Der „Verrat“ des BVSK an den freien und unabhängigen Sachverständigen wird wohl niemals enden?

Wenn man sich übergeben will, gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist z.B. das Lesen von BVSK Rundschreiben.

Wie wir alle wissen, gibt es für freie und unabhängige Kfz-Sachverständige keine „Gebührenordnung“ und wird es so schnell auch nicht geben. Wie denn auch, wenn nicht einmal der Berufsstand geregelt bzw. geschützt ist? Trotzdem versucht der BVSK schon seit den 90er Jahren durch die Hintertüre eine „Gebührenordnung“ für Sachverständige einzuführen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Zuerst mit einer „BVSK-Honorarumfrage“ bei den eigenen Mitgliedern und dann noch zusätzlich durch ein sog. „Gesprächsergebnis“ mit der HUK Coburg Versicherung, in dem dann die eigene Honorarumfrage deutlich unterboten wurde. Mit diesen ausgehandelten „Sonderkonditionen“ des BVSK für die HUK hatte die HUK dann versucht, den gesamten Markt mit der Billig-Honorarliste zu unterlaufen. Diese „Schützenhilfe“ des BVSK hat den freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen mehrere tausend Prozesse über ein Jahrzehnt beschert. BVSK-Mitglieder waren davon übrigens auch betroffen.

Dieser Plan des „Duos“ ist jedoch jämmerlich gescheitert, da sich die meisten Gerichte nicht hinters Licht haben führen lassen. Nachdem das Bundeskartellamt Ermittlungen auf Verdacht von Preisabsprachen eingeleitet hatte, musste das „Gesprächsergebnis“ eingestellt werden. Obwohl der BVSK durch diese Affäre deutlich unter Druck geraten war, kam es kurz darauf zu einer „Neuauflage“ des Preisdumping mit der Bezeichnung  „Honorartableau 2012 HUK Coburg (basierend auf der BVSK-Honorarbefragung 2010/2011)“, das – nach Angaben des BVSK-Geschäftsführers – wieder unter Beteiligung des BVSK erstellt wurde.

Nun wurde offensichtlich mit einer weiteren Versicherung ein „Honorartableau“ erarbeitet, das unterhalb der BVSK-Honorarumfrage liegt? Es handelt sich um das „Honorartableau 2014 Provinzial Rheinland (basierend auf der BVSK-Honorarbefragung 2013)“. Um den Ball innerhalb des BVSK flach zu halten, wurden zuerst einmal nur die Landesgruppen Rhein-Wupper, Rheinland Pfalz und Ruhr darüber informiert?

Aus dem Schreiben geht klar hervor, dass der BVSK wohl mit vielen Versicherungen um das Sachverständigenhonorar schachert. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um Verhandlungen mit potentiell gegnerischen Versicherern, mit denen der Sachverständige in keinerlei geschäftlicher Beziehung steht bzw. stehen sollte. Nichtzuletzt aus Gründen der Unabhängigkeit, die ja auch immer vom BVSK propagiert wird.

Hier einige Auszüge aus dem gegenständlichen Schreiben vom 24.07.2014:

„Diese Thematik erörtern wir regelmäßig auch mit unterschiedlichen Versicherern, wobei längst nicht alle Versicherer hier derzeit gesprächsbereit sind….

…Auf dieser Ebene hat es für beide Seiten sehr konstruktive Gespräche zwischen dem BVSK und der Provinzial Rheinland gegeben…

… Wir halten es daher durchaus für vertretbar, diese Tabelle als akzeptablen Maßstab der Sachverständigenhonorierung zu bezeichnen.

…Wir sind bemüht, gerade dies auch als Gesprächsgrundlage für weitere Gespräche mit anderen Unternehmen heranzuziehen. Wir glauben, dass mit der Erklärung der Provinzial Rheinland hier auch die Chancen für entsprechende verbindliche weitere Gespräche gegeben sein könnten….

Der BVSK-Geschäftsführer versucht die Problematik der Kürzungen des Sachverständigenhonorars immer so darzustellen, als ob er der „Heiland“ sei, der die Misere lösen wolle. Dabei weiß er sehr genau, dass (nur) er alleine für dieses Chaos verantwortlich ist, indem er seit den 90ern irgendwelche Listen auf den Markt geworfen hat, die weder statistischen Erfordernissen genügen, noch repräsentativ für den gesamten Markt sein können. Im biblischen Vergleich dürfte demnach wohl eher „Judas“ zutreffend sein? Mit gerade einmal ca. 600 Mitgliedern (bei Mehrfachnennungen) versucht er zu suggerieren, dass die selbst „ermittelten“ Preise der BVSK-Mitglieder ein Abbild des gesamten Marktes darstellen? In Anbetracht der Tatsache, dass ein erheblicher Teil seiner Mitglieder sowieso versicherungsorientiert arbeitet und bei einer Zahl von ca. 10.000 Kfz-Sachverständigenbüros insgesamt wohl ein größenwahnsinniges Unterfangen?

Die Schwäche des BVSK – aufgrund der geringen Mitgliederzahl – hat inzwischen wohl auch die HUK erkannt, die in diversen Honorarprozessen argumentiert, die BVSK-Honorarbefragung habe keinerlei repräsentativen Charakter. So etwas kann einem nur passieren, wenn man „falschen Freunden“ den Rücken zukehrt? Aber was soll´s? Es gibt ja noch andere Versicherer, mit denen man „kooperieren“ kann?

