„Versicherer fürchten Rettungssystem für Autos“ ach ja und „Brüssel will sich mit allen Interessengruppen beraten“

Laut FINANCIAL TIMES deutschland will die EU Autohersteller und Mobilfunkanbieter zur Umsetzung eines elektronischen Sicherheitssystems namens E-Call (für Emergency Call, Notruf) bringen. Nach einem schweren Unfall soll das in Neuwagen installierte Gerät automatisch den Rettungsdienst alarmieren und die Koordinaten des Unfallorts mitteilen. Die EU schätzt, dass sich bei Einführung des Systems die Zahl der Unfalltoten europaweit jährlich um rund 2500 verringern lässt.

Derweil die Autohersteller mit diesem System ihre Fahrzeuge den eigenen Reparaturbetrieben zuführen wollen, Versicherer wie die HUK -Coburg um ihr mühsam aufgebautes Werkstattnetz fürchten,  mithin ihr Schadenmanagement gefährdet sehen, angesichts wieder steigender Reparaturkosten. Zumal man sich seitens der Versicherer gerade einer neuen Vision  – bei der Beauftragung von Unfallrekonstruktionen direkt an der Unfallörtlichkeit ein gehöriges Wörtchen mitreden zu können – widmet.

Die EU-Kommission  hat selbstredend für die armen Kontrahenten Verständnis und bitte demnächst in Brüssel zu Tisch.

Wie könnte die Hilfe ala E-Call nun in der Praxis funktionieren?

Der schwere Unfall ist gerade geschehen. Der/die Betroffene/n stehen unter Schock. Schließlich ist man gerade noch mal dem Tod von der Schippe gesprungen. Da klingelt das E-Call-Telefon.

Der Autohersteller ist dran.  Hilfe, Hilfe stammelt der Verletzte. Wir schicken den Autohaus-Abschlepper  – anwortet das Call-Center. Au, au ……

Und wieder klingelt das Telefon. Der Versicherer meldet sich. Wir wollen Sie daran erinnern, Sie haben einen Versicherungsvertrag mit Werkstattbindung. Mein Bein, mein Bein  – haucht es zurück.

Und noch einmal klingelt das Telefon. Wir müssen Sie bitten noch etwas auszuhalten, so der Rettungsdienst.  Wir haben erst ganz neu den Zuschlag vom Landrat  erhalten, müssen Sie wissen. Leider sind unsere neuen Mitarbeiter daher noch eine Stunde damit beschäftigt, den 1. Hilfe-Lehrgang zu absolvieren. Wir informieren aber schon mal gern für Sie den uns bekannten Bestatter, denn ihr Beifahrer scheint nicht mehr zu atmen.  DANKE bringt der Angerufene gerade noch hervor.

Derweil kommt es wie es kommen musste, ein weiteres Fahrzeug, gar mit blauer Rundum-Leuchte, rutscht den Verunglückten ins Heck.  Niemand hatte nämlich angehalten, um die Unfallstelle abzusichern.

Warum sich auch  kümmern – bei so einem neuen Fahrzeug mit elektronischen Sicherheitssystem namens E-Call – da geht doch alles wie von selbst!

Versicherer fürchten Rettungssystem für Autos

Nach dem Willen der EU soll künftig jeder Neuwagen mit einem Gerät ausgestattet sein, das bei einem schweren Unfall einen automatischen Notruf absetzt. Teile der Assekuranz sorgen sich, dass die Autohersteller die neue Technik nutzen werden, um das Schadenmanagement der Versicherer zunichte zu machen.

Die EU will Autohersteller und Mobilfunkanbieter zur Umsetzung eines elektronischen Sicherheitssystems namens E-Call (für Emergency Call, Notruf) bringen. In Neuwagen wird ein Gerät installiert, das bei einem schweren Unfall automatisch den Rettungsdienst alarmiert und wichtige Informationen wie die Koordinaten des Unfallorts weiterleitet. Zusätzlich baut es eine Sprachverbindung auf. Die EU schätzt, dass sich bei Einführung des Systems die Zahl der Unfalltoten europaweit jährlich um rund 2500 verringern lässt.

(…….)

Die Bedenken der Versicherer sind inzwischen auch bei der EU-Kommission angekommen. „Natürlich sieht die Kommission auch die Sichtweisen der Autohersteller, der Werkstätten und der Versicherer“, sagt eine Sprecherin. Brüssel will sich mit allen Interessengruppen beraten.

Quelle: FINANCIAL TIMES deuschland, alles lesen >>>>>>>>

Und an welchen Tischen sitzen die  Autofahrer mit ihren Anwälten und freien Sachverständigen?

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7 Kommentare zu „Versicherer fürchten Rettungssystem für Autos“ ach ja und „Brüssel will sich mit allen Interessengruppen beraten“

  1. Buschtrommler sagt:

    Zitat:Und an welchen Tischen sitzen die Autofahrer mit ihren Anwälten und freien Sachverständigen?

    …wenn es nach manchen Firmen geht wohl unterm Tisch…
    Aus der Sicht, Unfallopfern in ihrer Situation zu helfen ist diese Sache durchaus begrüssenswert, jedoch zum Missbrauch u.a. durch Versicherer oder sonstiger angehängter VS-Büttel (z.B. SSH, Partnerwerkstätten, Mietwagenpools etc.) sollte ein grundsätzlicher Riegel vorgeschoben werden. Da hatte schonmal früher eine Vs ihre Krallen geschärft mit den Notrufsäulen.
    Wie schon anderweitig erkannt sinkt der §249 BGB in seinem Inhaltswert…man möge dies vermeiden.

