Generali Versicherung reguliert sofort nach Kenntnisnahme der Klageeinreichung gegen deren Versicherungsnehmer. Vorausgegangen war eine rechtswidrige Kürzung des Schadenersatzes durch die Generali bei der fiktiven Abrechnung.

Am 17.09.2014 hatten wir hier über einen Fall berichtet, bei dem die HUK innerhalb von Stunden den Restbetrag aus einer Schadenskürzung beglichen hatte. Ursächlich für die „flinke Regulierung“ war eine Klageeinreichung gegen den Versicherungsnehmer der HUK auf Ausgleich des rechtswidrig durch die HUK gekürzten Schadensersatzes.

Hier haben wir nun einen ähnlich gelagerten Fall der Generali Versicherung, bei dem auch der VN der Generali verklagt wurde, nachdem die Generali rechtswidrige Kürzungen beim Schadensersatz vorgenommen hatte und nicht gewillt war, den Restschaden auszugleichen. Wie bei der HUK ging es auch hier um Kürzungspositionen im Rahmen der fiktiven Abrechnung. Des weiteren wurden die Kosten für die Reparaturbestätigung nicht beglichen, die Kosten der sachverständigen Stellungnahme sowie der Verdienstausfall des Geschädigten und die Rechtsanwaltskosten.

Die Gesamtforderung (einschl. außergerichtlicher Rechtsanwaltskosten) belief sich auf EUR 9.008,37. Gezahlt wurden von der Generali am 28.03.2014 EUR 7.758,15, so dass noch 1.250,22 offen standen. Gekürzt wurde auf Grundlage eines Prüfberichts der ClaimsControlling, in dem auf „sachverständige Feststellungen“ Bezug genommen wurde. Aus diesem Kürzungsprotokoll war aber nicht erkennbar, wer denn der Sachverständige der ClaimsControlling sein soll, der hier „sachverständige Feststellungen“ getroffen haben will. Prüfberichte werden seitens der CC offensichtlich anonym verfasst. Hierzu sollte man eine Abmahnung ins Auge fassen, sofern Versicherungen auf Grundlage von anonymen Schreiben rechtswidrige Kürzungen vornehmen, die angeblich auf „sachverständige Feststellungen“ beruhen?

Doch nun die Details zum gegenständlichen Generali-Fall:

Am 06.05.2014 schreibt der Rechtsanwalt an die Generali Versicherung, nachdem der Schaden nicht vollständig ausgeglichen wurde:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vorbezeichneter Angelegenheit halten wir fest, dass folgende Schadenpositionen zur Ausgleichung offenstehen:

Restlicher Fahrzeugschaden                                    231,12 EUR
Restlicher Verdienstausfall                                      160,00 EUR
Kosten der Reparaturbestätigung                              38,00 EUR
Kosten der sachverständigen Stellungnahme          150,00 EUR
 .                                                                            571,12 EUR
Kosten gem. Rechnung vom 02.04.2014                679,10 EUR
.                                                                          1.250,22 EUR

Wir geben letztmalig Gelegenheit, den Betrag in Höhe von 1.250,22 EUR auf eines unserer oben genannten Konten zu leisten bis spätestens zum

14. Mai 2014,

andernfalls doch noch gerichtliche Hilfe in Anspruch genommen werden müsste.

Mit freundlichem Gruß
L. S. Rechtsanwalt

Nachdem dann nichts mehr kam, wurde am 21.05.2014 Klage gegen den Versicherungsnehmer der Generali Versicherung beim Amtsgericht Düsseldorf eingereicht. Hier nun ein weiteres Schreiben des Rechtsanwalts an die Generali Versicherung vom 14.08.2014:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vorbezeichneter Angelegenheit teilen wir der guten Ordnung halber mit, dass wir die von Ihnen verweigerten restlichen Schadensersatzansprüche unseres Mandanten mit der beigefügten Klageschrift vom 21.05.2014 gegenüber Ihrer VN geltend gemacht haben. Das Verfahren wird geführt unter dem Aktenzeichen 35 C 6372/14.

Die Klageschrift wurde durch Versäumnisse des AG Düsseldorf Ihrer VN erst Anfang August zugestellt.

Mit freundlichem Gruß
L. S. Rechtsanwalt

Daraufhin ein Schreiben der Generali Versicherung an das Amtsgericht Düsseldorf per 26.08.2014:

Geschäftszeichen: 35 C 6372/14

In Sachen
Taxi … gegen K.

wird der Schaden jetzt von der Gruppe Prozess in 50670 Köln, Gereonswall 68 unter leicht geänderter Schadennummer bearbeitet.

Nach nochmaliger Prüfung der Sach- und Rechtslage haben wir die Klageforderung nebst Zinsen ausgeglichen.

Wir gehen davon aus, dass die Gegenseite die Klage nunmehr zurücknimmt oder für erledigt erklärt. Einer etwaigen Erledigungserklärung des Klägers schließen wir uns unter ausdrücklicher Anerkennung der Kostenlast an. Auf eine Begründung der Kostenentscheidung wird verzichtet.

Mit freundlichen Grüßen

Generali Versicherung AG

Ha, ha, ha !!

„Nach nochmaliger Prüfung der Sach- und Rechtslage“.

Da gab es nichts nochmal zu prüfen. Die bei der Generali wussten doch schon von Anfang an, dass nach der aktuellen Gesetzes- und Rechtslage hier rechtswidrig gekürzt wurde? Kürzung nach Dienstanweisung gegen geltendes Recht und Gesetz ist eine Strategie, die inzwischen auch beim einfältigsten Mitarbeiter der Versicherer angekommen sein dürfte. Die Spatzen pfeiffen es doch schon seit vielen Jahren von den Dächern, dass Versicherer kürzen was das Zeug hält, um Geschädigte „über den Tisch zu ziehen“. Die Urteilslisten bei Captain HUK und die vielen Berichte zu diesem Thema – sowohl hier als auch in anderen Medien – sind u.a. ein überzeugender Beweis dieser miesen Versicherungsstrategie.

