprechen wird? Rechtswidrige Kürzungen der Haftpflichtversicherer werden künftig nämlich nur noch beim Versicherungsnehmer (Fahrer /Halter – Schadenverursacher) geltend gemacht.

Die einzige Chance, der Peinlichkeit zu entgehen, ist der vollständige Schadensausgleich. Versicherer haben es also selbst in der Hand, ob die Kunden „behelligt“ werden, oder nicht.

Die Rechtslage hierzu ist klar. Schadenverursacher und Versicherung haften als Gesamschuldner für den Ausgleich des Schadens. Sofern sich einer davon zahlungsunwillig zeigt, ist automatisch der andere in der Pflicht. So einfach ist das! Sofern eine Versicherung also nicht vollständig oder nur teilweise Schäden reguliert, dann wird der Rest beim nächsten Schuldner (Schadenverursacher) geltend gemacht. Ist ein völlig normaler Vorgang zwischen Gläubiger und Schuldner(n), wie er bei allen Schuldverhältnissen praktiziert wird.

Genau genommen ist es heutzutage sogar ein Entgegenkommen, zuerst mit einer Versicherung über den Direktregulierungsanspruch zu kommunizieren. Insbesondere wenn man weiß, dass viele Versicherer berechtigte Schadensersatzansprüche systematisch kürzen, was das Zeug hält. Da wurden u.a. über die Jahre Restwertbörsen eingerichtet, um die Fahrzeugrestwerte in die Höhe zu treiben, komplette Firmengruppen aufgebaut, wie z.B. Control€xpert & Co, um Schadenspositionen, z.B. bei der fiktiven Abrechnung, automatisiert herunter zu rechnen, Partnerwerkstätten rekrutiert, um mit Billiglöhnen den Markt unter Druck zu setzen sowie Verträge mit einigen Mietwagenunternehmen abgeschlossen, um die martüblichen Mietwagenpreise zu unterlaufen usw..

Ich glaube kaum, dass es sich Versicherer nur einen Tag lang gefallen lassen (würden), wenn Geschädigte ähnliches praktizieren, um den Schadensersatzanspruch in die Höhe zu treiben? Dann käme natürlich postwendend der Aufschrei nach Versicherungsbetrug – begleitet von einer millionenschweren Medienpropaganda gegen die bösen, bösen Geschädigten.
Nichts anderes ist es jedoch, was seitens der Versicherungswirtschaft die letzten Jahre praktiziert wird. (Versicherungs)Betrug am Geschädigten durch organisierte, rechtswidrige Machenschaften. Manche sehen darin sogar mafiaähnliche Strukturen bzw. Verhaltensweisen wie bei der organisierten Kriminalität.

Anstatt also Sachverständige mit überheblichen Schreiben zu belästigen, würde ich den Ball lieber etwas flacher halten. Wer im Glashaus sitzt, sollte auf alle Fälle nicht mit Steinen werfen (ein wahrhaft treffender Vergleich – das mit dem Glashaus und diversen Versicherungsgebäuden?).

Es könnte nämlich durchaus sein, dass diese „organisierten Strukturen“ bereits unter genauerer Beobachtung stehen, weil sich einige diese „Systeme“ in einem Rechtsstaat insgesamt nicht mehr gefallen lassen wollen?

Bis sich global etwas ändert, werden die offenen Positionen eben so lange beim Schädiger beigetrieben. Unabhängig davon, ob es den Versicherern gefällt oder nicht!

Ach so, das hätte ich ja fast vergessen?
Ein Zugeständnis können wir natürlich machen. Sofern die Versicherer nicht wollen, dass deren Versicherungsnehmer vorab freundlich um außergerichtlichen Ausgleich gebeten werden, dann bekommt der VN eben unmittelbar nach rechtswidrigen Kürzungen durch den Versicherer sofort ein Klageverfahren. Ohne Vorwarnung versteht sich. So eine Klagezustellung aus dem Nichts trifft den Kunden der Versicherer natürlich wesentlich härter. Die Versicherer damit auch. Aber was tut man nicht alles, um zahlungsunwillige Versicherer zufrieden zu stellen?

Die Inanspruchnahme der Versicherungsnehmer ist übrigens nicht nur ein wirksames Instrument bei der Kürzung des Sachverständigenhonorars, sondern ist auch erfolgsversprechend bei allen rechtswidrigen Kürzungen. Also auch bei der fiktiven Abrechnung, Wertminderung, Nutzungsausfall, Mietwagenkosten, Personenschäden, Restwertproblematik usw..

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

Durch die rechtswidrige Vorgehensweise vieler Versicherer ist der Krug der Schadenregulierung schon lange ein einziger Scherbenhaufen.

Bitte sämtliche Kürzungsschreiben, Prüfberichte usw. an die Captain HUK Redaktion schicken. Irgendwann ist „D-Day“!

Siehe auch:

Captain-HUK-Beitrag vom 08.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 15.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 24.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 30.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 10.07.2014

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9 Kommentare zu Noch einmal LVM: Immer noch die gleichen „Empfindlichkeiten“, wenn man rechtswidrig gekürzten Schadensersatz beim Versicherungsnehmer der LVM geltend macht.

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