DEVK Schadensmanagement endet mit Hilfe eines “Sachverständigen gemäß Arbeitsanweisung“ vor dem AG Karlsruhe mit einer glatten Bauchlandung (12 C 95/07 vom 20.11.2007)

Des öfteren wurde hier und auf anderen Plattformen über das negative Regulierungsverhalten der DEVK Versicherung berichtet.
Die Eisenbahner rüsten, trotz ständiger gerichtlicher Niederlagen, unbeirrt weiter auf und bedienen sich darüber hinaus seit einiger Zeit kleiner psychologischer „Tricks”, um das Ziel – unrechtmässige Kürzungen von berechtigten Forderungen der Geschädigten – zu erreichen.

Man rekrutriert zunehmend freiberufliche “Taschenspieler”, die öffentlich bestellt und vereidigt sind, um damit beim Kürzen von Forderungen einen gewissen “amtlichen“ sowie unabhängigen Anschein gegenüber der Geschädigtenpartei zu erwecken.
Diese Freiberufler können natürlich durch die wirtschaftliche Abhängigkeit im Sinne der Versicherung beeinflusst werden und sind darüber hinaus nach Belieben austauschbar.

Hierzu ein kleiner Bericht zur Abwicklung eines (fast) alltäglichen Schadensfalles.

SACHVERHALT

Bei einem Verkehrsunfall am 31.10.2006 wurde ein Kraftfahrzeug beschädigt.
Die Schuldfrage war unstrittig – eintrittspflichtige Versicherung war die DEVK.
Am 06.11.2006 wurde ein Schadensgutachten durch einen freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen im Auftrag des Geschädigten erstellt.
Beschädigt war ein Fahrzeug, DaimlerChrysler E 320 CDI mit einem Neupreis von ca. EUR 55.000,00, einem Alter von 8 Monaten sowie einer Laufleistung von 12.000 km.

Dieses Fahrzeug hatte einen Seitenschaden rechts, bei dem beide Türen sowie B-Säule eingedrückt, als auch der Schweller und die Bodengruppe deformiert waren.

     

Kalkuliert wurden zur sach- und fachgerechten Wiederherstellung folgende Positionen:

1.) Tür vorn rechts erneuern
2.) Tür hinten rechts erneuern
3.) B-Säule rechts Aussenteil erneuern
4.) B-Säule rechts innen instand setzen
5.) Schweller hinten rechts instand setzen
6.) Bodengruppe hinten rechts instand setzen
7.) Lackierung: Seite rechts komplett

Die Schadenskalkulation gemäß Gutachten belief sich hierbei auf netto EUR 7.541,99 unter Berücksichtigung der geltenden Gesetzeslage und der Rechtsprechung des BGH (markengebundene Fachwerkstatt). Die Wertminderung wurde auf EUR 2.300,00 festgesetzt (örtliche Rechtsprechung = Ruhkopf/Sahm).

Das Fahrzeug wurde dann im Auftrag des Geschädigten in einer nicht vertragsgebundenen freien Karosseriewerkstatt instand gesetzt.

Hierbei wurde die B-Säule rechts aussen nicht erneuert, sondern nur instand gesetzt, wobei Restdeformationen (selbst für einen Laien) weiterhin sichtbar waren.

Zur Feststellung der effektiven Nutzungsausfallzeit für die Teilreparatur wurde dann eine Reparaturbestätigung angefertigt, in der auch auf die weiterhin vorhandenen Beschädigungen hingewiesen wurde.

Mit der Abwicklung der Schadensangelegenheit war eine renommierte örtliche Rechtsanwaltskanzlei für Verkehrsrecht beauftragt.

Der Schadensfall sollte auf fiktiver Basis gemäß Forderungsschreiben an die DEVK abgerechnet werden.

Die DEVK verweigerte die Zahlung unter Hinweis, man mache die Regulierung von einer Nachbesichtigung des Fahrzeuges durch einen “eigenen Sachverständigen” abhängig.
Der Rechtsanwalt verweigerte zunächst die Nachbesichtigung unter Verweis auf die entsprechende Rechtssprechung und lies dann, nachdem die DEVK weiterhin keine Zahlung leistete, doch eine Nachbesichtigung zu.
Dies im übrigen gegen den ausdrücklichen Rat des Kfz-Sachverständigen, da die Regulierungsschwierigkeiten, die sich im Rahmen von Nachbesichtigungsbegehren seitens der DEVK (und auch anderen Versicherern) ergeben, bestens bekannt sind.

Beauftragt wurde seitens der DEVK ein Herr Martin S., seines Zeichens Kfz-Sachverständiger, vom IfS zertifiziert, von der IHK Karlsruhe öffentlich bestellt und vereidigt und last not least Mitglied beim BVSK.

Dieser “Fachmann” kam im Rahmen der Nachbesichtigung des unzureichend instand gesetzen Fahrzeuges zu dem Ergebnis, dass eine Erneuerung der B-Säule rechts aussen nicht erforderlich gewesen, sondern das Fahrzeug doch nun in einem durchaus sach- und fachgerechten Zustand wiederhergestellt sei.

