AG Dortmund verurteilt am 21.5.2015 – 424 C 2449/15 – die Provinzial Rheinland Versicherung zur Zahlung nur eines Teils der restlichen Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht mit kritisch zu betrachtendem Urteil.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leserinnen und -Leser,

nachfolgend veröffentlichen wir hier das vorerst letzte Urteil aus der „Schrottserie“ der 424 C-Abteilung des AG Dortmund zu den Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht (Factoring) gegen die Provinzial Rheinland Versicherung. „Spaßeshalber“ wurden hier auch noch die Fahrtkosten gekürzt. Mit Schadensersatzrecht hat dieses Urteil wahrlich nichts mehr zu tun. Auch der Bezug auf das Berufungsurteil des LG Dortmund ist rechtlich nicht haltbar, denn das LG Dortmund nimmt seierseits Bezug auf eine Entscheidung des OLG Dresden, die durch die später veröffentlichte Entscheidung des BGH vom 11.2.2014 – VI ZR 225/13 – hinfällig wurde. Gleichwohl werden die Argumente dieser hinfälligen Entscheidung nach wie vor von den Haftpflichtversicherern angeführt und von einzelnen Gerichten auch noch übernommen. Und dabei soll es sich bei der Kammer um eine Spezialkammer für Verkehrssachen handeln? Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Eigentlich hätten die Urteile der Abteilung 424  C des AG Dortmund hier gar nicht veröffentlicht werden dürfen, aber bevor versicherungsseits wieder der Vorwurf der Versicherungsfeindlichkeit dieses Blogs erhoben wird, haben wir diese „Schrotturteile“ veröffentlicht. Lest selbst und gebt bitte Eure sachlichen Kommentare ab. 

Viele Grüße
Willi Wacker

424 C 2449/15

Amtsgericht Dortmund

IM NAMEN DES VOLKES

Urteil

In dem Rechtsstreit

der Deutsche Verrechnungsstelle AG, vertr.d.d. Vorstand Sven Ries und Jan Pieper, Schanzenstr. 30, 51063 Köln,

Klägerin,

gegen

die Provinzial Rheinland Versicherung AG, vertr.d.d. Vorstand, d.vertr.d.d. Vorsitzenden Dr. Walter Tesarchyk, Provinzialplatz 1, 40591 Düsseldorf,

Beklagte,

hat das Amtsgericht Dortmund
im vereinfachten Verfahren gemäß § 495a ZPO ohne mündliche Verhandlung am 21.05.2015
durch den Richter am Amtsgericht Dr. S.
für Recht erkannt:

Die Beklage wird verurteilt, an die Klägerin 106,50 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 21.04.2015 zu zahlen. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der Klägerin zu 38 % und der Beklagten zu 62
% auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Der Streitwert beträgt 169,33 €.

-Die Darstellung des Tatbestands entfällt gemäß § 313a ZPO-

Entscheidungsgründe

Die zulässige Klage ist teilweise begründet.

Der Klägerin steht gegenüber der Beklagten gemäß §§ 7 Abs. 1 StVG, 115 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 VVG, 249 Abs. 2, 398 BGB aufgrund des Verkehrsunfallereignisses vom 07.11.2014 ein Anspruch auf Erstattung der restlichen unfallbedingten Sachverständigenkosten in Höhe von 106,50 € zu.

Die grundsätzliche Haftung der Beklagten aufgrund des Verkehrsunfallereignisses steht außer Streit.

Die Klägerin ist entgegen der Ansicht der Beklagten aktivlegitimiert. Aus der Ablichtung der vorgelegten Abtretungsurkunde, deren Echtheit bezüglich der Unterschriften nicht von der Beklagten bestritten worden ist, ergibt sich nahtlos eine Rechtsnachfolge in die Schadensersatzansprüche des Geschädigten. Der formularmäßige Text beschränkt die an den Sachverständigen abgetretenen Ansprüche auf die Erstattung der Sachverständigenkosten. Dementsprechend geht die Rüge der Beklagten, dass dieser eine unerlaubte Rechtsdienstleistung vornehmen würde, fehl. Die von ihr zitierte und in Ablichtung der Klageerwiderung beigelegte Entscheidung des Amtsgerichts Bingen betrifft die Gestaltung, dass der Sachverständige weitere Ansprüche des Geschädigten – Ersatz des Fahrzeugschadens, Nutzungsausfall und allgemeine Kostenpauschale, aufgrund der
Abtretung geltend machen sollte.

