Generali Versicherung AG – der „mediterane Trittbrettfahrer“ bei der rechtswidrigen Kürzung des Sachverständigenhonorars

Die Südländer gelten ja gemeinhin als großzügig und sind in der Regel nicht so sparsam wie die Schwaben? Zumindest hört man das eine oder andere dazu aus dem Bundesfinanzministerium bzw. aus dem Umfeld der EU? „Bunga-Bunga“ oder so gibt es ja auch nicht unbedingt zum Schnäppchenpreis? Um so mehr verwundert es, dass nun die deutsche Niederlassung der „italienischen Fraktion“ auf die Kürzungsschiene zum Sachverständigenhonorar eingeschwenkt ist. Und das ausgerechnet nachdem der BGH mit seinem Urteil vom 11.02.2014 (VI ZR 225/13) die Sache endgültig zu Gunsten der Geschädigten klargestellt hat (siehe auch VI ZR 67/06VI ZR 471/12 und VI ZR 528/12). Vielleicht wissen die „Italiener“ aber auch nichts von irgendwelchen BGH- oder sonstigen Urteilen gegen die HUK bzw. Zurich und „Konsorten“? Diesen Eindruck könnte man fast bekommen, wenn man das Schreiben der Generali Versicherung liest, das ohne weitere Begründung das Sachverständigenhonorar rechtswidrig kürzt. Es macht den Anschein, als ob man irgendwo einmal etwas von einer „neuen Sparmöglichkeit“ gehört hat und nun auf Verdacht ein wenig auf den Busch klopft? Dieser Schuss kann bzw. wird mit Sicherheit ganz schnell nach hinten losgehen. Da kann die HUK-Coburg ein Lied davon singen. Was heißt hier eigentlich „ein Lied“? Aus dem „Konzert“ gegen die HUK könnte man ohne weiteres „Endlos-Opern“ komponieren.

Möglicherweise geht es den Versicherern aber gar nicht (nur) ums Geld, sondern das Ganze ist ein Großangriff der Versicherungswirtschaft gegen den Berufsstand der freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen – wie übrigens einige schon seit längerem vermuten – und der „Boykott-Pool“ der rechtswidrigen Honorarkürzer will sich schlicht und ergreifend die langjährigen „Erfahrungswerte“ der „Italiener“ im Umgang mit der Beseitigung unliebsamer Marktteilnehmern zu Nutze machen? Eine Art „Joint Venture“ sozusagen.  Gewisse Parallelen im Verhaltensmuster einiger Versicherer zu den Strukturen traditionsreicher „italienischer Familien-Unternehmen“ wurden ja schon des öfteren an anderer Stelle festgestellt?

Hier nun das Schreiben der Generali Versicherung vom 04.04.2014:

Sehr geehrte Damen und Herren,

den Betrag von 797,30 EUR überweisen wir auf das Konto … .

Die Sachverständigenkosten können wir nicht in der geforderten Höhe bezahlen. Jeder Geschädigte ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes verpflichtet, die Kosten für einen Schaden so gering wie möglich zu halten. Wir müssen nur den tatsächlich geforderten Aufwand erstatten.

Mit freundlichen Grüßen
Generali Versicherung AG

Das wars auch schon, lieber Leser. Und das noch „sparsamer“ wie bei der Württembergischen Versicherung. Die Botschaft lautet:

„Wir kürzen nach Lust und Laune – Basta e Ciao!“

Da wird der Versicherungsnehmer der Generali Versicherung AG aber seine urdeutsche Freude haben, wenn ihn der Sachverständige seines Unfallgegners nun direkt auf Zahlung des Restbetrages in Anspruch nimmt?

