Restwert: Erläuterungen des IFS (Institut f. Sachverständigenwesen e. V.)

Da die HUK Coburg neuerdings aus den Erläuterungen des IFS für ihre rechtswidrige Haltung, Sachverständigenhonorare nicht zu bezahlen, Honig saugen will, habe ich mir diese Erläuterungen einmal vorgenommen.

Es heißt dort: „SV haben bei der Restwertermittlung die konkreten Marktverhältnnisse zu berücksichtigen. Der Restwert ist ein Marktwert. Keinesfalls ist als Restwert ein reiner Rechenwert anzugeben, in dem von dem ermittelten Wiederbeschaffungswert die Aufsummierung aus Reparaturkosten und Wertminderung in Abzug gebracht wird.

Die Rechtsprechung geht davon aus, dass sich der Geschädigte bei der Veräußerung grundsätzlich an die ihm vertrauten Vertragshändler – also an den allgemeinen, regionalen Markt – wendet. Dieser Grundsatz gilt auch für die Restwertermittlung durch einen vom Geschädigten beauftragten SV.“

Fakt ist also:

Kfz-SV, die im Auftrag des Geschädigten tätig werden, haben im Totalschadensfall den Restwert des Unfallwagens am allgemeinen, regionalen Markt zu ermitteln.

Fest steht demnach nicht nur, dass der SV den dem Geschädigten zugänglichen allgemeinen, regionalen Markt zu untersuchen hat und nicht irgendwelche Internet-Restwertbörsen, sondern es steht durch das Wort „ermitteln“ auch fest, dass der SV anhand der Abfrageergebnisse des allgemeinen, regionalen Marktes eine eigene Ermessensentscheidung zur Höhe des Restwertes treffen soll.

Auch steht fest, dass es der SV ist, der ermitteln soll und nicht die HUK Coburg.

Wenn die HUK Coburg stattdessen etwas anderes behauptet, so entspringt das einem grundsätzlichen Fehlverständnis der IFS-Leitsatzerläuterung.

Diese so verstandene Restwertermittlungspflicht des Kfz-SV beinhaltet es, dass der SV die von ihm beigebrachten Gebote des allgemeinen, regionalen Marktes einer Plausibilitätsprüfung dann unterzieht, wenn ihm die beigebrachten Gebote unplausibel erscheinen.

In diesem Fall erachtet es das IFS für sinnvoll, die Angemessenheit und Plausibiliät von örtlichen Restwertgeboten anhand von weiteren Geboten des überregionalen Marktes zu prüfen und – in solchen Fällen unplausibler, örtlicher Restwertgebote – ggfls. auch Gebote aus Restwertbörsen beizubringen, um so seine eigene Restwertermittlung auf eine breitere und damit tragfähigere Basis stellen zu können.

Das sind sicher sinnvolle und ohne Weiteres nachvollziehbare Empfehlungen, die gewährleisten, dass Kfz-SV zu plausiblen und angemessenen Restwerteinschätzungen auch in dem Fall gelangen, in dem der örtliche Markt nur unplausible oder unangemessene Gebote abgegeben hat.

Der Kfz-SV wird aber vom IFS keineswegs immer für verpflichtet gehalten, eine überregionale Restwertrecherche unter Einbeziehung der Internet-Restwertbörsen durchzuführen, sondern solche weiteren Maßnahmen empfiehlt der IFS den Kfz-SV nur für den Fall, dass der örtliche Markt unangemessene oder unplausible Restwertangebote abgegeben hat.

Davon abweichend nimmt die HUK Coburg in Textbausteinen neuerdings eine Auslegung der IFS-Erläuterungen vor, die einem Winkeladvokaten zu größter Ehre gereichen würden.

Es heißt dort: „In den Erläuterungen zu diesem Leitsatz wird festgehalten, dass es zur Überprüfung der Angemessenheit der Angebote des allgemeinen, regionalen Marktes erforderlich und für eine nachvollziehbare (plausible) und umfassende Ableitung des Restwertes sinnvoll oder bei erkennbar nicht marktkonformen Geboten ggfls. nötig ist, den gesamten Markt in die Restwertermittlung einfließen zu lassen. Zu dem gesamten relevanten Markt gehören auch Bieter in Restwertbörsen.

Das von Ihnen übersandte Gutachten beinhaltet keine Hinweise zur Einschaltung einer Restwertbörse. Die Einstellung der Lichtbilder des Unfallfahrzeuges in eine Restwertbörse durch unser Unternehmen  haben Sie urheberrechtlich ausgeschlossen. Wir können das Gutachten deshalb unserer Schadenregulierung vorläufig nicht zugrunde legen.“

Fazit:

Von der HUK Coburg wird fälschlicherweise so getan, als würde der IFS die Einschaltung der Restwertbörse als Mindeststandard zur Ermittlung von Restwerten erheben. Das ist natürlich völlig falsch.

Die HUK Coburg argumentiert dann auf Basis dieser völlig falschen Darstellung, das Gutachten sei unbrauchbar und für die Schadensregulierung nicht geeignet, wenn es unter Berufung auf das Urheberrecht die Einstellung der Schadenslichtbilder in die Restwertbörse durch die HUK Coburg selbst verbietet.

Unabhägnig davon, dass diese Ansicht auf völlig falscher Grundlage aufbaut, ist ein Schadensgutachten selbstverständlich nicht unbrauchbar, nur weil der SV auf ein ihm zustehendes, gesetzlich verbrieftes Recht, nämlich das Urheberrecht, hinweist, um so seinen Kunden, den Geschädigten, vor Internet-Restwertangeboten, beigebracht durch die HUK Coburg, zu bewahren, die der Geschädigte nach der Rechtsprechung des BGH nicht zu berücksichtigen verpflichtet ist.

Kein SV und kein Geschädiger sollte sich deshalb durch den neuen Textbaustein der HUK Coburg „blenden“ lassen.

Seit Jahren sucht die HUK Coburg ebenso händeringend wie erfolglos nach rechtlich tragfähigen Begründungen, mit denen sie die Regulierung von Gutachterhonoraren verweigern kann. Alle Argumente, die dabei von der HUK Coburg ins Feld geführt wurden, haben beim BGH kein Gehör gefunden.

Mit dem jetzigen Textbaustein wird das auch nicht anders sein.

Mitgeteilt von Peter Pan im Februar 2007

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