AG Leipzig verurteilt erneut die HUK-COBURG Allgemeine Versicherung AG zur Zahlung restlicher, erfüllungshalber abgetretener Sachverständigenkosten mit Urteil vom 14.1.2016 – 105 C 9107/14 -.

Hallo verehrte Captain-Huk-Leserinnen und -Leser,

es geht mit einem Urteil des AG Leipzig gegen die HUK-COBURG weiter. Ohne große Worte im Vorspann stellen wir Euch hier das Urteil aus Leipzig zu den Sachverständigenkosten aus abgetretenem Recht gegen die HUK-COBURG Allgemeine Versicherung AG vor. Wieder wies der erkennende Amtsrichter die beklagte HUK-COBURG auf die bereits gegen sie ergangenen Urteile hin. Es zeigt sich darin nur die Beratungsresistenz dieser Versicherung aus Coburg. Lest selbst und gebt dann bitte Eure sachlichen Kommentare ab.

Viele Grüße
Willi Wacker

Amtsgericht Leipzig

Zivilabteilung I

Aktenzeichen: 105 C 9107/14

Verkündet am: 14.01.2016

IM NAMEN DES VOLKES

ENDURTEIL

In dem Rechtsstreit

– Klägerin –

gegen

HUK-COBURG-Allgemeine Versicherung AG, Bahnhofsplatz, 96450 Coburg, vertreten durch die Vorstände Wolfgang Flaßhoff und Dr. Wolfjgang Weiler

– Beklagte –

wegen Gutachterkosten

hat das Amtsgericht Leipzig durch
Richter am Amtsgericht …
auf Grund der mündlichen Nferhandlung vom 12.11.2015 am 14.01.2016

für Recht erkannt:

1.        Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin € 66,26 zzgl. Zinsen in Hohe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 13.10.2014 zu zahlen.

2.        Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits.

3.        Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Beschluss:

Der Streitwert beträgt € 66,26.

Tatbestand:

entfällt gemäß § 313a Abs. 1 ZPO.

Entscheidungsgründe:

Die zulässige Klage ist vollumfänglich aus §§ 398 ff. BGB, 7 ff. StVG, 823 BGB, 115 VVG i. V. m. § 249 BGB begründet.

Das Amtsgericht Leipzig hat bereite mit seinen Urteilen vom 02.08.2007 Az.: 105 C 8014/06, 28.06.2007 Az.: 105 C 643/06, 14.06.2007 Az.: 105 C 203/07, 14.06.2007 Az.: 105 C 204/07, 12.07.2007 Az.: 105 C 2159/07, 19.02.2009 Az.: 105 C 1288/08, 22.03.2012 Az.: 105 C 1320/11, 27.10.2011 Az.: 105 C 2198/11, 16.04.2015 Az.: 105 C 5164/14 und 16.07.2015 Az.: 105 C 8038/14 entschieden, dass eine Beklagte als Haftpflichtversicherung eines Kraftfahrzeuges unter den in den jeweiligen Urteilen festgelegten Prämissen zur Zahlung der Kosten des privaten Kfz-Sachverständigengutachtens verpflichtet ist.

Es wird soweit ergänzend darauf hingewiesen, dass der Bundesgerichtshof bereits in seinem Urteil vom 04.04.2006 in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 16.05.2006 (Az.: X ZR 122/05) grundsätzlich festgestellt hat, dass ein Vertrag, nach dem ein Sachverständiger ein Gutachten über die Höhe eines Kraftfahrzeugunfallschadens zu erstatten hat ein Werkvertrag ist und für die Bemessung der Vergütung des Sachverständigen der Inhalt der zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarung maßgeblich ist wobei nach § 632 BGB – in dieser Reihenfolge – ihre tatsächliche Absprache, eine eventuell vorliegende Taxe oder die übliche Vergütung den Inhalt der Vereinbarung bestimmen. Anderenfalls ist die verbleibende Vertragslücke nach den Grundsätzen über die ergänzende Vertragsauslegung zu schließen, für die Gegenstand und Schwierigkeit der Werkleistung und insbesondere die mit dem Vertrag verfolgten Interessen der Parteien von Bedeutung sein können.

Nur wenn sich auf diese Weise eine vertraglich festgelegte Vergütung nicht ermitteln lässt, kann zur Ergänzung des Vertrages auf die Vorschriften der §§ 315 f. BGB zurückgegriffen werden.

Der Bundesgerichtshof hat weiter festgelegt dass ein Kfz -Sachverständiger, der für Routinegutachten eine an der Höhe orientierte angemessene Pauschalierung seines Honorars vornimmt, die Grenzen des ihm vom Gesetz eingeräumten Gestaltungsspielraumes grundsätzlich nicht überschreitet. In den Gründen hat der Bundesgerichtshof ausgeführt, dass, wenn sich nach einer festen Übung Spannen für Leistungen, wie die Leistungen der Schadengutachter für Kraftfahrzeugschäden auch übereinstimmend für überregional tätige Auftraggeber, wie Versicherungen, erbracht werden, allgemein herausgebildet haben, die Feststellung, welche Vergütung üblich ist, dem nicht entgegensteht dass bei einem bestimmten Ort eine feste Übung nicht gesondert festzustellen ist.