Wer will sich eigentlich auf eine Versicherung verlassen (müssen), die im Schadensfall nur teilweise oder möglicherweise auch gar nicht bezahlt und der Versicherungsnehmer (Kunde) dann auf den restlichen Kosten sitzen bleibt?
Ist es nicht die Aufgabe des Gesetzgebers (Bundesjustizministerium?), Unternehmen mit einer Lizenz zum Pflichtversicherer, die eine ordnungsgemäße Schadenregulierung verweigern und die Regulierungspflicht (nach Recht und Gesetz) hinter den eigenen Profit anstellen, die Zulassung als Kfz-Haftpflichtversicherer zu entziehen?
Was beim sog. „Schadenmanagement“ einiger Versicherer heutzutage abläuft, hat mit dem ursprünglichen Ansinnen des Gesetzgebers zur Pflichtversicherung nicht mehr viel zu tun. Sinn und Zweck war die Sicherung der legitimen Ansprüche des Geschädigten. Diese Stellung wird nun permanent und systematisch ausgehöhlt, um den Profit der Versicherungsunternehmen zu steigern.

Hier wieder der „Leitfaden“ für gekürztes Sachverständigenhonorar, wie er bereits im Beitrag zur VHV-Versicherung, der Allianz Versicherung und beim Beitrag zur Württembergischen Versicherung veröffentlicht war. Kann man übrigens auch bei anderen Kürzungen anwenden (z.B. bei Kürzungen im Rahmen der fiktiven Abrechnung):

Nach ungerechtfertigten Kürzungen schließen wir in der Regel die Akte mit der Versicherung und nehmen den Schädiger (Unfallverursacher) direkt in Anspruch. Dies zuerst mit einem freundlichen Anschreiben mit der Bitte um Ausgleich der Restforderung unter Fristsetzung bis zum … unter Beilage der aktuellen BGH-Rechtsprechung. Für den Fall, dass kein außergerichtlicher Ausgleich erfolgen sollte, erhält der Unfallgegner einen Mahnbescheid, den jeder Sachverständige selbst oder ggf. die Sekräterin online ausfüllen kann. Sofern Widerspruch gegen den Mahnbescheid eingelegt wird, erfolgt ein Klageverfahren gegen den Unfallgegner. In diesem Fall also gegen den Versicherungsnehmer der Generali-Versicherung.

Diese Strategie erhöht den Druck auf den zahlungsunwillgen Versicherer ungemein und “beschleunigt” oftmals die außergerichtliche Regulierung. Außerdem erfährt der Unfallgegner, bei welcher “Holzkasse” er versichert ist. In den Anschreiben an den VN der Versicherung weisen wir regelmäßig daraufhin, dass stets die direkte Inanspruchnahme bei allen Schadenspositionen im Raume steht. Also nicht nur beim gekürzten Sachverständigenhonorar in “lächerlicher Höhe” von vielleicht 50, 80 oder 100 Euro. Das Gleiche kann dem Versicherten auch passieren, sofern seine Versicherung z.B. beim Sachschaden, Schmerzensgeld, Haushaltsführungsschaden usw. die Regulierung „verkürzt“. Da sind dann vielleicht 20.000, 50.000, 100.000 oder auch mehr Euro fällig, die der Geschädigte, z.B. bei seinem (vermögenden) Unfallgegner, dann direkt beitreibt.

Ein Versicherer, der bereits bei Kleinstbeträgen mit massiven Mitteln versucht, sich um die Schadensregulierung zu drücken, dürfte bei der Regulierung “größerer Brocken” für den Versicherungsnehmer so richtig “gefährlich” werden?

Desolate Regulierungsqualiät einer Haftpflichtversicherung könnte im Extremfall  bis zum Verlust des Eigenheimes oder sogar zum Verlust der gesamten Existenz führen? Das ist den meisten Versicherten in der Regel wohl überhaupt nicht bewusst? Deshalb sind wir in Sachen “Aufklärung”  immer gerne behilflich.

Billig versichert zu sein kann den Versicherten am Ende teuer zu stehen kommen!

Das ist dann meist auch der Schlusssatz unserer Textbaustein-Anschreiben an die Schadenverursacher.