Nach seinen Ausführungen habe er diese Einschätzung bereits vor der Fahrzeugbesichtigung aufgrund der Schadensbilder des Geschädigtengutachtens getroffen und fühlte sich durch die Nachbesichtigung des nun unzulänglich reparierten Fahrzeuges nur noch bestätigt.
Die weiterhin deutlich sichtbaren Beschädigungen hatte er offensichtlich nicht wahrgenommen.

Die Schadenssumme laut Kürzungsbericht vom 08.01.2007 einschl. der üblichen Kürzungspositionen (Lohnkosten eines nicht markengebundenen Vertrauensbetriebs der Versicherung) belief sich dann auf netto EUR 5.858,19, die Wertminderung auf EUR 2.000,00.
Dieser Kürzungsbericht wurde dann, um den amtlichen Charakter zu dokumentieren, mit dem Rundstempel der IHK und des IfS versehen.
Auf der Basis dieses Kürzungspamphlets wurde dann der Schaden durch die DEVK reguliert. Die Reduzierung des Schadens belief sich demzufolge insgesamt auf einen Betrag von EUR 1.983,80 = ~ 26%.

Dieser Kürzungsbericht wurde seitens der Anwaltskanzlei am 15.01.2007 an den Sachverständigen des Geschädigten weitergeleitet, mit der Bitte um dezidierte Stellungnahme.

Aufgrund dieses Auftrages wurde am 19.01.2007 eine umfangreiche Stellungnahme angefertigt, in der neben technischen Ausführungen auch auf die Motivation des “Kollegen” deutlich hingewiesen wurde.

Diese Stellungnahme wurde seitens der Anwaltskanzlei an die DEVK weitergeleitet, die daraufhin eine weitere Stellungnahme ihres “Sachverständigen” anforderte.

Aus dieser Stellungnahme vom 20.03.2007 geht u.a. eindeutig die Behauptung hervor, dass der “Sachverständige” der DEVK bezüglich der Reparaturausführung dieses Fahrzeuges mit “Fachleuten” des örtlichen Vertragshändler der Marke DaimlerChrysler Verbindung aufgenommen habe.
Dort habe man ihm mitgeteilt, dass die B-Säule ohne weiteres hätte instand gesetzt werden können.

Diese Aussage war eindeutig die Unwahrheit, wie sich aus einem nachfolgenden Schriftwechsel per E-Mail am 13.04.2007 ergab.

Die Mitarbeiter des örtlichen DaimlerChrysler Vertragshändlers kennen zwar Herrn S. als häufig Beauftragten der DEVK und wussten, dass er irgendwann einmal angerufen habe.
Gegenstand dieses Telefonats war aber lediglich, ob man B-Säulen (im allgemeinen) richten könne.
Das Fahrzeug selbst war unbekannt, explizide Schadenstiefe oder Lichtbilder waren nie Gegenstand des Telefongespräches.
Nach Vorlage entsprechender Lichtbilder und Fahrzeugdaten des beschädigten Fahrzeuges waren auch die Mitarbeiter des DaimlerChrysler Vertragshändlers zweifelsfrei der Auffassung des Geschädigten-Sachverständigen, dass zur  ordnungsgemäßen Wiederherstellung die Erneuerung der B-Säule aussen erforderlich sei.

Daraufhin wurde seitens des Geschädigtensachverständigen am 19.04.2007 eine weitere Stellungnahme zu den Ermittlungsergebnissen verfasst und an die Anwaltskanzlei des Geschädigten geleitet.

Nachdem sich die Bemühungen um eine aussergerichtliche Einigung als vergeblich darstellten, beantragte die Anwaltskanzlei einen Mahnbescheid gegen den Schädiger und die Schädigerversicherung.

Nach Widerspruch dieser Mahnbescheide wurde Klage eingereicht, unter Berufung auf das Gutachten des Geschädigten.

Im Verlauf des Gerichtsverfahrens wurde seitens des Gerichts ein weiterer Kfz-Sachverständiger beauftragt, der nach Ortstermin und Besichtigung sowie Freilegung der involvierten Zonen des unzulänglich reparierten Fahrzeuges zu dem Ergebnis gekommen ist, dass aufgrund der ursprünglichen Beschädigungen und den technischen Vorgaben der Fa. DaimlerChrysler AG, eine sach- und fachgerechte Reparatur nur durch Erneuerung der B-Säule rechts aussen erreicht werden könne und die Schadensermittlung aufgrund des Geschädigtengutachtens (einschl. Wertminderung) vollumfänglich richtig sei.

Bedeutet im Umkehrschluss: Das Kürzungsprotokoll des DEVK-Beauftragten ist, wie erwartet, grottenfalsch!

