BVSK: Ein Berufsverband, den die Welt nicht braucht?

(Fast) jeder Sachverständige kennt Sie inzwischen. Die Kürzungsschreiben einiger Versicherer bezüglich des Sachverständigenhonorars. Ursächlich für diese jahrelange Kürzerei ist nichtzuletzt das sog. „Gesprächsergebnis“. Dabei handelt es sich um eine „Vereinbarung“ des BVSK mit der HUK Coburg aus der Vergangenheit, gegen die das Bundeskartellamt bereits ermittelt hatte und diese „Vereinbarung“ deshalb wieder eingestellt werden musste. „Nachfolgeprodukt“ war ja dann das Honorartableau 2012 HUK Coburg „basierend auf der BVSK-Honorarbefragung 2010/2011“, auf dessen Basis die HUK nun wieder Sachverständigenhonorare willkürlich kürzt.

Jeder Sachverständige sollte wissen, dass es im Rahmen des Schadensersatzes stets immer nur um die Erforderlichkeit geht. Die Angemessenheit des Sachverständigenhonorars (einschl. Nebenkosten) hat bei der Schadensersatzforderung bzw. im Schadensersatzprozess nichts zu suchen. Maßgeblich ist nur die Sicht des Geschädigten. Sofern dieser (ex ante) nicht erkennen konnte, dass das Sachverständigenhonorar quasie willkürlich bzw. eindeutig erkennbar überhöht ist, hat der Schädiger bzw. dessen Versicherer das Honorar auszugleichen – ohne wenn und aber! Diese simple Erkenntnis ist so was von „ausgelatscht“, dass es nach wie vor verwundert, dass selbst einige Gerichte immer noch die „Angemessenheit“ des Sachverständigenhonorars im Schadensersatzprozess (ex post)  thematisieren und auch beurteilen. Die „Angemessenheit“ greift jedoch nur unter werkvertraglichen Gesichtspunkten. Also lediglich im Verhältnis zwischen dem Sachverständigen und dem Auftraggeber (Geschädigter).

Nach irgendwelchen Kürzungen der Versicherer wird bei Captain HUK schon lange empfohlen,  die Akte mit der gegnerischen Versicherung zu schließen und das restliche Sachverständigenhonorar NUR NOCH DIREKT BEIM SCHÄDIGER geltend zu machen. Das gilt übrigens nicht nur für das Sachverständigenhonorar, sondern auch für andere Kürzungen wie z.B. bei der fiktiven Abrechnung usw..
In dem Moment, in dem der Versicherungsnehmer (VN) der gegnerischen Versicherung direkt in Anspruch genommen wird, verbessert sich die Bereitschaft zur Schadenregulierung (seitens der Versicherer) in der Regel ungemein. Stress mit dem eigenen Kunden können die Versicherer nämlich nicht gebrauchen. Das ist richtig schlecht fürs Geschäft. So zumindest unsere „positiven Erfahrungen“ in der Vergangenheit.

Diese erprobte Strategie ist inzwischen auf einem guten Weg und findet erfreulicherweise immer mehr Anhänger, die keine Lust mehr haben, sich mit zahlungsunwilligen Versicherern bzw. deren rechtswidrigen „Schadensmanagement“ unnötig auseinander zu setzen.

Der BVSK hingegen setzt in Sachen SV-Honorar nun offensichtlich auf „Deeskalation“ – natürlich wieder zu Lasten der Kfz-Sachverständigen. Anstatt an einem Strang zu ziehen und auf der rechtlichen Schiene den Willkür-Kürzungen der Versicherer endgültig einen Riegel vorzuschieben, soll der BVSK-Sachverständige nun – nach Ansicht des BVSK – bei Kürzungen wohl ein „Vergleichsangebot“ an die Versicherung schicken, mit dem Vorschlag, das restlich ausstehende Sachverständigenhonorar (bitte, bitte?) außergerichtlich mit 50% auszugleichen?

Meiner Meinung nach ist das keine seriöse „Strategie“, sondern die unwürdige Bankrotterklärung eines Berufsverbandes. Sofern das SV-Honorar korrekt berechnet ist, besteht ein 100%iger Anspruch. Keine 60, 70, 80 oder 90%. Wer hier Zugeständnisse macht oder „Kuhhandel“ betreibt, der setzt sich unwillkürlich dem Verdacht aus, dass mit dem in Rechnung gestellten Honorar möglicherweise doch irgend etwas nicht stimmen könnte?

Vielleicht ist es aber auch nur wieder ein neuer „plumper Versuch“, einigen oder einer bestimmten Versicherung auf dieser Schiene wieder mit dem Honorar großzügig entgegen zu kommen, nachdem das „Gesprächsergebnis“ einen kapitalen Totalschaden erlitten hatte?
Erwähnt werden sollte vielleicht noch, dass es eine Empfehlung gibt, ggf. Nebenkosten in das Grundhonorar einzurechnen. Das ist genau das, was die HUK schon seit vielen Jahren versucht zu erreichen. Die komplette Pauschalierung des Sachverständigenhonorars (nach ihren Vorstellungen). Zuerst mit dem „Gesprächsergebnis“ und nun mit dem „Honorartableau“. Klingelingelingts?

Hier der betreffende Auszug aus dem BVSK-Musteranschreiben.

Nach jeder Menge „bla, bla“ endet das Schreiben wie folgt:

….

Aus der oben genannten Rechnung ist derzeit noch ein Betrag in Höhe von…………….offen.

Als Zeichen der Bereitschaft unseres Büros, diesen Vorgang nicht unnötig eskalieren zu lassen, bringen wir an, dass durch Sie nunmehr noch 50% des noch offenen Betrages gezahlt wird, um den Vorgang endgültig abschließen zu können.

Anderenfalls werden wir den Vorgang einem Anwalt übergeben, der weitere Schritte einleiten wird.

Mit freundlichen Grüßen

Diese „Strategie“ führt nicht zur Deeskalation, sondern zu einer weiteren Verschärfung der Situation. Jeder halbwegs clevere Versicherungsstratege wird bei diesem Zugeständnis nun natürlich den Kürzungsbetrag erhöhen, um bei einer 50%igen Nachregulierung trotzdem noch genügend Reibach für die Versicherung einzusacken. Denn die Hälfte von mehr ist nun mal mehr.

Sofern die BVSK-Sachverständigen tatsächlich dieser „Strategie“ folgen sollten, wird es zu einer weiteren „blutigen“ Runde im Kampf um das Sachverständigenhonorar kommen, die letztendlich nicht nur die Sachverständigen des BVSK, sondern (wieder einmal) die gesamte Branche schädigt.

Dümmer geht´s wirklich nimmer?

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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