Führt die Allianz Versicherung AG einen „Partisanenkrieg“ gegen die freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen ?

Wie bereits im Beitrag vom 14.04.2014 aufgezeigt, kürzt die Allianz Versicherung AG seit einiger Zeit ordnungsgemäß liquidierte Sachverständigenhonorare mit fadenscheiniger (rechtswidriger) Begründung á la HUK-Coburg.

Der eine oder andere hat sich sicher schon gefragt, welchen Ursprung die Allianz-Kürzerei beim Sachverständigenhonorar wohl haben könnte? Wie sich nun herausgestellt hat, kommt die Motivation aus den rechtswidrigen „Nebenkosten-Deckelungsurteilen“ des LG Saarbrücken und seiner „Ableger“ bei den Amtsgerichten. Der Vorsitzende Richter F. hatte damals mit seinen (bestellten?) „Schrotturteilen“ offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Zumindest hat die „Blase“ bis zum Februar 2014 gehalten. Aber Blasen mit heißer Luft platzen irgendwann zwangsläufig, wie z.B. aktuell durch das BGH-Urteil VI ZR 225/13 vom 11.02.2014.

Die Begrenzung von Nebenkosten im Schadensersatzprozess auf einen willkürlich festgesetzten Betrag von maximal 100 Euro (à la LG Sarbrücken) wurde durch die aktuelle Entscheidung des BGH eindeutig in das Reich der Fabel verwiesen.
Unabhängig davon sagt das aber auch schon der gesunde Menschenverstand. Nebenkosten sind variable Kosten und die fallen je nach Aufwand an. Mal mehr oder mal weniger, je nach Sachlage. Im Zweifelsfalle sollten die „100 Euro Richter“ einfach mal ein wenig im JVEG blättern.

Einzelpositionen einer ordnungsgemäßen Rechnung willkürlich zu beschränken ist nicht Sache des Gerichts. Schon gar nicht im Rahmen des Schadensersatzrechtes bzw. beim Schadensersatzprozesses. Diese Weisheit zieht sich durch die BGH-Rechtsprechung wie ein roter Faden (beispielhaft: VI ZR 67/06VI ZR 471/12VI ZR 528/12VI ZR 225/13).

Ein Versicherer, der mit einzelnen (eindeutigen) Fehlurteilen den Schadensersatz offensiv angreift, verhält sich nicht nur rechtswidrig bzw. rechtsmissbräuchlich, sondern auch schlichtweg unseriös. In Kenntnis von gegenläufigen BGH-Entscheidungen jedoch weiterzumachen wie bisher, ist ein Indiz für „kriminelle Energie“.

Hier eine Arbeitsanweisung zur Kürzung des Sachverständigenhonorars an die Mitarbeiter der Allianz aus dem Jahr 2012.

Nebenkosten bei Sachverständigengutachten

… 2012

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in der Vergangenheit fiel auf, dass die von den Kfz-Sachverständigen geltend gemachten Nebenkosten ungewöhnlich hoch waren.
Neben zwei Urteilen des LG Saarbrücken vom 10.02.2012 (Az.: 13 S 109/10) und 22.06.2012 (Az.: 13 S 37/12) liegt uns nun auch eine rechtskräftige Entscheidung des AG Münster vom 25.09.2012 (Az.: 28 C 1999/12) vor, in der die Nebenkosten auf 100 € netto gekürzt wurden. Diese ausführlichen und gut begründeten Entscheidungen wurden bereits an die Gruppenleiter verteilt.

Wir werden uns ab sofort bei der Regulierung der Sachverständigenkosten an diesen Entscheidungen orientieren und Nebenkosten grundsätzlich nur noch mit maximal 100 € netto abrechnen. Dabei wollen wir uns auf die Pkw-Schäden in KH-Fällen beschränken.
Höhere Nebenkosten können nur in Ausnahmefällen wie z.B. bei besonders umfangreichen Gutachten oder bei der Begutachtung von Sonderfahrzeugen berücksichtigt werden. Zweifelsfälle können der Abteilungsleitung vorgelegt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Noch Fragen?

