R+V -Versicherung versendet Fragebögen an die Anspruchsteller, teilweise unter Umgehung des beauftragten Anwalts. – R+V muss mächtig unter Druck stehen?

Hallo verehrte Captain-Huk-Leser,

Sachverständige und Rechtsanwälte hatten der Redaktion und dem Autor selbst Formulare der R+V -Versicherung mit Sitz in Wiesbaden zu Veröffentlichung hier im Blog übersandt. Die von der R+V -Versicherung übersandten Fragebögen direkt an den Geschädigten zeugen davon, dass bei ihr wohl mächtig Druck entsteht, wenn der bei ihr versicherte Halter des Unfallfahrzeugs oder der Fahrer des bei ihr haftpflichtversicherten Fahrzeugs persönlich in Anspruch genommen wird für Beträge, die die R+V-Versicherung rechtswidrig nicht reguliert hat? Sicherlich ist aufgund der gesetzlichen Bestimmungen das Unfallopfer berechtigt, den Unfallverursacher persönlich, und nicht den dahinterstehenden Versicherer, wegen der Restschadensbeträge gerichtlich in Anspruch zu nehmen. Allerdings ist den Versicherern diese Vorgehensweise ein Dorn im Auge. Aufgrund der vom Unfallverursacher begangenen unerlaubten Handlung im Sinne der §§ 823 ff, 249 ff BGB haftet der Schädiger dem Opfer gegenüber persönlich auf Schadensersatz. Im Falle des Verkehrsunfalls haften neben dem Fahrer auch der Halter und die Pflichtversicherung gemäß der §§ 7, 17, 18 StVG. Diese haften als Gesamtschuldner, so dass der Glaübiger, also der Geschädigte, von jedem den gesamten Rest fordern kann. Das ergibt sich aus der gesamtschuldnerischen Haftung.

Wir meinen, dass es ein Unding ist, vom Unfallopfer erfahren zu wollen, warum er welchen Anwalt zu welcher Zeit und wo beauftragt hat.

Der Geschädigte fragt ja auch nicht, warum der Schädiger gerade bei der R+V-Versicherung versichert ist und nicht bei einer möglicherweise besseren Versicherung. Die Beantwortung der aufgeworfenen Fragen geht die R+V-Versicherung nichts an. Welchen Sinn hat daher dieser Fragebogen? – Er will offenbar einen Keil treiben in das Verhältnis zwischen Mandant (Geschädigtem) und Anwalt. Dabei vergessen die Versicherer aber, dass sie es waren, die durch das aktive Schadensmanagement täglich Nötigung betreiben. Nötigung betreiben ausschließlich die Versicherer mit ihrem aktiven Schadensmanagement, mit dem sie jeden Tag die Beschädigten behämmern. Frei nach dem Motto:

„Mir zahlet net, wenn´s net so g’macht werd, wie mir wellet“

oder so ähnlich. Diese Sprüche gibts in bayerisch, schwäbisch, hessisch, berlinerisch, hochdeutsch und hanseatisch. Die Einschaltung eines Rechtsanwalts ist nichts anderes als die reine Notwehr gegen den Kürzungswahnsinn des rechtswidrigen Schadensmanagements. Und keiner, der einen Anwalt empfiehlt oder noch so dringend dazu rät, verstößt damit gegen irgend ein Gesetz oder sonst etwas. Das sind nur gut gemeinte Empfehlungen. Zu diesen Empfehlungen ist die Gemeinschaft der Geschädigten quasi aufgerufen, weil die Versicherer die Geschädigten seit Jahren mit brutalster Gewalt  „über den Tisch ziehen“. Sie vergießen dann Krokodilstränen, wenn es etwas durch  den Geschädigten und dessen Anwalt auf die Finger gibt, weil die Geschädigten sich den gekürzten Rest des berechtigten Schadensersatzes vom Schädiger direkt mittels der angerufenen Gerichte holen. Plötzlich stehen die Versicherer nicht mehr so blendend da, wie sie immer vorgeben. 

Die Panikreaktion der R+V-Versicherung mit diesem Fragebogen, den wir nachstehend veröffentlichen, kann man durchaus als Parameter für unseren Erfolg werten. Ein „Feedback“ sozusagen. Die Versicherer bekommen es nämlich inzwischen wohl richtig mit der Angst zu tun, dass wir nun auch den letzten zum Anwalt leiten, indem wir immer wieder darauf hinweisen, wie wichtig anwaltliche Hilfe bei der Geltendmachung der Schadensersatzansprüche nach einem Verkehrsunfall ist?

Offensichtlich bewegt sich schon etwas deutlich (nach oben) auf dem Kostenkonto „Rechtsanwaltsgebühren“. In der Vergangenheit sind angeblich weniger als 10 % zum Rechtsanwalt gelaufen. Wenn nun aber der Anteil z.B. nur auf 50 oder 60% ansteigt, dann wird es eng für die Versicherer. Denn ca. 500 Euro (Anwaltshonorar) x 2 Mio Schäden = 1 Mrd Euro. Dazu kommen dann noch die Kürzungsbeträge, die mit dem eingeschalteten Anwalt meist erfolgreich eingeklagt werden. Das macht dann noch einmal ca. 500 Euro x 2. Mio Schäden = eine weitere Milliarde Euro. Macht summa summarum ca. 2 Mrd Euro Mehraufwendungen für die Branche.