  2. Willi Wacker sagt:

    Was von Sachverständigen und Rechtsanwälten zu halten ist, wurde schon in den neunzigern vom damaligen Vorstand der Allianz öffentlich erklärt (ADAC-Motorwelt Heft 10 Jahrgang 1995, Seite 55, 56). Dieselben wurden als Wegelagerer bei der Schadensregulierung bezeichnet. Weg gekriegt hat Herr Küppersbusch sie trotz verbaler Attacken nicht. Jetzt wird wieder eine Attacke gegen sie geritten. Es wird nicht die letzte sein.
    Aber selbst am Katzentisch oder sogar unter dem Tisch (noch besser!) kann man den vermeintlich Großen vors Bein treten. Ich hoffe, dass die Autohersteller sich einmal durchsetzen.

  3. Egbert sagt:

    Hallo, Herr Willi Wacker,

    Wegelagerer bei der Schadenregulierung waren alle die Berufskreise, die dem Unfallopfer behilflich waren, berechtigte Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Natürlich ist das aus Sicht der Versicherer unerwünscht und deshalb bedient man sich ja der DEKRA und anderer Institutionen, wie beispielsweise Car-€xpert und Control-€xpert, um den Wegelagerern das Leben möglichts schwer zu machen und sie nach Möglichkeit in der Versenkung verschwinden zu lassen. Es kann aus vielerlei Gründen jedoch nicht funktionieren und warum das so ist, werde ich Euch hier jedoch nicht verraten. Gebt einfach mal Euren Visionen freien Lauf und dann seid Ihr schon mitten auf dem Weg zum Ziel, denn wir sind viel stäker als sich das so mancher Oportunist vorzustellen vermag.

    Mit freundl. Gruß

    Egbert

  4. Willi Wacker sagt:

    Hallo Egbert,
    ist mir bekannt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass RA Wortmann in der Zeitschrift Versicherungsrecht über den ADAC-Bericht geschrieben hat (vgl.Wortmann VersR. 1998, 1204 ff.Fußnoten 3 und 4 ).

    Wie die Zeiten sich doch ändern. Vor fast 20 Jahren wurden die Unfallhelfer verteufelt. Jetzt bauen sich die Versicherer selbst Helfernetzwerke auf, seien es Mietwagenfirmen, seien es Werkstätten, seien es versicherungsnahe Sachverständige oder -Organisationen. Dienstleister wie C-€ u.a. gehören selbstverständlich auch dazu.

    Mit freundl. Grüßen
    Willi Wacker

  5. Dipl.-Ing. Harald Rasche sagt:

    “Versicherer fürchten Rettungssystem für Autos” ach ja und “Brüssel will sich mit allen Interessengruppen beraten”

    Montag, 07.03.2011 um 22:07 von virus

    Ein automatisch abgesetzter Notruf bei einem schweren Verkehrsunfall ist sicher sinnvoll. Aber er muss auch – aus Sicht des Unfallopfers – den richtigen Empfänger erreichen.

    Was Versicherungen und aus welchen Gründen für den richtigen Empfänger halten, zeigt einmal mehr dieser Beitrag sehr deutlich und führt uns sehr eindrucksvoll vor Augen, dass
    dabei die Interessenlage der Unfallopfer gerade nicht im Focus steht.

    Es wäre für den vom Gesetzgeber vorgesehenen Schadenersatz und für den Weg, diesen zu erreichen, sehr schlimm, wenn die EU den Zielsetzungen der in diesem Beitrag genannten Versicherungen Rechnung tragen würde.-

    H.R.

  6. Willi Wacker sagt:

    Hallo Herr Rasche,
    Sie haben vollkommen recht. In erster Linie soll das Rettungssystem Unfallopfern helfen. Das System kann es erleichtern, verunglückte Personen schneller ausfindig zu machen und den Unfallort zu lokalisieren. Leib und Leben stehen an erster Stelle. Insoweit ist es auch sinnvoll, dass von einem verunfallten Fahrzeug Notsignale ausgesendet werden, damit der Unfallort geortet werden kann. Notarzt, Feuerwehr und sonstige Rettungsdienste gewinnen wertvolle Zeit, damit die Unfallopfer geborgen werden können. Dieses Notrufsignal muss in der Tat den richtigen Empfänger erreichen. Ein Notsignal, das bei HUK-Coburg oder Allianz oder, oder eingeht, macht keinen Sinn. Das Notsignal muss bei den Rettungstellen eingehen, nur dann macht es Sinn.

    Die Reaktion von Herrn Heitmann von der HUK-Coburg zeigt aber doch, dass es der HUK-Coburg gar nicht um das Retten der Unfallopfer geht, sondern um das Recht des ersten Zugriffs auf das Opfer. – Das möglicherweise verblutende Unfallopfer scheint gleichgültig. Wichtig ist, dass der Versicherer seinen Fuß im Rettungsgeschäft hat, um den Schaden zu steuern. Menschenverachtend ist so etwas. Ich hoffe nur, dass die Verantwortlichen der EU nicht vor der Lobbyarbeit der Versicherer einknicken und tatsächlich die Rettung der Unfallopfer im Sinn haben.
    EU wehrt die Angriffe der Versicherer ab!
    Willi Wacker

  7. Buschtrommler sagt:

    Falls noch Leute vorhanden sind, die an Politiker und ihre Unabhängigkeit glauben sollten…:
    http://www.welt.de/politik/ausland/article12908183/Korruptes-Bruessel-Politiker-aendern-Gesetze-fuer-Geld.html

    Das Kürzel >EU< bedeutet soviel wie "Ein Unding"

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