Außerdem liegt uns noch ein Schreiben der SSH an deren „Mitstreiter“ vor, aus dem hervorgeht, dass die Allianz Versicherung sog. „Parallelbesichtigungen“ mit Hilfe der SSH durchführen lässt, „um gegen freie Sachverständige vorzugehen“. Mit dieser „Arbeitsanweisung“ wird auch deutlich, mit welcher Art von „Kollegen“ man es bei den „Schadenschnellhalbierern“ zu tun hat. Mancherorts nennt man so etwas  „Kameradenschwein“ oder schlichtweg auch „Verräter“.

Hier nun das SSH-Schreiben:

Stornierung von Allianz-Aufträgen

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus gegebenem Anlass weisen wir darauf hin, dass Besichtigungsaufträge nur nach Rücksprache mit der Allianz storniert werden dürfen.

Im aktuellen Fall wurde ein Auftrag durch die SSH storniert, weil der Kunde angab, er habe bereits ein Gutachten erstellen lassen.

Die Allianz beauftragt teilweise ein zusätzliches (KH-)Gutachten, um gegen den freien SV vorgehen zu können und das Gutachten zu bestreiten. Diese Art der Besichtigung wird als „Parallelbesichtigung“ bezeichnet und ist Teil einer (KH-)Strategie seitens der Allianz Versicherung.

Wir bitten Sie, sich strikt an diese Anweisung zu halten.

Mit freundlichem Gruß

Technischer Geschäftsführer

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an die Übermittler der Schriftstücke.

Offensichtlich geht es der Allianz Versicherung nicht NUR um den Versuch der rechtswidrigen „Einsparungen“ beim Sachverständigenhonorar, sondern um Diskreditierung bzw. um einen generellen Angriff auf die Berufsgruppe der freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen? Besonders deutlich wird das Ganze dadurch, dass nur das KH-Gutachten thematisiert wird. Nebenkosten bei Kasko-Gutachten aus eigener Beauftragung sind dabei offensichtlich ausgenommen?

Im Grunde handelt es sich um die gleiche Strategie, wie sie bereits seit 20 Jahren von der HUK Coburg erfolglos gefahren wird.
In den 90ern des vergangenen Jahrhunderts wurde schon die Absicht erklärt, man wolle die freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen vom Markt komplett „entfernen“, damit man Geschädigte mit der hauseigenen  „Schadenmanagement-Medizin“ – ohne unabhängige Beobachter – „verarzten“ sprich „verpacken“ kann. Die Strategie der Versicherer ist zwar bisher nicht aufgegangen. Aber einige arbeiten weiterhin hart daran, wie man fast täglich bei Captain HUK nachlesen kann.

Fairplay“ der Allianz  ist übrigens auch ein Teil dieser Strategie. „Schlanke“ Schadenregulierung unter Ausschluss der freien und unabhängigen Sachverständigen.

Das Ganze erscheint inzwischen schon als eine Art „konzertierte Aktion“ unter Betrachtung der Tatsache, dass seit kurzem Verstärkung im Kürzungsboot Platz genommen hat. Querverbindungen der Allianz mit der HUK-Coburg sollte man auch nicht grundsätzlich ausschließen („Pack schlägt sich…“)? Man kann gespannt sein, wer in nächster Zeit bei diesem „Boykott“ noch alles „mitrudert“?

Sofern irgendwelche Unterlagen vorliegen, die diesen Verdacht erhärten oder bestätigen, entsprechendes Material oder Schriftstücke bitte an die Captain HUK Redaktion senden.

Dieser Beitrag wurde unter Allianz Versicherung, Das Allerletzte!, Haftpflichtschaden, Sachverständigenhonorar, SSH, Unglaubliches, Willkürliches abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Führt die Allianz Versicherung AG einen „Partisanenkrieg“ gegen die freien und unabhängigen Kfz-Sachverständigen ?