Zessionar der vom Sachverständigen weiter erklärten Abtretung ist nach dem eindeutigen Wortlaut die Klägerin unter deren damaliger Firmenbezeichnung. Die Annahme der Abtretungserklärung durch die Klägerin ist von der Beklagten nicht bestritten worden. Die vorgerichtliche Geltendmachung durch die Firma Deutsche Verrechnungstellung für das Kfz-Wesen GmbH ist vor dem Hintergrund des Forderungserwerbs durch die Klägerin nicht erheblich.

Hinsichtlich der Schadenshöhe schließt sich das erkennende Gericht der Rechtsprechung des Landgerichts Dortmund als Berufungskammer an.

Das Landgericht Dortmund hat im Rahmen seiner berufungsgerichtlichen Rechtsprechung (Urteil vom 20.1.2015 Az. 21 S 27 /14) zu der Erstattungsfähigkeit von Sachverständigenkosten, die im Wege des abgetretenen Rechts geltend gemacht werden, folgendes vertreten.

„Zur Ermittlung des erforderlichen Grundhonorars im Rahmen der Sachverständigenkosten kann auf die BVSK-Honorartabelle 2013 als taugliche Schätzgrundlage im Sinne von § 287 ZPO rekurriert werden (ebenso: LG Saarbrücken, NJW 2012, 3658, 3660; LG Baden-Baden, Urteil vom 06.07.2012, BeckRS 2012, 20215; AG Münster, Urteil vom 25.09.2012, Az. 28 C 1999/12, abrufbar unter juris).“

Zur Frage der AGB-rechtlichen Prüfung der Einbeziehung der BVSK Tabelle hat die Kammer folgendes geäußert:

„Ob diese Vergütungsvereinbarung zwischen dem Geschädigten und der Sachverständigen vorliegend wirksam ist, insbesondere unter Berücksichtigung von §§ 305 ff. BGB, kann dahinstehen. Maßgeblich für die Erstattungsfähigkeit ist allein, ob die Kosten für die Erstellung des Schadensgutachtens sich im Bereich des Erforderlichen halten. Dies gilt unabhängig von etwaigen rechtlichen Mängeln der Vergütungsvereinbarung (BGH, NJW 1974, 34, 35 m. weit. Nachw.; BGH, NJW 2007, 1450, 1451). Liegen die vom Sachverständigen berechneten Preise für den Geschädigten erkennbar erheblich über den üblichen Preisen, so sind diese jedenfalls nicht geeignet, den erforderlichen Aufwand abzubilden (BGH, NJW 2014, 3151, 3153). Der erforderliche Aufwand ist dabei im Wege tatrichterlicher Schätzung gemäß § 287 ZPO zu ermitteln.“

Hinsichtlich des Anfalls und der angemessenen Höhe der Nebenkosten hat das Landgericht Dortmund als Spezialkammer für Verkehrssachen im Rahmen ihrer erstinstanzlichen und zweitinstanzlichen Tätigkeit feststellen, dass üblicherweise keine Pauschalhonorare berechnen werden, sondern gesonderte Nebenkosten ausgewiesen werden (ebenso LG Dortmund, NJW-RR 2011, 321, 322; OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az. 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732). Zudem stehen die Anzahl der Fotos, der Umfang des Gutachtens und die Höhe der Nebenkosten nicht zwingend im Zusammenhang mit der Schadenshöhe.

Weiter hat es ausgeführt:

„Zur Bemessung der erforderlichen Nebenkosten kann indes nicht auf die BVSK-Honorarbefragung abgestellt werden (ebenso LG Saarbrücken, Urteil vom 22.06.2012, Az. 13 S 37/12, abrufbar unter juris; OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az. 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732; a.A. LG Dortmund, NJW-RR 2011, 321). Dies bereits deshalb nicht, weil fraglich ist, was sich hinter den einzelnen als Nebenkosten in der BVSK-Tabelle aufgeführten Begriffen verbirgt (dazu ausführlich LG Saarbrücken, Urteil vom 22.06.2012, Az. 13 S 37/12, abrufbar unter juris). Eine Definition des Begriffes der Nebenkosten erfolgt nicht. Die Aussagekraft dürfte daher bereits deshalb infrage zu stellen sein, da die befragten BVSK-Mitglieder unter den genannten Begrifflichkeiten nicht das Gleiche verstanden haben dürften. Auch die Wechselwirkung zwischen den aufgeführten Nebenkosten bleibt offen (so auch OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az. 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732).

