Paukenschlag: Das OLG München erteilt der „JVEG-Verschwörung“ bei den Amts- und Landgerichten in München gegen die freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen eine deutliche Absage mit Beschluss vom 12.03.2015 (10 U 579/15)

Am 30.01.2015 hatten wir hier über einen Skandal an den Amts- und Langerichten in München berichtet, wobei die betroffenen Gerichte – nach gegenseitiger Absprache – die Nebenkosten der Sachverständigenrechnungen im Schadensersatzprozess rechtswidrig auf Grundlage des JVEG kürzen wollten. Damit dieser Weg nicht in einer Sackgasse endet und um den Rechtsfrieden in München wiederherzustellen, hat sich nun das OLG München mit deutlichen Worten in diesen unglaublichen Justizskandal eingeschaltet und einen entsprechenden umfangreichen Beschluss gefasst, den sich jeder Captain-HUK-Leser zu Gemüte führen und zur weiteren Verwendung herunterladen sollte.

Das OLG München hat sich in einer aktuellen Berufungssache ausführlich mit der Thematik „Sachverständigenkosten im Schadensersatzprozess“ auseinandergesetzt und den „JVEG-Kürzungslobbyisten“ – sowie den rechtswidrigen Kürzern anderer Fraktionen – eine deutliche Absage erteilt. Das OLG München hat sich u.a. auch die abgedriftete Rechtsprechung des OLG Dresden und LG Saarbrücken vorgenommen und eindrucksvoll aufgezeigt, warum sich diese Gerichte komplett auf dem Holzweg befinden.

Trotzdem ist allerdings zu befürchten, dass sich die „sturen Böcke“ an einigen anderen Gerichten durch schlüssige juristische Abhandlungen wie diese wohl nicht sonderlich beeindrucken lassen? Insbesondere beim LG Saarbrücken, das die Nebenkosten im Schadensersatzprozess zuerst auf 100 Euro pauschal gekürzt hatte und nach dem Scheitern dieser „Philosophie“ beim BGH (VI ZR 357/13 vom 11.02.2014) nun – entgegen einschlägiger BGH-Rechtsprechung – unbeirrt auf rechtswidriger JVEG-Linie weitermacht sowie auch Entscheidungen des „eigenen OLGs“ schlichtweg ignoriert, ist wohl „Hopfen und Malz verloren“? Nicht nachvollziehbare Verhaltensmuster diverser Richter gegen Gesetzes- und Rechtsgrundsätze schafft natürlich grundsätzlich Raum für wilde Spekulationen (warum, weshalb, wieso)?

In München wurde nun erfreulicherweise recht schnell „von oben“ die „Notbremse“ in Sachen „JVEG-Analogie“ gezogen. Aus dem strengen Blickwinkel der schadensersatzrechtlichen Perspektive sind zwar auch bei diesem Beschluss einige Ausführungen nicht völlig diskussionsfrei – aber sei’s drum. Auf alle Fälle kann man auf Grundlage des OLG München die bereits ergangenen JVEG-Fehlentscheidungen des AG und LG München nun in der „Hall of Shame“ ablegen.

Hier nun der Beschluss des OLG München vom 12.03.2015 (10 U 579/15):

OBERLANDESGERICHT MÜNCHEN

Aktenzeichen: 10 U 579/15
19 0 10527/14 LG München I

In dem Rechtsstreit

– Kläger und Berufungskläger –

gegen

– Beklagte und Berufungsbeklagte –

wegen Schadensersatzes
erlässt der 10. Zivilsenat des Oberlandesgerichts München durch den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht … und die Richter am Oberlandesgericht … und … gem. § 128 IV ZPO ohne mündliche Verhandlung am 12.03.2015 folgenden

Beschluss:

1.     Die Parteien werden darauf hingewiesen, dass der Senat die Berufung des Klägers vom 16.02.2015 gegen das Endurteil des LG München I vom 13.11.2014 für zulässig hält.

2.     Vor einer Sach- oder Verfahrensentscheidung wird der Berufungsbeklagten gem. § 521 II 1 ZPO eine Frist zur Berufungserwiderung bis zum

17.04.2015

gesetzt.

Die Berufungsbeklagte wird gem. §§ 521 II 2, 277 ZPO darauf hingewiesen, dass bei Versäumung der vorgenannten Frist eine Zurückweisung der Angriffs- und Verteidigungsmittel gem. §§ 530; 296 I, IV ZPO erfolgen kann.

3.     Um eine sachgerechte Prozessführung durch die Parteien zu gewährleisten, ergehen gem. § 139 I 2, II ZPO nachfolgend Hinweise. Es wird hiermit Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Hinweisen bis zum

17.04.2015

gegeben.

4.     Der Senat beabsichtigt, den Streitwert für das Berufungsverfahren auf 946,20 € festzusetzen.

Gründe:

I.     Die Berufung des Klägers vom 16.02.2015 (Bl. 51/57 d.A.) ist zulässig.

Die neben der Hauptsache (restliche Sachverständigengebühren und restliche Unkostenpauschale) geltend gemachten vorgerichtlichen Anwaltskosten sind bei der Berechnung der Berufungssumme i.S.d. § 511 II Nr 1 ZPO hier hinzuzurechnen (vgl. BGH NJW2013, 2123; 2014, 3100).

Vorprozessual aufgewendete Kosten zur Durchsetzung des im laufenden Verfahren geltend gemachten Hauptanspruchs wirken zwar nicht werterhöhend, wenn dieser Hauptanspruch Gegenstand des laufenden Verfahrens ist. Wird der materiellrechtliche Kostenerstattungsanspruch neben der Hauptforderung, aus der er sich herleitet, geltend gemacht, ist er von dem Bestehen der Hauptforderung abhangig und stellt deshalb eine Nebenforderung im Sinne von § 4 Abs. 1 ZPO dar. Dieses – eine Werterhöhung ausschließende – Abhängigkeitsverhältnis besteht, solange die Hauptforderung Gegenstand des Rechtsstreits ist (vgl. BGH a.a.O. m.w.N.).

Etwas anderes gilt nur dann, wenn und soweit der geltend gemachte Hauptanspruch nicht mehr Gegenstand des Rechtsstreits ist. In diesem Fall sind geltend gemachte vorprozessuale Anwaltskosten als streitwerterhöhender Hauptanspruch zu berücksichtigen (BGH VersR 2009, 806, Rn. 4 ff.). Soweit die Hauptforderung nicht mehr Prozessgegenstand ist, etwa weil eine auf die Hauptforderung oder einen Teil der Hauptforderung beschränkte Erledigung erklärt worden ist oder weil der Kläger die Hauptforderung aus anderen Gründen nicht weiterverfolgt, wird die Nebenforderung zur Hauptforderung, weil sie sich von der sie bedingenden Forderung „emanzipiert“ hat und es ohne Hauptforderung keine Nebenforderung gibt (vgl. BGH NJW 2013, 2123 m.w.N.).

Im vorliegenden Fall wird zwar ein Teil der Hauptsacheforderung (vgl. hierzu auch Tatbestand des Ersturteils S. 2), der durch das Ersturteil abgewiesen wurde, weiterverfolgt. Da aber, wie der Kläger zutreffend vorträgt, wegen des fehlenden Kostensprungs die Frage der Berechnung der vorgerichtlichen Anwaltskosten von der Berechtigung des jetzt noch geltend gemachten Hauptsachebetrags hier unabhängig ist, liegt das eine Werterhöhung ausschließende Abhängigkeitsverhältnis nicht mehr vor, die vorgerichtlichen Nebenkosten haben sich in diesem Fall von der sie bedingenden Forderung emanzipiert. Die Addition aus der noch offenen Hauptsache und den vorgerichtlichen Anwaltskosten übersteigt die Berufungssumme des § 511 II Nr. 1 ZPO und bestimmt auch den Berufungsstreitwert (zu Ziff. 4 des Beschlusses).

