Trefflich und amüsant begründet

Das Amtsgericht Gronau hat in einem Urteil vom 16.04.2007, AZ 1 C 7/07 in einer amüsanten Art und Weise dem Ansinnen einer allseits bekannten Versicherung (die HUK-Coburg, wen sonst) wiederum eine Absage erteilt.

Was vielen Kollegen die blanke Wut ins Gesicht treibt, nimmt das Amtsgericht mit einer Prise schwarzen Galgenhumor:

„Die, Gelben Seiten‘ weisen für den hiesigen Bezirk lediglich den TÜV sowie den Sachverständigen W. aus. Auch wenn es durchaus dem Zeitgeist entsprechen dürfte, dass ein Geschädigter heutzutage zunächst fragt, ob er bei drei Unfällen Mengenrabatt oder wenigstens im Fall einer Auftragerteilung ein Duftbäumchen gratis dazu bekommt, zur Not auch mit Vanille-Aroma, ist eine Einflussnahme eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen auf die aufzuwendenden Kosten weder ersichtlich noch von der Beklagten substantiiert dargetan.

Auch der BGH hat in der bereits zitierten Entscheidung zutreffend darauf hingewiesen, dass keine Anhaltspunkte vorhanden seien, dass sich bei der Erstellung von Kfz-Schadensgutachten eine der Unfallersatztarifproblematik bei Mietfahrzeugkosten ähnliche Situation etabliert habe.
Aber auch derjenige Geschädigte, der überobligationsmäßig entsprechend den Vorstellungen der Beklagten vollschichtige Recherchen über die Höhe der aufzuwendenden Gutachtenkosten anstellt, um nicht dem erstbesten dahergelaufenen Sachverständigen auf Kosten der Versichertengemeinschaft, der er ja schließlich ebenfalls angehört, überhöhte Honorare in dessen Gierschlund zu schleudern, wird das streitgegenständliche Honorar als ,erforderlich‘ im o. g. Sinne ansehen.
Denn er wird bei seiner durchgeführten Internetrecherche auf der Seite des BVSK die dortige Honorarbefragung herunterladen, die dortigen Daten ebenso wie die Honorare des Sachverständigen W. aus dessen Preisliste in eine Excel- Tabelle eingeben, analysieren und feststellen, dass diese sich im üblichen Rahmen bewegen.
Er wird schließlich einen Bericht über ein Spitzengespräch des BVSK und der XYZ-Versicherung (der Beklagten) finden, der auszugsweise folgenden Passus enthält:
, Die XYZ-Versicherung hat zugesagt, die Honorare von BVSK-Mitgliedern nach einem überarbeiteten Gesprächsergebnis BVSK-XYZ zu regulieren. Nach Auffassung des BVSK-Geschäftsführers berücksichtigt dieses aktualisierte Gesprächsergebnis Mehraufwand bei der Gutachtenerstellung sowie allgemeine Kostensteigerungen. Mit dem Gesprächsergebnis machte die XYZ deutlich, dass sie zwar grundsätzlich auch weiterhin die Abrechnung nach Zeitaufwand für gerechter hält, aber wie in der Vergangenheit bei qualifizierten Gutachten der Mitglieder des BVSK die Abrechnung nach Schadenhöhe anerkenne.
Sodann wird er auf der Internetseite der Beklagten keine Gegendarstellung finden, reinen Gewissens dem Sachverständigen W. nach dreitägiger Recherche den Gutachtenauftrag erteilen und sich darüber wundern, dass ihm hinsichtlich der geltend gemachten Nutzungsausfallentschädigung drei Tage von der Beklagten aberkannt werden, weil er den Gutachter nicht unverzüglich beauftragt habe.
Das erkennende Gericht hat der Beklagten in zahlreichen Verfahren auf den Cent genau vorgerechnet, dass der Sachverständige W. sich mit seiner Gebührentabelle in jeder Hinsicht in der Größenordnung bewegt, die die Regulierungsempfehlung der Beklagten aus dem Spitzengespräch im Jahre 2002 unter Berücksichtigung zwischenzeitlich allgemeiner Preissteigerungen vorgibt.
Da dies die Beklagte nicht zu beeindrucken scheint, erlaubt sich das Gericht, auf derartige Darlegungen künftig zu verzichten.“

Zwischen den Zeilen sowie aus dem Schlußsatz heraus kann man aber erkennen, das auch beim Amtsgericht Gronau das letzte Fünkchen Verständnis für diese Sache erloschen ist und zukünftige Fälle nur noch durchgewunken werden.

Zum Wohle der Versichertengemeinschaft………….wie uns die involvierte HUK-Coburg Versicherung immer wieder weismachen will.

SV Stoll

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