Eine Orientierung an den Grundsätzen des Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetzes für die Vergütung gerichtlicher Sachverständiger ist aufgrund der unterschiedlichen Haftung gerichtlicher und privater Sachverständiger ebenfalls nicht angebracht (für Mietwagenkosten BGH, NJW 2007, 1451, 1452).

Demnach gilt es, die erforderlichen Sachverständigenkosten im Wege tatrichterlicher Schätzung gemäß § 287 ZPO unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalles festzustellen.

Bei dieser Beurteilung war auch Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen (sogenannte subjektbezogene Schadensbetrachtung, BGH, NJW 1992, 302, 303; BGH, NJW 2014, 1947; BGH, NJW 2014, 3151, 3152). Wissensstand und Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten spielen folglich bereits bei der Prüfung der Erforderlichkeit des Schadensaufwands eine maßgebende Rolle (BGH, NJW 2014,1947). Nur wenn der Geschädigte von vornherein erkennen konnte, dass der von ihm ausgewählte Sachverständige teilweise Honorarsätze für seine Tätigkeit verlangt, die die in der Branche üblichen Preise deutlich übersteigen, gebietet es das Wirtschaftlichkeitsgebot, einen zur Verfügung stehenden günstigeren Sachverständigen zu beauftragen. Es müssen besondere Umstände vorliegen, aus denen sich ergibt, dass der Geschädigte von vornherein den Schluss hätte ziehen können, dass der Sachverständige im Verhältnis zum konkret entstandenen Unfallschaden ein Honorar verlangt, das die in der Branche üblichen Sätze deutlich übersteigt (BGH, NJW 2014, 1947, 1948; OLG Saarbrücken, Urteil vom 08.05.2014, 4 U 61/13, BeckRS 2014, 10591; LG Stuttgart, Urteil vom 16.07.2014, Az. 13 S 54/14, BeckRS 2014, 14267). Der Geschädigte ist dabei grundsätzlich nicht zur Ausforschung des zugänglichen Marktes verpflichtet, um einen für den Schädiger und dessen Haftpflichtversicherer möglichst preisgünstigen Sachverständigen ausfindig zu machen. Es verbleibt für ihn allerdings das Risiko, dass er ohne nähere Erkundigungen einen Sachverständigen beauftragt, der sich später im Prozess als zu teuer erweist (BGH, NJW 2007, 1450 ff.).

Dabei ist nach Auffassung der Kammer auf den Geschädigten und nicht etwa auf die Klägerin als Zessionarin abzustellen. Die Frage der Erforderlichkeit stellt sich schließlich im Zeitpunkt der Entstehung des Schadens beim Geschädigten. Daher ist auch allein dessen Sicht bei der Beurteilung maßgeblich (ebenso LG Stuttgart, Urteil vom 16.07.2014, Az. 13 S 54/14, BeckRS 2014, 14267). Die Abtretung vermag den Inhalt des abgetretenen Rechts nicht zu tangieren. Daran ändert vorliegend auch der Umstand, dass eine Abtretung an den Sachverständigen und sodann an die Klägerin vorliegt, nichts. Teilweise wird in der Rechtsprechung angenommen, in dieser Konstellation könne dahinstehen, ob der Geschädigte selbst hätte erkennen können und müssen, dass das Honorar des Sachverständigen überhöht ist (OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, 7 U 111/12, OLG Dresden, Urteil vom 19.02.2014, Az. 7 U 111/12, BeckRS 2014, 06732). Jedenfalls stünde der beklagten Versicherung gegenüber dem Zessionar die Möglichkeit zu, dem Schadensersatzanspruch das erhöhte Honorar gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (,,dolo-agit“-Einrede). Dieser Gegenanspruch folge daraus, dass der Sachverständige bei Abrechnung eines überhöhten Sachverständigenhonorars gegen eine Nebenpflicht gemäß § 241 Abs. 2 BGB gegenüber dem Geschädigten verstoßen habe, indem er diesen nicht darüber aufklärte, dass sein Honorar gegebenenfalls über den üblichen Abrechnungssatz liege und daher nicht in vollem Umfang erstattet werde (OLG Dresden, aaO). Nach Ansicht der Kammer ist aber für die Frage der Üblichkeit des Abrechnungsatzes wiederum auch ein subjektives Element einzubeziehen, so dass auch hier die Perspektive des ursprünglich Geschädigten virulent wird.