II.    Bezüglich der Erstattungsfähigkeit von durch den Geschädigten geltend gemachten Sachverständigengebühren geht der Senat von folgenden Grundsätzen aus:

1. Entsprechend der Rechtsprechung des BGH gilt Folgendes (zum Thema vgl. auch Böhm/Strecke, zfs 2015, 4 und Otting in UE Unfallregulierung effektiv des IWW Instituts1):

a)    BGH, NJW 2007, 1450:

„Nach § 249 II 1 BGB hat der Schädiger den zur Wiederherstellung der beschädigten Sache erforderlichen Geldbetrag zu zahlen. Er hat hierzu den Finanzierungsbedarf des Geschädigten in Form des zur Wiederherstellung erforderlichen Geldbetrags zu befriedigen und nicht etwa vom Geschädigten bezahlte Rechnungsbeträge zu erstatten (vgl. Senat, BGHZ 61, 56 [58] = NJW 1973, 1647; BGHZ 61, 346 [347f.] = NJW 1974, 34; BGHZ 63, 182 [184] = NJW 1975, 160). Der tatsächliche Aufwand bildet freilich (ex post gesehen) bei der Schadensschätzung nach § 287 ZPO oft einen Anhalt zur Bestimmung des zur Herstellung „erforderlichen“ (ex ante zu bemessenden) Betrags i.S. von § 249 II 1 BGB. Indes ist der tatsächlich aufgewendete Betrag nicht notwendig mit dem zu ersetzenden Schaden identisch. Insbesondere deshalb kann die Berechnung des Schadens grundsätzlich nicht von etwaigen rechtlichen Mängeln der zu seiner Beseitigung tatsächlich eingegangenen Verbindlichkeiten (z.B. einer überhöhten Honorarforderung des Sachverständigen) abhängig gemacht werden (vgl. Senat, BGHZ 61, 346 [348] = NJW 1974, 34). Wahrt der Geschädigte den Rahmen des zur Wiederherstellung Erforderlichen, sind weder der Schädiger noch das Gericht im Schadensersatzprozess berechtigt, eine Preiskontrolle durchzuführen (vgl. Senat, NJW 2004, 3326 = VersR 2004, 1189 [1190f.]). Dies gilt auch für die Höhe des Sachverständigenhonorars (vgl. AG Essen, VersR 2000, 68 [69]; AG Siegburg, ZfS 2003, 237[238]; Roß, NZV2001, 321 [323]).“

b)   BGH. NJW 2014, 1947:

„Mit Recht geht das Berufungsgericht allerdings davon aus, dass der Kläger, einen Sachverständigen mit der Schätzung der Schadenshöhe an seinem durch den Unfall beschädigten PKW beauftragen durfte und von der Beklagten nach § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB als Herstellungsaufwand den Ersatz der objektiv erforderlichen Sachverständigenkosten verlangen kann (vgl. Senatsurteile vom 15. Oktober 2013 – VI ZR 471/12, VersR 2013, 1544 Rn. 26 und – VI ZR 528/12, VersR 2013, 1590 Rn. 27; vom 23, Januar 2007 – VI ZR 67/06, VersR 2007, 560 Rn. 13; vom 7. Mai 1996 – VI ZR 138/95, BGHZ 132, 373, 375 ff.; vom 29. Oktober 1974 – VI ZR 42/73, BGHZ 63, 182, 184 f.; vom 26. Mai 1970 – VI ZR 168/68, BGHZ 54, 82, 84 f.; vom 4. Dezember 1984 – VI ZR 225/82, VersR 1985, 283, 284 sowie vom 2. Juli 1985 – VI ZR 86/84, VersR 1985, 1090 und – VI ZR 177/84, VersR 1985, 1092 mwN). Als erforderlich sind nach der ständigen Rechtsprechung des Senats diejenigen Aufwendungen anzusehen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde (Senatsurteile vom 15. Oktober 2013 – VI ZR 471/12, VersR 2013, 1544 Rn. 20 und – VI ZR 528/12, VersR 2013, 1590 Rn. 19; vom 23. Januar 2007 – VI ZR 67/06, VersR 2007, 560 Rn. 17; vom 7. Mai 1996 – VI ZR 138/95, BGHZ 132, 373, 376; vom 2. Juli 1985 – VI ZR 86/84 und – VI ZR 177/84, jeweils aaO). Wenn der Geschädigte die Höhe der für die Schadensbeseitigung aufzuwendenden Kosten beeinflussen kann, so ist er nach dem Begriff des Schadens und dem Zweck des Schadensersatzes wie auch nach dem letztlich auf § 242 BGB zurückgehenden Rechtsgedanken des § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB unter dem Gesichtspunkt der Schadens-minderungspfticht gehalten, im Rahmen des ihm Zumutbaren den wirtschaftlicheren Weg der Schadensbehebung zu wählen (vgl. die vorgenannten Senatsurteile; s. auch Senatsurteii vom 15. Oktober 1991 – VI ZR 314/90, BGHZ 115, 364, 368 f.). Das Gebot zu wirtschaftlich vernünftiger Schadensbehebung verlangt jedoch, wie der Senat ebenfalls bereits ausgeführt hat, vom Geschädigten nicht, zu Gunsten des Schädigers zu sparen oder sich in jedem Fall so zu verhalten, als ob er den Schaden selbst zu tragen hätte (Senatsurteile vom 15. Oktober 1991 – VI ZR 314/90, BGHZ 115, 364, 369; vom 29. April 2003 – VI ZR 393/02, BGHZ 154, 395, 398; vom 2. Juli 1985 – VI ZR 86/84, aaO). Denn in letzterem Fall wird der Geschädigte nicht selten Verzichte üben oder Anstrengungen machen, die sich im Verhältnis zum Schädiger als überobligationsmäßig darstellen und die dieser daher vom Geschädigten nicht verlangen kann. Bei dem Bemühen um eine wirtschaftlich vernünftige Objektivierung des Restitutionsbedarfs darf auch im Rahmen von Abs. 2 Satz 1 des § 249 BGB nicht das Grundanliegen dieser Vorschrift aus den Augen verloren werden, dass nämlich dem Geschädigten hei voller Haftung des Schädigers ein möglichst vollständiger Schadensausgleich zukommen soll (vgl, Steffen, NZV 1991, 1, 2; ders. NJW 1995, 2057, 2062). Deshalb ist bei der Prüfung, ob der Geschädigte den Aufwand zur Schadensbeseitigung in vernünftigen Grenzen gehalten hat, eine subjektbezogene Schadensbetrachtung anzustellen, d.h. Rücksicht auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie auf die möglicherweise gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten zu nehmen (Senatsurteile vom 15. Oktober 1991 – VI ZR 314/90, BGHZ 115, 364, 369 und- VI ZR 67/91, BGHZ 115, 375, 378; vgl. Senatsurteil vom 15. Oktober 2013 – VI ZR 528/12, aaO Rn. 19 mwN). Auch bei der Beauftragung eines Kfz-Sachverständigen darf sich der Geschädigte damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne weäeres erreichbaren Sachverständigen zu beauftragen. Er muss nicht zuvor eine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen betreiben.