  1. RA Maas sagt:

    „Partisanenkrieg“ trifft es wohl nicht ganz. Angesichts der milliardenschweren Bilanz des Allianzkonzerns wird man wohl eher von einer ungerechtfertigten Aggression einer Supermacht sprechen müssen.

    Richtig an dem Partisanenvergleich ist aber, dass die Allianz sich wohl ein altes Partisanenmotto auf die Fahnen geschrieben hat: „Ihr habt Uhren, aber wir haben Zeit.“

    Das Recht ist auf der Seite der Geschädigten/Sachverständigen, dass ist der Allianz aber egal, so lange Sie die Kürzungen ggü. anwaltlich nicht beratenen Geschädigten in Masse durchsetzen kann. Ein BGH-Urteil bedeutet der Allianz da erstmal herzlich wenig.

  2. Hans Dampf sagt:

    @ RA Maas

    Unter Betrachtung der Kräfteverhältnisse haben Sie natürlich Recht. Bei der Formulierung ging es auch mehr um die „Kampfstrategie“ der Allianz Versicherung AG. Da gibt es deutliche Parallelen zum Partisanenkampf. Nicht den offenen Kampf suchen, sondern im verborgenen agieren, um den Gegner auf allen Ebenen zu schwächen (z.B. „Parallelbesichtigung durch die SSH“, „Fairplay“ usw.). Das hätte man vielleicht etwas deutlicher herausarbeiten sollen. Für einen Versicherungskonzern dieser Größe ist diese „Partisanenstrategie“ eigentlich ein niveauloses Armutszeugnis. Zumal es für die Allianz dabei nur um „Kleingeld“ geht bzw. unterm Strich sogar eine Nullnummer ist oder das Pendel sogar ins Minus schlagen kann, sofern man wirklich alle Parameter (einschl. Außenwirkung und die Kundenpsychologie) in die Bilanz der „Sparmaßnahmen“ mit einbezieht.

    Aufgrund der Größe ist die Allianz für entsprechende Analysen aber gar nicht in der Lage, da es niemanden gibt, der den Gesamtüberblick über Kosten- und Nutzenverhältnis dieser Aktionen beurteilen könnte. Die sehen immer nur die primären Abteilungszahlen und freuen sich jedesmal – wie die kleinen Kinder – über den vermeintlichen Erfolg. Die Führungskräfte feiern sich dann immer selbst einschl. Belohnung durch einen enstprechenden Jahresbonus.

    Die Formel des Unternehmensdurchblicks ist recht einfach:

    – Ein Einzelunternehmer kann in der Regel alle Parameter seines Umfeldes stets genau erfassen. Er spürt sozusagen „hautnah“ immer sofort was läuft.
    – Bei einer Firma mit 3, 4 oder 5 Mitarbeitern geht es meist auch noch irgendwie, sofern die Kommunikation funktioniert.
    – Bei Firmen ab 10 oder 20 Mitarbeitern zieht schon der erste Nebel auf und die Sache wird zunehmend diffuser.
    – Bei 100, 1.000 oder 10.000 Mitarbeitern behindert eine Hierarchie die andere. Eine gewisse „Zähigkeit“ macht sich zunehmend breit, der viele Teile des Unternehmens lähmt. Bemerkt wird so etwas aber meist immer erst dann, wenn der Laden ins Trudeln gerät. Vorher ist immer alles bestens. Den Gesamtüberblick in einem Großkonzernen zu bekommen entspricht der Suche nach einem Diamanten in der Sahara.

    Die Formulierung „Aggression einer Supermacht“ gefällt mir übrigens auch recht gut. Werde ich bei entsprechender Gelegenheit berücksichtigen.

  3. Glöckchen sagt:

    @ RA Maas
    schon Otto Waalkes sang vor 30 Jahren das Liedchen von der „Arroganz-Versicherung“.
    Heute werden die „Aliens“ genannt.