Hier ein beispielhaftes Schreiben an einen VN der VHV Versicherung, das man so oder so ähnlich als Musterschreiben verwenden kann:

Sehr geehrte(r) …,

ich nehme Bezug auf den o.a. Kfz-Haftpflichtschaden.
In der gegenständlichen Schadensache wurde mein Sachverständigenhonorar durch Ihre Haftpflichtversicherung leider nicht vollständig ausgeglichen.

Die Rechnung belief sich auf EUR 400,00 – bezahlt wurden jedoch nur EUR 330,00 (Anlage – Rechung Nr. xxx/14 vom xx.02.2014, Abtretungserklärung vom xx.02.2014 sowie Abrechnungsschreiben der VHV Versicherung vom xx.04.2014).

Das Sachverständigenhonorar einschl. Nebenkosten wurde ordnungsgemäß liquidiert, was Sie unschwer der beigelegten Honorarbefragung des BVSK entnehmen können.
Der Schaden bei Ihrem Unfallgegner belief sich auf EUR 1.100,00 incl. MwSt.
In Anbetracht der Tatsache, dass ich aber weder an die Honorarbefragung des BVSK noch an irgend eine andere Honorarliste gebunden bin und mein Honorar, aufgrund eigener Betriebskalkulationen, selbst bestimmen kann (freie Marktwirtschaft), ist der Abzug nicht gerechtfertigt.

Weitere Informationen zum Sachverständigenhonorar können Sie auf der Internetseite www.captain-huk.de entnehmen. Insbesondere empfehle ich das Studium der BGH-Urteils VI ZR 67/06 vom 23.01.2007 sowie BGH VI ZR 225/13 vom 11.02.2014 (Anlage). Aus diesen Entscheidungen geht eindeutig hervor, dass der Abzug durch Ihre Versicherung gegen Recht und Gesetz erfolgt ist!

Ob es sich bei dem Verhalten Ihres Versicherers um eine Strategie zur “Gewinnmaximierung” handelt, oder nur um “fehlende Mittel” zur ordnungsgemäßen Schadensregulierung, kann ich von hier aus nicht beurteilen?

Als Schadenverursacher sind Sie – genau wie Ihre Versicherung – in der Pflicht, für eine ordnungsgemäße Regulierung des Schadens zu sorgen. Sofern eine Haftpflichtversicherung den Pflichten aus dem Versicherungsvertrag (= vollständige Regulierung des Schadens) nicht nachkommt, hat natürlich der Schadenverursacher selbst für den Ausgleich zu sorgen.

Demzufolge bitte ich zum Ausgleich der Restforderung in Höhe von EUR 70,00 auf untenstehendes Konto bis zum xx.04.2014.

Versicherte vertreten des Öfteren die Auffassung, man sei nicht zuständig, da man ja dafür versichert sei. Hierbei handelt es sich jedoch um einen fatalen Trugschluss. Die Haftung – mit allen Konsequenzen – bleibt stets beim Unfallverursacher. Das Vertrauen in eine Versicherung kann ohne Weiteres bitter enttäuscht werden. Beispiele hierzu gibt es jede Menge in den Medien.
Bei einem größeren Schaden, z.B. mit Schwerverletzen, kann es deshalb durchaus passieren, dass man “Haus und Hof” oder sogar die gesamte Existenz verliert, sofern die eigene Versicherung die Zahlung verweigert oder verkürzt.

Sofern eine Versicherung schon bei “lächerlichen” 70 Euro rechtswidrig kürzt, würde ich mir über die Regulierungspraxis bei möglichen “Großschäden” ernsthafte Gedanken machen.

Eine gute und leistungsfähige Kfz-Haftpflichtversicherung gehört demzufolge zur “Grundausstattung” eines verantwortungsvollen Autofahrers.

„Billig“ versichert zu sein kann den Versicherten am Ende teuer zu stehen kommen!

Für weitere Erläuterungen stehe ich stets gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Den Brief kann man auch in der Menüleiste rechts abrufen unter:

Vorlagen – Musterbriefe >>>>>

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>

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