Der Geschädigte genügt seiner Darlegungslast zur Schadenshöhe regelmäßig durch Vorlage einer Rechnung des von ihm zur Schadensbeseitigung in Anspruch genommenen Sachverständigen. Die tatsächliche Rechnungshöhe bildet bei der Schadensschätzung nach § 287 ZPO ein wesentliches Indiz für die Bestimmung des zur Herstellung „erforderlichen“ Betrags im Sinne von § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB, schlagen sich in ihr doch die besonderen Umstände des jeweiligen Einzelfalles einschließlich der – vor dem Hintergrund der subjektbezogenen Schadensbetrachtung relevanten – beschränkten Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten regelmäßig nieder (vgl. Senatsurteile vom 15, Oktober 2013 – VI ZR 471/12 aaO Rn. 26 und – VI ZR 528/12, aaO Rn. 27; vom 23. Januar 2007 – VI ZR 67/06, aaO Rn. 13; vom 6. November 1973 – VI ZR 21/73, BGHZ 61, 346, 347 f.). Letztlich sind allerdings nicht die rechtlich geschuldeten, sondern die im Sinne von § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB tatsächlich erforderlichen Kosten entscheidend (vgl. Senatsurteil vom 7. Mai 1996 – VI ZR 138/95, BGHZ 132, 373, 381 mwN). Ein Indiz für die Erforderlichkeit bildet aber die Übereinstimmung des vom Geschädigten erbrachten Kostenaufwands mit der Rechnung und der ihr zugrundeliegenden getroffenen Preisvereinbarung, sofern diese nicht auch für den Geschädigten deutlich erkennbar erheblich über den üblichen Preisen liegt Wissensstand und Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten spielen mithin bereits bei der Prüfung der Erforderlichkeit des Schadensaufwandes gemäß § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB eine maßgebende Rolle (vgl. Senatsurteile vom 15. Oktober 2013 – VI ZR 471/12 und – VI ZR 528/12, jeweils aaO). Ein einfaches Bestreiten der Erforderlichkeit des ausgewiesenen Rechnungsbetrages zur Schadensbehebung reicht allerdings grundsätzlich nicht aus, um die geltend gemachte Schadenshöhe in Frage zu stellen. Anderes gilt, wenn sich aus den getroffenen Vereinbarungen Umstände ergeben, die der Rechnung die indizielle Bedeutung für die Erforderlichkeit der Aufwendungen nehmen (vgl. Senatsurteil vom 7. Mai 1996 – VI ZR 138/95, BGHZ 132, 373, 381 f.)…

Nur wenn der Geschädigte erkennen kann, dass der von ihm ausgewählte Sachverständige Honorarsätze für seine Tätigkeit verlangt, die die in der Branche üblichen Preise deutlich übersteigen, gebietet das schadensrechtliche Wirtschaftlichkeitsgebot, einen zur Verfügung stehenden günstigeren Sachverständigen zu beauftragen (vgl. Senatsurteil vom 15. Oktober 2013 – VI ZR 528/12, aaO Rn. 19 mwN)…

Freilich ist der Schädiger auch nicht verpflichtet, dem Geschädigten die Rechnungsbeträge der von diesem im Rahmen der Schadensbeseitigung in Anspruch genommenen Fach unternehmen ohne Möglichkeit der Nachprüfung voll zu ersetzen. Dem Schädiger verbleibt in jedem Falle die Möglichkeit darzulegen und ggf. zu beweisen, dass der Geschädigte gegen seine Pflicht zur Schadensminderung aus § 254 Abs. 2 Satz 1 Fall 2 BGB verstoßen hat, indem er bei der Schadensbeseitigung Maßnahmen unterlassen hat, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Schadensminderung ergriffen hätte.“

2. Erforderlich sind bei Heranziehung eines privaten Sachverstandigen dementsprechend nach § 249 II 1 BGB und unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungspflicht nur diejenigen Aufwendungen, die ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten machen würde. Das Gebot zu wirtschaftlich vernünftiger Schadensbehebung verlangt vom Geschädigten nicht, zugunsten des Schädigers zu sparen oder sich in jedem Fall so zu verhalten, als ob er den Schaden selbst zu tragen hatte. Erforderlich ist eine subjektbezogene Schadensbetrachtung. Bei der Beauftragung eines Kfz-Sachverständigen darf sich der Geschädigte damit begnügen, den ihm in seiner Lage ohne weiteres erreichbaren Sachverständigen zu beauftragen. Er muss zuvor keine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen betreiben (entgegen AG Paderborn, Urteil vom 06.03.2014, Az. 58 C 410/13; AG Bonn, SP 2014, 239), keine Kostenvoranschläge einholen (vgl. LG Hamburg, SP 2012, 87), keinen Preisvergleich anstellen (vgl. AG Frankfurt, Der Verkehrsanwalt 2014, 251). Letzteres ergibt sich nach Auffassung des Senats auch bereits daraus, dass die Ermittlung des honorargünstigsten Sachverständigen in der Praxis nur durch Erholung von Kostenvoranschlägen möglich wäre. Bereits die Erholung von 3 Kostenvoranschlägen erfordert einen geschätzten Zeitaufwand von mindestens einer Woche. Die in dieser Zeit anfallenden Kosten für Mietwagen oder Nutzungsausfall dürften im Lichte der Schadensminderungspflicht die Einsparungen durch die Recherche in den wenigsten Fällen rechtfertigen.

3. Eine subjektbezogene Schadensbetrachtung verbietet sich jedoch dann, wenn die Auswahl des Sachverständigen nicht durch den Geschädigten alleine, sondern nach Vermittlung einer Werkstätte oder eines Rechtsanwalts erfolgt („Schadensservice aus einer Hand“). In diesem Fall ist auf deren professionelle Erkenntnismöglichkeiten abzustellen und grundsätzlich davon auszugehen, dass kein Sachverständiger ausgewählt wird, der höhere als die in der Branche üblichen Gebührensätze verlangt. In diesen Fällen hat auch der Geschädigte darzulegen und zu beweisen, dass die von ihm verlangten Sachverständigenkosten erforderlich, weil branchenüblich i.S.d. § 632 II BGB, sind. Der Einwand, dass der Geschädigte den Sachverständigen nicht selbst gesucht, sondern durch eine Werkstätte und/oder einen Rechtsanwalt auswählen hat lassen, ist durch den Schädiger/dessen Versicherung vorzubringen. Hierzu bedarf es etwa eines Verweises auf mehrere vergleichbare Fälle, in denen wegen der Kombination aus einer bestimmten Werkstätte, eines bestimmten Anwalts, eines bestimmten Sachverständigen, bestimmter gleicher Geschehensabläufe (z.B.: die Ansprüche werden abgetreten, der Geschädigte erhält das Gutachten nicht, sondern nur der Anwalt oder die Werkstätte, die Sachverständigenrechnung wird von der Werkstätte oder dem Anwalt bezahlt, etc.), eine auffällige Indizienkette besteht, die darauf hinweist, dass in diesen Fällen der Sachverständige regelmäßig nicht vom Geschädigten ausgewählt wurde. Im Rahmen der sekundären Darlegungslast hat der Geschädigte dann darzulegen, dass es im streitgegenständlichen Fall anders war, wenn er den Vortrag des Schädigers/dessen Versicherung bestreiten will. Dies hat dann der Schädiger/dessen Versicherung zu widerlegen, wenn sie weiter auf ihrem Vortrag beharren.

4.    Hinsichtlich des Grundhonorars des Sachverständigen kann jedenfalls ein in Relation zur Schadenshöhe berechnetes Sachverständigenhonorar als erforderlicher Herstellungsaufwand i.S.d. § 249 II BGB erstattet verlangt werden (BGH, NJW 2007, 1450), die Honorarumfrage eines Sachverständigenverbands allein kann bei der Schadensschätzung aber nicht herangezogen werden, um das Honorar des privaten Sachverständigen zu kürzen (BGH, NJW 2014, 1947). Der Senat hält es jedoch für rechtsfehlerfrei, wenn davon ausgegangen wird, dass ein Honorar, das sich im Bereich des BVSK-Korridors befindet, als branchenüblich angesehen wird.

