DER SPIEGEL 13/1963 „SPIEGEL-Report über Gebrauchtwagen-Schätzungen“

GEBRAUCHTWAGENPREISE ,  SV-HONORARE  und  FRAUNHOFER – Nichts, was sich nicht (schon immer) manipulieren lässt?

KONZERTMEISTER TAXIEREN AUTOS

SPIEGEL-Report über Gebrauchtwagen-Schätzungen

240 000 gebrauchte Automobile wurden im vergangenen Jahr von Sachverständigen taxiert, bevor sie ihren Besitzer wechselten. Jeweils drei von vier Kunden, die 1962 einen neuen Wagen kauften, gaben ein gebrauchtes Kraftfahrzeug in Zahlung. In diesem Jahr soll die Zahl der Altwagen, die vor dem Verkauf von Schätzern beurteilt werden, nach dem Willen organisierter Händler weiter steigen. Denn diese Händler wollen künftig nur noch taxierte Modelle ankaufen. Die Sachverständigen, die das Schätzgeschäft betreiben, geben sich als neutrale Experten aus und notieren die von ihnen festgesetzten Preise auf Urkunden mit amtlichem Charakter. Indes, 24 Schätzungen in westdeutschen Städten haben bewiesen, daß die angeblich unabhängige Experten beeinflußt werden und Autos deshalb unterschiedlich bewerten. Ihre Schätzpreise für dieselben Wagen differierten um Beträge bis zu 1400 Mark.

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Für dieses Entgelt müssen sich unabhängige Sachverständige gefallen lassen, daß die DAT sie an die Kandare nimmt und in ein Korsett detaillierter Schätzvorschriften zwängt. So sind sie in den Ruf gekommen, gebrauchte Autos privater Kunden – im Interesse des Handels – niedrig zu bewerten.

Unzufriedene Autobesitzer haben sich daher mehrfach durch Kontrollschätzungen über die Zuverlässigkeit von DAT -Schätzpreisen informiert.

Der Zentralverband des Kraftfahrzeughandels und -gewerbes (ZdK), Frankfurt, verpackte die Forderung in ein Bukett neuer Wettbewerbsregeln und legte es dem Bundeskartellamt zur Prüfung vor. Während noch der Zentralverband alle Skeptiker beruhigte – „Wir fassen nur bestehendes Recht zusammen“ (Geschäftsführer Dr. Rolf Kulich) -, entlarvten die DAT-Konkurrenten den Trick:

Durch diese Wettbewerbsregeln sollte künftig jedem Autohändler untersagt werden, alte Wagen zu einem höheren Preis in Zahlung zu nehmen, als ein „gewissenhafter“ Schätzer es vorgeschrieben hat. Da der Handel die Gewissenhaften aus verständlichen Gründen bei der DAT suchen wird, sind die Konsequenzen klar.

Die Industrie gab schließlich offen zu, was mit diesem Schritt beabsichtigt ist, Dr. Johann Heinrich von Brunn, Geschäftsführer des Verbandes der

Automobilindustrie (VdA) und ehemaliger DAT-Prokurist:

„Die beste Lösung ist es … in der Vereinbarung über die Preisbindung festzulegen, daß jede Überschreitung eines Schätzwertes als Überbewertung anzusehen ist, den ein Schätzer einer … allein maßgeblich zu bezeichnenden Schätzorganisation ermittelt hat.“ Und an anderer Stelle: „Die DAT-Schätzung ist ein guter Weg, um in Zweifelsfällen zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen.“

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Die eine Hälfte des DAT-Gesellschafterkapitals befindet sich in den Händen des Händlerverbandes, die andere Hälfte beim Verband der Automobilindustrie und den Zweiradherstellern.

Quelle: DER SPIEGEL 13/1963, alles lesen >>>>>>>>>>>

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