Datenschutz und Datensammlung

Dieser Artikel hat zwar nichts mit der Schadenregulierung einer Versicherung zu tun, ist aber ein schönes Beispiel welche Daten von Unternehmen gesammelt werden und wie Kunden behandelt werden, die die Löschung nicht benötigter Daten verlangen.

Jeder kennt die Internetauktionsplattformen. Auch in unserer Familie wird immer mal wieder etwas er- oder versteigert. Der Paketdienstleister Hermes bietet seit einiger Zeit einen „Service“ an, der sich Shop2Shop nennt. Wenn ich etwas ersteigere und der Verkäufer versendet über Hermes, kann er das Paket an den Paketshop in meiner Nähe senden und ich kann es dort abholen. Vorteil für den Verkäufer ist eine Ersparnis von 10 Cent. Vorteil für den Käufer ist die Möglichkeit, dass das Paket abgeholt werden kann, wenn der Käufer Zeit hat und nicht wann der Paketdienst vorgefahren kommt.

Auf der Hermes-Homepage wird dieser Dienst beworben und unter anderen heißt es dort:

Shop2Shop ist genau der richtige Service für Sie, wenn Sie Pakete besonders günstig verschicken wollen oder als Empfänger selber darüber entscheiden möchten, wann Sie ihre Pakete erhalten. Die Abgabe und die Zustellung Ihrer Sendung erfolgen direkt in den rund 14.000 PaketShops. Als Empfänger werden Sie per E-Mail über das Eintreffen des Paketes informiert und können es dann gleich oder einfach später abholen.

 
Weiter heißt es in den FAQ:

Wie erfolgt die Abholung am PaketShop?
Das Paket kann nur vom Empfänger und nur gegen Vorlage eines gültigen Personal- oder Reisepasses abgeholt werden. Geben Sie aus dem Grund immer einen personenbezogenen Empfänger an und keine Firma.

Es scheint sich also um einen ganz normalen Vorgang zu handeln, denn ich muss mich auch bei der Post ausweisen, wenn ich dort ein hinterlegtes Paket abhole.

Im Hermes Paketshop sind die Mitarbeiter angewiesen immer auch die Ausweisnummer zu den Sendungsdaten mit zu speichern. Und das unabhängig davon, ob der Abholer dem Mitarbeiter persönlich bekannt ist oder nicht. Die Ausweisnummer wird dann an die Hermes-Zentrale übertragen und dort gespeichert.

Jetzt will aber nicht jeder seine Ausweisnummer einfach so speichern lassen. Da wir jedoch ein Paket dringend benötigt haben, hat meine Frau notgedrungen die Ausweisnummer aufschreiben lassen. Am selben Tag haben wir dann Hermes angeschrieben und zur Löschung der Ausweisnummer aufgefordert.

Von Hermes erhielten wir dann ein Schreiben, mit dem uns die Löschung verwehrt wird, da nach § 8 Abs. 2  PDSV, eine Speicherung erlaubt sei. Sehen wir uns also mal den Absatz 2 des § 8 PDSV (Ausweisdaten) an:

„Die Art des Ausweises, die ausstellende Behörde sowie die Nummer des Ausweises und das Ausstellungsdatum können zum späteren Beweis der ordnungsgemäßen Ausführung des Postdienstes gespeichert werden, wenn ein besonderes Beweissicherungsinteresse besteht.“

Aha, die Ausweisdaten können gespeichert werden, wenn ein besonderes Beweissicherungsinteresse besteht. Das hört sich für mich eher nach der Ausnahme denn der Regel an. Und da vor Absatz 2 im Regelfall der Absatz 1 kommt, lesen wir den auch:

„Diensteanbieter können von am Postverkehr Beteiligten verlangen, sich über ihre Person durch Vorlage eines gültigen Personalausweises oder Passes oder durch Vorlage sonstiger amtlicher Ausweispapiere auszuweisen, wenn dies erforderlich ist, um die ordnungsgemäße Ausführung des Postdienstes sicherzustellen.“

Aha, Dienstanbieter können (müssen also nicht) die Ausweisung verlangen, wenn dies erforderlich ist. Das hört sich für so an, dass dann, wenn der Abholer persönlich bekannt ist, nicht einmal der Ausweis vorgelegt werden muss.

Eine Speicherung der Ausweisdaten ist also weder zwingend erforderlich noch kann ich erkennen, dass irgendein wie auch immer gearteter Sonderfall vorliegt. Außerdem hat Hermes ja mit dem ersten Schreiben eine Bestätigung, dass das Paket ordnungsgemäß angekommen ist bzw. abgeholt wurde. Einer Löschung würde jetzt also nichts mehr im Wege stehen. Aber auch auf die zweite Aufforderung (mit entsprechender Erklärung) verwies Hermes stereotyp auf §8, Abs. 2 PDSV, als ob man mein Schreiben gar nicht gelesen habe. Zu diesem Zeitpunkt war im übrigen auch schon lange die Frist für die Geltendmachung von außen nicht erkennbarer Transportschäden abgelaufen…

Da sich Hermes noch immer stur stellt, habe ich nun die Dieststelle des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit angeschrieben und um Prüfung und Klärung der Frage gebeten, ob die Speicherung zulässig, erforderlich und notwendig ist und ob eine Löschung verlangt werden kann.

Jetzt kann der ein oder andere auf Idee kommen, dass ich (bzw. meine Frau) micht nicht so anstellen soll, was ist denn schon dabei…

Das Problem ist die mögliche (und einfache) Zuordnung der Namen- und Adressdaten mit der Ausweisnummer, die weitere Informationen enthält. Damit ist es möglich, sich für jemanden auszugeben, der man gar nicht ist und viele Behördengänge sind heute schon online mit der Ausweisnummer möglich. Hermes behauptet zwar, dass eine sichere Datenübertragung vorläge, aber es gibt viele Wege, auf denen Daten „verloren“ gehen, da haben schon ganz andere Firmen Probleme gehabt.

Ich habe das berechtigte Interesse, dass so wenig wie möglich meiner Daten oder der Daten meiner Familie in Umlauf sind und wo ich die Datensammelwut beschränken kann, versuche ich das auch.

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