5.    Eine Beschränkung des Sachverständigenhonorars bezüglich aufgeführter Nebenkosten unter Verweis auf BVSK-Umfragen (Nebenkostentabelle, vgl. BGH, NJW 2014, 3151), VKS-Honorarbefragung (vgl. AG Bad Homburg, Der Verkehrsanwalt 2014, 255; AG Dieburg, NJW-RR 2013, 932), Gebührensätze der DEKRA (vgl. hierzu OLG Frankfurt, SP 1996, 354), oder unter Heranziehung des JVEG (bejahend LG Saarbrücken, Urteil vom 19.12.2014, Az. 13 S 41/13 [Juris]; s.a. AG Mannheim, Urteil vom 12.10.2012, Az. 10 C 347/12) ist abzulehnen (entgegen etwa AG München, Der Verkehrsanwalt 2012, 37; LG Rostock, Der Verkehrsanwalt 2013, 123 = DV 2013, 123; AG Krefeld, Urteil vom 16.10.2014, Az. 10 C 361/14; vom 18.11,2014, Az. 6 C 244/14; LG Arnsberg, Urteil vom 03.06.2014, Az, 3 S 53/14; LG Oldenburg, NZV 2014, 94; LG Frankfurt, SP 2011, 449; LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 13. November 2014, 8 O 1426/14 [juris]). Der Bundesgerichtshof hat die Übertragbarkeit des für gerichtliche Sachverständige geltenden JVEG auf private Sachverständige mit Blick auf die unterschiedliche Haftungssituation mehrfach abgelehnt hat (vgl. BGHZ 167, 139; Urt. v. 23.01.2007 – VI ZR 67/06, VersR 2007, 560 und v. 04.04.2006 – X ZR 80/05, NZV 2007, 182). Das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) stellt keine Orientierungshilfe bei der Bemessung der Angemessenheit von Nebenkosten bei privaten Sachverständigen dar. Soweit das LG Saarbrücken auf eine Entscheidung des XII. Zivilsenats des BGH verweist, wonach bezüglich Kopierkosten die entsprechenden Werte des JVEG auch außerhalb ihres Anwendungsbereichs eine Schätzungsgrundlage darstellen können, weil die in § 7 JVEG vorgesehene Vergütung – ebenso wie die inhaltsgleiche Vorschrift der Nr. 7000 Nr. 1 W RVG – die marktüblichen Durchschnittspreise für die Fertigung von Kopien, erhöht um die anteiligen Gemeinkosten des Erstattungsberechtigten, abbilde (vgl. BGH, Beschluss vom 04.12.2013 – XII ZB 159/12, NJW 2014, 1668), ist dies fehlerhaft. Der BGH hat ausdrücklich eine Anwendung des JVEG abgelehnt. Danach kann für die Höhe der ersatzfähigen Kopierkosten gerade nicht auf § 7 Abs. 2 Satz 1 JVEG abgestellt werden. Selbst der in einem Betreuungsverfahren gerichtlich bestellte Verfahrenspfleger wird vom persönlichen Anwendungsbereich des § 1 Abs. 1 JVEG nicht erfasst. Auch eine analoge Anwendung des § 7 Abs. 2 Satz 1 JVEG scheidet aus, weil es an der für eine Analogie notwendigen Regelungslücke fehlt (so BGH, a.a.O. [Rd. 13 bei juris]).

6. Wie das Urteil des BGH vom 11.02.2014 (NJW 2014, 1947) zeigt, rechtfertigt selbst ein Sachverständigenhonorar, das die Hälfte der ausgewiesenen Reparaturkosten ausmacht und Nebenkosten, die die Hälfte des Gesamthonorars betragen, nicht in jedem Fall, die Erforderlichkeit von Sachverständigenkosten zu verneinen. Deshalb ist etwa auch der Entscheidung des OLG Dresden (Schaden-Praxis 2014, 201; siehe auch LG Köln, Beschluss vom 21.07.2014, Az. 9 S 160/14) eine Absage zu erteilen, die Nebenkosten pauschal bei 25% zu kappen (weil es sich dann nicht mehr um „Nebenkosten“ handeln würde), sie als unangemessen anzusehen, wenn sie mehr als die Hälfte des Grundhonorars ausmachen (vgl. AG Düsseldorf, SP 2014, 171), sie pauschal auf 100,00 € zu begrenzen (AG Saarlouis, SP 2013, 156; LG Saarbrücken, NJW 2012, 3658, aufgehoben durch BGH, NJW 2014, 3151), oder ein erkennbares Missverhältnis im Regelfall anzunehmen, wenn die Gutachterkosten über 25% der Reparatur-kosten betragen (vgl. AG Hamburg-Harburg, Der Verkehrsanwalt 2012, 37). Auch ist es deshalb nicht veranlasst, Nebenkosten grundsätzlich wertmäßig zu begrenzen (vgl. hierzu AG Halle [Saale], NJW 2012, 2290), eine Bagatellgrenze (zwischen 500,00 und 750,00 €) anzunehmen (vgl. AG Ludwigshafen, DV 2012, 78), oder davon auszugehen, dass mit dem Grundhonorar die Schreibgebühren (vgl. AG Bonn, Urteil vom 25.01.2013, Az. 101 C 416/12), Porto- und Telefongebühren sowie die Kosten für die Restwertrecherche in der Regel abgegolten seien (so AG Dortmund, Urteil vom 26.08.2013, Az. 419 C 1978/13).

Gerade bei Beachtung der gebotenen subjektbezogenen Schadensbetrachtung und wegen des Fehlens von Gebührenordnungen (vgl. etwa RVG, HOAI oder GOÄ) verbietet sich eine Pauschalierung. Gibt es selbst für den Fachmann keine verlässlichen Größenordnungen, ist für einen Geschädigten regelmäßig nicht zu erkennen, wann die Honorarsätze „die in der Branche üblichen Preise deutlich übersteigen“ (BGH NJW 2014, 1947). Deshalb wird die vom Geschädigten vorgelegte Rechnung des Sachverständigen in der Regel zu erstatten sein (vgl. hierzu BGH, NJW 2014, 1947; AG Frankfurt, Der Verkehrsanwalt 2014, 253).

Verlässliche Maßstäbe für die Bestimmung ortsüblicher Nebenkosten liegen nicht vor. Zu Recht hat das AG Oldenburg darauf hingewiesen, dass der Gutachter nicht dazu verpflichtet ist, Lichtbilder nach Discountpreisen abzurechnen, gleiches gilt für Fahrtkosten; auch EDV-Kosten können gesondert abgerechnet werden (vgl. AG Oldenburg, Der Verkehrsanwalt 2014, 125).

7.    Entscheidend ist weiter, dass nach Auffassung des Senats selbst einzelne überhöht erscheinende Nebenpositionen dann nicht zu beanstanden sind, wenn kein auffälliges Missverhältnis zwischen dem Gesamtpreis des Sachverständigengutachtens und der Leistung des Sachverständigen besteht (vgl. LG Bochum, NJW 2013, 3666; AG Westerwede, Der Verkehrsanwalt 2014, 126, 127; Heßeler, NJW 2014, 1916, 1917). Überzeugend weist Heßeler darauf hin, dass es nicht sein kann, dass bei identischem Gutachtensaufwand die Abrechnung eines Sachverständigen, der ein niedrigeres Grundhonorar, aber höhere Nebenkosten und trotzdem ein geringeres Gesamthonorar verlangt, beanstandet werden soll, während die Abrechnung eines anderen Sachverständigen, der geringe Nebenkosten, aber ein höheres Grundhonorar und deshalb insgesamt eine höhere Gesamtvergütung beansprucht, unbeanstandet bleibt. Es muss deshalb grundsätzlich auf den Gesamtbetrag ankommen. Eine Kürzung zu Lasten des Geschädigten scheidet aus, wenn der Gesamtbetrag die in der Branche üblichen Gesamthonorare nicht deutlich übersteigt, da in diesem Fall wegen der fehlenden Transparenz der gutachterlichen Abrechnungen ein nicht fachkundiger Geschädigter nicht erkennen kann, ob die Abrechnung überhöht ist. In diesem Zusammenhang muss zur Frage der Vergleichbarkeit darauf hingewiesen werden, dass der Geschädigte schon nicht erkennen kann, wieviel Aufwand die Begutachtung insgesamt tatsächlich beansprucht und inwieweit die Abrechnung des eigenen Sachverständigen mit dem in der Branche üblichen zu vergleichen sein soll.