Die Kammer ist zu der Auffassung gelangt, dass vorliegend die vom Sachverständigen berechneten Preise im folgenden Umfang erforderlich waren:

– Für die Lichtbilder hält die Kammer für den ersten Fotosatz pro Lichtbild Kosten von 1,50 EUR netto für erforderlich. Für den zweiten Satz hält die Kammer Kosten von 1,- EUR netto für erforderlich. Dabei war insbesondere zu berücksichtigen, dass in aller Regel keine ausgedruckten Lichtbilder, sondern Digitalbilder angefertigt werden, die vom Sachverständigen in das Gutachten
eingefügt werden. Demnach war der vorliegend erforderliche Aufwand für Fotokosten vorliegend von den angesetzten 23,04 EUR netto auf 20,- EUR netto zu reduzieren.

– Die angesetzten Schreibkosten für den ersten Satz hält die Kammer für angemessen. Dabei kann zumindest indiziell auf die Honorarbefragung 2013 der BVSK abgestellt werden. Demnach liegen die vorliegend angesetzten Kosten von 2,14 EUR netto unterhalb des HB-V-Korridors. Bei der Bemessung galt zu berücksichtigen, dass in diesen Kosten auch die Kosten für die Anschaffung der entsprechenden technischen Geräte und Software enthalten ist. Anders verhält es sich jedoch hinsichtlich der Kosten für die Kopien. Diese sind vorliegend mit 2,12 EUR netto pro Seite abgerechnet. Die Kammer schätzt die erforderlichen Kosten für die Kopien hingegen gemäß § 287 ZPO lediglich auf 1,- EUR netto. Hier galt es zu berücksichtigen, dass in aller Regel lediglich ein weiterer Ausdruck des Dokuments anzuordnen ist. Anstelle der angesetzten 23,32 EUR, hält die Kammer somit Kosten i.H.v. 11,- Euro für erforderlich.

– Die angesetzten Nebenkosten von 9,73 EUR netto hält die Kammer für erforderlich. Hierbei sind die Kosten für Rücksprachen mit Werkstätten und Restwertanfragen und auch die Kosten für die Gutachtenversendung zu berücksichtigen.

Diese festgestellten Überschreitungen des objektiv Erforderlichen, waren nach Ansicht der Kammer auch für den Geschädigten erkennbar. Ein Indiz im Rahmen der Schadensschätzung nach § 287 ZPO zur Bestimmung des erforderlichen Betrages bildet zwar regelmäßig die tatsächliche Rechnungshöhe, d.h. die Übereinstimmung des vom Geschädigten erbrachten Kostenaufwands mit der Rechnung und der ihr zu Grunde liegenden Preisvereinbarung (BGH, NJW 1996, 1958, 1959 f.; BGH, NJW 2007, 1450, 1451; BGH, NJW 2014, 1947, 1948; OLG Saarbrücken, Urteil vom 08.05.2014, Az. 4 U 61/13, BeckRS 2014, 10591). In dieser schlagen sich schließlich die besonderen Umstände des jeweiligen Einzelfalls nieder (BGH, NJW 2014, 1947, 1948 m. weit. Nachw.). Die Preisvereinbarung ist hier die Honorartabelle 2011. Deren Korridore sind allesamt eingehalten. Allerdings ist vorliegend eine doppelte Abtretung gegeben. Anders als im Fall BGH NJW 2014, 1947 klagt nicht der Geschädigte se.lbst, sondern der Zessionar. Eine maßgebliche indizielle Bedeutung der vom Geschädigten zu keinem Zeitpunkt beglichenen Rechnung ist hingegen nicht anzunehmen (BGH, NJW 2014, 3151, 3153).

