Generali Versicherung – Schadensmanagement zum Ablachen

Generali Versicherung – Schadensmanagement zum Ablachen

Nachdem die Generali Versicherung bei einer fiktiven Abrechnung die „üblichen Positionen“, entgegen höchstrichterlicher Rechtsprechung, wieder gestrichen und auf eine nicht markengebundene Fachwerkstatt verwiesen hatte, kam es zu folgendem Schriftverkehr.

Rechtsanwalt des Geschädigten im März 2008:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vorbezeichneter Angelegenheit haben wir Ihr Abrechnungsschreiben vom XX.03.2008 erhalten. Die Kürzung des Schadensersatzanspruches wird von uns nicht hingenommen aus folgenden Gründen:

1.) Durch die Bezugnahme auf den von Ihnen vorgelegten Prüfbericht und die damit verbundene Kürzung der vom Gutachter berücksichtigten Stundenverrechnungssätze wird gegen die Rechtsprechung des BGH verstoßen. Dieser hat im sogenannten „Porsche Urteil“ vom 29.04.2003 (Az.: VI ZR 398/02) unmissverständlich entschieden, dass dem Geschädigten Schadensersatz in der Höhe zusteht, die ihm bei Reparatur in einer Markenwerkstätte entstehen würde.

2.) Nachdem das OLG Nürnberg in seinem Urteil vom 07.08.2007 (Az.: 2 W 1109/07) festgestellt hat, dass es sich bei der vom BGH aufgestellten 6-Monats-Frist um keine Fälligkeitsvoraussetzung handelt, ist der Zinsanspruch ebenfalls begründet.

Zur außergerichtlichen Beilegung und ohne Präjudiz im Falle von Weiterungen, wäre unser Mandant bereit, auf die Zinsen zu verzichten, vorausgesetzt der Restbetrag in Höhe von EUR 527,98 wird bis spätestens XX.04.2008 an uns gezahlt….

Darauf das Antwortschreiben der Generali:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die von Ihnen zitierte BGH-Entscheidung kommt im vorliegenden Fall nicht zum Zuge, da es sich bei dieser Entscheidung um einen Porsche handelte und von uns Ihnen und Ihrem Mandanten eine konkrete anderweitige Reparaturmöglichkeit benannt wurde. Da uns bisher nicht konkret nachgewiesen wurde, dass das Fahrzeug Ihres Mandanten in einer markengebundenen Werkstatt repariert wurde, können wir nur den niedrigeren Reparaturwert erstatten.

Eine weitere Entschädigung kann nicht erfolgen. Ihre Gebühren von netto 459,40 EUR haben wir an Sie überwiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Eine nette Umschreibung für die oft verwendtet Floskel diverser Versicherungsmitarbeiter

„Was interessiert uns die Rechtsprechung des BGH“.

Na das ist doch was. Dass da vorher noch keiner auf diese Idee gekommen ist? BGH-Urteile beziehen sich also immer nur auf den jeweiligen Fahrzeugtyp?!

Gut zu wissen!

Dann gilt das BGH-Urteil (VI ZR 89/07 vom 13.11.2007), bei dem ein fiktiver Fall zu einer 130%-Sache entschieden wurde, also nicht nur bei fiktiven Fällen, sondern auch nur auf das alte Golf-Cabrio, das Gegenstand dieser Entscheidung war. Natürlich nur bei gleicher Erstzulassung, identischer Laufleistung, Farbe, Ausstattung usw.

Da werden die Besitzer aller anderen Fahrzeugmodelle ihre Freude haben.
Das Rennen um die fiktive Abrechnung bei den 130%-Fällen wäre demnach wieder eröffnet – oder wie, oder was, oder doch nicht?

Was erkennen wir daran? Auch dieser Versicherer ist inzwischen mit seinem Latein an der untersten Fahnenstange angekommen.

Nachdem der Anwalt hier leider eine andere Rechtsauffassug vertritt, wird wohl Plan B des Anwaltsschreibens zum Einsatz kommen = restlicher Schadensersatz + Zinsen + Prozesskosten = wieder eine neue Entscheidung für unsere Urteilsdatenbank.

Vielen Dank für die (potentiell) neue Entscheidung und vor allem Dank an das Haus Generali für den lustigen Beitrag eines offensichtlich verzweifelten Mitarbeiters in der Schadensabwehrabteilung!!!

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13 Kommentare zu Generali Versicherung – Schadensmanagement zum Ablachen

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