Wunschkonzert der Allianz Versicherung AG: „Wir machen uns die Schadenregulierungswelt, wiedewiedewie sie uns gefällt“

Rechtswidriges Schadenmanagement der Versicherer bei der Regulierung von Unfallschäden gehört ja inzwischen zum Tagesgeschäft und hat wohl die komplette Versicherungsbranche infiziert? Ein Mitstreiter dieser „Fraktion“ ist die Allianz Versicherung, die sich inzwischen auf die rabiate Kürzung von berechtigten Schadensersatzforderungen regelrecht spezialisiert hat. Wie sich der „Foulplayer“ Allianz eine „auskömmliche“ Schadenregulierung zu Lasten des Geschädigten vorstellt, wird besonders deutlich an dem folgenden Vorgang.

Zugrunde liegt folgender Sachverhalt:

Unfalltag war der 08.05.2013.
Der Geschädigte nimmt Kontakt auf zur gegnerischen Versicherung (Allianz Versicherung AG) und reicht wunschgemäß den Kostenvoranschlag einer BMW-Werkstatt ein. Die Schadenshöhe gemäß Kostenvoranschlag beläuft sich auf 4.370 EUR netto.

Die Allianz Versicherung AG verweigert die Regulierung mit der Argumentation, der Kostenvoranschlag sei unbrauchbar. Die Allianz gibt ein (Wunsch?)Gutachten bei der DEKRA in Auftrag. Es kommt zur Fahrzeugbesichtigung. Ein Gutachten oder ein Ergebnis des Gutachtens erhält der Geschädigte jedoch nicht.

Nachdem sich nichts „bewegt“, beauftragt der Geschädigte am 02.06.2014 eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Abwicklung des Unfallschadens. Diese holt ein unabhängiges Sachverständigengutachten ein im Auftrag des Mandanten. Der Schaden gemäß Sachverständigengutachten beläuft sich auf 3.040 EUR netto.

Auf Grundlage dieses Gutachtens werden die Ansprüche sofort bei der Allianz geltend gemacht.

Die Antwort der Allianz auf das Forderungsschreiben: „Der Vorgang befindet sich in der technischen Prüfung“.

Eine Woche nach Fristablauf erfolgt die Klageeinreichung durch den Rechtsanwalt.

2 Tage nach Klageeinreichung kommt das u.a. Schreiben der Allianz vom 02.07.2014.

Das Dekra-Gutachten (vom 03.06.2014) wurde seitens der Allianz zu keiner Zeit vorgelegt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

den unten genannten Zahlungsbetrag haben wir mit dem heutigen Datum auf das Konto … überwiesen.
(Zu Ihrer Information: Wir stellen das bisherige Überweisungsverfahren auf das SEPA-Verfahren um, das ab 2014 europaweit gilt. Sofern es möglich war, haben wir für diese Abrechnung bereits die SEPA-Angaben IBAN und BIC anstelle der früheren Bankverbindungsdaten KTO / BLZ verwendet.)

Der Betrag setzt sich wie folgt zusammen:

kalkulierte Reparaturkosten ohne Mehrwertsteuer        2.257,22 EUR
Kostenpauschale                                    30,00 EUR
Nicht zu erstatten                                 -10,00 EUR
Differenzbetrag                                                                  20,00 EUR

Zahlungsbetrag                                                             2.277,22 EUR

Als Regulierungsgrundlage wurde das Sachverständigengutachten der DEKRA vom 03.06.2014 verwendet. Diese Kalkulation beschreibt den zur Wiederherstellung benötigten Reparaturweg mit durchschnittlichen Stundenverrechnungssätzen und ohne Ersatzteilpreisaufschläge und Verbringungskosten.

Weiterhin teilen wir Ihnen mit, dass wir das Honorar des Sachverständigen … nicht übernehmen. Die Beauftragung des Sachverständigen war nicht erforderlich, da bereits ein Kostenvoranschlag und ein Sachverständigengutachten der DEKRA erstellt wurden. Mit der Beauftragung des Sachverständigen wurde folglich gegen die Schadenminderungspflicht verstoßen.

Die Kostenpauschale haben wir in angemessener Höhe erstattet.

Sollten Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung – Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Allianz

Noch einmal in der Zusammenfassung:

1. Der Kunde holt auf Veranlassung der gegnerischen Versicherung einen Kostenvoranschlag bei seiner Werkstatt ein = Personalkostenaufwand zu Lasten der Werkstatt.

2. Die Allianz beauftragt die DEKRA zur Gutachtenerstellung auf Grundlage durchschnittlicher Verrechnungssätze (= bereits Geschichte seit 2003 – BGH VI ZR 398/02) sowie ohne Kalkulation von Verbringungskosten und UPE-Aufschlägen. Diese Positionen werden jedoch von den meisten Gerichten zugesprochen (siehe CH-Urteilslisten).

3. Die Allianz Versicherung verweigert die Erstattung der Sachverständigenkosten des Geschädigtengutachtens unter Verweis auf die Schadensminderungspflicht, obwohl der Geschädigte jederzeit berechtigt ist, ein eigenes Sachverständigengutachten in Auftrag zu geben. Selbst dann (oder gerade erst recht), wenn die gegnerische Versicherung bereits eines eingeholt hat. Insbesondere bei versicherungsfreundlichen Gutachten, wie es hier offensichtlich der Fall zu sein scheint, gibt es überhaupt keine Diskussion. Warum wohl rückt die Allianz das „Gutachten“ der DEKRA nicht heraus?