Entsprechend den Ausführungen des gerichtlichen Sachverständigen erging dann am 20.11.2007 das Urteil am AG Karlsruhe (AZ: 12 C 95/07), wodurch dem Geschädigten der gesamte Schadensersatz für sein beschädigtes Fahrzeug gemäß Geschädigtengutachten zugesprochen wurde.

FAZIT

Dieser Vorgang zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie weitreichend und mit welcher Perversion heute rechtswidriges Schadensmanagement praktiziert wird und wie wichtig es ist, unmittelbar nach dem Schadensereignis einen qualifizierten Kfz-Sachverständigen zu beauftragen sowie mit Hilfe eines versierten Rechtsanwaltes die rechtmässigen Forderungen hartnäckig beizutreiben.
Und vor allem; niemals eine Besichtigung bzw. Nachbesichtigung durch die Schädigerversicherung zulassen!
Insbesondere wenn es sich um eine Versicherung handelt, die Schadensmanagement im Stil der DEVK praktiziert.

Ausserdem zeigt uns der Sachverhalt, auf welchem Qualitätsniveau sich das Kfz-Sachverständigenwesen heute bewegt und wie weit heruntergekommen der Berufsstand in vielen Teilen tatsächlich ist.

Hier wurde offensichtlich eine Person seitens der Versicherungswirtschaft in öffentliche Bereiche eingeschleust.

Denn der “unabhängige, zertifizierte und vereidigte Kfz-Sachverständige” war nach eigenen Angaben 10 Jahre bei der DEVK als angestellter Kfz-Sachverständiger tätig, um dann im Jahr 1999 sein Glück in der vermeintlichen Selbständigkeit zu suchen.
Zur Image-Verbesserung eine IfS-Zertifizierung sowie Vereidigung bei der IHK Karlsruhe und noch schnell eine Mitgliedschaft beim größten Sachverständigenverband.
Fertig ist der Maulwurf der Versicherungswirtschaft, mit dem man sogar die örtliche Rechtsprechung beeinflussen kann, sobald die ersten Aufträge aufgrund der bei Gericht vorliegenden Sachverständigenliste erteilt werden.

Was verbirgt sich aber tatsächlich unter der polierten Oberfläche – eine Mogelpackung?

1.) Nachweislich der vorliegenden Gerichtsunterlagen wurde hier keinerlei Sach- und Fachkompetenz bewiesen.
2.) Ein “unabhängiger Kfz-Sachverständiger” bezieht einen erheblichen Teil seiner Aufträge aus der Hand einer Versicherung.
3.) Ein vereidigter “Kfz-Sachverständiger” kürzt nachweislich vorsätzlich und ständig im Auftrag der DEVK gegen geltende Gesetze und höchstrichterliche Rechtssprechung rechtskonforme Gutachtenkalkulationen freier und unabhängiger Gutachter.
4.) Ein zertifizierter “Kfz-Sachverständiger” diskreditiert seriöse und renommierte Kfz-Sachverständige, die rechtskonforme Gutachten anfertigen.

Und wenn das Kartenhaus einzustürzen droht, behilft man sich bei Bedarf mit Lügen?

Bei all dem stellt sich doch auch die Frage, warum die Kammer eine solche Persönlichkeit der Öffentlichkeit als integer präsentiert und dessen munteren Treiben dann noch tatenlos zusieht und/oder bisher keinerlei Konsequenzen gezogen hat ?

Wie war doch gleich das Anforderungsprofil für die öffentliche Bestellung und Vereidigung?

Besondere Sachkunde
Persönliche Integrität
Unabhängigkeit
Weisungsfreiheit
…….

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Besonders interessant wird es sein zu beobachten, ob und welche Maßnahmen der BVSK aus diesem Beitrag abzuleiten gedenkt.
Die selbst aufgestellte Messlatte gemäß Sonderrundschreiben vom 27.09.2007 (SRS-1007) dürfte für dieses Mitglied wohl unerreichbar sein.

Hier noch die Kostenaufstellung des Verfahrens:

1 x außergerichtliche Kosten Kläger         ca.   440,00 €

1 x außergerichtliche Kosten Beklagte     ca.   500,00 €

1 x Gerichtskosten                                   ca.   219,00 €

1 x Kosten Gerichtssachverständiger      ca.   570,00 €

2 x vorgerichtliche Stellungnahme SV      ca.   480,00 €

Zinsen vom 25.11.2006 – 30.11.2007+    ca.   160,00 €

Summe                                                    ca. 2.369,00 €

Der gesamte Prozess hat also unsinnige Kosten in Höhe von rund EUR 2.370,00 „verschlungen“ bei einem Gegenstandswert von EUR 1.983,80.

Geld, das völlig sinnlos aus dem Topf der Versichertengemeinschaft der DEVK-Versicherung „verpulvert“ wurde.

Der gesamte Vorgang einschl. Gerichtsurteil liegt der Redaktion vor und kann bei Bedarf abgerufen werden (z.B. IHK, BVSK….).

Urteilsliste „Fiktive-Abrechnung“ zum Download >>>>>

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