Allianz Anschreiben zur Kürzung des Sachverständigenhonorars mit reichlich „Tiefgang“ – auf direktem Weg zum vollständigen Gesichtsverlust ?

Was geschieht eigentlich, wenn man sich auf die Kommunikation mit einem zahlungsunwilligen Versicherer einlässt, der Schadensersatzpositionen rechtswidrig kürzt?
Dann bekommt man aktuell lediglich niveaulose Schreiben wie das folgende:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie bereits in anderer Sache mitgeteilt, hat der BGH keinesfalls entschieden, dass Sachverständigenkosten immer gemäss Rechnung zu regulieren seien. Das Verfahren wurde an das LG zurückverwiesen zur erneuten Verhandlung, Eine Entscheidung dazu ist uns nicht bekannt.

Sämtliche Kostenpositionen sind nicht nachvollziehbar bzw. liegen diese über den u.E. üblichen Kosten. Mangels einer Gebührenordnung schuldet der Geschädigte Ihnen nur „übliche“ Kosten.

Wir stellen daher erneut anheim, Ihre Rechnungserstellung zu erläutern und die einzelnen Posten zur Höhe zu erklären.

Wir verweisen auch auf die Rechtsprechung des LG Saarbrücken.

Da Sie zu den Sachverständigen gehören, bei denen sehr häufig die Gebührenansprüche nicht voll ausgeglichen werden können, sind Sie u.E. auch gehalten, den Auftraggeber bei Auftragsannahme hierauf hinzuweisen.

Wir bitten uns auch darzulegen, in welcher Form Sie diesen über die bei Ihnen entstehenden Kosten informiert haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Allianz

Die Allianz Versicherung AG ignoriert inzwischen sämtliche bisherige BGH-Rechtsprechung zum Sachverständigenhonorar (X ZR 80/05,  X ZR 122/05, VI ZR 67/06, VI ZR 471/12, VI ZR 528/12) sowie auch die aktuelle vom 11.02.2014 (VI ZR 225/13). Ebenso die Rechtsprechung des OLG Saarbrücken gegen die Allianz Versicherung AG (4 U 61/13 vom 08.05.2014), mit dem die Rechtsprechung des LG Saarbrücken zur Begrenzung der Nebenkosten auf EUR 100,00 aufgehoben wurde sowie auch die anderen 2.000 Urteile, die bei Captain HUK gelistet sind.

Des weiteren verkennt die Allianz, dass es hier um die Regulierung einer Schadensposition geht. Es sind also nur schadensersatzrechtliche Grundsätze maßgebend. Für werkvertragliche Kriterien ist bei der Schadensregulierung kein Raum. Schon gar nicht ist der Schädiger bzw. der Zessionär verpflichtet, irgendwelche Einzelpositionen der Rechnung einer Schädigerversicherung zu erläutern. Sofern die Allianz die werkvertragliche Auseinandersetzung suchen sollte, dann kann sie, nach vollständiger Begleichung der Rechnung, den Sachverständigen ggf. in Regress nehmen. Davon macht sie aber keinen Gebrauch. Warum wohl?

Die weiteren trivialen Frechheiten sind ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Allianz mit dem Rücken an der Wand steht und nicht mehr weiter weiß? Insbesondere die zunehmende Inanspruchnahme von deren Versicherungsnehmern nach den rechtswidrigen Kürzungen liegt der Allianz wohl richtig schwer im Magen, wie man so hört?

Dem Wunsch der Allianz nach mehr „Kundeninformation“ durch die Sachverständigen kann aber gerne entsprochen werden, indem jeder SV ab sofort seinen Kunden „flüstert“, dass die Allianz rechtmäßige Schadenspositionen partout nicht ausgleichen will und deshalb grundsätzlich immer ein Rechtsanwalt bei der Schadensabwicklung einzuschalten ist. Ein guter Rat, wo man sich am besten nicht versichert, sollte außerdem bei keiner „qualifizierten Kundenberatung“ fehlen.

Versicherern, die den Schadensersatz rechtswidrig kürzen oder verweigern, wie hier z.B. die Allianz, kann man mit einer schon oft erläuterten und durchweg erfolgreichen Stratgegie den „Spaß“ am Kürzen verderben:

Nach Kürzungen durch den Versicherer einfach die Akte mit der Versicherung schließen und ab sofort nur noch den Versicherungsnehmer (z.B. hier der Allianz) in Anspruch nehmen. Besser geht es nur noch, wenn Fahrer nicht gleich Halter (VN) sein sollte. Bei Inanspruchnahme des Fahrers sind dem Versicherer sämtliche Möglichkeiten genommen, irgendwie „einzugreifen“. Außerdem wissen am Ende des „Verfahrens“ dann gleich 2 Beteiligte (VN und Fahrer) wo man sich in Zukunft am besten nicht (mehr) versichert? Besonders „ungemütlich“ für die Versicherer wird es, wenn man die beklagten VNs am Schluss über den Ausgang des Verfahrens informiert (was die Anwälte der Versicherer ja leider oftmals „vergessen“).

Einen Dialog mit zahlungsunwilligen Versicherern zu führen ist letztendlich verlorene Zeit – sowohl bei der fiktiven Abrechnung als auch beim Sachverständigenhonorar. Eine Versicherung auf Kürzungsbeträge zu verklagen bringt – außer einem gewonnenen Prozess – keinen nachhaltigen Effekt. Denen sind die Prozesse gegen ihre Gesellschaft nämlich sch…egal, solange der Kunde nichts davon erfährt (siehe z.B. HUK Coburg). Deshalb muss man – sofern man dem Spuk ein globales Ende setzen will – immer das „scharfe Schwert“ auspacken und deren Versicherungsnehmer auf die (Klage)Bank „bitten“.

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

Siehe auch:

Captain-HUK-Beitrag vom 08.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 24.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 30.06.2014

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