Wie hoch die Kosten für Lichtbilder sind, ist nach Ansicht der Kammer auch für einen Laien einschätzbar. Es handelt sich dabei um Kosten, die jedem aus dem täglichen Leben bekannt sind. Dabei stellt die Kammer bewusst nicht auf die Kosten für den einfachen Ausdruck eines Farbbildes ab, sondern wie ausgeführt, auf die Kosten für digitale Fotos, die in ein Dokument eingeflochten werden und sodann in Farbe ausgedruckt werden. Für einen wirtschaftlich denkenden Menschen erkennbar, dass die angesetzten Kosten von 1,80 EUR und 1,08 EUR nicht die Lebenswirklichkeit wiedergeben und übersetzt sind.

Gleiches gilt für die Schreibkosten. Auch wenn es sich um einen Farbausdruck handelt, liegen diese Kosten erkennbar nicht bei 2,12 EUR. Die angesetzten Kosten sind insofern mit der Lebenswirklichkeit nicht vereinbar. Insbesondere dürfte auch für einen verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen erkennbar sein, dass nicht nachvollziehbar ist, dass die Schreibkosten für das Duplikat nur unwesentlich unter den Schreibkosten für das Original liegen. Dies obwohl es genügt, einen zweiten Ausdruck vorzunehmen.

…Im Zeitpunkt der Beauftragung als maßgeblichen Zeitpunkt für die Frage der Erkennbarkeit musste der Geschädigte vorliegend somit sogar noch von höheren Kosten ausgehen als tatsächlich berechnet wurden.

Eine ex ante-Einschätzung der Erforderlichkeit war dem Geschädigten vorliegend auch möglich, insbesondere da ihm die Honorartabelle, nach der abgerechnet wurde, offen gelegt war. Zur Einschätzung, ob die angesetzten Kosten erforderlich sind, konnte er auf allgemein zugängliche Quellen zurückgreifen (LG Saarbrücken, Urteil vom 22.06.2012, 13 S 37/12, abrufbar unter juris). Im Unterschied zu den Mietwagenkosten und Reparaturkosten vermag zwar kein vergleichbar breit gefächerter Markt mit allgemein zugänglichen Preislisten für Kfz-Sachverständige bestehen, im Rahmen der subjektbezogenen Schadensbetrachtung obliegt dem Geschädigten allerdings auch nicht etwa eine Marktforschung oder eine Recherche nach einem Sachverständigen mit einem günstigeren Honorarangebot (BGH, NJW 2007, 1450, 1452; BGH, NJW 2014, 1947, 1948; BGH, NJW 2014, 3151, 3152). Es genügt, wenn der Geschädigte ex ante ein Preisgefühl an den Tag legt, wie dies ein wirtschaftlich denkender, vernünftiger Mensch anzuwenden pflegt. Das Fehlen verlässlicher Zahlenwerke über die zu erwartenden Nebenkosten vermag den Laien schließlich nicht von jeglicher Plausibilitätskontrolle zu entheben (LG Saarbrücken, Urteil vom 22.06.2012, Az. 13 S 37/12, abrufbar unter juris Tz. 38). Dass für den Einzelnen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten bestehen, ergibt sich für die Kammer auch daraus, dass ihr aus ihrer Tätigkeit als Spezialkammer für
Verkehrssachen bekannt ist, dass oftmals auch derselbe Sachverständige bei unterschiedlichen Gutachten unterschiedliche Nebenkostensätze verwendet.

Der Auffassung der Kammer steht auch nicht das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.02.2014 entgegen (BGH, NJW 2014, 1947). Zwar ging es auch in dem zu entscheidenden Fall ausschließlich um die Nebenkosten. Nach dem Bundesgerichtshof ist indes lediglich zu beanstanden, wenn das Tatgericht eine Kürzung der geltend gemachten Sachverständigenkosten allein aufgrund der Überschreitung der Korridore aus der BVSK-Honorarbefragung vornimmt. Zu der Frage, ob der geschädigte Kläger von vornherein hätte erkennen können, dass überhöhte Nebenkosten angesetzt würden, hat der BGH jedoch ausdrücklich keine Stellung genommen (BGH, NJW 2014, 1947, 1948). Eine Wertung der Sachverständigenkosten als erkennbar überhöht, ist in dem dieser Entscheidung nachfolgenden Urteil vom 22.07.2014 auch ausdrücklich nicht beanstandet worden (BGH, NJW 2014, 3151, 3153).“

