Schadensabwicklung bei der Allianz Versicherung

Immer wieder bekommen wir Rückmeldungen von Geschädigten bzw. sehen am ausbleibenden Honorar, dass die Versicherung die Zahlung der Schadenersatzansprüche über Monate hinauszögert.

Was sind hierfür die Hintergründe?

Nach meinem jetzigen Kenntnisstand werden die eingehenden Gutachten von den freien Sachverständigen, welche von diesen nach wie vor auf dem Postweg versandt werden, erstmal eingescannt. Nach dem Einscannen werden die Gutachtenschriftstücke vernichtet.

Dies dürfte aus meiner Sicht ohne die Erlaubnis des Geschädigten so nicht geschehen. Denn das Gutachten ist und bleibt immer das Eigentum des Auftraggebers. Der Versicherer bezahlt nämlich nicht das Gutachten, sondern ersetzt dem Geschädigten lediglich die durch das Unfallgeschehen entstandenen Auslagen. Weiterhin kann es erforderlich sein, dass bei tatsächlich nicht eindeutigem Schadenhergang gerade die Originalfotos noch für ein Gerichtsgutachten benötigt werden.

Sieht die Versicherung, dass hier eine Totalschadenabrechnung zu erfolgen hat (Auszahlung des Betrages, der sich aus dem Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes ergibt), werden die Bilder unter Verletzung des Urheberrechts und im Widerspruch zum BGH-Urteil VI ZR 174/05 in eine Restwertbörse eingestellt, um ein höheres Restwertangebot zu erzielen. Des weiteren teilt die Versicherung dem Geschädigten mit, man könne den Schaden an Hand des Gutachtens nicht beurteilen und man müsse daher das Fahrzeug noch einmal durch einen eigenen Sachverständigen nachbesichtigen lassen. Verweigert zu Recht der Geschädigte diese Nachbesichtigung und/oder hat er das Auto ebenfalls völlig zu Recht bereits für dem vom Gutachter ermittelten Restwert veräußert, meint dann die Versicherung keine Regulierung vornehmen zu können.

Dabei ist jedoch einzig und allein die nicht mehr realisierbare unrechtmäßige Einsparung bei der Unfallabrechnung ursächlich für dieses für den Geschädigten nicht verständliche und oftmals auch unzumutbare Versicherungsgebahren. Jetzt bleibt nämlich der Versicherung nur noch, das Unfallopfer so lange hinzuhalten, bis es „freiwillig“ bereit ist, auf einen Teil seiner Schadenersatzansprüche zu verzichten. Beendet wird dieses unsägliche Spiel in der Regel durch Einreichung einer Klage beim Amtsgericht. Dieses signalisiert der Allianz – mit mir nicht.

Fragt der Sachverständige bei der Versicherung nach, bekommt er zur Antwort, die Haftung wäre unklar, obwohl wie oben beschrieben, das mit Nichten der Fall ist. Fleißig arbeitet die Versicherung mit dem Gutachten, hat es längst schon vernichtet und wie gesagt, oftmals das Urheberrecht verletzt. Dies kann das Unfallopfer bzw. dessen Anwalt leicht daran erkennen, wenn von der Versicherung mitgeteilt wird, uns liegt durch die Firma XXX eine höheres Restwertangebot vor.

Hat das Fahrzeug einen Reparaturschaden erlitten und will der Geschädigte hier nach Gutachten, also fiktiv, abrechnen, wird das vom freien Gutachter erstellte Gutachten entweder intern oder durch eine Kürzungsfirma einer „Prüfung“ unterzogen. Reparaturpositionen wie Stundenverrechnungssätze werden gekürzt bzw., natürlich auch wieder entgegen der aktuellen Rechtssprechung, Schadenpositionen wie Verbringungskosten, Ersatzteilaufschläge und Beilackierungen einfach aus der Kalkulation herausgerechnet. Doch auch der Nutzungsausfall ist hier von der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners zu erstatten.

Es ist heutzutage daher unerlässlich, bei der Schadenabwicklung auch und gerade bei eindeutiger Haftungslage einen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung seiner Ansprüche zu beauftragen. Weiterhin ist es unerlässlich für die Anwälte, sich davon zu verabschieden, Unfallschadenabwicklungen so nebenbei mit erledigen zu wollen. Der vom Geschädigten beauftragte Verkehrsrechtsanwalt sollte unbedingt die aktuelle Rechtssprechung kennen, damit er in der Lage ist, konsequent und zeitnah, der Schadenkürzungswillkür und Hinhaltetaktik des Versicherers entgegenzutreten. Vordergründig muss geprüft werden, wenn sein Mandant mit einem Gutachten in seine Praxis kommt, wer dieses in Auftrag gegeben hat. War dies die gegnerische Versicherung, ist es naheliegend, hier den Mandanten vor Schaden zu bewahren und ein weiteres Gutachten bei einem unabhängigen Gutachter in Auftrag zu geben. Denn wenig Sinnvoll erscheint mir, den vom Versicherer reduzierten Schadenersatz – Kürzungen wie oben beschrieben – freiwillig bereit ist zu zahlen, einzufordern.

Die Kosten für die Beauftragung eines Anwaltes übernimmt, wenn man unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners. Auch wenn dem Geschädigten eine Mitschuld am Unfall angelastet wird, muss die gegnerische Versicherung die Kosten des Anwaltes tragen. Ist man allein Schuld am Unfall, sind auch die Anwaltskosten selber zu tragen. Gleiches gilt für das Sachverständigenhonorar, wobei bei einer Teilschuld dann auch anteilig die Kosten vom Auftaggeber getragen werden müssen. Im Hinblick auf das Kürzungsverhalten der Versicherer ist dies jedoch durch den Erhalt des zustehenden gesamten Schadenersatz der geringere Betrag.

Das hier geschilderte Regulierungsverhalten ist leider auf weitere Versicherungen uneingeschränkt übertragbar. Da niemand im Vorfeld wissen kann, wie gerade im Einzelfall die Regulierung seines Schadens, wozu ja auch noch weitere Positionen wie Schmerzensgeld, Mietwagenkosten, eventuell eine Haushaltshilfe, Ab- und Anmeldekosten und nicht zu vergessen, Möglicherweise eine Wertminderung für das Fahrzeug gehören können, erfolgen wird, ist es angezeigt, den Anwalt nicht erst bei Gefahr eines Rechtsstreites bzw. erst bei einer Teilzahlung zu beauftragen.

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34 Kommentare zu Schadensabwicklung bei der Allianz Versicherung

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