Schriftwechsel

Ein Phänomen, das mir in der letzten Zeit verstärkt aufgefallen ist, ist der Schriftwechsel, den viele Versicherer mittlerweile gerne am Anwalt vorbei mit den an der Regulierung beteiligten Personen und Firmen führen. Wenn ein Anwalt für den Anspruchsteller die Regulierung eines Unfallschadens durchführt, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass sämtlicher Schriftwechsel über den Anwalt läuft, damit dieser über alle Vorgänge in Kenntnis gesetzt wird und Bescheid weiß.

Verstärkt erhalten wir zur Zeit Schreiben direkt vom Versicherer mit der „Bitte um Stellungnahme“, „Bitte um Rechnungsprüfung“ oder „Bitte zur Erläuterung der Wertminderung“, durch den Anspruchsteller obwohl ein Anwalt eingeschalten wurde. Teilweise bitten die Versicherer sogar um zweifache Ausfertigung, damit die Kopie für den Anwalt nicht einmal mehr vom Sachbearbeiter ausgedruckt werden muss ?!

Es werden jedoch nur solche Bitten an den SV gesandt, die eigentlich einen kostenpflichtigen Vorgang auslösen würden. Erhält der SV einen Auftrag von der regulierungspflichtigen Versicherung, nachdem er bereits für den Anspruchsteller ein Gutachten gefertigt hat, dann kann er den Auftrag der Versicherung nicht annehmen. Für die Versicherung ergibt sich somit der Vorteil, dass der SV dann, wenn der die Stellungnahme nach Aufforderung durch den Versicherer erstellt, diese nicht verrechnen kann. Würde sich die Versicherung richtigerweise an den Anwalt wenden und dieser den SV zur Stellungnahme auffordern, dann kann der SV die angefallenen Kosten selbstverständlich in Rechnung stellen.

Die Versicherungen, die so vorgehen, versuchen also mit einem Taschenspielertrick kostenpflichtige Stellungnahmen zu umgehen. Gleichzeitig zeigt dieses Vorgehen meiner Meinung nach Respektlosigkeit gegenüber dem Anwalt des Anspruchstellers.

Für alle Beteiligten kann nur gelten:

Wenn Briefe direkt vom Versicherer eingehen, dann ist dieser entweder darüber zu informieren, dass der Schriftwechsel über den Anwalt zu führen ist oder aber der Anwalt ist vom Empfänger entsprechend in Kenntnis zu setzen. In manchen Fällen kann durchaus eine Antwort auf die Frage des Versicherers ohne vorherige Rücksprache verfasst werden. Diese ist aber dem Anwalt zuzuleiten und nicht an diesem vorbei zur Versicherung.

Es geht mir hierbei übrigens nicht darum, dass jede Stellungnahme einen kostenpflichtigen Vorfall auslösen muss. Ich berechne vergleichsweise wenig der Zusatzarbeiten. Es gibt aber zum Einen Stellungnahmen, die schlicht unnötig sind, weil der Sachbearbeiter nur seine Arbeit auf andere abwälzen will. Und zum Anderen gehört es sich nicht, dass der Anwalt, der für die Regulierung letztlich verantwortlich ist, ausgeschlossen wird.

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