8.    Bei Heranziehung der vorstehenden Überlegungen kann die Erstattungsfähigkeit nur dann verneint werden, wenn selbst für einen Laien erkennbar ist, dass der Sachverständige sein Honorar geradezu willkürlich festsetzt, Preis und Leistung in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen (so auch OLG Düsseldorf, DAR 2008, 523; OLG Hamm, DAR 1997, 275; AG Viechtach, Der Verkehrsanwalt 2014, 258; AG Münster, Urteil vom 05.02,2014, Az, 96 C 1956/13; AG Westerwede, DV 2014, 126; AG Saarlouis, SP 2013, 156; AG Bonn, VRR 2012, 282; Vuia, NJW 2013, 1197; Roß, NZV 2001, 321). Ein Sachverständigenhonorar ist selbst dann noch als angemessen anzusehen, wenn es im oberen Bereich des Erwartbaren angesiedelt ist; auf einen Mittelwert ist nicht abzustellen (vgl. LG Bochum, Der Verkehrsanwalt 2013, 125).

Der Geschädigte kann aber auch nicht erwarten, dass jede beliebige Gebührenrechnung den erforderlichen Aufwand zur Schadensbeseitigung i.S.d. § 249 BGB darstellt und vom Schädiger vollständig bezahlt werden muss (vgl. hierzu BGH, NJW 2014, 3151). Will er verhindern, dass er auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt, muss er die Rechnung des Sachverständigen auf ein auffälliges Missverhältnis zwischen Preis und Leistung überprüfen.

Im Prozess reicht ein einfaches Bestreiten der Sachverständigenrechnung seitens des Schädigers oder seiner Versicherung grundsätzlich nicht aus (vgl. BGH, NJW 2014, 1947; siehe auch AG Frankfurt, Der Verkehrsanwalt 2014, 254). Der Schädiger kann vortragen, dass die vorgelegte Sachverständigenrechnung die übliche Abrechnung der Branche deutlich übersteigt und der Geschädigte dies erkennen hätte können (vgl. BGH, NJW 2014, 1947). Kann der Schädiger dies beweisen, hätte der Geschädigte gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen, wenn er bei Vereinbarung der Vergütung vor Auftragsvergabe dies nicht beanstandet (Auswahlverschulden) oder bei einer Abrechnung gemäß § 632 II BGB (vgl. hierzu BGH, NJW 2006, 2472) die Rechnung ungekürzt bezahlt (entgegen AG Hannover, Der Verkehrsanwalt 2013, 161; 2013, 162; 2013, 163).

Voraussetzung für eine substantiierte Einwendung seitens des Schädigers oder der Versicherung ist daher

– die Darlegung der üblichen Sätze für das Grundhonorar und ggf.
– der üblichen Sätze für Nebenkosten,
– jedenfalls bezogen auf das nähere örtliche Umfeld, und
– auf welchem Weg die vorstehenden Sätze für den Geschädigten ohne Marktanalyse und ohne Kostenvoranschläge unproblematisch unabhängig vom Rückgriff auf Umfragen von Sachverständigenverbänden ersichtlich gewesen sein muss.

Kann dies der Schädiger bzw. seine Versicherung nicht darlegen oder bei Bestreiten des Gegners beweisen, kommt eine Kürzung bei Beachtung der obigen Grundsätze faktisch nur dann in Betracht, wenn die Abrechnung des Sachverständigen in sich so evident fehlerhaft ist, dass dies auch der Laie erkennen kann. Dies dürfte der Fall sein, wenn beispielsweise

– der Sachverständige seine Abrechnung auf Allgemeine Geschäftsbedingungen stützt, die ihrerseits wegen Verstoßes gegen das Transparenzgebot (§ 307 I BGB) unwirksam sind (vgl. AG Königswinter, SP 2014, 172);
– der Sachverständige Nebenkosten entgegen einer vorherigen anderslautenden Vereinbarung abrechnet;
– die Anzahl der abgerechneten Stunden, die Zahl der abgerechneten Fahrtkosten oder der Lichtbilder, etc. nicht richtig ist (ohne Erläuterung werden Stunden angegeben, die ersichtlich nicht nachvollziehbar sind, also etwa 8 Stunden Korrekturlesen für ein zehnseitiges Gutachten; der Sachverständige rechnet 250 km Fahrtkosten ab, es fand aber lediglich eine Besichtigung eines 5 km entfernten Fahrzeugs statt; es werden 50 Lichtbilder abgerechnet, das Gutachten enthält aber nur 10 Lichtbilder), also Leistungen abgerechnet werden, die ersichtlich nicht erbracht wurden;
– die Abrechnung ohne Erläuterung Mondpreise enthält (100 Stunden bei einem Reparaturkostenaufwand von 2.000,00 €, 5 € pro Kilometer Fahrtkosten, pro Lichtbild 10 €, etc.).

Auch nach Auffassung des Senats ist der Schädiger in allen anderen Fällen dadurch ausreichend geschützt, dass er bzw. seine Versicherung einen Anspruch hat, sich Schadensersatzansprüche gegen den Sachverständigen abtreten zu lassen (vgl. OLG Nürnberg, SP 2002, 358 – VRS 103, 321; OLG Naumburg, NJW-RR 2006, 1029; OLG Düsseldorf, DAR 2008, 523; LG Kaiserslautern, Der Verkehrsanwalt 2014, 246).

Die Frage, ob der Werkvertrag zwischen dem Geschädigten und seinem Gutachter dann, wenn das Gutachten – wie regelmäßig – der Vorlage an die Versicherung des Schädigers dient, ein Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter darstellt, spielt nach Auffassung des Senats für die Frage überhöhter Kosten keine Rolle. Eine derartige Konstruktion dient vordringlich der Begründung der Haftung des Sachverständigen gegenüber der Versicherung für unrichtige Gutachten (vgl. hierzu BGH, NJW 2009, 1265 mit kritischer Anmerkung Eggert, NZV 2009, 367; OLG München, NZV 1991, 26 mit Anm. Hällmayer), wobei strittig ist, ob angesichts § 311 III BGB n.F. ein Rückgriff auf dieses Rechtsinstitut noch erforderlich ist (vgl. Palandt/Grüneberg, BGB, 74. Aufl. 2015, § 328 Rd. 34; § 311 Rd. 60). Selbst wenn der Versicherer in den Schutzbereich des zwischen dem Geschädigten und dem Sachverständigen abgeschlossenen Vertrags einbezogen ist, kann der Versicherer als Dritter nur Schadensersatz beanspruchen, soweit der Sachverständige vertragliche Pflichten verletzt hat, die auch zu Gunsten der Versicherung bestehen (vgl. BGH, a.a.O. m.w.N.). Abzulehnen ist die Annahme einer vertraglichen Pflicht des Sachverständigen, zugunsten der Versicherung möglichst geringe Gutachtenskosten zu vereinbaren. Auch wenn der Sachverständige weiß, dass im Regelfall das Gutachten als Grundlage der Schadensregulierung dient und Auswirkungen für den Haftpflichtversicherer haben kann, reichen die Rechte des in die Schutzwirkung des Vertrages einbezogenen Dritten nicht weiter als die des Vertragspartners selbst, es ist also auch hier auf die subjektbezogene Schadensbetrachtung (Blickwinkel des Geschädigten) abzustellen (vgl. BGH, a.a.O.).

9. Eine Differenzierung danach, ob die Rechnung bereits bezahlt wurde oder nicht, bzw. erst nach Beauftragung des Anwalts des Geschädigten bezahlt wurde, ist nicht veranlasst, falls der Geschädigte den Sachverständigen beauftragt hat.