Das bedeutet  für die Allianz und die HUK-COBURG dann jeweils ca. 400 Mio. Euro Zusatzkosten. Bei der HUK-Coburg  dreht sich das Konzern-Betriebsergebnis damit in Richtung Minus. Wenn dann irgendwann alle beim Anwalt sitzen – und darauf läuft das aggressive Schadenmanagement der Versicherer ja zwangsläufig hinaus – muss am Ende der Staat noch die Kfz-Haftpflichtversicherer retten analog der maroden Banken. Ein Schreckgespenst, was da am Horizont aufzieht. „Geiz ist Geil“ führt eben nicht immer zum Erfolg. Manchmal kann es auch mit Vollgas ins Verderben führen. Die Rechnung wird am Schluss gezogen, denn die Zeche kommt ja bekanntlich immer am Schluss. Diese Binsenweisheit hatten die „Versicherungsstrategen“ offenbar wohl nicht eingeplant? Bei der R+V-Versicherung scheint die Stimmung im Vorstand offenbar äußerst schlecht zu sein? Denn anders ist der Fragebogen nicht zu deuten. Diese in den Versicherungen vorherrschende miese Stimmung sollten wir  als Kompliment für unsere Arbeit und gleichzeitig als Etappensieg für uns werten.

Wie kann man dem „Schwachsinn“ der R+V begegnen? – Eine Möglichkeit wäre es, unserer Meinung nach, dass in Verkehrsunfallangelegenheiten jeder Anwalt seine Mandanten gleich von Anfang an eingehend darüber informiert, z.B. auch mit einem Merkblatt, dass sämtliche Schreiben der Versicherung durch den Mandanten grundsätzlich nicht beantwortet werden, sondern geradewegs auf dem Tisch des Anwalts landen. Dieser übernimmt dann das weitere Procedere.

Was denkt Ihr? Vielleicht habt Ihr auch noch andere Gedanken. Gebt bitte Eure Kommentare ab.

Viele Grüße und noch eine schöne Woche.
Willi Wacker

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Die Versicherung hat mir zur Beauftragung des Anwalts Fragen gestellt, die ich so beantworte:

Wir sind Haftpflichtversicher des Unfallgegners. Haben Sie einen Anwalt beauftragt, für Sie Schadensersatzanspruche bei uns wegen des an Ihrem Fahrzeug entstandenen Schadens geltend zu machen?
o  Nein                      o  Ja

Wenn Sie einen Anwalt beauftragt haben, dann haben wir noch weitere Fragen.

Waren Sie jemals persönlich in der Anwaltskanzlei?
o  Nein                      o  Ja

Kennen Sie den Anwalt, der bei uns die Ansprüche geltend macht, persönlich?
o  Nein                      o  Ja

Woher haben Sie die Anwaltsvollmacht, die Sie unterschrieben haben, bekommen?

o  Vom Anwalt selbst bzw. in der Anwaltskanzlei
o  Ich habe sie im Internet heruntergeladen und ausgedruckt
o  Jemand hat sie mir gegeben. Das war____________________________ (Name)

Wo haben Sie die Anwaltsvollmacht unterschrieben?
in der Anwaltskanzlei  o                bei mir zuhause  o            in meiner Werkstatt  o
woanders, und zwar     ________________________________________ (Ort)

Haben Sie den Anwalt aus eigenem Entschluss aufgesucht,  oder hat Ihnen jemand gesagt, daß Sie einen Anwalt nehmen sollten?

o  Ich habe den Anwalt aus eigenem Entschluss genommen.
o  Jemand hat mir gesagt, ich sollte einen Anwalt nehmen. Das habe ich gemacht.

Wenn Sie einen Anwalt genommen haben,  weil Ihnen jemand den Rat dazu gegeben hat haben wir noch eine Frage.

Hat derjenige, der Ihnen den Anwalt empfohlen hat. Druck auf Sie ausgeübt?

o  Nein, das war nur ein Tipp. Meine Entscheidung war freiwillig.
o  Ich bin überredet worden, den Anwalt zu beauftragen. Nur darum habe ich das gemacht. Von mir aus hätte ich diesen Anwalt nicht genommen.
o  Die Werkstatt hat mir gesagt, daß sie mein Auto nicht repariert, wenn ich den Anwalt
nicht beauftrage.
o  Mir wurden andere Nachteile in Aussicht gestellt, und zwar:
__________________________________________________________

Diese Fragen habe ich vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet.

………………………..                                      …………………………
Ort, Datum                                               Unterschrift

Den Fragebogen konnten wir nicht einscannen, so dass er von uns abgetippt wurde. Gebt jetzt bitte Eure Kommentare ab.

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