Mit gleichem Datum (26.08.2014) ging dann noch ein Schreiben an den Rechtsanwalt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr S.,

der Schaden wird jetzt von der Gruppe Prozess in 50670 Köln, Gereonswall 68 unter leicht geänderter Schadennummer bearbeitet. Wir bitten um Beachtung.

Wir haben die Klageforderung nebst Zinsen ohne Präjudiz für die Rechtslage ausgeglichen und das Gericht mit beiliegendem Schreiben informiert.

Falls Sie die Klage zurücknehmen und keine Einigungsgebühr geltend machen, werden wir dafür sorgen, dass von Seiten der Beklagten kein Kostenantrag gestellt wird. Die angefallenen Verfahrenskosten werden wir zudem tragen.

Mit freundlichen Grüßen
Generali Versicherung AG

Draufhin schreibt der Rechtsanwalt am 28.08.2014 13:51 per Fax an die Generali:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vorbezeichneter Angelegenheit bestätigen wir den Eingang des Betrages in Höhe von 702,11 EUR.

Es ist es bedauerlich, dass wir den von Ihnen verweigerten restlichen Schadensersatzanspruch unserer Mandantin erst gegenüber Ihrem VN gerichtlich geltend machen mußten, damit Sie sich dann doch noch zur Regulierung entschließen konnten.

Das Verfahren gegen Ihren VN ist somit für erledigt zu erklären mit dem Antrag, die Kosten des Verfahrens Ihnen aufzuerlegen. Sodann ist Kostenfestsetzung zu beantragen.

Um das Verfahren abzukürzen, übersenden wir anliegend unsere Kostenrechnung und geben Gelegenheit, den Rechnungsbetrag in Höhe von 125,00 EUR auszugleichen binnen 10 Tagen auf eines unserer oben genannten Konten. Sodann werden wir die Klage zurücknehmen.

Mit freundlichem Gruß
L. S. Rechtsanwalt

24 Stunden später dann das Antwortfax der Generali Versicherung (29.08.2014 13:52):

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 28.08.2014.

Wir werden selbstverständlich keinen Kostenantrag stellen.

Den Betrag von 125,00 EUR überweisen wir auf das Konto …

Mit freundlichen Grüßen

Generali Versicherung AG

Na bitte, geht doch! Warum nicht gleich so? Warum muss man erst die Kunden der Generali Versicherung mit einer Klage „belästigen“? Warum belastet die Generali deren Versichertengemeinschaft mit erheblichen zusätzlichen Kosten?

Dieser Fall ist ein weiterer Beleg dafür, dass das rechtswidrige Schadenmanagment der Versicherer immer erst dann einknickt, wenn man deren Versicherungsnehmer auf gekürzten Schadensersatz in Anspruch nimmt. Wie sollte es auch anders sein? Versicherungnehmer sind das Lebenselixir des Unternehmens. Diese Finanzbasis darf auf keinen Fall gefährdet werden. Versicherungsnehmer, die auf Kürzungen ihrer Versicherer in Anspruch genommen werden, sind natürlich „stinksauer“. Sofern man den Grund des Ärgers dann noch entsprechend an den VN kommuniziert, hat die Versicherung den Kunden los. Spätestens am 30.11. ist dann „Schluss mit Lustig“. Das mag bei einigen wenigen „Fahnenflüchtigen“ noch nicht zu Buche schlagen. Sobald jedoch ein Großteil der Schadensbearbeitung nach dieser Methode abgewickelt wird, bricht das komplette Schadenmanagement zusammen, das sich die Versicherer in den letzten Jahrzehnten zusammengebastelt haben. Man muss die Chance nur erkennen und entsprechend nutzen. Eine andere Möglichkeit, den Versicherern wirksam Paroli zu bieten, gibt es nicht. Klagen gegen Versicherer sind strategisch betrachtet völlig sinnlos, da denen das Geld für die Prozesse völlig egal ist. Das sieht man z.B. auch bei der Mietwagenrechtsprechung oder beim Kürzungsstreit ums Sachverständigenhonorar mit der HUK. Da wird prozessiert bis zum geht nicht mehr, auch wenn die HUK fast alle Prozesse verliert. Ziel hierbei ist wohl nicht (nur) die Einsparung von Beträgen, sondern die Zermürbung der Marktteilnehmer.

Deshalb muss man jede Chance nutzen, die sich bietet.

Versicherung kürzt und/oder verweigert endgültig => sofortiges Klageverfahren gegen den Versicherungnehmer der Versicherung.

Die meisten Verfahren enden dann bereits nach Klageeinreichung – wie man bei dem obigen Fall oder dem Vorgang bei der HUK bestens erkennen kann.

Zum wesentlichen Element der Strategie gehört auch, dass der VN der Versicherung stets aktuell informiert ist. Also sämtliche Kürzungsschreiben, gerichtliche Unterlagen und ggf. am Ende auch das Urteil dem VN zuleiten, da Versicherungsanwälte bei diesen Klageverfahren den VN oftmals „abschirmen“ und auch keine Unterlagen über den Verlauf des Verfahrens an die beklagten VNs weiterleiten.

Siehe hierzu auch:

Captain-HUK-Beitrag vom 08.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 15.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 24.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 30.06.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 10.07.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 01.08.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 20.08.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 28.08.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 17.09.2014
Captain-HUK-Beitrag vom 06.11.2014

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