  4. virus sagt:

    Ja, ja die Allianz (aber nicht nur die) jammern was das Zeug hält.

    Lebensversicherungen

    Werden den Kunden noch mehr Erträge vorenthalten?

    Barbara Sternberger-Frey, Finanzexpertin:

    „Also wenn man die Bilanzen liest, von Klage keine Spur, der Branche geht es gut, der geht es richtig gut. Sie hat gute Erträge, ja sie hat ihre Kapitalerträge 2012 zum Beispiel sogar steigern können.“

    Beispiel Allianz: Im Jahr 2012 erzielt der größte deutsche Lebensversicherer einen Gewinn von 487 Millionen Euro, 33 Millionen mehr als im Vorjahr. Trotzdem reduziert das Unternehmen die Gesamtverzinsung der Lebensversicherungen im Folgejahr von 4,5 auf 4,2 Prozent.

    Quelle: PLUSMINUS vom 23.04.2014
    http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/swr/2014/lebensversicherung-118.html

  5. SV sagt:

    Guten Morgen.

    Einmal keinen guten Morgen wird die Versicherungsnehmerin der Allianz haben, weil sie sicher teuer aber dennoch nicht gut versichert ist. Schreibt uns doch die Allianz:

    Zahlungsbetrag:
    Wir erstatten Ihnen für Ihre Nebenkosten pauschal 25 Euro. Bitte weisen Sie uns Ihre weiteren Kosten ins Detail nach. Sobald unsere Unterlagen vollständig sind kommen wir auf die Angelegenheit zurück.

    Sollten Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre Allianz

    Ja, ich habe zwei Fragen.

    1. Wie kann es sein, dass in einem weltweit agierenden Unternehmen augenscheinlich keiner lesen kann, weder Rechnungen noch BGH-Urteile.

    2. Wie ist die Anschrift ihres Versicherungsnehmers.

  6. Hein Blöd sagt:

    @ SV
    die Anschrift des Fehrzeughalters erfährst du für 5,10€ bei der Zulassungsstelle.
    Vonne Aliens gibs nix Info,die verstehen kein Deutsch.
    Universalübersetzer gibs nur bei Raumschiff Enterprise.LOL

  7. SV sagt:

    Ne, Hein Blöd, die bei der Allianz wissen schon, dass die Daten des VN bei berechtigten Ansprüchen an den Sachverständigen rausgegeben werden müssen. Habe ich so bereits selbst praktiziert. Hier ist weder das eine noch das andere notwendig, weil der Geschädigte alle Daten des Verursachers und des Fahrzeughalters vorliegen hat. Beide bekommen jetzt eine Zahlungsaufforderung.

  8. virus sagt:

    Des einen Gewinn ist des anderen Verlust:

    Allianz stockt nach Gewinnsprung die Dividende auf

    „Für 2014 peilt Vorstandschef Michael Diekmann einen operativen Gewinn zwischen 9,5 und 10,5 Milliarden Euro an, der damit ähnlich hoch wäre wie im vergangenen Jahr.

    Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/allianz-macht-6-milliarden-euro-gewinn-und-zahlt-mehr-dividende-a-955902.html

  9. virus sagt:

    Was haltet ihr von einer Spendensammlung für gebeutelte Allianz-Aktionäre hier bei CH?

    Allianz-Aktionäre wütend über den „Zickenkrieg“ bei Pimco

    Die Allianz-Aktionäre haben bei der Hauptversammlung ihrem Unmut über die Entwicklung beim Vermögensverwalter Pimco freien Lauf gelassen: Sie attackierten Allianz-Chef Michael Diekmann wegen des Krisenmanagements und der neuen Führungsstruktur. Unterdessen fließen die Milliarden weiter von Pimco ab.

    „Das sei ein “Eiertanz” und eines Dax-Konzerns nicht würdig, schimpfte ein Kleinaktionär.“

    Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/07/allianz-aktionaere-wuetend-ueber-den-zickenkrieg-beim-pimco/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.