Die Rechtsauffassung des HDI zum Thema Reparaturschaden

Ich hatte vor kurzem ein sehr interessantes Gespräch mit einem Mitarbeiter des HDI.

Dieser hatte ein Gutachten von uns erhalten. An dem Fahrzeug lag ein Reparatuschaden von ca. 1700,- Euro brutto vor. Der Wiederbeschaffungswert beträgt 2000,- Euro. Der Kunde will fiktiv abrechnen, weil sein Fahrzeug mit wenig Aufwand fahrbereit gemacht werden kann. Den verbleibenden Restbetrag will er in die Reparatur von zwei Roststellen stecken, da dies dringlicher ist als die Behebung des eingetretenen Unfallschadens.

In dem Telefonat fragt mich der SB zuerst, warum ich keinen Restwert im Gutachten angegeben habe, worauf ich ihm antworte, dass das Fahrzeug nicht verkauft werden soll. Im Gegenteil es wird eine Teilreparatur durchgeführt und das Fahrzeug wird weitergenutzt. Wenn das Fahrzeug wider Erwarten doch unrepariert verkauft werden soll, dann kann ich den Restwert auf dem regionalen, allgemeinen Markt zum Zeitpunkt des Verkaufs ermitteln, was im Übrigen viel sinnvoller ist, da dann Gebotsfristen im Regelfall noch nicht angelaufen sind. Aber kein Händler hält sich möglicherweise knapp sechs Monate an das mir übermittelte Gebot.

Nun will der SB von mir wissen, ob er die Bilder in eine Restwertbörse einstellen darf. Meine Antwort lautet schlicht, dass er alles das machen darf, was zur ordnungsgemäßen Regulierung notwendig ist. Er wiederholt seine Frage, ich wiederhole meine Antwort, insgesamt dreimal. Danach versucht er es mit Drohungen: „Wenn Sie mir das nicht erlauben, dann werde ich das Gutachten als unbrauchbar zurückweisen.“ Aha, es gehen die Argumente aus, also drohen wir mal…

Dann fragt er mich warum ich denn nicht schon das Fahrzeug in eine Restwertbörse eingestellt hätte. Meine Antwort, dass dann mein Gutachten falsch wäre, hat ihn offensichtlich verwirrt, denn nun behauptet er, es läge doch ein Totalschaden vor. Meinem Hinweis, dass es sich eindeutig um einen Reparaturschaden handelt, kann er wohl nicht folgen, denn nun behauptet er „es gibt Grenzen“. Mein Hinweis, dass es zur Beurteilung nur genau eine Grenze gibt, nämlich den Wiederbeschaffungswert, kann er anscheinend auch nicht aufnehmen.

Denn er gibt an, dass nur Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert bezahlt werden müsse bis 6 Monate vorbei sind. Auf meinen Hinweis, dass die 6 Monate keine Voraussetzung sind, sondern der Schadenersatz sofort fällig ist, verweist er auf die „vielfache Rechtsprechung“. Also weise ich ihn daraufhin, dass für ihn wie für mich erst einmal die Rechtsprechung des BGH gültig ist und da kann ich nicht erkennen, dass die 6 Monate Anspruchsvoraussetzung sind.

Der Rest des Gespräches erinnerte mich dann ein wenig an den Kindergarten, in den meine Tochter geht. Er berief sich auf die Rechtmäßigkeit seines Vorgehens, konnte mir allerdings keine Rechtsgrundlagen oder BGH-Urteile nennen. Es blieb dann bei dem Hinweis seinerseits, dass er jetzt den Restwert vom WBW abziehen würde. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung dieses netten Gespräches…

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