LG Halle verweist auf höchstrichterliche Rechtsprechung

LG Halle Az.: 2 S 44/07 vom 03.07.2007  (AG Halle Az: 98 C 2842/06)

Ersatz fiktiver Reparaturkosten 

Der Kläger verlangte vor dem AG Halle den Ersatz fiktiver Reparaturkosten. Das AG hatte die Beklagte (HUK-Coburg Versicherung) zur Zahlung des Betrages von 382,35 € verpflichtet. Hiergegen legte die HUK-Coburg Berufung ein.

Das LG Halle wies jedoch die Berufung der Beklagten gegen das AG-Urteil (98 C 2842/06) zurück.

Die ausweislich der im Gutachten enthaltenen Reparaturkosten einer ortsansässigen markengebundenen Fachwerkstatt bei fiktiver Schadenabrechnung sind durch den Haftpflichtversicherer zu erstatten.

Das LG Halle führt u.a. aus:

Ziel des Schadenersatzes ist die Totalreparation, wobei der Geschädigte nach schadensrechtlichen Grundsätzen sowohl in der Wahl der Mittel zur Schadenbehebung als auch in der Verwendung des vom Schädiger zu leistenden Schadenersatzes frei ist. 

Ein eingeholtes Sachverständigengutachten, welches hinreichend ausführlich ist und das Bemühen erkennen lässt, dem konkreten Schadenfall vom Standpunkt eines wirtschaftlich denkenden Betrachters gerecht zu werden, bildet die Grundlage des zu erstattenden Schadenaufwandes.

Weiterhin heißt es:

Grundlage der Berechnung der im konkreten Schadenfall erforderlichen Reparaturkosten kann nicht der Abstrakte Mittelwert der Stundenverrechnungssätze aller repräsentativen Marken- und freien Fachwerkstätten der Region sein, wenn der Geschädigte fiktive Reparaturkosten abrechnen will.

Der Kläger kann somit sowohl die Kosten für eine etwaige Verbringung des Fahrzeuges zu einer Fremdlackiererei wie auch den so genannten UPE-Aufschlag verlangen.

An Hand dieses Urteils lässt sich einmal mehr erkennen, dass das aktive Schadenmanagement der HUK-Coburg Versicherung einzig dazu dient, dem Geschädigten berechtigte Schadenersatzansprüche vorzuenthalten.

Eine Steuerung des Geschädigten durch den Versicherer führt dazu, dass der Geschädigte nicht erkennen kann, ob alle ihm zustehenden Ersatzleistungen durch den Versicherer zugebilligt werden sollen.

Einfluss wird genommen:

– auf die Wahl der Schadenbehebung – fiktive oder tatsächliche Reparatur

– auf die Wahl der Reparaturwerkstatt – langjährige Werkstatt des Kunden steht gegen Vertrauenswerkstatt des Versicherers

– auf die Wahl des Gutachters – eigener Gutachter (Gutachten entspricht den rechtlichen Vorgaben = vollen Schadenersatz) steht gegen versicherungseigenen Sachverständigen (Gutachtenerstellung nach Vorgabe der Versicherer – minimaler Schadenersatz)

Und – ohne rechtliche Vertretung soll der Geschädigte einer „freiwilligen Steuerung“ unterworfen werden. Ihm wird suggeriert, dass die daraus zu erzielenden Einsparungen ihm bei seinen späteren Prämien wieder zu Gute kommen – tatsächlich werden hier Konkurrenzkämpfe der Versicherungskonzerne zu Lasten und auf dem Rücken der Versichertengemeinschaft geführt.

SV-Büro Zimper

Urteilsliste „Fiktive-Abrechnung“ zum Download >>>>>

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