Reise nach Cham – ein Erlebnisbericht

Nachdem mich meine Mandantschaft von der Verschwiegenheit entbunden hat kann ich allen Interessierten diese Zeilen zukommen lassen.

Am 13.07. hatte ich das Vergnügen, in der schönen Stadt Cham tätig sein zu können. Herrlich gelegen, diese Stadt, am Fluss namens Regen.

Neben kulinarischen Köstlichkeiten in stilvoll eingerichteter Gastronomie war es mir auch vergönnt, juristische Kost am Amtsgericht vom Feinsten zu genießen.

Ich hatte dort einen Kläger zu vertreten, der seinen Unfallgegner wegen umfangreicher Abzüge der HUK Coburg zu verklagen hatte.

Als Vorspeise waren umfangreichste schriftsätzliche Ausführungen serviert worden, die auf Beklagtenseite nicht von diesem sondern von der HUK Coburg bzw. deren Anwälten stammten.

Da waren bestritten neben – natürlich – meiner Prozessvollmacht die Höhe des Wiederbeschaffungswertes, die Höhe des Restwertes, die Gutachterkosten, nicht nur nach Grund und Höhe sondern bis in die feinsten Verästelungen, die Höhe der Unkostenpauschale, die Höhe der ebenfalls teilweise klagebedürftigen Rechtsanwaltskosten und so weiter …., eben halt die übliche, leckere HUK Coburg-Vorspeisensuppe.

Das Gericht – beiläufig sich outent als Liebhaber mainfränkischer Weinspezialitäten und deshalb im Umgang mit kulinarischen Leckereien absolut versiert – führte ebenso versiert in den Sach- und Streitstand ein, dabei deutlich scheltend den Streit der Parteien um Formalien wie vermeintlich fehlende Vollmachten.

Das war verständlich, denn wer will sich schon mit dem Falten und Zurechtlegen der Serviette stundenlang beschäftigen, wenn der Schweinsbraten und die Klöße schon vor einem auf dem Teller leckere kleine weiße Dampffähnchen aufsteigen lassen.

Also zum Hauptgericht:

Es wird Beweis erhoben zu der Frage, ob der Kläger das Honorar seines SV bereits bezahlt hat, ob nun 185 oder nur 150 € für den Restwert erlöst worden sind und wie viel Restkraftstoff sich noch im Tank des total beschädigten Klägerfahrzeuges befunden hat, weiter dazu, wie der SV des Klägers den Wiederbeschaffungswert und wie er den Restwert ermittelt hat.

Sodann hatte der Gerichtssachverständige das Wort.

Er legte überzeugend dar, dass auch er den Wiederbeschaffungswert mit 2.000 € bemessen hätte und dass der Restwert mit 185 € entsprechend der Rechtsprechung des BGH ermittelt worden ist, dass der Geschädigte natürlich nicht verpflichtet ist, Internet-Restwertangebote einzuholen und dass die Kosten eines Liter Superbenzin zur streitgegenständlichen Unfallzeit bei 1,40 – 1,45 € gelegen waren.

Die Gutachterkosten, die der SV des Klägers berechnet hat, hält der Gerichtssachverständige für absolut und ohne jedes Wenn und Aber gerechtfertigt; er führt aus, dass eine vergleichende Zeitaufwandsabrechnung bei einem Stundensatz von 115 € zu einem wesentlich höheren Grundhonorar kommen würde; er legt dar, dass auch die Nebenkosten des klägerischen SV in der Honorarrechnung richtig und beanstandungsfrei ermittelt worden sind.

Letztlich wird auch die vom SV des Klägers ermittelte Wiederbeschaffungsdauer von 14 Tagen für zutreffend erachtet und der Gerichtssachverständige gibt zu bedenken, dass der Kläger Dispositionen darüber, wie er mit dem ihm angerichteten Schaden umgehen soll, natürlich erst nach Erhalt des Schadensgutachtens treffen kann und dass deshalb die Rechtsfrage vom Gericht entschieden werden muss, ob dem Kläger dieser Zeitraum von vorliegend 3 Tagen zusätzlich zuzubilligen ist.

Opulenter als vor allem vom Beklagten erwartet fiel deshalb das Hauptgericht aus.

Wie bei jemanden, bei dem sprichwörtlich die Augen größer als der Mund waren, trat ein Übersättigungsgefühl ein.

Hatte man sich verschätzt bei der Prognose, sich das Hauptgericht problemlos einverleiben zu können?

Jedenfalls war es sehr gehaltvoll und lecker, was der Gerichtssachverständige da kredenzte.

Alle Beteiligten hatten danach keine Lust mehr auf eine Nachspeise, obwohl auch die sicher eine kulinarische Köstlichkeit geworden wäre.

Zu Beginn der Verhandlung noch geforderte Schriftsatznachlässe wurden nunmehr übereinstimmend als nicht mehr notwendig erachtet, bei dem Kläger nicht, weil er sich durch die Beweisaufnahme bestätigt fühlte, bei dem Beklagten nicht, weil er das ebenso realisiert hatte.

Spät war es inzwischen geworden, hatten doch die zuvor Verköstigten – Lehrer wie zu vernehmen war – Tische und Stühle über Gebühr lange in Beschlag genommen, so dass die Parteien – jedenfalls die Klägerpartei frohgemut – die Heimreise antreten konnten, nachdem einige schöne Eindrücke von der Stadt während eines kleinen Verdauungsspazierganges noch gesammelt werden konnten.

Nach in der Oberpfalz wird mich mein Weg gerne wieder führen.

Mitgeteilt von Peter Pan im Juli 2006

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24 Kommentare zu Reise nach Cham – ein Erlebnisbericht

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