UNBERECHTIGTE KÜRZUNG / STREICHUNG BEIM SCHADENERSATZ

  EINZELFALL  ? ODER STECKT SYSTEM DAHINTER  ?

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Immer mehr Versicherer bedienen sich, wie ich sie nenne, professioneller „Schadenminimierer" um berechtigte Schadenersatzpositionen der Geschädigten zu minimieren, bzw. gänzlich zu streichen.

Hier eine Stellungnahme an den eintrittspflichtigen Versicherer:

München, xx.xx.xxxx

Schädiger- Versicherung : xxxxxxxxxxxxx
Schadennummer: xxxxxxxxxxxxx

Stellungnahme zu vorgenommenen Abzügen betreffend unser Gutachten xxxxxxxx

Auftrag:

Sie erteilten uns am xx.xx.xxxx den Auftrag, zu den vom Versicherer vorgenommenen Abzügen Stellung zu nehmen.
Am gleichen Tage erhielten wir von Ihnen den Schriftverkehr zu diesem Vorgang.

Vorwort:

Gemäß unseren AGB (Preisblatt/Anmerkung/ Satz 4) sind Stellungnahmen für zu Unrecht angegriffene Gutachten kostenpflichtig.

Zur „Prüfung Gutachten der „Firma ControlExpert " vom 10.04.2007

mit dem Aktenzeichen dieser Firma: 70 07-163476 1_

Vorgangsnummer 704571

Name des Prüfers: Anonym, keine Angabe

1.) Zu den Kürzungen bei den Stundenlöhnen:

Die vorgenommenen Kürzungen bei den Stundenverrechnungssätzen sind gemäß der BGH- Entscheidung vom 29.04.2003 AZ VI ZR 398/02 nicht gerechtfertigt.

Hierauf haben wir bereits in unserem Gutachten unter XVII. Bemerkungen zu den Stundenverrechnungssätzen eindringlich hingewiesen.

Daher weiß auch die Sachbearbeiterin der Versicherung, Frau B. von der Unrechtmäßigkeit einer solchen Vorgehensweise.

Die vorgenannte Rechtsprechung ist auch der Firma „ControlExpert" bekannt, trotzdem wird hier zum Wohle der Versicherung gekürzt.

Im gegenständlichen Fall haben wir mit den ortsüblichen Stundenverrechnungssätzen der xxxxx- Vertragshändler in München kalkuliert.

Die von der Firma „ControlExpert" angesetzten Stundensätze liegen im Übrigen noch erheblich unter den, von der Firma Dekra bereits im Mai 2005 ermittelten „mittleren Stundensätzen" für die Region PLZ 81675.

Auch diese Zahlen sind der Firma „ControlExpert" hinlänglich bekannt, denn sie wurden (zumindest bis zum 30.09.2005) ausschließlich unter folgender Web- Adresse veröffentlicht:

www.controlexpert.de/stundensaetze/StundenSaetze.aspx

Zu den vorgenommenen Abzügen:

1.) Bei den Arbeitslöhnen:

siehe vorstehende Ausführungen Abzüge nicht gerechtfertigt

2.)Bei den Lackierungskosten:

siehe vorstehende Ausführungen Abzüge nicht gerechtfertigt

3.) Abzug Farbmusterblech/ Mischanlage

zwingend erforderlich und üblich
und nach BGH- Rechtsprechung auch bei fiktiver Abrechnung
zu erstatten Abzüge nicht gerechtfertigt

4.) Abzug Verbringungskosten:

im gegenständlichen Fall wurde die Verbringung zum
Lackierer mit einer Stunde, sowie die weitere Verbringung
zur Erneuerung der Werbung mit ebenfalls einer Stunde
angesetzt.

Verbringungskosten sind gem. BGH- Rechtsprechung
auch bei fiktiver Abrechnung zu erstatten, .daher sind Abzüge nicht gerechtfertigt

ebenso folegnde Oberlandesgerichte:

OLG- Dresden, AZ: 13 U600/01 / OLG Düsseldorf, DAR 2002,68 / OLG Hamm, AZ: 13u135/97 /
OLG Koblenz, NVZ 98,465

5.) Abzug Fahrzeugreinigung:

fällt regelmäßig nach durchgeführter Reparatur an, daher Abzüge nicht gerechtfertigt

6.) Abzug Prüfposition (Hinterrad)

eine Sichtprüfung von außen führte bereits der Unterzeichner
durch und stellte Kontaktspuren an der Reifenflanke außen
fest, deshalb ist der Reifen zu demontieren und von innen
auf Schäden (Gewebebruch) zu prüfen, daher sind auch hier Abzüge nicht gerechtfertigt

3.) Zusammenfassung:

Wir haben unser Gutachten technisch einwandfrei und vor allem rechtskonform erstellt.
Abzüge sind daher k e i n e s f a l l s gerechtfertigt.