Nach dem zugrundeliegenden Sachverhalt haben der Geschädigte … und die Klägerin unstreitig vereinbart, dass die Honorartabelle, die der Auftragserteilung vom 03.12.2013 beiliegt, beziehungsweise auf der Rückseite abgedruckt ist als Abrechnungsgrundlage dient.

Diese Honorartabelle ist nach Schadenhöhen der Nettoreparaturkosten gestaffelt
Der Bundesgerichtshof hat in der oben zitierten Entscheidung ausdrücklich festgestellt, dass nicht von Amts wegen ein „gerechter“ Preis zu ermitteln ist, vielmehr geht es grundsätzlich darum, dass die getroffene Bestimmung – des Sachverständigenhonorars – sich noch in den Grenzen der Billigkeit hält und erst dann, wenn der Berechtigte die ihm durch die Billigkeit gesetzten Grenzen der Preisbemessung überschritten hat, die Bestimmung durch die Entscheidung des Gerichts zu ersetzen ist.

Die Vereinbarung der Parteien vom 03.12.2013 ist bindend, da Anhaltspunkte für eine sittenwidrige Preisvereinbarung nicht ersichtlich bzw. substantiiert dargetan sind. Auch sonstige Nichtigkeitsgründe sind nicht erkennbar.

Insoweit wird ergänzend auf die Entscheidungen des Landgerichts Leipzig vom 11.10.2005 Az.: 16 S 238/05 = Amtsgericht Leipzig, Az.: 113 C 7019/04 und vom 09.02.2006, Az.: 12 S 549/05 = Amtsgericht Leipzig, Az.: 117 C 13084/04 verwiesen.

Anhaltspunkte von den grundsätzlichen Entscheidungen dieses Gerichts oder auch den anderen Referaten des Amtsgerichts Leipzig abzuweichen, sind nicht ersichtlich.

Auf die wertergehenden Ausführungen der Beklagten führen im Ergebnis nicht zum Erfolg. Ein MssverhäJtnis zwischen dem entstandenen Schaden und der Höhe des Gutachterhonorars der Klägerin ist nicht ersichtlich.

Die Ausführung der Beklagten zur „Mietwagenproblematik“ sind vorliegend nicht angezeigt.

Gerade bei der technischen Untersuchung von Kraftfahrzeugen, die im Straßenverkehr ein erhebliches Gefahrenpotential darstellen, kommt es darauf an, dass im Falle des Eintritts eines Schadens dieser mit der gebotenen Sorgfalt und Sachkunde vom Sachverständigen untersucht wird.

Pauschalierungen und Bezugnahmen auf anders lautende amtsgerichtliche Urteile im Bundesgebiet greifen nicht.

Insbesondere ist auch die Rüge der Beklagten der Kosten eines Lichtbildes, der Kopiekosten, die Höhe der Schreibkosten und der sonstigen Nebenkosten nicht nachvollziehbar. Insoweit wird im Hinblick auf die Nebenkosten auf die Entscheidung dieses Gerichts vom 28.06.2007 Az.: 105 C 10643/06 verwiesen.

Die Entscheidung über die zuerkannten Nebenforderungen beruht auf §§ 280, 266, 268 Abs. 1 BGB.

Die prozessualen Nebenentscheidungen folgen aus §§ 91, 708 Nr. 11, 713 ZPO.

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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3 Kommentare zu AG Leipzig verurteilt erneut die HUK-COBURG Allgemeine Versicherung AG zur Zahlung restlicher, erfüllungshalber abgetretener Sachverständigenkosten mit Urteil vom 14.1.2016 – 105 C 9107/14 -.

  1. Schnüffelbär sagt:

    Gezielte Herausforderung eines Abteilungsrichters mit dem Ziel, dass diesem eines Tages der Kragen platzt und dann wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt wird ?
    Schnüffelbär

  2. Betsy sagt:

    @ Eine solche Strategie könnte denkbar sein, wie auch Herbeiführung des Ruhestandes durch vorzeitigen Verschleiß und gefördert durch Erzeugung von Depressionen, denn solche „Fließbandarbeit“ kann auf eine qualifizierten Richter nicht aufbauend wirken.

    Betsy

  3. Juri sagt:

    …“Insbesondere ist auch die Rüge der Beklagten der Kosten eines Lichtbildes, der Kopiekosten, die Höhe der Schreibkosten und der sonstigen Nebenkosten nicht nachvollziehbar. Insoweit wird im Hinblick auf die Nebenkosten auf die Entscheidung dieses Gerichts vom 28.06.2007 Az.: 105 C 10643/06 verwiesen.“
    ——
    Ein sehr schön „rundes“ Urteil. Alle Punkte kurz und schlüssig abgehandelt. Mehr braucht es nicht.

    Nur bedauerlich – auch hier wieder die Strategie der Versicherer Gerichte landab landauf mit ihren Textbausteinkanonieren zuzumüllen, um so nach und nach das Recht und die Justiz zu beugen und so mancher Richter fällt drauf rein.

    Und was unternehmen die Justizminister? Kein Handlungsbedarf! Alles gut! Oder?
    Da werden zehntausende Prozesse geführt, weil Versicherer das Recht beugen wollen.

    „Im Namen des Volkes“ Aber – das Volk hat langsam die Nase voll und ein Teil (Ost) hat ja schon Erfahrungen gesammelt wie man solche „Führungskräfte“ vom Hof jagt. Weiter so – es wird so kommen.

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