Dreist, dreister, AXA

Versicherer sind einfallsreich, das wissen alle, die schonmal mit einer Versicherung zu tun hatten. Einige Versicherer sind beratungsresistent und verhalten sich nicht rechtskonform, das wissen alle, die hier mitlesen. Aber es gibt auch zumindest einen Versicherer, der in einem Fall so gut wie alle negativen Eigenschaften vereint und ein Vorgehen an den Tag legt, das dreister nicht sein könnte – oder doch, es geht immer noch dreister, aber das will ich mir lieber nicht vorstellen.

Der Vorgang ist eigentlich ganz einfach: Der Schädiger S fährt gegen das Auto des Geschädigten G und verursacht einen Schaden. Der G geht nun zum Sachverständigen A (wie Andreas…). Der ermittelt Nettoreparaturkosten von 880,- Euro und ein paar Zerquetschten. Dabei hat A eigentlich sogar zu niedrig kalkuliert, weil A ja eigentlich mit den durchschnittlichen Verrechnungssätzen der markengebundenen Vertragswerkstätten der Region hätte kalkulieren müssen, tatsächlich aber die Verrechnungssätze genommen hat, die in der Werkstatt anfallen, in der G sonst immer alle Arbeiten machen lässt. Das aber nur nebenbei…

Das Originalgutachten wurde der Versicherung, der AXA, übersandt. A hat zwar dem G geraten, dass er einen Anwalt einschalten solle, aber das wollte G leider nicht. Dann tat sich erst einmal 2 Monate nichts, dann hat der G bei der Versicherung angerufen und gefragt, wo denn sein Geld bleibt, denn er habe bereits sein Fahrzeug instandsetzen lassen und zwar in Eigenregie und will nun die Nettoreparaturkosten, die der A ausgerechnet hat.

Da wird der SB (besser die SB) der Versicherung hellhörig und denkt sich: „Mist, jetzt hat er dran gedacht, dass er noch Geld kriegt.“ Also sagt die SB dem G, dass er das Geld bald kriegt, das Gutachten sei in der Prüfung. Aha, nach zwei Monaten ist die „Prüfung“ also noch nicht abgeschlossen und das, obwohl die Sommerferien ja erst noch bevorstehen, wie lange dauert es dann in den sechs Wochen Ferienzeit? Da wollen wir lieber auch nicht darüber nachdenken.

Dann erhält der G knappe zwei Wochen später ein Gutachten vom einem SV der AXA, nennen wir ihn V. Ergesser, dieser kommt ausweislich seiner Unterschriftbeschreibung aus einem Ort, der vom Ort des G schlappe 350 km weit weg ist. Laut Gutachten ist das Fahrzeug des G in einem Ort besichtigt worden, der ca. 50 km vom G entfernt ist, das besagt zumindest der Eintrag hinter „Besichtigungsort“. Als Besichtigungsdatum ist der Tag angegeben, an dem der G mit der SB telefoniert hat. Das dümmste ist nur: Zu diesem Zeitpunkt war der G gar nicht beim Besichtigungsort, das Auto vom G übrigens auch nicht. Und der G hatte sein Auto schon lange reparieren lassen.

Der V. Ergesser kommt dann auch auf Reparaturkosten, die um 140,00 Euro (plusminus ein paar Euro) niedriger liegen, als die, die der A kalkuliert hat, aber der Reparaturweg und die Verrechnungssätze sind dem ersten Augenschein nach identisch. Natürlich wurde (wohl versehentlich …) der Ersatzteilaufschlag vergessen. Und zwei notwendige Nebenarbeiten wurden vergessen, was insgesamt 1,3 Stunden ausmacht.

Außerdem teilt die SB dem G mit, dass er nach Vorlage der Reparaturkostenrechnung bis zum ermittelten Reparaturkostenbetrag Schadenersatz verlangen könne. Im übrigen steht da nichts von Nutzungsausfall, Kostenpauschale, …

Der G ist nun also beim Anwalt, zwar spät, aber besser spät als nie. Und da ihm gestern in das Auto seiner Frau einer reingefahren ist, der bei der AXA versichert ist, hat der G den Anwalt angerufen, dass er gleich noch ein zweites Mandat erhält, denn den Stress und Ärger mit der AXA tut er sich nicht mehr an.

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