Nach unserer Meinung wurde die Firma „ControlExpert" zu dem Zweck installiert, damit einige Versicherungen die unfallgeschädigten Opfer entschädigen, entgegen höchstrichterlicher und ständiger Rechtsprechung.

Dies erklärt auch die Tatsache, dass in diesem „amtlich erscheinenden Prüfbericht" jeglicher Hinweis auf den Verfasser dieser sog. „Prüfung Gutachten" fehlt, wahrscheinlich schämt er sich selbst einer solchen Vorgehensweise.

Der zertifizierte Sachverständige

Eberhard Planner

Nachwort des Verfassers:

Offensichtlich bedienen sich immer mehr Versicherungen solcher Schadenminimierer.
Hier noch einige Meinungen dazu aus Presse, von renommierten Anwälten und Verbrauchern:

In www.Stern.de vom 06.04.2004 bezeichnet Rechtsanwalt Jochen Pamer aus Wassertrüdingen diese Vorgehensweise als "…trickreiche Abzocke der Versicherungen"

Der namhafte Jurist Jürgen Gebhardt vom deutschen Anwaltsverein, führt zu einer solchen Vorgehensweise aus:.

„Ich würde zumindest mal prüfen, in den Fällen, wo der BGH das ausdrücklich entschieden hat, beispielsweise mit den mittleren Stundenverrechnungssätzen. Da sollten sich die Kollegen oder
die Geschädigten überlegen, ob sie nicht Strafantrag wegen Betrugs stellen, denn das halte ich für einen Betrug."

Nachzulesen unter: www.plusminus.de

Kommentar in www.captain-huk.de

Zitat (zum Schmunzeln, wenn es nicht so ernst wäre) in einem dort:
„…Tatsächlich haben diese "Experten" nur das zu schreiben, was die Auftraggeber vorgeben und es ist längst überfällig, einer solchen Vorgehensweise mit allen Mitteln Einhalt zu gebieten, zumal unterstellt werden darf, dass ihnen die Gesetzwidrigkeit ihrer Aktivitäten durchaus bekannt sein dürfte, wie auch die Tatsache, dass sie Rechtsfragen abhandeln, die nicht zu ihrem Aufgabenkreis gehören.
Ein Richter soll in einem Rechtsstreit solchen Bestrebungen, mit eine Schaden-/Reparaturbericht den Schadenersatzanspruch zu verkürzen, in einer öffentlichen Sitzung wirkungsvoll entgegengetreten sein. Zu der Ermittlung der berücksichtigten Verrechnungssätze konnte der Sachverständige keine glaubwürdigen und nachvollziehbaren Erklärungen anbieten, worauf der Richter ihn gefragt haben soll, ob er nicht auch erfolgreich als Maler beruflich seine Brötchen besser hätte verdienen können.
Der angesprochen Experte soll dann etwas hilflos dreingeschaut haben, worauf dann der Richter erklärt haben soll, dass er im Streichen ja doch schon eine gewisse Professionalität an den Tag gelegt habe.
„Dem ist nichts hinzuzufügen, weil es zeigt, auf welchem Niveau immer noch versucht wird, Schadenersatzansprüche zu reduzieren."
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Anmerkung des Verfassers:

Bei der Beurteilung dieser ungeheuerlichen Vorgehensweise schließen wir uns der Meinung des vorgenannten Juristen an.

Ich gehe davon aus, dass es sich bei dieser Versicherung um einen einmaligen Ausrutscher der Sachbearbeiterin handelt, daher nenne ich den Namen der Gesellschaft vorerst nicht.
Sollten mir jedoch weitere Fälle dieser Art bekannt werden, nenne ich hier „ Ross und Reiter",
wie dies auch alle Kollegen machen sollten, denen solche Machenschaften bekannt werden.

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