Restwert-Kuriosität

Aufgrund der sich hier in Captain-HUK in letzter Zeit verstärkenden Restwert- Diskussionen habe ich einmal in meinen Archiven recherchiert und den folgenden Fall wieder entdeckt.
Betroffen war zufällig die HUK-Coburg als Haftpflichtversicherer.
Zu mir kam im Februar 2006 eine Kundin mit ihrem Peugeot 206. Ihr war jemand in die linke Fahrzeugseite gefahren, Türe und Seitenwand eingedellt.
Das Fahrzeug war aber so massiv vorgeschädigt, das der Wiederbeschaffungswert nur noch 700,00 Euro betrug. Das Fahrzeug war auf der rechten Seite bereits so massiv eingedrückt, das die rechte Türe nicht mehr geöffnet werden konnte. Weiterhin hatte das Fahrzeug einen mehr schlecht als Recht gerichteten Vorschaden vorne rechts, wo die Fahrerin eine Ampelanlage angefahren hatte. Zur Krönung hatte das Fahrzeug auch noch einen Heckschaden.

Der neuerliche Schaden betrug etwas über 1600,00 Euro brutto.
Angesichts dessen, das das Fahrzeug ringsum schon vorbeschädigt war, und des neuerlichen Schadens betrug der Restwert nun nur noch 200,00 Euro.
Die HUK-Coburg Versicherung schickte dem involvierten Rechtsanwalt im März 2006 ein Schreiben, das sie, sage und schreibe, ein Restwertangebot in Höhe von Euro 2150,00 vorliegen hätten!
Nun fragt man sich, habe ich den Wiederbeschaffungswert zu niedrig bemessen? Ich selber denke nicht. Hätte ich die doch erheblichen Vorschäden nicht angemessen bewertet, hätte die HUK-Coburg Versicherung sich sicherlich massiv gewehrt.
Aber das ist das alte Spielchen: Bei der Bewertung des Wiederbeschaffungswertes werden die geringsten Gebrauchsspuren als gravierende Vorschäden hochgespielt. Das doch „erheblich“ vorgeschädigte Fahrzeug wird dann im Wiederbeschaffungswert heruntergerechnet. Beim Restwert ist es dann plötzlich anders herum. Da ist der ganze Schrott, auch wenn, wie hier, fast nichts mehr zum Ausschlachten übrig bleibt, „sooooooo“ viel wert und kostbar.
Fazit der HUK-Coburg: “ Demnach ist Ihrem Mandanten nach §249 BGB kein messbarer Schaden entstanden“ Punkt, Aus.
Ein Anruf bei dem Händler, der das Gebot abgab, ergab auch keine Erleuchtung. Fragen, wie er auf den Wert kommt, kommentierte er nur „Wir stehe zu unsere Gebot“. Ich glaube nicht, dass der mich auch nur ansatzweise verstanden hat. Der hochtrabende Name, den der Händler führt, ließ nach außen auf eine professionelle Firma schließen. Sein Internetauftritt und die Bilder dazu lehrten mich aber eines besseren. Seriös und professionell sieht etwas anders aus. Aber egal, wer braucht das schon. Hauptsache, es ist „kein messbarer Schaden“ eingetreten!

SV Stoll

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