Der BVSK brüstet sich zwar als größter Kfz-Sachverständigenverband im deutschen Universum, ist jedoch im Vergleich zum Gesamtmarkt völlig vernachlässigbar. Ca. 600 Sachverständigenbüros von insgesamt ca. 10.000 Büros bringt die Erkenntnis, dass 9.400 Büros wohl kein Interesse an diesem Verband haben? Wenn man dann noch berücksichtigt, wie lange es diesen „Laden“ schon gibt, eigentlich eine ernüchternde Bilanz, oder? Abzüglich der „SSH-Versicherungstruppe“ bleibt sowieso nur ein lächerlicher kleiner Haufen übrig.

Den Anflug zum Größenwahn kann man auch bestens aus dem folgenden Zitat schlussfolgern:

„Als Ergebnis der Gespräche kann festgehalten werden, dass die Provinzial Rheinland als sehr großer Regionalversicherer erklärt hat, in der Interessenvertretung freiberuflicher Sachverständiger – soweit diese durch den BVSK wahrgenommen wird – einen Gesprächspartner zu sehen, der die qualifizierten, unabhängigen, freiberuflichen Sachverständigen nachhaltig vertritt.“

Anstatt aus seinen massiven Fehlern der Vergangenheit zu lernen, fährt er den Karren für die gesamte Branche nun nur noch weiter in den Dreck. Verhandlungen zu führen mit potentiell gegnerischen Versicherern ist nicht nur eine „stillose Bankrotterklärung“ des BVSK, sondern auch brisanter Sprengstoff für weitere Auseinandersetzungen mit der „Kürzungsmafia“. Preislistenvereinbarungen mit Versicherungen durch einen kleinen Berufsverband, der nur eine Minderheit der Marktteilnehmer vertritt, bringen keinerlei Beruhigung in den Markt – wie der BVSK-Geschäftsführer stets gebetsmühlenartig beschwört – sondern werden die Auseinandersetzungen nur noch weiter verschärfen. Außerdem führen irgendwelche Listen letztendlich zum „Ausverkauf“ von Sachverständigendienstleistungen. Wer das nicht erkennen kann oder will, ist entweder geistig beschränkt oder handelt mit Vorsatz?

Interessant ist auch der Zeitpunkt, an dem die (bisher freche) Provinzial nun „schwach“ zu werden scheint. Fällt er doch just in den Zeitraum, in dem sich die gesamte Rechtsprechung zunehmend in Richtung korrekter Schadensabwicklung entwickelt. Zumindest was das Sachverständigenhonorar betrifft – nichtzuletzt durch das BGH Urteil vom 11.02.2014 (VI ZR 225/13).

Den Versicherern bliebe künftig nur die Möglichkeit, das Sachverständigenhonorar im Rahmen des Schadensersatzes vollständig auszugleichen. Als Folge von Kürzungen wären ansonsten unzählige Prozesse gegen deren Versicherungsnehmer die Konsequenz. Nachdem die Strategie mit den rechtswidrigen Kürzungen zunehmend in die Sackgasse läuft, versucht man nun ein paar Euro bei Verhandlungen mit der Gegenseite herauszuleiern. Und wer ist für eine „Verarsche“ zur Einsparung beim Sachverständigenhonorar durch Honorarlisten wohl geeigneter als der profilierungssüchtige BVSK?

In Sachen positiver Entwicklung der Rechtsprechung ist noch anzumerken, dass der BVSK hierzu keinen (wesentlichen) Beitrag geleistet hat. Vielmehr wurde stets versucht, den BVSK-Mitgliedern von einem Rechtsstreit um die Kürzungsbeträge abzuraten. Hierzu in dem aktuellen Rundschreiben:

„Kommt es allerdings zu geringfügigen Kürzungen, weil das Sachverständigenhonorar im Einzelfall oberhalb der Werte der Tabelle liegt, kann es aus juristischen, prozessökonomischen und grundsätzlichen Erwägungen sinnvoll sein, auf der Basis der hier beiliegenden Tabelle einen Rechtsstreit zu vermeiden.“

Will wohl heißen: „Scheiß auf den Rest“ und lass die anderen klagen?

Für positive Veränderungen der gesamten Rechtsprechung haben in der Hauptsache Plattformen wie z.B. Captain HUK jahrelang geackert. Auch die aktuelle BGH-Entscheidung erfolgte ohne jegliche Unterstützung des BVSK. Vielmehr war das Gegenteil der Fall. Nach Veröffentlichung der BGH-Entscheidung VI ZR 225/13 hatte der BVSK-Geschäftsführer sogleich versucht, diese richtungsweisende Entscheidung zum Sachverständigenhonorar (auch für die BVSK-Mitglieder) öffentlich zu diskreditieren.

Für mich persönlich ist es ein völliges Rätsel, dass es immer noch Kfz-Sachverständige gibt, die 1.500 Euro und mehr pro Jahr dafür ausgeben, um am Ende bei den gegnerischen Versicherern „verkauft“ zu werden? Insbesondere wenn man heutzutage alle notwendigen Informationen kostenlos aus dem Internet beziehen kann und darüber hinaus keiner Verbandsräson verpflichtet ist.

Die Neigung des BVSK zu den Versicherern ist schon lange offensichtlich. Bei den vielen SSH-Mitgliedern, die ja sowieso mit den Versicherern vertraglich verbandelt sind, kann man die „Verbandstreue“ vielleicht noch irgendwie nachvollziehen, aber bei wirklich freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen ist – meiner Meinung nach – eine Mitgliedschaft beim BVSK heutzutage ein absolutes No Go.

Siehe auch: Gesammelte Werke BVSK

Urteilsliste “SV-Honorar” zum Download >>>>>

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