Nach Bezahlung kann der Geschädigte Zahlung, vor Bezahlung Freistellung (§ 257 BGB) verlangen. Aus prozessualer Sicht gilt jedoch, dass bei unbezahlter Rechnung dann, wenn sich der Schädiger oder seine Haftpflichtversicherung ernsthaft weigert, Schadensersatz zu leisten (BGH NJW 2004, 1868; NJW-RR 2011, 910 jew. m. w. N.), was auch in einem entsprechenden prozessualen Verhalten (z.B. einem Klageabweisungsantrag) liegen kann (BGH NJW-RR 2011, 910), der Geschädigte sich nicht auf einen Freistellungsanspruch nach § 257 BGB verweisen lassen muss (BGH NJW 1970, 1122 [wo ein Zahlungsanspruch ohne weiteres angenommen wird]; Senat AnwBl. 2006, 768 f., st. Rspr., zuletzt DAR 2014, 673 f.; LG Hamburg SP 2013, 32; AG München, Urt. vom 03.04.2009 – 343 C 15534/08 [juris, dort Rz. 28]; AG Karlsruhe NZV 2005, 326 = SP 2005, 144 – zfs 2005, 309 = AGS 2005, 253 = JurBüro 2005, 194; AG Kaiserslautern DV 2014, 238 ff,), weil sich dieser gem. § 250 S. 2 BGB in einen Zahlungsanspruch verwandelt hat (BGH a.a.O.; LG Hamburg a.a.O.).

Die Beurteilung der Schadensminderungspflichten des Geschädigten erfolgt unabhängig von der Frage der Bezahlung der Rechnung. Wäre der Geschädigte aus Gründen der Schadensminderung verpflichtet gewesen, einen Teil der Rechnung oder die gesamte Rechnung nicht zu bezahlen, wird ihm die Klage insoweit abgewiesen. Will er bei noch nicht bezahlter Rechnung sicherstellen, dass der nicht von der Versicherung bezahlte Teil nicht vom Sachverständigen ihm gegenüber geltend gemacht wird, ist eine Streitverkündung gegenüber dem Sachverständigen unumgänglich, wenn der Sachverständige auf Anfrage (unter Beifügung etwaiger Hinweise des Gerichts) nicht auf seine weitergehenden Forderungen verzichtet.

Für den Fall, dass der Geschädigte den Sachverständigen selbst beauftragt hat, ist für die Frage der Bezahlung der Rechnung auf die subjektive Schadensbetrachtung abzustellen. Der Geschädigte ist nicht verpflichtet, vor Bezahlung der Rechnung des Sachverständigen seinen zur Geltendmachung der Schadensersatzansprüche gegenüber dem Schädiger beauftragten Rechtsanwalt einzuschalten, damit dieser die Angemessenheit des verlangten Sachverständigenhonorars überprüft (außer er wurde hierzu ausdrücklich beauftragt).

Hat der Geschädigte den Sachverständigen mithilfe eines Anwalts oder einer Kfz.-Werkstätte beauftragt, das Gutachten und/oder die Sachverständigenrechnung nicht erhalten, ist – wie oben ausgeführt – eine subjektive Schadenbetrachtung nicht sachgerecht. Der Geschädigte kann in diesem Fall lediglich die von ihm darzulegende und ggf. nachzuweisende branchenübliche Vergütung i.S.d. § 632 II BGB verlangen. Höhere Vergütungen sind nicht ersatzfähig, da ein Verschulden bei der Auswahl des Sachverständigen durch die Werkstätte oder den Anwalt dem Geschädigten zuzurechnen ist.

III. Bei Heranziehung der vorstehenden Hinweise kann das Ersturteil bezüglich der abgewiesenen Sachverständigengebühren nach derzeitiger Aktenlage keinen Bestand haben. Bezüglich des Rests der Kostenpauschale ist der Kläger auf die Seite 2 seines Schriftsatzes vom 20.08.2014 (Bl. 22/23 d.A.) hinzuweisen. In der dort befindlichen Aufstellung ist eine Zahlung von 40,00 € aufgeführt, so dass der lapidare Satz in der Berufungsbegründung, es seien nur 20,00 € bezahlt worden, nicht ausreicht, Bezüglich der vorgerichtlichen Anwaltskosten hat der Kläger zutreffend darauf hingewiesen, dass eine Begründung der Klageabweisung in diesem Punkt dem Ersturteil nicht zu entnehmen ist.

…                                                                …                                                           …
Vorsitzender Richter                              Richter                                                 Richter
.                                                     am Oberlandesgericht

Siehe auch:

CH-Beitrag vom 17.03.2015
CH-Beitrag vom 16.03.2015
CH-Beitrag vom 20.02.2015
CH-Beitrag vom 30.01.2015
CH-Beitrag vom 30.01.2015
CH-Beitrag vom 09.01.2015
CH-Beitrag vom 10.10.2011

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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16 Kommentare zu Paukenschlag: Das OLG München erteilt der „JVEG-Verschwörung“ bei den Amts- und Landgerichten in München gegen die freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen eine deutliche Absage mit Beschluss vom 12.03.2015 (10 U 579/15)

  1. Klaus L. sagt:

    Auch der Bgh wird sich mit der Rechtsprechung des OLG München zu befassen haben, denn nach meiner Kenntnis liegt eine erneute Revision bezüglich der JVEG-Nebenkosten entsprechd der Freymannschen Rechtsprechung vor.
    Und so einfach wird auch ein VI. Zivilsenat mit Wellner als Beisitzer nicht an der OLG München-Rechtsprechung vorbeikommen.
    Auch ich sehe daher JVEG ade! So, wie es der VI. Zivilsenat unter Mitwirkung von BGH-Richter Wellner dies bereits am 23.1.2007 – VI ZR 67/06 – entschieden hatte.
    Damit ist auch das Saarländische Begrenzungssystem ala Freymann gescheitert.

  2. Everestbezwinger sagt:

    Hi, Hans Dampf,

    der Beschluss paßt doch gut zu dem Beschluss des OLG Hamm und zum aktuellen Urteil der Richterin am AG Gelnhausen. Allmählich merken wohl auch verantwortungsvolle Richterinnen und Richter, dass einige Autoversicherer sie immer mehr für dumm verkaufen wollen.
    Den Hintergrundzirkeln ist eine klare Absage erteilt worden und das zeigt, dass zumindest ein Teil der Deutschen Justiz doch noch hervorragend funktioniert.

    Darauf ein Pinkus Müller Bier und einen aus´m Löffel. Ich pack´s jetzt noch mal an bis zum Gipfelsturm.

    Noch einen schönen Abend

    Everestbezwinger

  3. Mister L sagt:

    Ich sehe in den nächsten HUK-Schreiben schon folgenden Passus mit Verweis auf das obige OLG-München Urteil:

    „… hat auch der Geschädigte darzulegen und zu beweisen, dass die von ihm verlangten Sachverständigenkosten erforderlich, weil branchenüblich i.S.d. § 632 II BGB, sind.“

  4. Blauer Bock sagt:

    newwerm Helle werds schnell Dunkel!
    Übersetzung:Wo Licht ist,da ist auch Schatten

  5. Hirnbeiss sagt:

    @ Klaus L.
    „Auch ich sehe daher JVEG ade! So, wie es der VI. Zivilsenat unter Mitwirkung von BGH-Richter Wellner dies bereits am 23.1.2007 – VI ZR 67/06 – entschieden hatte.
    Damit ist auch das Saarländische Begrenzungssystem ala Freymann gescheitert.“

    Leider zu früh gefreut!
    Vor einigen Tagen hat das AG München noch ein JVEG Urteil gesprochen.
    Das LG München hat gestern in diesen (zwei Sachen) einen Beweisbeschluss erlassen, ein Honorargutachten bezüglich der Nebenkosten einzuholen,
    So weit so gut, aber der Kostenvorschuss beträgt angeblich € 40.000.-!!!!
    Nix mit BGH, SV Kosten gehen die Gerichte nichts an.
    „Jetzt wird mit Kanonen auf einen Spatzen geschossen und die ganze Vogelschar vernichtet“.
    Und damit ist das OLG scheinbar einverstanden.
    Es wäre auch zu schön gewesen.