Bei dieser Schadensabwicklung sieht man sehr genau, was die Versicherer umtreibt, indem man freie und unabhängige Kfz-Sachverständige an allen Fronten ständig torpediert. Die Versicherer wollen die komplette Schadensabwicklung in den Griff bekommen und selbst bestimmen, wie hoch bzw. wie unvollständig der Schaden ausgeglichen werden soll. Die freien und unabhängigen Sachverständigen sind hierbei ein erheblicher „Störfaktor“, den es zu beseitigen gilt. Die letzte Bastion sozusagen, die sich für eine ordnungsgemäße Entschädigung der Geschädigten (nach Recht und Gesetz) einsetzt.

Was lernen wir daraus? Der Hinweis zur Einholung eines Kostenvoranschlages auf Drängen der Versicherer ist nur ein Trick, um den Geschädigten davon abzuhalten, zum Gutachter zu gehen. Welche Kosten für den Kostenvoranschlag anfallen, ist den Versicherern in der Regel nämlich völlig egal, weil man mit allen Schlichen versucht, sich um diese Kosten zu drücken. Bei konkreter Abrechnung würden diese Kosten sowieso in der Reparaturrechung untergehen. So zumindest eine Argumentation der Versicherer.

Wer hat eigentlich das Märchen in die Welt gesetzt, dass eine Werkstatt die Kosten für einen Kostenvoranschlag nicht in Rechnung stellen kann, wenn das Fahrzeug im Anschluss daran repariert wird? Warum soll ein Kfz-Betrieb den Kostenaufwand für die Erstellung eines Kostenvoranschlages nicht separat in Rechnung stellen können? Der Zeitaufwand für diese Dienstleistung ist doch tatsächlich entstanden – unabhängig davon, ob das Fahrzeug später repariert wird oder nicht.

Aber zurück zur Strategie der Versicherer.

Mit der Einholung eines Kostenvoranschlags wird der Geschädigte zuerst einmal „beschäftigt“ und „ruhig gestellt“. Außerdem läuft dadurch schön die Zeit = Zinsgewinn der Versicherer. Die Versicherer wissen natürlich sehr genau, dass bei vielen Kostenvoranschlägen seitens der Werkstätten „in den Sack gehauen wird“, dass sich die Balken biegen. Dies ist natürlich eine Steilvorlage für die Versicherer, um den eigenen Gutachter ins Spiel zu bringen. Der Weg zur Wunschregulierung ist nun eröffnet. Außerdem läuft nun immer schön weiter die Zeit = Zinsgewinn. Die Kosten für den eigenen Gutachter werden natürlich nicht gescheut. Warum denn auch? Der „Partner-Sachverständige“ erstellt selbstverständlich ein (preiswertes) Gutachten „im Auftrag und nach den Vorgaben“ der Versicherung, wobei die Kosten des versicherungseigenen Sachverständigen in der Regel deutlich geringer sind, als die vereinbarte „Einsparung“ => Billiglöhne, keine Verbringungskosten, keine Ersatzteilzuschläge, keine Lackangleichung, keine Wertminderung, hohe Restwerte aus der Restwertbörse, Wiederbeschaffungswert grundsätzlich incl. 19% MwSt usw., usw. Nicht die Versicherung, sondern der Geschädigte zahlt somit am Ende die gesamte Zeche. Also letztendlich auch die Kosten für den Gutachter der Versicherung.

Auf dieser Grundlage wird seitens der Versicherung dann abgerechnet und abgewartet was passiert. Genau die gleiche Strategie wie bei der Europapolitik.

Zitat – Jean Claude Juncker aus dem Jahr 1999:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Ein großer Anteil der Geschädigten schluckt die bittere Pille (ohne großes Geschrei) und nimmt fiktiv mit, was die gegnerische Versicherung ins Körbchen wirft. Geschädigte, die „den Braten riechen“ und bei diesem miesen Spiel nicht mitspielen wollen, werden dann eben weiter zugetextet bzw. weitergehende Forderungen einfach abgewiesen. Positiver Nebeneffekt = weiterer Zinsgewinn durch Zeitverzögerung.

In Fällen, wie dem vorliegenden, bei dem sich der Geschädigte inzwischen anwaltlich vertreten lässt, versucht man dann eben den Anwalt mit irgendwelchen Sprüchen mürbe zu machen. Bei diesem Schadensfall hat der Sachbearbeiter der Allianz den Bogen jedoch weit überspannt. Erhebliche Abzüge beim Fahrzeugschaden vorzunehmen und die Verweigerung der Sachverständigenkosten führt in den meisten Fällen in die gerichtliche Auseinandersetzung (die ja hier bereits läuft).

Noch ein Wort zu den Werkstätten. Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man das Spiel der Versicherer mitmacht. Die Erstellung von Kostenvoranschlägen zum Nulltarif? Wo gibt´s denn so was?

Ich kenne Werkstätten, die sich der Raffgier und Rafinesse der Versicherer schon lange entzogen haben. Die rufen bei jedem Schadensfall den freien und unabhängigen Gutachter. Der entscheidet dann, ob ein Gutachten erstellt wird oder (bei Bagatellschäden) nur ein Kostenvoranschlag. Im Falle eines Kostenvoranschlags wird dieser nicht durch die Werkstatt, sondern durch den Gutachter (gegen entsprechende Honorierung) angefertigt.

Positiver Nebeneffekt: Förderung des Dialogs mit der Werkstatt.

Wenn man sich nun noch vorstellt, dass der Anwalt in vergleichbaren Fällen den Versicherungsnehmer der Allianz verklagt, anstatt die Allianz, dann kann man nur zum Schluss kommen:

„Hoffentlich nicht Allianz versichert?“

Urteilsliste “Fiktive Abrechung u. SV-Honorar” zum Download >>>>>

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