Gründe weshalb Kfz-SV immer mehr an Ansehen verlieren und Gründe warum viele Kfz.-SV doch unentbehrlich sind.

Hochqualifiziert und zertifiziert, das wird von den Berufsverbänden der KFZ-Sachverständigen verlangt und den Verbrauchern auch so mitgeteilt.

Was wird dem Verbraucher aber von den selben Verbänden verschwiegen? Dass vielen dieser Sachverständigen, wenn sie für die Versicherungswirtschaft tätig werden, eines der wichtigsten Merkmale des KFZ-Sachverständigen, nämlich die Charakterstärke, verlorengeht oder gänzlich fehlt.
Diese Eigenschaft kann man nicht lernen und auch nicht prüfen, entweder man hat Charakter oder keinen!
Aus diesen Gründen möchte ich hier dem Verbraucher mit einem unschönen für tatsächlich unabhängige Sachverständige, auch blamablen Beispiel erklären worauf er achten muss, wenn die Versicherungen den Sachverständigen schicken bzw. empfehlen.
Da hat ein Kunde XY ein gebrauchtes Automatik-Fahrzeug bei einem Händler mit einer sog. Gebrauchtwagengarantie erworben…

fährt eine Weile und peng-krach-bumm, das Fahrzeug steht. Diagnose katastrophaler Motorschaden, offensichtlich hat ein Pleuel den Motorblock durchschlagen.
Fachleute wissen, dass die Folgen nur mit einem Austauschmotor zu beheben sind und die Schadenursache viele Möglichkeiten haben kann.

Aber kein Problem, man hat ja eine Garantieversicherung bei der GPG, obwohl nach meiner Kenntnis der Händler der erste Ansprechpartner zwecks Garantie- bzw. Gewährleistungsansprüchen ist und haften müsste. 
Von dieser GPG Versicherung geht nun ein Fax an ein Sachverständigenbüro, dessen Inhaber ausgewiesenermaßen auf der ersten 1/2 Seite des Deckblattes qualifiziert, ZAK zertifiziert, diplomiert, BVSK und VDI Mitglied usw. ist (ob auch eine Mitgliedschaft im Kegelverein besteht, ist zum Glück nicht auch noch aufgeführt). Das ist schon beeindruckend, geballtes Wissen auf einer halben Seite angepriesen.
Das Büro lässt diesen Auftrag nun aber von einem anderen Sachverständigen ausführen, der einige hundert Kilometer näher am Besichtigungsobjekt wohnt, verschweigt jedoch (aus welchen Gründen auch immer) dessen Arbeit und bestätigt fälschlich die "eigene persönliche" Inaugenscheinnahme. Damit noch nicht genug; das Verwirrspiel geht nun noch weiter, weil dieses Schriftstück einmal als "Gutachten" und zum anderen auch als "Besichtigungsbericht" bezeichnet wird.
Inhaltlich erfüllt dieses Schandpapier, wie ich es bezeichne, meiner Meinung nach den Tatbestand der "Beihilfe einer arglistigen Täuschung". Darüber hinaus entspricht dieses Papier keineswegs den geforderten Mindestanforderungen eines qualifizierten, nachvollziehbaren Gutachtens oder Berichtes.

Nun liegt mir das Schriftstück dieses hochqualifizierten Sachverständigen vor, welches den Motorschaden für die GPG GmbH zur Grundlage der Schadenregulierung bewerten soll.

Man staune über die fehlenden technischen Daten bei der "persönlichen Inaugenscheinnahme".

zugelassen auf      :                                                                                                                                              
nächste HU/Au      : n.p.     n.p.
Haupttyp/KBA Nr.  : HA/ n.b.
KM Stand (Tacho) : siehe text(km) abgelesen (3)
Betriebsleistung.   : wie vor, lt. Angabe
Lackierung           : blau
Erstzulassung       : n. bek.
Bereifung vorne    : n.p.  usw. usw. n.p.

Insbesondere spätestens bei der evtl. auftauchenden Frage ob eine Reparaturwürdigkeit beim Motoraustausch noch vorliegt, welche Werverbesserungen man beachten muss usw., finde ich es schon beachtlich, wie schluderig das alles gehandhabt wird.
Oder war das Ergebnis schon so festgelegt, dass die GPG GmbH egal wie leistungsfrei bleibt? Scheinbar war es so, wenn man diese wichtigen Daten nicht aufnimmt. Wozu sollte man noch die Laufleistung und andere wichtige Werte wissen, wenn nicht schon vorher klar ist, dass eine Entschädigunsleistung nicht in Frage kommt. 

Das eigentliche Gutachten/Bericht oder wie man es sonst nennt ist an Falschheit, Wortkargheit und fehlender Nachvollziehbarkeit unübertreffbar.

Ich zitiere:(das sind tatsächlich die ganzen gutachterlichen Inhalte über den Motorschaden)

"SV-Feststellung: Der Motorblock wurde von einem Pleuel durchschlagen und die Motorkettenführung ist gerissen. Eine Motorölprobe konnte nicht entnommen werden.
Schadenursache: Überbelastung."

Schlusswort: Der vorliegende Besichtigungsbericht wurde nach besten Wissen unter Zugrundelegung der vorhandenen Unterlagen sowie unter Einbeziehung der im Rahmen der Fahrzeugbesichtigung gewonnenen Erkenntnisse erstellt.

Der zertifizierte Sachverständige

(Stempel ZAK Zert. NR….)

Ing. ………(VDI/BVSK)

Kraftfahrzeug- Mechaniker- Meister
Staatl. geprüfter Techniker f. d. KFZ.-Wesen
Sachverständiger für Kraftfahrzeuge
nach DIN/EN 17024 Eurac-Cert Nr. 2..

Zitat Ende

Hallo Leser, 

Mit diesem Bericht, eines weiteren "Versicherungstanzbären" den die Fa. GPG GmbH nun gegen Ihren Versicherungsnehmer verwendet und die Versicherung auch leistungsfrei stellen soll, ist auch der Händler vermeindlich aus der Schusslinie. Der einzig Dumme wäre der Versicherungsnehmer, der gleich von 3 Seiten über den Tisch gezogen werden soll. Natürlich ist dieser "Bericht" nicht einmal das Papier wert auf dem er geschrieben steht. Das sollte auch die GPG GmbH interessieren, wenn sie in Zukunft Aufträge vergibt.

Aber wäre die Versicherungsnehmerin nicht auf die Idee gekommen, das Vorstehende überprüfen zu lassen, hätte man Sie um einige tausend Euronen geprellt.
Deshalb ist es gut, dass es auch noch echte "unabhängige Sachverständige" gibt, die vielleicht auch mit ein paar Titeln weniger ausgestattet sind, aber dafür die gebotene Charakterfestigkeit haben, welche wesensimmanent für einen gestandenen KFZ-Sachverständigen ist. Diese Leute finden sie nun vermehrt in diesem Blog.

MfG

Franz Hiltscher 

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