  6. Karle sagt:

    „Eine subjektbezogene Schadensbetrachtung verbietet sich jedoch dann, wenn die Auswahl des Sachverständigen nicht durch den Geschädigten alleine, sondern nach Vermittlung einer Werkstätte oder eines Rechtsanwalts erfolgt („Schadensservice aus einer Hand”). In diesem Fall ist auf deren professionelle Erkenntnismöglichkeiten abzustellen und grundsätzlich davon auszugehen, dass kein Sachverständiger ausgewählt wird, der höhere als die in der Branche üblichen Gebührensätze verlangt. In diesen Fällen hat auch der Geschädigte darzulegen und zu beweisen, dass die von ihm verlangten Sachverständigenkosten erforderlich, weil branchenüblich i.S.d. § 632 II BGB, sind.“

    Hä, geht`s noch? Der Geschädigte vertraut auf die Empfehlung eines Autohauses oder seines Rechtsanwaltes und soll dann dafür bestraft werden?

    „Der Einwand, dass der Geschädigte den Sachverständigen nicht selbst gesucht, sondern durch eine Werkstätte und/oder einen Rechtsanwalt auswählen hat lassen, ist durch den Schädiger/dessen Versicherung vorzubringen. Hierzu bedarf es etwa eines Verweises auf mehrere vergleichbare Fälle, in denen wegen der Kombination aus einer bestimmten Werkstätte, eines bestimmten Anwalts, eines bestimmten Sachverständigen, bestimmter gleicher Geschehensabläufe (z.B.: die Ansprüche werden abgetreten, der Geschädigte erhält das Gutachten nicht, sondern nur der Anwalt oder die Werkstätte, die Sachverständigenrechnung wird von der Werkstätte oder dem Anwalt bezahlt, etc.), eine auffällige Indizienkette besteht, die darauf hinweist, dass in diesen Fällen der Sachverständige regelmäßig nicht vom Geschädigten ausgewählt wurde. Im Rahmen der sekundären Darlegungslast hat der Geschädigte dann darzulegen, dass es im streitgegenständlichen Fall anders war, wenn er den Vortrag des Schädigers/dessen Versicherung bestreiten will. Dies hat dann der Schädiger/dessen Versicherung zu widerlegen, wenn sie weiter auf ihrem Vortrag beharren.“

    Will heißen. Sobald der Geschädigte professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, wird er bei der Erstattung der Sachverständigenkosten abgestraft. Ganz im Sinne des § 249 BGB???

    Das OLG München hat dem JVEG-Wahn zwar eine deutliche Absage erteilt, gleichzeitig jedoch ein neues Schlachtfeld eröffnet.
    Den Robenträgern fällt immer wieder eine neue Sau ein, die man durchs Dorf treiben kann. Ist wohl eine Art „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“?

  7. Hirnbeiss sagt:

    @ Karle
    „Will heißen. Sobald der Geschädigte professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, wird er bei der Erstattung der Sachverständigenkosten abgestraft. Ganz im Sinne des § 249 BGB???“

    Ja, die Justiz mag es nicht, wenn außer den Werkstätten/Versicherungspartnern noch ein unabhängiger SV zum Zuge kommt.
    Wichtig sind die Verträge zwischen Werkstätten und zum Bsp. Bayerische Versicherungskammer:
    nur im Totalschadenfall ein Gutachten einholen!
    In allen anderen Fällen ist der Kunde mit der Wertminderung beschissen.
    Ein unabhängiger SV ist dabei nur Kostenfaktor und verdient jetzt endlich mit Hilfe der Gerichte Berufsverbot.
    Nur wer von den Werkstätten den Schaden selbst schätzt, oder mit allen Versicherungssachverständigen weisungsgemäß den Beschädigungsumfang abspricht, ist bei den Gerichten angesehen.
    Justizskandal!!!!

  8. Zweite Chefin sagt:

    Mit der sogenannten „Indizienkette“ habe ich keine Probleme, die soll die Versicherung erstmal unter Beweisantritt knüpfen, es lebe der Datenschutz.
    M.E. wird das substanzloser Vortrag ins Blaue sein, ähnlich wie bei der systematisch bestrittenen Aktivlegitimation.

  9. Dipl.-Ing. Harald Rasche sagt:

    Guten Tag Hans Dampf,
    es gibt bekanntlich keine „in der Branche üblichen Gebührensätze“ und mich irritiert, dass das OLG München einen solchen Begriff in den Beschluss einbindet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dipl.-Ing. Harald Rasche

  10. RA Schepers sagt:

    Das OLG München hat dem Kürzungswahn einen klaren Riegel vorgeschoben.

    Andererseits möchte das OLG München den Sachverständigen keinen Persilschein ausstellen. Das kann ich verstehen.

    Aber die Begründung überzeugt nicht.

    Hat der Geschädigte den Sachverständigen mithilfe eines Anwalts oder einer Kfz.-Werkstätte beauftragt, das Gutachten und/oder die Sachverständigenrechnung nicht erhalten, ist – wie oben ausgeführt – eine subjektive Schadenbetrachtung nicht sachgerecht. Der Geschädigte kann in diesem Fall lediglich die von ihm darzulegende und ggf. nachzuweisende branchenübliche Vergütung i.S.d. § 632 II BGB verlangen. Höhere Vergütungen sind nicht ersatzfähig, da ein Verschulden bei der Auswahl des Sachverständigen durch die Werkstätte oder den Anwalt dem Geschädigten zuzurechnen ist.

    Die subjektive Schadenbetrachtung ist auch in diesen Fällen maßgeblich. Dabei ist auf die Erkenntnismöglichkeit des Geschädigten abzustellen, ggf. unter Berücksichtigung dessen, was die eingeschalteten Fachleute ihm gesagt haben.

    Unabhängig davon stellt das OLG zunächst auf ein Auswahlverschulden des Geschädigten (durch die von ihm eingeschalteten Fachleute) ab, danach dannn aber auf die branchenübliche Vergütung.

    Ich vermute, das OLG hält nur eine branchenübliche Vergütung als „objektiv“ erforderlich.

    Wieso das? Was ist überhaupt die branchenübliche Vergütung? Und wieso darf der Geschädigte nicht einen besonders teuren Sachverständigen beauftragen? Bei der fiktiven Abrechnung darf er doch auch die Stundensätze der Vertragswerkstätten ansetzen.

    Und woher soll der Rechtsanwalt oder die Werkstatt wissen, welche Abrechnung branchenüblich ist? Was ist maßgeblich? Soll jetzt der Rechtsanwalt – besonders freigestellt analog § 287 ZPO – schätzen?

  11. Iven Hanske sagt:

    Herr Maas, wann hört diese sinnlose Beschäftigung von Richter und Richterin sowie freien Gutachtern durch diese rechtswidrigen Kürzungen von Versicherungen auf gesetzlicher Haftpflichtbasis auf?

    Ob dieses OLG Urteil die Versicherung und manchen versicherungsnahen Richter beeindruckt? Nein, denn wer den BGH, den Verfassungsgerichtshof, das OLG Naumburg usw. ignoriert bzw. versicherungsgünstig umkonstruiert, der ist und bleibt wahrscheinlich beratungsresistent.

    Die Argumentation mit dem Fachmann (Werkstatt und Anwalt) ist in meinen Augen nicht falsch, denn wer nicht übertreibt wird auch den Gegenbeweis antreten können. Leider wird die Versicherung nun skrupellos „ins Blaue“ Anwalt- oder Werkstattbeauftragung behaupten um den Geschädigten seine Rechte am Schadensersatz zu beschneiden und weiter geht es mit der genannten Sinnlosbeschäftigung. Diese Baustelle ist neu und hätte sich das OLG München sparen können und wird vom BGH eh gekippt wie auch der JVEG Schwachsinn mit Rechnung teilen und das jeweils Billigste (BVSK Hauptforderung und JVEG Nebenkosten) dem freien Gutachter zu zugestehen. Ich frage mich nur immer, warum dieses unseriöse Spiel von einigen Richtern mit gespielt bzw. geschaffen wird? Genervt oder korrupt oder eigene Arbeitsbeschaffung?

