Sachverständiger der GKK versucht sich an einem Gutachten über einen Omnibus

Es geschah aber zu der Zeit als ein unbedachter Pkw-Fahrer einem Omnibus ins Heck rauschte und der Busunternehmer ein Gutachten zur Schadenfestellung und Durchsetzung seiner Ansprüche benötigte. Der Busunternehmer ließ sich anwaltlich vertreten, was sich als sehr vorteilhaft herausgestellt hat, denn die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, die Generali, wollte nicht alles bezahlen.

Das Gutachten, das von unserem Büro gefertigt wurde, beinhaltete neben der Reparatur und Lackierung sämtlicher beschädigter Teile auch die Erneuerung der Werbeaufschrift, die Verrechnungssätze der Mercedes-Werkstatt, in der der Bus repariert werden sollte sowie Kosten für die Überprüfung der Kurbelwelle, da das Kurbelwellenrad durch den Anstoß gebrochen ist, sodass selbst für einen Laien erkennbar eine hohe Krafteinwirkung vorgelegen hat.

Der zuständigen Werkstatt wurde mitgeteilt, dass die Kurbelwelle ausgebaut werden muss und zur Überprüfung an einen spezialisierten Betrieb gesandt werden muss. Der SV der GKK kam im Auftrag der Generali zwei Tage später ans Fahrzeug und wollte der Werkstatt die Überprüfung verweigern.

Und damit nahm das Schicksal seinen Lauf, denn wir erdreisteten uns, dennoch die Überprüfung anzuordnen, um Folgeschäden für den Motor auszuschließen. Die Kurbelwelle wurde also geprüft und etwas bearbeitet, so dass sie wieder eingebaut werden konnte. Die Überprüfung erwies sich also nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern tatsächlich als notwendig.

Der SV der GKK war darüber entweder verärgert oder er konnte es einfach nicht besser, aber in seiner nachfolgenden Schadenkalkulation (Gutachten mag ich das nicht nennen), kalkulierte er zwar die Kurbelwellenkosten, vergaß darüber aber, notwenige Instandsetzungs- und Lackierarbeiten an eindeutig beschädigten Teilen, vergaß die Erneuerung der Werbeaufschrift und kalkulierte einen Abzug für Wertverbesserung für die Erneuerung von Dichtungen und der Kurbelwellenlager.

So kam er auf sage und schreibe etwa 4.000,- Euro geringere Reparaturkosten. Davon abgesehen, dass notwendige Reparaturarbeiten gar nicht berücksichtigt wurden, fehlt mir das technische Verständnis dafür, dass die Erneuerung von Dichtungen und der Kurbelwellenlager zu einer Wertverbesserung von 600,- für den Omnibus führen soll.

In vorliegendem Fall ist das nicht so dramatisch, da der Geschädigte sowohl ein Gutachten eines unabhängigen SV hat als auch anwaltlich vertreten ist. Es gibt aber genug Busunternehmer, die eine eigene Werkstatt haben und die notwendigen Arbeiten im wesentlichen selbst durchführen können.

Sollten diese ohne eigenen SV und ohne Anwalt an ein solches Gutachten geraten, dann hätte zum einen die Überprüfung der Kurbelwelle gefehlt und zum anderen wären notwenige Arbeiten nicht berücksichtigt worden, sodass nicht nur Geld gefehlt hätte, sondern auch noch Spätfolgen zu befürchten gewesen wären. Nichts als Ärger also.

Es kann also nicht deutlich genug gesagt werden:

Nur der unabhängige Sachverständige sorgt für eine ordentliche und ordnungsgemäße Schadenfeststellung und legt den erforderlichen Reparaturweg fest. Sachverständige, die vom Versicherer beauftragt werden, haben am Fahrzeug nichts zu suchen, denn diese sind weisungsgebunden und im Regelfall nicht frei in Ihrer Entscheidung den technisch sinnvollen Reparaturweg zu wählen.

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