Angewandt auf den vorliegenden Fall sind daher die Sachverständigenkosten wie folgt abzurechen:

Grundhonorar:                                  352,00 € netto
Nebenkosten
1.  Fotosatz 12 x 1,50 €                      18,00 € netto
2.  Fotosatz 12 x 1,00 €                      12,00 € netto
Porto/Telefon                                       18,00 € netto
Schreibkosten 20 x 2,80 €                   26,00 € netto
Schreibkosten Kopie 20 x 1,00 €          20,00 € netto
Summe netto                                      476,00 €
Zzgl. Ust                                               90,44 €
Summe brutto                                     566,44 €
Abzgl. Zahlung Beklagte                     459,94 €
Offen                                                   106,50 €

Die geltend gemachten Fahrtkosten von 25,00 € netto sind nicht erstattungsfähig, weil deren Anfall nicht ausreichend schlüssig vorgetragen worden ist. Ausweislich des Gutachtens fand die Besichtigung in Dortmund, …straße .. , statt. Der Sachverständige hat, wie aus dessen Kopfbogen ersichtlich, seinen Sitz in
Dortmund, … Straße … . Der Geschädigte wohnte in Fröndenberg.

Die Zinsforderung ergibt sich aus §§ 280 Abs. 1 und 2, 286 Abs. 1 S. 2, 288 Abs. 1 BGB.

Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 92 Abs. 1, 511 Abs. 2 und 4, 708 Nr. 11, 713 ZPO, 63 Abs. 2 S. 1 GKG.

Im Hinblick auf die detaillierte und umfassende Berücksichtigung der von diesem Rechtsstreit berührten Problematik durch die berufungsgerichtliche Rechtsprechung des Landgericht Dortmund ist die Zulassung der Berufung nicht geboten gewesen.

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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3 Kommentare zu AG Dortmund verurteilt am 21.5.2015 – 424 C 2449/15 – die Provinzial Rheinland Versicherung zur Zahlung nur eines Teils der restlichen Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht mit kritisch zu betrachtendem Urteil.

  1. H.U. sagt:

    Den Richter Dr. S. vom AG Dortmund kennt muss man kennen, denn der lässt immer die Puppen tanzen, wie auch aus den Entscheidungsgründen dieses Urteils ersichtlich.

    H.U.

  2. LEO sagt:

    Hallo, Willi,
    Auch der Schluss dieses Urteils ist ein Sahnehäubchen, wenn da zu lesen steht:

    „Im Hinblick auf die detaillierte und umfassende Berücksichtigung der von diesem Rechtsstreit berührten Problematik durch die berufungsgerichtliche Rechtsprechung des Landgericht Dortmund ist die Zulassung der Berufung nicht geboten gewesen.“

    Doch sie ist nicht nur geboten, sondern zwingend erforderlich, angesichts der unterschiedlichsten Interpretationen von Rechtsgrundsätzen im LG-Bezirk Dortmund. Es kommt deshalb hier nicht vordergründig auf die detaillierte und umfassende Berücksichtigung der von diesem Rechtsstreit berührten Problematik an, denn es ist insoweit vielmehr entscheidungserheblich, w i e den schadenersatzrechtlich beurteilungsrelevanten Maximen Rechnung getragen wurde und allein die Unschärfe mit Berücksichtigung werkvertraglicher Beurteilungskriterien schreit förmlich nach einer Zulassung der Berufung. Es gibt sicherlich noch gute andere Argumente.

    LEO

  3. Karl B. sagt:

    Die Vorstellungen von der Lebenswirklichkeit dieses Richters Dr. S. am AG Dortmund sind schon bemerkenswert. Ich würde ihm einmal die verantwortliche Geschäftsführung für ein alteingessenes Sachverständigenbüros empfehlen, damit er einmal sieht, welcher Kostenaufwand tatsächlich zu bewältigen ist und dieser Aufwand nicht gleichzusetzen ist mit einer Schadenersatzverpflichtung. Alles Andere liegt im kosmisch bestrahlten Halbdunkel bzw. in einem Vorstellungsbereich, der gerade nicht mit der Lebenswirklichkeit zu vereinbaren ist und schon garnicht mit dem Grundgesetz und dem § 249 BGB.
    Karl B.

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