  12. BGH-Freund sagt:

    @ Iven Hanske
    hi, Iven,

    erreicht diese Deine Beurteilung auch den Herrn Bundesjustizminister oder wenigstens den Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages ? Unabhängig davon, wird der Herr Heiko Maas die Frage auch (noch) nicht beantworten können. Er müsste doch wohl zunächst einmal in Erfahrung zu bringen versuchen, ob und inwieweit die Gerichte tatsächlich mit solchen provozierten Verfahren belastet werden und was die beurteilungsrelevanten Fragestellungen angeht, könnte er sich beispielsweise der Unterstützung der Berufsverbände, des Bundeskartellamtes und der IHK´s bedienen. Die weitere Frage ist, ob nach den bisherigen Erkenntnissen seit 25 Jahren (!) die zivilrechtliche Schiene überhaupt richtig ist und wenn dem so wäre, wie man den Auswüchsen gegen geltendes Recht wirkungsvoll begegnen kann, was dringend geboten erscheint angesichts der Tatsache, dass unsere Justiz leider auch nicht vollkommen ist und -wie sich zeigt- durchaus Schwachstellen für eine Unterwanderung durch Versicherungsinteressen aufweist. Es entwickelt sich – fast ganz unbemerkt (?) von der Öffentlichkeit zu einem Riesenthema und angesichts des Ruhezustandes unserer Volksvertreter und der verantwortlichen Organe des Justiz-und Wettbewerbsbereichs verdichten sich die vielen Fragezeichen zu einem Stacheldraht, wo offenbar keiner mit nackten Händen zupacken will. Oder glaubt wirklich jemand, dass „die da oben“ von alldem bisher nichts mitbekommen haben und blind sowie taub sind ? Natürlich geht es trotz des abschreckenden Zeigefingers auch weiter darum, den Schädiger zu informieren, was vormals nicht üblich war, jetzt aber notwendig erscheint, zumal die beabsichtigten Rufschädigungen der unabhängigen Sachverständigen der BGH meiner Kenntnis nach auch nicht zu ahnden gedenkt und die Vorgänge herunterspielt. Es muss und es wird was geschehen und da sind auch Deine Beiträge ein wertvoller Baustein und Wegweiser. Vielen Dank dafür.

    BGH-Freund

  13. virus sagt:

    Honorar-Gutachten nach Schadensersatzklage????

    @ Hirnbeiss says:
    27. März 2015 at 08:42

    Leider zu früh gefreut!
    Vor einigen Tagen hat das AG München noch ein JVEG Urteil gesprochen.

    Hirnbiss, gehe ich zutreffend davon aus, dass der Kläger nicht aus Werksvertragsrecht klagt?
    Und kann es sein, dass Frau Richterin L. „Recht“ gesprochen hat? Möglicherweise ein kleiner Racheakt im Raum steht oder man keine Wahl mehr hatte – mit gefangen, mit gehangen?

    Das LG München hat gestern in diesen (zwei Sachen) einen Beweisbeschluss erlassen, ein Honorargutachten bezüglich der Nebenkosten einzuholen,
    So weit so gut, aber der Kostenvorschuss beträgt angeblich € 40.000.-!!!!

    Wenn das so stimmt, dann haben wir es bzw. der klagende Sachverständige mit einem krassen Fall von Rechtsmissbrauch zu tun. Ich hoffe, der involvierte Anwalt weiß, was zu tun ist. Und tut es auch!!!

    Einen Gutachtenvorschuß von 40.000 Euro vom Kläger zu verlangen, damit die Kfz-Versicherungswirtschaft sich auf dieses Gutachten berufend – ein für alle Mal – jede Rechnungsposition des unabhängigen Sachverständigen infrage stellen könnte, das erinnert mich an die Fraunhofer Mietwagenkostenerhebungen. Oder soll tatsächlich ein einzelner Sachverständiger sich gewagt haben, ein derartig überzogenes Honorar – noch vor Beauftragung – anzumelden, anstatt auf die doch wohl dahinter stehende Ausforschung hinzuweisen und die Beauftragung dementsprechend abzulehnen?

    Sich als finanzstarker Versicherer diese Schweinerei mit Hilfe des LG München vom Kleinstunternehmer als Inhaber einer Schadensersatzforderung finanzieren zu lassen, das wäre eine neue Dimension von Rechtsmittelmißbrauch. Abschließend meine letzten Spekulationen. Der beklagte Versicherer kann in die Zukunft sehen und kennt das Ergebnis des Gutachtens bereits und es handelt sich dabei eher um die Allianz als um die HUK Coburg?

  14. DerHukflüsterer sagt:

    @
    Ich habe ein AG München Urteil angefordert, wo das Gericht nachweislich dem SV ein überhöhtes Honorar per Urteil bestätigt u. abgezogen hat.
    Ein Honorar das vor der rechtswidrigen Gerichtkürzung/diebstahl schon 11.- € unter dem Huk Tableau und 60.- € unter dem Provinzial/Rheinland Tableau lag.
    Wenn das Urteil vorliegt, sorge ich dafür, dass der Rest der Welt, den Namen dieser Richterin gleichzeitig mit Schwachsinn und Willkür in Verbindung bringt.
    Leute wie Gustl Mollath müssen um ihre Freiheit kämpfen und eine Robenträgerin vom AG München darf ihre unnormalen Neigungen ausleben und sogar vorsätzlich Leute schädigen.

  15. Ra Imhof sagt:

    @Virus
    40000,-€ Kostenvorschuss?
    Diese Richter sind unverzüglich abzulehnen,Achtung:Frist zwei Wochen!

  16. virus sagt:

    „9. Eine Differenzierung danach, ob die Rechnung bereits bezahlt wurde oder nicht, bzw. erst nach Beauftragung des Anwalts des Geschädigten bezahlt wurde, ist nicht veranlasst, falls der Geschädigte den Sachverständigen beauftragt hat.“

    “ …… falls der Geschädigte den Sachverständigen beauftragt hat.“

    Nach Beschluss des BvG – 1 BvL 6/13 – vom 12.01.2016 geht das Gericht von der Verfassungswidrigkeit des § 59a der Bundesrechtsanwaltsordnung aus. Somit steht es den Rechtsanwälten frei, mit wem sie sich „zur gemeinschaftlichen Berufsausübung im Rahmen der eigenen beruflichen Befugnisse verbinden dürfen“.

    Erfolgt die Beauftragung des Sachverständigen über einen Rechtsanwalt, dürfen dem Geschäidgten hieraus somit keine Nachteile entstehen. Sollte der Geschädigte in dieser Konstellation per Urteil schlechter gestellt werden, weil er den Gutachter nicht direkt beauftragt hatte, dann liegt m. E. auch hierin ein Verstoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG analog 1 BvR 3041/06.

    Dies vor dem Hintergrund, dass auch der Sachverständige nicht in seine Grundrechten – aufgrund der Zusammenarbeit mit Anwälten und Kfz-Betrieben – in seiner Berufsfreiheit einzuschrenken ist.

    L e i t s a t z

    zum Beschluss des Ersten Senats vom 12. Januar 2016

    1 BvL 6/13

    Das Sozietätsverbot aus § 59a Abs. 1 Satz 1 BRAO verletzt das Grundrecht der Berufsfreiheit, soweit es Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten eine gemeinschaftliche Berufsausübung mit Ärztinnen und Ärzten oder mit Apothekerinnen und Apothekern im Rahmen einer Partnerschaftsgesellschaft untersagt.

    G r ü n d e :
    A.
    1
    Der vorlegende Bundesgerichtshof geht von der Verfassungswidrigkeit des § 59a der Bundesrechtsanwaltsordnung (im Folgenden: BRAO) aus, nach dem sich Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte nur mit Mitgliedern einer Rechtsanwaltskammer und der Patentanwaltskammer, mit Steuerberatern und Steuerberaterinnen, Steuerbevollmächtigten, Wirtschaftsprüfern und Wirtschaftsprüferinnen sowie vereidigten Buchprüfern und vereidigten Buchprüferinnen zur gemeinschaftlichen Berufsausübung im Rahmen der eigenen beruflichen Befugnisse verbinden dürfen.

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